Mius DareMs Abschied von Serlin.
Um es nur gleich vorweg zu sagen---
„So etwas hat der Anhalter Bahnhof aber noch nicht gesehen!" rief ganz begeistert der Mann, der mit dem Wägelchen „Reisekissen zu vermieten" am Zuge Berlin—Rom durch ein mächtiges Gedränge ben Bahnsteig entlang zu rollen ver
suchte.
Ja, lieber Mann mit den Reisekissen, du hast wirklich schon ganz recht! So etwas hat nicht nur der Berliner Anhalter Bahnhof, sondern überhaupt ganz Groß-Berlin noch nicht gesehen!
Man stelle sich doch einmal Berlin vor! Das hetzende, lärmende Berlin, das nur eine Sprache kennt — Tempo!! Tempo!! Tempo!! Und da muß nun plötzlich in der verkehrsreichen Abendstunde dieser ganze riesige Verkehr von der Nuntiatur in der Naucbstraße bis zum Anhalter Bahnhof stocken, ja, einfach stille stehen, und das sind für die, die es gerne wissen wollen, doch immerhin 3 ansehnliche Kilometer Weltstadtstrahe!
Vor dem Palais des Nuntius in der Rauchstraße aber stehen Berlins katholische Studenten zum letzten Abschied, — die Kapelle spielt auf, — und Nuntius Paeelli verläßt das Palais, die Stätte jahrelanger fsgensvoller Tätigkeit. Er schreitet zum Wagen, und wie sich nun der Zug langsam in Bewegung setzt, — voran der Wagen des Nuntius mit Ministerialdirektor Dr. Klausener von der Katholischen Aktion, — da bricht ein Jubel los aus vielen, vielen hundert Kehlen.
Und durch die ansehnlichen 3 Kilometer Weltstadtstraße, durch die der Nuntius im offenen Wagen langsam seinen Weg zum Bahnhof nehmen muß, wird Spalier gebildet!
Spalier gebildet in Groß-Berlin! Spalier von allen katholischen Organisationen. Jungmänner und Jungfrauen, Neudeutsche und Quickborn, und wie sie alle heißen, und wer sie alle sind, um doch wenigstens nur ein paar zu nennen. Aber natürlich die Gesellen sind auch dabei! Vater Kolpings brave Söhne, ohne die Berlin ja heute gar nicht mehr zu denken ist!
„Die Katholiken hab'n schon was weg!" sagt da einer, der ganz gewiß nicht katholisch ist und vielleicht nur wider Willen ins Gedränge kommt.
Nein, die Katholiken Berlins lassen es sich ganz bestimmt nicht nehmen, „ihrem" Nuntius das Geleit zu geben.
Zehntausend Fackeln stammen auf, lohen in den sturmkalten 12. Dezemberabend. Also ein Fackelzug allergrößten Stils. Und „Heil! Heil! und Hoch" klingt es und sti-allt es und dröhnt es durch die Straßen, — und wenn der Nuntius vorüberfährt, werden als letzter Gruß die Fackeln gesenkt--
„Unser" Nuntius! riefen die Jungen und „Unser" Nuntius sagen die Alten — Und das ganze katholische Volk Groß-Berlirrs ist sich eins in dieser Abschiedsstunde, eins in herzlichem Dank und flammender Begeisterung für „Unsern" Nuntius Pacelli!
Im Fürstenzimmer des Anhalter Bahnhofs bereitet das Diplomatische Korps dem Scheidenden einen letzten, kurzen Abschied. Auch ^Bischof Dr. Schreiber ist erschienen und das gesamte Diplomatische Korps, sowie die Vertreter der Reichsregierung und Preußens, der Berliner Polizeipräsident und der Kommandeur der Schutzvolizei und andere mehr.
pkach einmal bricht die helle Begeisterung los, als der Nuntius das Fürstenzimmer verläßt und zu seinem Wagen, den langen Bahnsteig entlang hinauf begibt.
Ein letztes, allerletztes Lebewohl! Der Nuntius lehnt am geöffneten Wagenfenster und winkst
Die Begeisterung wächst in ein Brausen, das Papstlied erklingt, — langsam setzt sich der Zug in ?cir^gung —, gleitet aus der hohen, weiten Vahn- hosshal e hinaus in den dunklen Abend —, ferne zum heiligen Rom---
Unb vor der Bahnhofshalle steht ein Mütterchen, ganz bewegt, noch einmal in ihren alten Sagen hell begeistert, das Taschentuch vom Winken noch krampfhaft in der Hand--
„Jetzt, wo er wirklich weg ist —, fängt der Himmel an zu weinen —", seufzt das Mütterchen und bekommt tatsächlich Tränen.
Aber reckst hat sie! Dieser 12. Dezember war ein häßlicher Sturm- und Regentag gewesen, gleich t früh vom Morgen an —, aber in der Abschieds- Itnnbe, wo die Fackeln gen Himmel brannten, unb n»n SO- ...s'.^ „ _ ßi . 1 f . ,'^___ ^ ____ f- r v • »j ^
zum letzten Mal als „ihrem" Nuntius zujubelten, fiel nicht das kleinste Tröpflein Regen in die Feierstunde. Doch als der Zug Berlin-Rom über die glänzenden Schienen in die tiefe Nacht hinein brauste, schloß Petrus wieder alle Schleusen auf und ließ es in Strömen regnen.
Aber gut gemacht hat er'sl „Unb die Katholische Aktion Berlin, die diesen letzten Abschied zwischen Nuntius und Volk trotz knapper Zeit zu Vorbereitungen in so ausgezeichneter Weise organisiert hat, verdient sich ein hohes Lob von allen Berliner Katholiken, die „ihrem" Nuntius den Abschiedsgruß zuwinken durften.
Dom Voltsverein.
Erklärung.
Augenblicklich werden über die Zahlungseinstellungen und die Vergleichsoerhandlungen des Volksvereins- Verlags GmbH., M.-G l a d b a ch. die unglaublichsten Kombinationen verbreitet. Als alleiniger Geschäftsführer erkläre ich darum folgendes: 1. Die Druckerei sowohl als auch der Verlag sind bis zur Stunde so gut beschäftigt, daß in einzelnen Abteilungen Doppelschichten eingeschaltet werden müssen. 2. Es sind Verhandlungen mit den Gläubigern im Gange, die darauf hinauszielen, daß keiner der Gläubiger eine Einbuße erleiden soll. Die ganze Schuld soll in einer Reihe von Jahren amortisiert, und die Gläubiger sollen voll befriedigt werden. 3. Der Volksvereinsverlag hat einen Druckauf- tragsbeftand noch für mehrere Jahre, der jährlich zirka eine Million erreicht, und ist nach fachmännischen Berichten zweier großer Druckereien einer der rentabelsten und drucktechnisch feinsten katholischen Betriebe Deutschlands. 4. Bei fachmännisch-kaufmännischer Führung liegt weder für die Gläubiger noch für das katholische Verlags- und Druckereigeschaft Deutschlands ein Grund zur Beunruhigung vor. M.Gladbach, den 4 Jan. 1930 Volksvereins-Verlag GmbH. Hans Reichel, Verlagsdirektor.
Frankfurt a. IN. Nach den vorliegenden Plänen für die Erbauung einer Zentralbibliothek, die sämtliche großen in der Stadt vorhandenen Büchereien vereinen soll, wird dieser Bau mit seinen Anlagen für das Bibliothekswesen der Zukunft bahnbrechend sein. Der Plan sieht einen hohen Turm vor, in dem lediglich Bücher un= tergebracht werden, voraussichtlich zwei Millionen. Er ist aber so angelegt, daß spätere Geschlechter auf dem Gelände noch zwei weitere Türme anfügen können, daß demnach einst sechs bis acht Millionen Bücher hier ein Heim finden. Neben dem Turm erstehen dann in besonderen Gebäuden weite Räume für Büchcrausleihen, die Verwaltung, die Direktion, den Zeitschriftensaal, die Lesesäle, das Katalogmagazin und weitere Arbeitsräume. Das Frankfurter Bibliothekshochhaus erhält feinen Platz vor der Universität an der Bockenheimer Landstraße. Mit feinem Bau soll begonnen werden, wenn die finanzielle Lage von Stadt und Staat es gestattet. Das wird sicher noch eine lange Weile dauern.
Was die sog. INittelslondsparlei für Gesinnungen hegt, zeigt eine Reihe von Fällen der letzten Zeit. In Herne haben sich die sechs Grüppchen der Rechten mit Sozialdemokraten und Kommunisten zusammengetan, um dem Zentrum, der stärksten Partei, den ihm zustehenden Beigeordneten vorzuenthalten; gewählt wurden auf diese Weise ein Kommunist und ein Mitglied der Mit-elstandsvereinigung als Beigeordnete! Damit will die Mittelstandspartei wohl beweisen, mit welchem Recht sie in der Wahlagitation gerade auch wegen der Koalitionspolitik des Zentrums in den großen Parlamenten Stimmung zu machen suchte und sich selbst als Hort gegen den Sozialismus empfahl. — Recht ynv^ ist auch ein Fall aus Bayern, wo kürzlich ja auch ?e- meindewahlen stattfanden. In der früher vorwiege s protestantischen, aber heute stark zur Hälfte katholischen Stadt Memmingen — mit 8000 Katholiken unter 15 000 Einwohnern — war zur Wahrung der Para., den Katholiken ein zweiter Bürgerineister zugestandcn werden, da der erste Bürgermeister Protestant ist. Dr.- neue Stadtrat aber hat als seine erste Tat unter entscheidender Mitwirkung der M i tt e l st an d s p a rt e i und der Nationalsozialisten dieses Zugeständnis an die Katholiken wieder aufgehoben. Außerordentlich lehrreich ist das Verhalten der Mittelst a n d s p a r t e i. Sie hatte sich die Stimmen vieler katholischen Mittelständler dadurch zu verschaffen gewußt, daß sie sich vor der Wahl ausdrücklich d e r = pfichtete, den Katholiken den zweiten Bürgermeister wieder zuzugestehen. Kaum hatte dieses Wahlversprechen seinen Wahldienst getan, war es vergessen und gebrochen und die Katholiken um diese Vertretung im
Mittelsiandsinteressen sind eben zumeist nur Kulisse, hin ter der sich die verschiedensten Interessen, darunter au^ uralte „liberale" Machtbestrebungen einzelner Draht' zieher verbergen. Es ist nur gut, daß sich die Herr' schäften so bald demaskieren.
Berlin. Der Verband für Freidenkertum und Feuerbestattung steht gegenwärtig in Verhandlungen mit der preußischen Regierung, um für die Freidenker-Organisation Körperschaftsrechte in derselben W e is e zu erlangen, wie sie den anerkannten Religionsgemeinschaften gewährt sind. Der Verband, der ursprünglich im wesentlichen ein Feuerbestattungsverein war, hat sich in den legten Jahren immer mehr zu einer weltanschaulichen Gemeinschaft der Freidenker entwickelt und will nach einem Vorschlag der Verbondskör- perschaften auch auf seiner demnächst stattfindenden Generalversammlung den Namen „Deutscher Freidenker- Verband" annehmen.
Ausland.
Rußland.
Die Witwe Lenins, Frau Krupskaija, welche bem Bildungswesen in Moskau vorsteht,.hat an die ruf* fischen Bibliotheken den Befehl ergehen lassen, alle in deren Besitz befindlichen Exemplare der Bibel, des Talmuds, des Korans und der Werke von Platon, Kant, Schopenhauer, Nietzsche, Spencer und anderen Philosophen zu vernichten.
Bisher ist ein Dementi dieser Nachricht nicht erfolgt, und so darf man wohl annehmen, daß sie den Tatsachen entspricht. Ne nimmt übrigens gar nicht wunder und paßt durchaus in ein System, das in einem unerhörten Grade kulturfeindlich ist. Die Grausamkeit, mit der alle Bildungselemente zerstört werden, welche dem Bolschewismus nicht günstig sind, ist sicher beispiellos, aber eben das Wesen einer politischen Lehre, welche die Menschen früher oder später in die vollendete Barbarei zurückführen muß. Da die Russen diesmal auch das Weihnachtsfest verboten haben, haben sie ihre Furcht vor der Existenz eines solchen Speichers christlicher Kraft offen verraten. Diese Furcht wird sie noch sehr lange begleiten, und es ist sicher, daß das Ende ihrer Furcht mit dem Ende ihrer Herrschaft zusammenfällt. Die rührend einfache, aber doch gewaltige Sprache des Weihnachtsevangeliums wird noch erschallen, wenn die Erinnerung an das kommunistische Experiment der Moskauer ihr Dasein nur noch in Geschichtsbüchern fristet.
Das beste Heilmittel gegen Bolschewismus
Ein praktischer englischer Arbeitgeber hat eS mit glänzendem Erfolg erprobt, und die erfindungsreiche (nicht erfundene) Geschichte entbehrte nebenbei nicht eines köstlichen politischen Humors. Die englische Presse hat darüber unlängst berichtet:
Mister Tilden, Besitzer einer Kohlengrube bei Dover, hat trotz Mitsprachenrecht der Führer seiner Arbeiter unzufriedene Elemente in seinem Betrieb, Kommunisten, deren Propaganda er aber geschickt zu parieren weiß. Er verpflichtete sich, für die Kosten einer Studienreise zweier Bergmänner nach Rußland aufzu kommen, die nach eigenem Plan reifen sollen, aber unter folgender Bedingung: Entweder, wenn sie in Rußland bessere Arbeitsbedingungen antreffen, soll sie gleich dort bleiben, und ihre Familien werden auf Kosten Tildens übersiedelt, oder, wenn sie zurückkehren, und ihren Arbeitsplatz beibehalten wollen, dann müssen sie ihre Erfahrungen und Eindrücke den Kollegen wahrheitsgetreu erzählen.
Abgemacht! In Begleitung eines befreundeten Schullehrers machten sich die beiden Bew-underer des Kommuniusmus auf die Socken, erschienen aber prompt wieder zurück — ihre kommunistische Ueberzeugung hatten sie in Ruhland zurückgelassen und berichteten nun vor der versammelten Arbeiterschaft über ihre Eindrücke, glücklich, dem roten Paradies entronnen zu sein. Ungeheure Teuerung, unbeschreibliche Armut und Verwahrlosung, eine unsägliche Lotterwirtschaft. Der Lehrer war vor allem über die Erziehung und Moral der Jugend entsetzt.
Die Wirkung dieser Aufklärung war durchschlagend. Als sich am Schlüsse der Grubenbesitzer an* bot, für alle diejenigen Arbeiter und Familien, die Sehnsucht nach Rußland haben, chie Umzugskosten * * * "f»/iMv.sttAHtrti-» »ttrtshrtlct ftA ?ötii Qt(*sihrthpi*.