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Berichterstatter im Auto durch das Erdbebengebiet fuhr: Wirkliche Heldentaten sah ich von den Ortsgeistlichen vollbringen. In Ariano führte mich ein älterer Geistli­cher, den ich nie vergessen werde. Die Stadt litt seit zwei Tagen unter Hunger und Durst, da die Rettungsmann­schaften noch nicht bis dorthin vorgedrungen waren. Ich bot dem Pfarrer, der unter Hunger litt, und, wie alle armen Leute, im Freien kampiert hatte, etwas zum Essen. Er nahm es dankbar an. An der nächsten Ecke jedoch gab er es einem vorübergehenden älteren Bauern, dem er teilnehmend die Hand drückte.Er hat es nötiger", sagte er,er hat in der Schreckensnacht seine Frau und seine beiden Kinder verloren". Was die Geistlichen un­ter diesen außerodentlichen Verhältnissen geleistet, das verdient höchstes Lob."

DieNeutralen" sind es hauptsächlich, denen der Hei­land nach der siegreichen Abfertigung seiner offenen Widersacher das Drohwort entgegenhält:Wer nicht mit mir ist, ist wider mich. Wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut!" Dieses Heilandswort klingt warnend und mahnend auch in unsere Zeit hinein, in der ja der Kampf­ruf: Hie Christ, hie Widerchrist, von allen Seiten wider­hallt. Undglaube und Freidenkertum machen die un­glaublichsten Anstrengungen im Kampfe gegen Christus und seine Kirche. Allenthalben schrillen die Fanfaren gegen dieüberlebte" christliche Sitte und Zucht. Ueberall locken die Einladungen zum Bunde des freien Menschen­tums, das die alten Tafeln zerbrach. Aber so gewaltig die Kampffront gegen Christus und die Kirche auch auf­trotzte, nicht hier droht die größte Gefahr für den fort­lebenden Christus. Die lauert auch heute wieder in dem gewaltigen Heer der Unentschiedenen und Halben, der Mitläufer und Nachhmker in unseren Reihen, die es zu einer ernsten Absage weder an Christi Feinde noch an ihn selber bringen. Die da im Schatten der Kirche träge da­hindämmern und dabei die Zeitungen und Illustrierten des liberalen Freisinns mit Wonne genießen.

7. Internationaler Akademischer RNsfionskongreß zu Laibach. Vom 6. bis 11. September findet zu Laibach (Ljublijana) unter der Ehrenpräsidentenschaft des päpst­lichen Nuntius der 7. Internationale Akademische Mis­sionskongreß statt. Die Regierung Jugoslawiens hat alle Gesandtschaften und Konsulate ermächtigt, den Teilneh­mern ein Gratisvisum zu geben. Beim Kongreß sind folgende deutsche Redner mit folgenden Themen vertre­ten: P. Arens S. I., Missionsgeographie; P. Thauren S. V. D., Der höhere Unterricht in den Missionsländern; Prof. Schmidlin, das Missionsproblem in Ostasien; P. Maas O. F. M., Missionsgeschichte; P. Rommerskirchen O. M. I., Missionsbibliographie; Prof. Schmidlin, Mis­sionslehre. Wie man aus dem Programm ersieht, stehen 14 Nichtdeutschen 10 deutsche Redner gegenüber. Deutsch­land stellt also ein beträchtliches Kontingent der Fachver­treter auf dem Kongreß.

Aus dem Jahresbericht des St. Raphaels-Vereins zum Schuhe katholischer deutscher Auswanderer E. V. Der Verein zählte im Jahre 1929 12 645 Beratungen, davon mündlich 5394 und schriftlich 7251. Die eigent­liche Betreuung in den europäischen Hafenstädten glie­dert sich in einen religiösen Dienst und eine allgemeine Reisehilfe. Was ersteren betrifft, so fanden 410 Gottes­dienste statt, die von 26 892 Auswanderern besucht wur­den. Alle erhielten entsprechende Drucksachen und eine Merkkarte mit den Adressen unserer Vertrauensstellen in den Zielländern. Sodann sorgt der Verein für regel­mäßige Instandhaltung der kirchlichen Einrichtungen an Bord (Altäre, Meßkoffer, Gesangbücher). Die allgemeine Reisehilfe kam 4922 Schützlingen zugute, welche von der Bahn abgeholt, untergebracht und transozeanisch emp­fohlen wurden. Unser Raphaels-Heim in Hamburg, das sich für die Unterbringung der Auswanderer als sehr wertvoll erwies, wurde auch von vielen Stadtbesuchern in Anspruch genommen. Es fanden im vergangenen Jahr 2897 Gäste (7928 Uebernachtungen), darunter 373 Priester und Missionare, Aufnahme. Außer Reichsdeut­schen und Oesterreichern wurden auch Deutschstämmige aus Rumänien, Ungarn, Südslawien, Tschechoslowakei und fremdnationale Katholiken, welche in großer Zahl über deutsche Häfen nach Kanada und Südamerika aus­wanderten, von den Vertrauensleuten des Vereins be­treut. Die Hauptstelle des St. Raphaels-Vereins be­findet sich Hamburg 5, Große Allee 42. Dorthin wende man sich in allen mit der Auswanderung zusammen­hängenden Fragen. Auch über die wirtschaftlichen Ver­hältnisse sowie Verdienst- und Siedlungsmöglichkeiten in fremden Ländern ist der Verein unterrichtet. Jeder An­fragende erhält bereitwilligst und kostenlos Auskunft. Ausreisende sollten nie versäumen, den Vertrauensstellen des St. Raphaels-Vereins in den Ausreisehäfen recht­zeitig Nachricht zu geben, damit für Abholung vom Bahnhof und für gute Unterkunft gesorgt werden kann. (Hamburg: Große Allee 42, Bremen: Falkenstraße 49, Rotterdam: Boschje 6a.)

Ungarn. .

Nach einem Hochamt, das von dem päpstlichen Legaten Kardinal Sincero zelebriert wurde, fand in B u d a p e st ein internationaler, ein deutscher und ein ungarischer Kongreß statt. Nach der Messe versammelten sich die österreichischen und deutschen Teilnehmer der Budapester St.-Emmerich-Feierlich- keiten, um den deutschen eucharistischen Kongreß ab­zuhalten. Es sprach eine Reihe von Bischöfen. An dem internationalen Kongreß, der sich daran an- schloß, nahmen der päpstliche Legat Sincero, der ungarische Fürstprimas Seredi mit dem gesamten Episkopat, Kardinal Erzbischof Piffl, Erzbischof Faulhaber aus München, Kardinal Erzbischof Lavi- trano aus Palermo, Erzbischof Hlond aus Pofen, Kardinal Erzbischof Bourne aus London, Bundes­kanzler a. D. Dr- Seipel, Ministerpräsident a. D. Hussar, die Minister Vass und Alevelsberg teil. Viel Sympathie erweckten die Tiroler, die in ihrer Lan­destracht und mit eigener Musik aufmarschierten.

Ministerpräsident Graf Bethlen hielt anläßlich eines von ihm zu Ehren des päpstlichen Legaten veranstalteten Frühstücks eine Ansprache, in der er der zahlreichen Unterstützungen Ungarns seitens des Heiligen Stuhls im Laufe der Geschichte gedachte und darlegte, daß Ungarn fest entschlossen sei, an der Wiederauferstehung mitzuwirken. Dienstag unternahmen die Teilnehmer der St. Emmerich- Feierlichkeiten auf 20 Dampfern eine Fahrt auf der Donau unter der LosungEhristus des Königs Triumph". Alle Häuser auf beiden Seiten der Donau waren beflaggt. Eine ungeheure Menschen­menge hatte sich an den Ufern und auf den umlie- genden Hügeln angesammelt, auf denen Freuden­feuer angezündet wurden.

Persien.

Nachdem sich die persische Regierung gegenüber den wiederholten Ersuchen der Türken um Abwehr- maßnahmen gegen den Kurdenaufstand an der per­sisch-türkischen Grenze ablehnend verhalten hat, ha­ben die Türken, denen dieser Aufstand viel zu schaf­fen machte, nunmehr zur Selbsthilfe gegriffen und Truppen über die Grenze in Marsch gesetzt. An­scheinend lassen sich die Türken von dem vielleicht nicht ganz unbegründeten Verdacht leiten, daß das Nein der Perser einer geheimen persischen Begünsti­gung des Kurdenaufstandes entspringt, die ein ent­schlossenes selbständiges Vorgehen ihrerseits recht­fertige. Die Perser sehen in den Kurden ein stamm­verwandtes Volk, dessen in der Türkei lebenden 2ln= oehöriqe unter dem dort herrschenden nationalisti­schen Regime unterdrückt würden. Tatsache ist, daß die nationalen Minderheiten in der Türkei unter Mustapha Kemal nicht gerade ein rosiges Dasein führen. So wird hier wieder einmal wie an einem Musterbeispiel gezeigt, wohin nationale Unterdrük- kungspolitik führt und welch ernste Gefahren für den Frieden sie hevcmfbeschwören kann.

Wenn man auch nach dem Einmarsch der Türken nicht gleich weitgreifende kriegerische Verwicklungen zu befürchten braucht, so ist trotzdem der Konflikt nicht ohne Gefahren und Komplikationsmöolichkei- ten. Persien ist zwar gegenüber der Türkei ein recht ungleicher Gegner, aber man muß doch im Auge behalten, daß auch noch gewisse andere Mächte an der Entwicklung in jenem Gebiet des Nahen Ostens interessiert sind. Man kann nur wünschen, daß die Türken bei ihrem Vorgehen Maß halten und daß es gelingt, den durch die jüngsten Ereignisse entstandenen Brandherd einzudämmen und mög­lichst bald zum Erlöschen zu bringen.

Amerika.

In einem Brief, den ein Pfarrer aus der Erz­diözese St. Louis im Staate Missouri an seinen geistlichen Bruder, einen Kaplan im Industriege­biet, am 24. Juli 1930 schrieb, heißt es zum Schluß wörtlich:

Augenblicklich ist seit letzten Winter eine arge Depression im Geschäftsleben. Fünf bis sechs Mil­lionen sind arbeitslos. Ich habe nie auf der Land­straße von St. Louis nach dem Westen so viele Arbeitslose wandern gesehen. Hoffentlich wirds gegen Herbst besser werden. Ein Bischof hat sogar öffentliche Gebete vorgeschrieben, damit wenigstens Familienväter arbeiten können, um ihre Familie zu ernähren. Eine Bank verkracht nach der an­dern. Man spricht von Revolution nächsten Win­ter, wenns nicht bald besser wird. Ich glaube nicht, daß es so weit kommt. Es gibt den Leuten eine Lektion, in guten Zeiten nicht alles durchzu­

bringen. Die Arbeiter leben im allgemeinen üb. ihre Verhältnisse hinaus . . .

Bekanntlich hat Nordamerika keine öffentlict Arbeitslosenunterstützungen, sondern kennt m private und genossenschaftliche Unterstützungen bi Arbeitslosen. Der Briefschreiber weilt schön übt zwanzig Jahre in den Vereinigten Staaten ur war vor zwei Jahren noch in Deutschland, um ft über die deutschen Verhältnisse nach der Kriegsze zu orientieren. Schon damals hat er die hohe Löhne der amerikanischen Arbeiter als untragba für den Wirtschaftsmarkt bezeichnet und diese Au fassung auch öffentlich in einem Vortrage in einer katholischen Arbeiterverein zum Ausdruck gebrach So scheint der Dollarsegen aus dem âiegsg winn und den Reparationen den Vereinigte Staaten zum Verhängnis zu werden; denn daß e dort in den breitesten Arbeiter- und Geschäftskrei sen wirtschaftlich und finanziell so schlecht steht, do von haben wir in weitesten Kreisen Deutschland wohl kaum eine Ahnung gehabt. Die Krise de Arbeitslosenfrage ist demnach auch als internatio nal anzusehen, und nicht allein als eine Folge de verlorenen Krieges in Deutschland zu bewerten Auch das Ausland, wohl mit momentaner Aus nähme von Frankreich, leidet schwer unter der sung der Arbeitslosenfrage. Wie lange allerding! Frankreich noch davon verschont bleibt, ist ebn Frage der Zukunft. Daß der Hunger der best« Nährboden für revolutionäre Ziele sein dürfte darüber herrscht wohl kein Zweifel, auch nicht ir dem reichen Lande der Vereinigten Staaten.

China.

Die in Tschangtscha angestellten Untersuchungen haben ergeben, daß die kommunistische Bewegung in Süd- und Mittelchina eine einzige geschlossene Bewegung ist und daß alle scheinbar isolierten kommunistischen Truppen nach den Weisungen einer Zentralstelle vorgehen. Als Ziel der kom­munistischen Führer wird bezeichnet: Beseitigung aller ausländischen Einflüsse, Beseitigung der mili­tärischen Führer und der nationalistischen Einfüh­rung des Rätesystems in ganz China.

Griesbach 1921.

Matthias Erzberger zum Gedächtnis^

Von Heinrich Köhler.

i. Der Vorabend.

Erzberger war mit Frau und Kind in dem stil­len Bad Griesbach im Renchtal eingetroffen, um sich für die schweren politischen Kämpfe vorzuberei- ten. Er fühlte genau, welche Aufgaben seiner harr­ten. Tagelang befaßte er sich mit dem Problem, wie es gelingen könnte, eine starke republikanische Front zu schaffen, die in der Lage wäre, die deutsche Wirtschaft vor dem drohenden Ruin zu bewahren. Voller Pläne wandelte er Tag ui^ Nacht durch die einsamen Pfade hinauf zum Knie» bis. Stets begleitete ihn ein Pater, dem die FühV rung des Griesbacher Schwesternhauses oblag. Am Tage vor feinem Tode hatte er noch in einem viel­stündigen Spaziergang ein neues Programm so­zialpolitischer Natur aufgestellt. Er wollte in dem kommenden politischen Winter darauf dringen, daß der Arbeitnehmer auf dem Wege des Gesetzes Nutz­nießung an den Gewinnen der Wirtschaft haben sollte. Zu diesem Zweck dachte er an die Einrich­tung von Werkgemeinschaften und versprach sich von ihnen eine nahe Lösung der sozialen Frage... Es war schon spät abends geworden, als er mit seiner Frau, seinem kleinen Töchterchen und dem Pater in das Kurhaus zurückkehrte. Kaum war das Abendessen vorbei, so trat durch ein Gewitter in der Nähe im ganzen Hotel Kurzschluß ein. Einen Augenblick lag alles im Dunkel. Da tauch­ten auch schon die Schwestern auf, die das Kurhaus bewirtschafteten, und brachten vielerlei' silberne Leuchter mit flackernden Kerzen. Sie stellten sie auf die gedeckten Tafeln, die Kerzen dampften, und ihr honigsüßer Geruch verbreitete eine seltsame Feierlichkeit. Die Gäste wurden eine einzige große Familie, langsam fingen viele zu singen an, wie es alle Deutschen tun, wenn sie sich eines Gefühls schämen; Volkslieder erklangen, während es drau­ßen stürmte, blitzte und donnerte. Dort drüben am Nebentisch sang gerade eine Gruppe von Rhein­ländern, die der frühere Chefredakteur der Ber­linerGermania", Dr. Hommerich, führte, den bekannten Kehrreim:Heute ist heut'", als auch Erzberger, seine sechsjährige Gabriele an der Hand, in dm Speisesaal trat. Er war ein Mensch, der