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Diese Gruppenberatungen der Vertretertagung erfreuten sich eines starken Besuches und lebhafter Teilnahme. Sie hatten die einzelnen Themata in Referaten und Diskussionen in zwei Tagen durch die Gruppenleiter in einer geschlossenen Hauptversammlung des Katholikentages vorgetra­gen.

Außerdem tagte am Mittwoch nachmittag

der Augustinusverein

zur Pflege der katholischen Presse. Der Erste Vor­sitzende, Chefredakteur Dr. Karl Hoeber (Kölns, konnte in seinen einleitenden Worten einer statt­lichen Corona herzlichen Willkommgrus; entbieten. Mit den Männern der Presse vereinte sich eine große Anzahl von im öffentlichen Leben stehen­den Persönlichkeiten. Es waren u. a. erschienen Landesökonomierat Dr. h. c. Herold, Landesökono­mierat Leppelmann, Geheimrat Dr. Carl Bachem, Reichspostminister a. D. Giesberts, Staatsrat Gil- fing, Abg. Seubert aus Kippenheim in Baden. Die Stadt Münster war durch Stadtrat Dr. En­gelmeier vertreten.

Dr. Hoeber erinnerte daran, daß der Augu­stinus-Verein in seiner mehr als 50jährigen Ge­schichte zum vierten Male in der westfälischen Hauptstadt tagte. Jeder dieser Versammlungen komme in der Vereinsgeschichte eine besondere Be­deutung zu. Die erste Versammlung im Jahre 1884 habe die Gründung der CPC., der Centrums- Parlaments-Correspondenz, die zweite Versamm­lung im Jahre 1894 die Gliederung der Vereins in Landesgruppen und die Gründung der Lan­desgruppe Westfalen-Hanover-Oldenburg und die Errichtung einer Pensionskasse beschlossen. Von den 20 Teilnehmern der ersten Versammlung im Jahre 1884 lebten noch 3, Verleger F. T. Bachem (Köln), Verleger W. Münstermann (Gelsenkirchen), Verleger H. Otto (Godesberg). Die dritte Ver­sammlung in Münster 1923 habe der Besprechung der großen vaterländischen Not, welche die fremd­ländische Besatzung in Westfalen heroorgerufen hatte, gedient Auch die vierte Versammlung, die jetzige, diene der Besprechung der gegenwärtigen Notlage Deutschlands.

Der Vizepräsident des letzten Reichstags, Ee- werbebankdirektor Thomas Esser (Euskirchen) deu­tete alsdann in richtung- und normgebenden An­regungen und Gedanken den Sinn des gegenwär­tigen Wahlkampfes. Die Männer der Presse wa­ren in aufschlußreicher Aussprache, die praktische Gesichtspunkte in den Vordergrund rückte, mit dem Referenten der Auffassung, daß der gesunde Staatssinn des deutschen Volkes Verständnis habe für die durch den Ernst der Lage gebotenen Maß­nahmen der Reichsregierung.

Ganz gewiß handle es sich herbei auch um dra­konische Maßnahmen, aber der Ernst der Stunde gestatte keine andre Wahl und kein bängliches Zaudern. Es gelte, den Wahlkampf in einer Weis? zu führen, daß das Verantwortlichkeitsbewußtsein für die Geschicke des Reichs auch nach der Wahl den Parteien, die zur Regierungsbildung berufen würden, nicht verloren gehe. In einem starken Vertrauen in die eigene Sache und in klarer Er­kenntnis seiner geschichtlichen Mission führe das Zentrum diesen Wahlkampf. Rettung des deutschen Volkes aus der großen Not der Gegenwart durch eine von christlichen Ideen getragene Politik, das ist uns der Sinn dieses Wahlkampfs, für dessen bedauerliche Auswüchse wir jede Verantwortung ablehnen. Die Besprechung der politischen Lage bekundete den einmütigen Willen der Männer der Zentrümpresse, die innere Einheit der Partei in geschlossener Kampffront zu wahren.

Aus dem weiteren Verlauf der Versammlung beansprucht noch eine besondere Bedeutung das Referat de^ Vorsitzenden Dr. Hoeber über das Schaffen der katholischen Verleger in der Gegen­wart. Hierbei bot sich willkommene Gelegenheit, »uf das bevorstehende Erscheinen des in inten- ioer Vorbereitung befindlichen Herderschen âon- servationsLexikons hinzuweisen, das in jeder Weise zu fördern gern geübte Pflicht der katholischen Breffe ist.

Der Nestor der Westfälischen Zentrumsparter, Landesökonomierat Dr. Herold, ließ in feine der Zentrumspresse gewidmeten Dankesworte eindring­liche Mahnung zur Aufrechterhaltung der alten md erprobten Einheit einfließen.

Die Veranstaltung, die für den Augustinus­verein einen vollen Erfolg bedeutet, wird auch

über die bevorstehenden Reichstagswahlen hinaus eine große Bedeutung erhalten.

Abends um 8 Uhr fand eine

Festversammlung der katholischen Frauen

Münsters in der Stadthalle statt. Es sprach Frau Ministerialrätin Dr. Helene Weber (Berlin). Die Kundgebung wurde von Orgelvortrag und Frauen­chören umrahmt.

Der Mittwoch (4. September).

Unter steigender Anteilnahme der Bevölkerung, die sich auf Schritt und Tritt bemerkbar machte, namentlich auch in dem stärker einsetzenden Frem­denverkehr, begann und endete der zweite Tag der diesjährigen Katholikentagung.

Den ganzen Tag hindurch fanden in den ver­schiedenen Hörsälen der Universität die Beratungen der Vertretertagung statt. Aber auch den übrigen Veranstaltungen des Tages brachte man stärkstes Interesse entgegen. So wurde die

Kundgebung der Kommunionkinder am Nachmittage im Hohen Dome zu einer ergrei­fend schönen Feier. Ansprachen des Missions­bischofs Vudenbrock, der vor kurzem nach lang­jähriger Missionstätigkeit in seine westfälische Hev mat zurückgekehrt ist, und des Bischofs von Mün­ster führten die empfänglichen Kinderherzen den hohen Idealen des Kindheit-Jesu-Vereins und des Heidenapostolates zu.

Zu gleicher Stunde fand in zwei großen Sälen der Universität eine

Versammlung der Künstler

und Kunstfreunde statt, in der die Herren P. An­selm Weißenhofer, Wien, über Literatur und Kunst 'm Wandel der Zeiten und Generalkonservator

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Ich fordere alle Katholiken auf, sich an der Wahl vollzählig zu beteiligen und ihre Stimme nur solchen Männern und Frauen zu geben, welche die Gewähr bieten, daß sie im Sinne katholischer Weltanschauung ar­beiten werden.

Christian Schreiber, Bischof von Berlin.

Prof. Dr. Hill, München, über Auftraggeber, Künst­ler und Volk sprachen.

Die Eröfsnungsversammlungen.

Der Abend war den Eröffnungsversammlungen in den beiden Festsälen vorbehalten. Münster ist in der glücklichen Lage, zwei gewaltig große Hgl- len für die großen Versammlungen des Katholiken­tages zur Verfügung zu stellen: Die 6000 Per­sonen fassende SporthalleHalle Münsterland" und die unmittelbar daneben liegende Großgarage der Firma Kiffe, die für diesen Zweck zum ersten Mal in Benutzung genommen worden ist. Beide Hallen sind mit einfachen Mitteln, aber nach streng künstlerischen Gesichtspunkten ausgeschmückt und üben in diesem Schmucke und in ihrer dichten Be­setzung eine gewaltige Wirkung aus.

In der FesthalleHalle Münsterland" eröff- öffnete Präsident des Lokalkomitees, Oberregie- rungsrat und Obermedizinalrat Engels die Ver­sammlung mit dem katholischen Gruße.

Für das katholische Münster und das Münster­land ist der heutige Eröffnungstag der 69. Ge­neralversammlung der Katholiken Deutschlands ein wahrer Freuden- und Festtag.

Münster hat zum dritten Male die Freude und die hohe Ehre, den Katholikentag Deutschlands in seinen Mauern beherbergen zudürfen.

Im Namen des vorbereitenden Lokalkomitees und als dessen Vorsitzender habe ich die Ehre, den ersten Gruß an Sie zu richten und Sie alle, die Sie aus allen Teilen Deutschlands und aus dem Auslande hier zusammengekommen sind, in unse­rer Stadt willkommen zu heißen.

Altem schönen Brauche folgend, galt mein erster Gruß am heutigen Eröffnungsabend Jesus Chri­stus, dem für uns Gekreuzigten. Wie kann es auch anders sein, daß wir zunächst des Heilandes ge­denken, des Stifters unserer heiligen Kirche, wir, die wir die Politik des Kreuzes und des Gekreu­zigten machen als treue Söhne im Weinberge des Herrn.

Aber wir lassen auch den Blick hinüberschweifen zum ewigen Rom, zum Priestergreis und Jubel­priester auf Petri Stuhl, Sr. Heiligkeit Papst

Pius XI., dem die ganze Welt die glückliche sung der römischen Frage zu danken hat. Sz am Tage seiner Papstwahl, am 6. Februar 18 begann der Neugewählte, Achilles Ratti, sein F denspontifikat mit einer Geste des Friedens. : Tradition der Zurückhaltung seiner Vorgän durchbrechend, begab s^ch der Neugewählte nach Wahl auf die äußerste Loggia vor St. Peter, erteilteurbi et orbi" den apostolischen Seg Die Gefangenschaft des Hl. Vaters ist beendet.! Stunde der Freiheit hat für ihn geschlagen. I neuanerkannte Souveränität des Vaters der C! stenheit: das ist die weltgeschichtliche Bedeutn die wir nie vergessen dürfen. Pax romana.

Wir wünschen einen Katholikentag, der seh Vorgängern nicht nachsteht, der die Vorgänger w leicht noch überflügelt, nicht an äußerem Glc und äußerem Gepränge, sondern an innerem M und innerer Bedeutung.

Die Generalversammlung der Katholiken Deuts lands in Münster dient der Einheit und Einigt der deutschen Katholiken. Die nach Landscha o Ständen und politischer Meinung getrennten Glo bensgenossen sollen sich hier auf dem Katholike tag die Hände reichen in dem Bestreben, die El guter J)es katholischen Glaubens nicht preiszuoeb dem Strome der Zeit, den unbeugsamen Lebèr willen des deutschen Katholizismus zu bekunde Wir wollen Bekennermut und Bekennnerfce^ den Eeistesströmungen der heutigen Zeit g^gs über an den Tag legen. Wir wollen Wegweis sein in den verwickelten Zeitfragen auf kirchenpo tischem, religiösem, karitativem, sozialem und kl turellem Gebiet. Wir wollen einen Ausschnitt bi ten katholischen Kulturschaffens in Musik, Liter tur, in Theater und Kino, in Kunst und Architc tur. Das waren unsere Leitgedanken bei der Vo bereitung des 69. Katholikentages. Wir tomiü aber auch nicht vorübergehen an den christentur einblid;en, antikirchlichen, entsittlichenden Strömn gen unserer Zeit. Wir wollen diese Arbeiten au führen als treue Söhne unseres Vaterlandes. So st der münsterische Katholikentag 1930 friedlichen Z; len dienen, wie schon bei der Gründungsversamri lung des Lokalkomitees am 9. März ds. Js. i so trefflicher Weise unser Hochwürdigster Herr B schof Dr. Johannes Poggenburg ausgefübrt Im fördern das allgemeine Volkswohl, das WohlM Vaterlandes.

In diesem Sinne begrüße ich Sie, meins hoch verehrten Damen und Herren, mit großer Freud und rufe Ihnen allen aus der Tiefe meines Hei zens zu: Seien Sie uns alle herzlich miUfommer Willkommen zur 69. Generalversammlung derKc tholiken Deutschlands in der alten Bischofsstat Münster, Westfalens schöner Hauptstadt!

Dann ergriff Bischof Dr. Johannes Poggenbur von Münster das Wort.

Als Bischof dieser Stadt und der Diözese Miin ster heiße ich Sie in der Stadt des hl. Ludgers von Herzen willkommen. Und mit mir freut M und grüßt Sie die ganze Diözese. Auch die $ schüfe Deutschlands, die vor kurzem in Fulda new sammelt waren, haben mich beauftragt, Ihnen Gruß und Willkommen zu entbieten und der Gene­ralversammlung reichen Erfolg zu wünschen. «

Wenn in diesen Tagen so viele Tausende nad; Münster zur Generalversammlung der deutschen Katholiken kommen, so ist das ein Beweis dafür, daß viele Tausende sich danach sehnen, inmitten der Wirren und Wandlungen unserer Zeit Zeug­nis abzulegen für die Unwandelbarkeit ihrer katho­lischen Grundsätze. Sie wollen vor aller Welt das Gelöbnis erneuern, mit der ganzen Ueber­zeugung des Herzens festzuhalten am hi. katholi­schen Glauben.

Ernst sind die Zeiten. Wir stehen im Kampf um wichtige Stellungen im religiös-sittlichen Le- ben. Wir wollen sie uns holen auch aus dieser Generalversammlung,, damit wir der Zykunft unv ihren Kämpfen tapfer begegnen, mit christlichem Opfermut alles auf uns nehmen, was Gottes Vor- sehung uns auferlegen mag. 1

Der Hl. Vater hat der Welt als überaus kost­bare Jubiläumsgabe eine Enzyklika über die christ­liche Erziehung der Jugend ein großes umfassen« des Schul- und Erziehungsprogramm geschenkt. In den großen Wirrwar der pädagogischen Meinun­gen bringt dwse Enzyklika Klarheit und Wegwei- sung. Die Worte des Hl. Vaters sollen Leitsterne für diese Generalversammlung sein.

Die religiöse und sittliche Not unserer Zeit, die vielen Klagen über eine entartete, irregegangene