teien ein Jnitiaiivgesetz zum Zweck der Erhöhung der Tabaksteuer eingebracht. Diese Steuererhöhung soll etwa 220 Mill Mark Mehrertrag für 1930 erbringen, davon rund 180 Mill. Mark aus der Besteuerung der Zigaretten, der Rest aus der Besteuerung des Tabaks. Ernste Sorge bereitete die Frage, ob etwa infolge dieses Gesetzes Tabak- arbeitet ihre Arbeitsgelegenheit verlieren konnten. Es schien der Zentrumspartei unerträglich, daß dem Reiche ein Steuermehrertrag von jährlich 200 Millionen Mark eröffnet und dadurch foundfoviele Arbeiter erwerbslos würden, ohne daß zum mindesten versucht würde, die größten Härten auszumerzen. Durch einen gemeinsamen Antrag der Koalitionsparteien wurde dem Rechnung getragen. Angestellte und Arbeiter, die nach- gcwiesenermaßsn infolge dieses Gesetzes innerhalb der Zeit vom 1. Januar 1930 bis 31. März 1931 arbeitslos oder durch Kurzarbeit geschädigt werden, ohne daß ihnen angemessene Ärbest zu- zewiesen wird, erhalten unbeschadet der Leistungen der Arbeitslosenversicherung für jeden durch Ar- beitslosigkeit oder Kurzarbeit ausgefallenen Arbeitstag, längstens für die Dauer von 26 Wochen, Unterstützung in der Höhe, daß die Gesamtunterstützung 75 Prozent des entgangenen durchschnitt lichen Arbeitsverdienstes aus den letzten sechs Mo- naten ihrer Arbeitnehmsrtätigkeit nicht übersteigt. Damit ist eine wichtige Schutzbestimmung für Angestellte und Arbeiter des Tabakgewerbes in das Gesetz eingebaut. Um einem Einwand zu begegnen, sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß es sich hiermit keineswegs um eine Privilegierung einer Gruppe von Arbeitslosen handelt, sondern lediglich um eine Minderung der Schädigung, welche der betroffenen Arbeiterschaft durch ein Gesetz zu gefügt wird, das dem Reiche so große Einnahmen bringt. Mit der Verabschiedung dieses Gesetzes wird eine außerordentlich hohe Besteuerung des Tabaks in Deutschland geschaffen. Das Erträgnis im Jahre 1930 soll auf mehr als 1100 Mill. Mark steigen. Im Jahre 1913 brachte die Tabaksteuer nur 50 Mill. Mark. Gegenüber der Vorkriegszeit ist damit diese Steuer auf das 22fache erhöht. Schließlich sei noch erwähnt, daß die Zentrumsfraktion des Reichstages das Tabakmonopol sowohl aus wirtschaftlichen wie auch aus finanzpolitischen Gründen abgelehnt hat.
Der Reichsporleivorstand der Deutschen Zentrums- Partei
ist vom Parteioorsitzenden, Prälaten Dr. Kaas, zum 26. Januar nach Berlin einberufen worden. Es handelt sich neben einer Besprechung der allgemeinen politischen Lage vor allem um organisatorische Fragen. Der Reichsparteiausschüß soll Anfang Februar zusammentreten.
Zentralkomitee der deutschen Katholiken.
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hielt am 3. Januar in Frankfurt a. M. unter dem Norsitz des Fürsten Löwenstein seine Wintersitzung eb. Sie galt in der Hauptsache der Vorbereitung des 69. Katholikentages in Münster. Als Zeitpunkt wurden dafür die Tage von Donnerstag, den 4., bis Sonntag, den 7. September, festgesetzt. Das Lokalkomitee in Münster wird am 9. März offiziell gebildet werden und in Tätigkeit treten. An dem Eucharistischen Kongreß in Tunis, der im Mai dieses Jahres ftattfindst, werden auch einige Mitglieder des Zentralkomitees teilnehmen. Herr Bischof Dr. Sebastian von Speyer, der an einem Teil der Beratungen des Zentralkomitees teilnahm, gab bekannt, daß die 900jährige Feier der Grundsteinlegung des historisch so überaus bedeutsamen Domes m Speyer durch Kaiser Konrad II. am Sonntag, den 12. Juli 1930, stattfinden werde. Mit dieser Domfeier soll ein nationaler Eucharistischer Kongreß oe: - bunden werden, der sicher auf zahlreichen Besuch aus allen Teilen Deutschlands rechnen darf. Papst Pius XL hat den Plan der Veranstaltung eines Eucharistischen Kongresses auf deutschem Boden in einer jüngst stattgeha^en Audienz, an der auch der Speyerer Oberin t teilnahm, gutgeheißen und freudig begrünt.
Es wird einsam um Hugenberg.
Sen deutschnationalen Abgeordneten, die ihm den Rücken kehrten, sind die Landvolkaruppen seines Neimsausschusses gefolgt. Damit "ist die Auseinandersetzung auf der Rechten in ein neues Stadium getreten. In weiten Bezirken des Deutschen Reiches decken fd) nämlich Mitgliedschaft zum ^rtrMnnhhnHb und «um Stahlhelm. Wenn nun
bergs die Folgerung zieht, daß der Weg, im Reichsausschuß unter Hugenbergs Führung gemeinsame Sache mit Nanonalsozialisten und Stahlhelmern zu madjen, falsch gewesen sei, und daß im Kampf um die deutsche Zukunft breitere Fronten gesucht werden müßten, so setzt er sich damit nicht bloß gegen Hugenberg, sondern auch gegen den Stahlhelm in einen scharfen Widerspruch, der nunmehr in seinen eigenen Reihen mit ausgefochten werden muß. Seine Mitglieder werden sich jetzt entscheiden müssen, ob sie seiner Parole folgen wollen oder der Parole des Stahlhelms, der noch immer den Standpunkt vertritt, daß der Weg des Hugenbergstyen Reichsausschusses weiter gegangen werden müsse. So ist durch den Austritt des Reichslandbundes und der Landvolkpartei die Krise in die Kreise des Stahlhelm selbst hineingetragen. Wie sich diese Krise weiter entwickelt, wird abzuwarten sein. Auf jeden Fall darf aber bereits heute schon fcstgestellt werden, daß der Plan Seldtes, durch den Stahlhelm das deutsche Bürgertum zusammenzufassen, gescheitert ist, weil Seldte seine Pläne zu erreichen hoffte mit Kräften, die der gesunde Instinkt des deutschen Volkes bis weit in die Rechte hinein ablehnt. Die Frage der Zukunft ist nun, ob sich der Stahlhelm stark genug fühlt, an Hugenbergs Seite verharrend den Kampf mit den Gruppen aufzunehmen, die das Hugenberglager verlassen haben, oder ob er nicht auch eines Tages von Hugenberg Abschied nehmen muß.
Prachtvoller Aufstieg?
Unter dieser Ueberschrift gibt die sozialdemokratische Presse eine Mitteilung des sozialdemokratischen Parteivorstandes über den Erfolg ,der in der ersten Hälfte des Oktober von der Sozialdemokratie veranstalteten sogenannten Werbewoche wieder, indem sie schreibt: „40 919 Männer und 10444 Frauen, insgesamt 51 363 Neuaufnahmen sind bis heute aus 32 Parteibezirken dem Parteivorstand als vorläufiges Ergebnis der diesjährigen Werbeaktion gemeldet worden. Von 202 Parteizeitungen berichten 102 einen Zugang von 43 030'neuen Abonnenten. Dabei ist die Werbung noch an keiner Stelle abgeschlossen. Ueberall sind die Funktionäre und Mitglieder der Partei eifrig bestrebt, das jetzt schon ausgezeichnete Ergebnis zu verbessern. Mit welcher Rührigkeit und Liebe für die Partei gearbeitet wird, zeigt ein Bericht aus dem Chemnitzer Bezirk, nach dem dort ein Genosse 63, 2 Genossen je 44, 3 Genossen je 42 und 23 Genossen je 16—28 neue Mitglieder der Partei zugeführt haben. Der Erfolg beweist aufs neue die große Anziehungskraft der Sozialdemokratischen Partei." — Wenn man bedenkt, daß die Sozialdemokratie bei den letzten Reichstagswahlen über 9 Millionen Stimmen auf sich vereinigte, so ist die Tatsache, daß von 9 Wählern erst einer eingeschriebenes Parteimitglied der Sozialdemokratie ist, gerade nicht überwältigend. Das Gros der sozialdemokratischen Wähler besteht also aus Mitläufern. Daraus geht hervor, daß dem „prachtvollen Aufstieg" der Sozialdemokratie ganz sicherlich auch bestimmte Grenzen gesetzt sind. Eine solche ist in unseren Kreisen eine Stärkung des Volksoereins für das katholische Deutschland.
kÄhsüsche Aufgabe« im neuen Mr.
Bei der Gratulationscour des Breslauer Domkapitels hielt am Neujahrstane Fürstbischof Kardinal Bertram, der Vorsitzende der Fuldaer Bischofskonferenz, eine bedeutsame Ansprache, die mir auszugsweise bringen.
Das Bild des verflossenen Jahres läßt manche erfreuliche Ereignisse wie Lichtpunkte erkennen. Der Friedensschluß zwischen dem Hl. Stuhl und dem italienischen Staate darf auch hier im fernen Osten Deutschlands als eine der erfreulichsten Wendungen in der neuesten Geschichte der Kirche bezeichnet werden. Er ist von feiten des päpstlichen Stuhles unter hochherzigem Verzicht erfolgt; aber gerade darum leuchtet um so heller die Absicht hervor, die zum Abschlusse der L a t e r a n v e r t r ä g e bestimmt hat: nicht politische Macht ist erstrebt, sondern vollste Freiheit für diejenige Autorität, die die heiligste aller Aufgaben zu erfüllen hat und die auf immer der Felsen der christlichen Kultur sein wird. Die Inschrift der 1929 geprägten Papst- Medaille „Pax Christi Jtaliae reddita" markiert ein Ereignis, dessen Wellen den ganzen katholischen
nun wirklich Gestalt und Leben gewinne, hängt wesentlich ab von ehrlicher Ausführung des mit Italien geschloffenen Konkordates.
Das zweite freudige Ereignis, das zum Danke gegen Gott verpflichtet, ist die Gestaltung des für Preußen abgeschlossenen Konkordats.
Auch an dieser Stelle sei herzlich Dank gesagt dem weitblickenden unermüdlichen Nuntius Kardinal Pacelli, der in stets herzlichem Einvernehmen mit dem Episkopate die mühevollen Verhandlungen zum Abschluß gebracht hat, sowie allen denen, die, sei es auch aus kirchlichem Interesse, sei es in richtiger Einschätzung des Staatswohles, zum Gelingen mitgewirkt haben.
Das sind äußere Ereignisse, über die zu berichten nicht schwer ist. Schwieriger ist es eine Prognose für das kirchliche Innenleben zu stellen, das den Blicken vielfach verborgen ist. Was die Zeitungen davon Erfreuliches berichten, ist in seiner Bedeutung schwer nachzuprüfen. Was die Gegner mit frecher Anmaßung hinausposaunen, ist tendenziöse Aufmachung. Was die Statistik berichtet, ist beadriensirert, laßt aber den Blick nicht in die Tiefe dringen. Daher habe ich es bei meinen Neujahrsbetrachtungen stets vorgezogen, den Blick nicht optimistisch oder pessimistisch rückwärts, sondern mehr vorwärts zu richten auf die Aufgaben, die im begonnenen neuen Jahre besonders vordringlich sind. Auch der letzte katholische Arbeiter muß Klarheit haben über die Grundsätze und den Segen der katholischen Gesellschaftslehre und Volkswirtschaftslehre; muß Klarheit haben über die verheerenden Folgen, die der Sieg des religionsfeindlichen Sozialismus haben würde.
Auch der letzte katholische Jungmann muß wissen, wie Geisteskultur mit Körperkultur zu verbinden ist und der Segen der christlichen Lebensordnung allen Lebensgebieten zufließt. Auch die letzte katholische Familie muß volle Klarheit haben über die katholische Lehre von der Heiligkeit und Unauflöslichkeit der Ehe und von den durch den Schöpfer in den ehelichen Beruf gelegten göttlichen Gesetzen. Immer wieder sind alle Erziehungsberechtigten aufzuklüren im Kampfe um die konfessionelle Schule, sowie über die Bedeutung der katholischen Jugendvereine.
Als zweite Aufgabe für die nächste Zeit bezeichne ich einen regeren, lebendigeren Zusa m= menschluß der katholischen Eltern, Männer und Frauen
zum Schutze von Religion und Sittlichkeit
gegen die Pamphletisten. Aus allen Teilen höre ich von niederträchtiger Verhöhnung unserer Religion, Verhöhnung der Glaubenslehren, Verspottung der heiligen Messe, Ausstreuen von schamlosen Gemeinheiten, Verspottung des Klerus: das alles in dreistestem Auftreten mit grenzenloser Frechheit in Scklagern. in bildlichen Darstellungen, in öffentlichen'Auszügen. Von den Behörden ist nicht im- mer Abhilfe zu erwarten; sie fürchten, von oben oder von den Gerichten im Stich gelassen zu werden. Da gilt es denn dem katholischen Volke: Hilf dir selbst! Ich vermisse zuweilen ein regeres Einschreiten der Elternvereinigungen, der Männer- und Frauenvereine, ja aller in der Katholischen Aktion zusammengefchlossenen Verbände und der Volksoereins-Gruppen. Wo liegt hier der Mangel?
Gerade jetzt kommt zur rechten Stunde die Enzyklika über die E r e r z i t i e n - B e w e g u ng als Weihnachtsgeschenk vorn Nachfolger Petri. Es ist ein hohes Ziel, die großen Gedanken, die lichten Ausblicke, die tiefergreifenden Impulse der Exerzitien allen Volkskreisen zu vermitteln. Exerzitien sollen zeigen, wie reich der katholische Christ ist an geistigen Gütern, an seelischem Glück, an Quellen der Kraft für sittliches und berufliches Leben, für Gesundung des Familienlebens. Exerzitien sollen bie Schule sein zur Heranbildung von Führernatu- rcn.
Mit freudigem Mute zu den Arbeiten der Katholische Aktion, mit dem Gottvertrauen,, das der Exerzitienbewegung entspringt, wollen wir ins neue Jahr eintreten. Gottes Segen wird nicht fehlen ^™^—
Versteh's.
Wie ein Faß — sagen die Weisen — soll der Mensch sein: nach unten zu, nach oben auf.
(Gin Mönch des 14. Ihrdts.)