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Sonnlag. 12. Zanuar 1930

Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 «.-Pfennlg B 45 «.-Pfennig (Zustellgebühr extra) Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Preise: Colonetzetle tm Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Lolonelzelle tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Port» extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendructeret to Fulda fern

Druck und Verlag der Fuldaer Aclieadruckerel. Verlagsort Fulda.---

Wochentalender.

Sonntag, 12. Jan. Fest der hl. Familie.

Montag, 13. Jan. Oktav von Epiphanie.

Dienstag, 14. Jan. Hilarius, Kirchenlehrer, f 330. Felix. Mart.

Mittwoch, 15 Jan. Paulus, Einsiedler, f 342. Maurus, Abt, t 584.

Donnerstag, 16. Jan. Marcellus I., Papst, Mart., 1- 310.

Freitag, 17. Jan. Antonius, Abt, t 356.

Sanistag. 18. Jan. St. Petri Stuhlfeier zu Rom. Prisca, Jgfr., Mart.

Dom 18. 3an. bis 25. 3an. Gebelsoklav um Wieder­vereinigung im Glauben.

Erster Sonntag nach Erscheinung des Herrn

Epistel. Römer 12, 15.

Evangelium. Lukas 2, -4252. Der zwölfjährige Jesu im Tempel.

Als Jesus zwölf Jahre alt war, gingen seine Eltern der Festsitte gemäß hinauf nach Jerusalem. Nachdem die Tage vorüber <waren, machten sie sich auf dem Heim­weg. Der Knabe Jesu aber blieb in Jerusalem zurück, ohne daß seine Eltern es bemerkten. In der Meinung, er sei bei der Reisegesellschaft, gingen sie eine Tage­reise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. Da sie ihn aber nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel. Er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen an sie. Alle, die ihn hörten, staunten über sein Verständnis und feine Antworten. Als sie ihn erblickten, verwunderten sie sich, und seine Mutter sprach zu ihm:Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht!" Er erwiderte ihnen:Warum habt ihr mich gesucht? Wußtet Ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist?" Doch s.e verstanden nicht, was er ihnen damit sagen wollte. Dann zog er mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen untertan. Seine Mutter bewahrte alle diese D'nge in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, an Alter und an Wohlgefallen vor Gott und den Menschen.

Zwei goldene Säulen.

der Bibel lese ich die merkwürdige ?MM Geschichte vom starken Samson. Nach- dem der Held in einem Augenblick der Schwäche von der schändlichen Dalila betrogen und seiner bewen Augen beraubt worden war, hatten ihn die Phili­ster in Ketten gelegt und ins Gefängnis geworfen. Doch der Tag seiner Freiheit brach an. Ein Fest 3't Ehren des Götzen Dagon wurde gefeiert, und Samson wurde gerufen, bamit er zur Belustigung des Volkes auf der Harfe spiele. Samson aoer sprach zu dem Knaben, der ihn führte:Führe mich an die beiden Säulen, auf denen das Haus ruht." Dort angekommen, umfaßte er mit seinen Riesen­ormen die mächtigen Säulen und schüttelte sie kräf­tig, als wären es frischgesetzte Bäumchen. Da fiel das ganze Gebäude frarhenh zusammen und be­

grub unter seinen Trümmern das Volk samt dem Helden.---

Heute, am Feste der hl. Familie, sehe ich eben­falls zwei Säulen, Säulen von Gold. Werden sie zusammengerissen, so werden Vater und Mutter, Staat und Kirche, Kind und Volk darunter begra­ben. Bleiben sie aber aufrecht und unverrückt, so werden Sitte und Wohlstand, Friede und Freude unter den Familien und Völkern blühen und ge­deihen. Und diese zwei Säulen?---

Treue heißen sie und Liebe. Treue der Ehe­gatten gegenseitig unb Liebe zum Kind. Und diese beiden Säulen stehen heute außerhalb der katho- li'chen Kirche auf wackeligen Füßen und drohen mit Krachen umzustürzen und das ganze Volk Zu begraben.

Vor einigen Wochen hat das Landgericht zu Chemnitz also eine deutsche, amtliche Behörde, in dieser Hinsicht zwei Urteile gefällt, die ein ka­tholischer Christ wie Keulenschläge empfinden muß und die alle christlichen Grundsätze über Ehe und Familie über den Haufen werfen. Numero eins erfolgte ein Freispruch eines Mannes und einer Frau, die ohne Trauung zusammenlebten. Und warum Freispruch? Merkt wohl auf: jetzt kommt die Begriindung des Gerichtes durch folgende Er­wägung:Das Problem der Kameradschaftsehe wird heute ernsthaft erörtert und das Zusammen­leben eines Mannes mit einer Frau auch ohne staatliche Anerkennung wird nicht mehr durchweg als etwas sittenwidriges angesehen." ! I

Wird dieses Urteil und diese Begründung all­gemein, dann ist um die christliche Ehe ge­schehen; dann werden russische Zustände wie eine Epidemie bei uns überhandnehmen. Dann wer­den Mann und Frau ohne kirchliche oder staatliche Bindung nach Laune zusammen- und auseinander laufen. Dann wird Deutschland in kurzer Zeit in einen Tierpark verwandelt!

Laßt uns darum aufrichten die goldene Säule. Lassen wir sie wenigstens stehen, denn s^e ist schon neunzehn Hundert Jahre aufgerichtet. Die Ehe muß eine religiöse Bindung und Weihe haben. Bei uns Katholiken ist die Sache entschieden. Nrcht einmal die staatliche Bindung allein genügt zu einer giltigen Ehe. Es muß eine kirchliche Bin­dung sein. Eine giftige Ehe kommt unter Katho­liken nur zustande durch die Erklärung der Braut­leute vor dem Pfarrer und zwei Zeugen, daß sie einander zur Ehe nehmen wollen. Und diese Bin­dung ist unwiderruflich. Und diese Bindung währt lebenslänglich. Und diese Bindung kann kein Staat und keine Kirche, kein Kaiser, kein Fürst, kein Präsident, kein Gericht, kein Pfarrer, kein Bischof, kein Papst jemals auflösen. Denn da ha- den wir das Wort Christi, unseres Herrn:

Was Gott verbunden hat. das kann der Mensch nicht trennen." Das ist hart, sagst du Mag sein unter Umständen aber es ist die Wahrheit Und die sieht da wie eine aolbene

Säule. Dafür muß man sich die Sache eben zur rechten Zeit überlegen und das Dichterwort be­herzigen:

Drum prüfe, wer sich ewig bindet,

Ob sich das Herz zum Herzen findet.

Wie aber, wenn zwei ganz unglücklich sind und sich beim besten Wilsen nicht vertragen können? Auch da hat die Kirckre, die immer eine gute Mut- ter ist, noch Trost und Balsam. Sie gestattet zwar keine Trennung nie und nimmer; wohl aber eine Scheidung. Jeder Teil kann für sich allein leben. Nur der Tod allein zerschneidet das Ehe­band und löst die Ehe, so daß dem Witwer oder der Witwe der Weg zu einer neuen Eheschließung offen steht.

Numero zwei hat besagtes Gericht einen Freu spruch getan bei Anwendung verhütender ZHitfeL Und die Begründung? Sie ist empörend und haarsträubend:Empfängnisverhütende Mittel sind in manchen Fällen geradezu ein sittliches Er­fordernis." !---

Es soll also gänzlich freistehen und straflos ausgehen der Versuch und die Praxis, die Ehe mit Kinderleichtigkeit und Unfruchtbarkeit zu schlagen. Das ist gerade so, wie wenn man es straflos frei­gibt, einem Baume die Blüten abzuschneiden, da­mit es ja keine Frucht gibt. Nur so weiter ge­macht, ihr deutschen Rickter! Schon marschiert das deutsche Volk mit rapider Abnahme der Bevöcke- rungszahl an der Spitze. Die Großstädte leben nur noch vom Strom der Einwanderung aus bei Provinz. Aber auch dieser Strom wird oersie- chern Nicht lange wird es gehen, bis die K.age Volk ohne Raum" abgelöst wird von der noch weit schlimmeren:Land ohne Volk". Doch, wenn auch alle Gerichte der ganzen Welt dem obigen Urteil sich anschließen würden, so ist und bleibt es gottlos und schändlich und kann für einen Ka­tholiken niemals maßgebend sein. Die katholische Kirche mit all ihren Bischöfen und mitsamt dem Papst brandmarken jede Anwendung empfängnis­verhütender Mittel und jede andere Praxis der Verhütung und Vorbeugung als einen Eingriff in das göttliche Sittengesetz, einen Faustschlag gegen die Vorschrift der Natur, als eine schwere Sünde und Beleidigung des heiligen Gottes, als einen ungeheuren Frevel am Leben und an der Fami­lie.' der ein schreckliches Strafgericht in biedern und im andern Leben fürchten läßt. Eine solche im* glückliche Frau schrie in ihrer letzten Stunde: ^,Seht, da kommen sie, die Kinder, die ich verwei­gert habe, um mich vor Gericht zu schleppen." Die arme Frau starb in der Verzweiflung. Die Na­tur und das Gewissen lassen f^cb nicht ungestraft vergewaltigen. Gortes Mühlen mahlen oft lang­sam, aber sicher. Unsere hl Religion lehrt uns, die Kinder als Geschenke aus der Hand Gottes als Unterpfänder des ehelichen Glückes, als Erben des Himmels zu betrachten und alle anzunehmen, seien es weniae ober viele. Dieser Grundsatz steht