herrschen, gratulierte aber den Deutschen im Bezirke Rutland zu ihrer zähen, riesigen Arbeit und hob hervor, daß er sich stets darüber gefreut habe, zu sehen, wie die Deutschen, ob es Rheinländer, Westfalen, Bayern oder Wolgadeutsche seien ,treu in ihrem Glauben, aber auch zu ihrem Volkstum zusammengehalten hätten. S.e hätten ein Recht darauf, daß in dieser Kirche neben der Regierungssprache, dem Englischen, das Evangelium und die Gebete auch in der Muttersprache erklängen. Sodann hielt Pater Bonifatius die erste deutsche Predigt in dieser Kirche, der die zahlreiche Gemeinde mit Ausmerksamkeit und Rührung folgte. Ein Mitglied des Vorstandes der neuen Gemeinde, Herr Poschmann, brachte in seiner deutschen Festansprache der kanadischen Regierung und dem Erzbischof das Treuegelöbnis für Staat und Kirche zum Ausdruck und schloß mit den Worten des großen amerikanischen Staatsmannes Steuben, die er auf die kanadischen Verhältnisse anwandte: „Nichtswürdig der, welcher neben seiner Frau (in diesen! Falle die kanadische Regierung) — die Mutter — das ist die alte Heimat — vergißt! — In Regina (Saskatsche- wan), so wird uns berichtet, wurde das Kolpingsbanner gehißt und somit der erste katholische Gesellenverein im
Allsogleich ging in Steinbach die Rede, die Besenselder machen alle ihr Glück in der Stadt, die Senze heiratet nun einen Geschäftsmann. Einen Laden in München haben, ist was anderes als in Steinbach. Der ist eine Wertsache heute.
Die Eltern wissen nicht, ob sie sich freuen sollen oder sorgen ob dieser überraschenden Nachricht. Josefs Brief beruhigt den Vater. Er teilt sachlich mit, das Geschäft stehe gut, der Mann sei tüchtig, soviel er selbst erfahren konnte, die Eltern sollen zusagen, es sei wieder eines ihrer Kinder versorgt.
Der immer mehr kränkelnde Besenfelder und sein rühriges Weib beraten am Sonntag mittag auf der Hausbank, wie sie der Tochter eine nötige Aussteuer beschaffen können.
Keines weiß Rat. Bargeld ist seins da. Ein Stück Vieh ist gegenwärtig nicht abzugeben. Ein Feld oder eine Wiese verkaufen, davon darf man nicht reden, das weiß das Weib. Der Mann hängt an jedem Fetzen Heimat mit allen Fasern. Was tun?
Endlich redet der Vater mit tiefem Seufzer:
„Müssen wir eben Geld aufnehmen auf das Höile Es wär auch ungerecht, wenn der Karl alles schuldenfrei bekäme und die zwei Mädle leer ausgingen."
Sie nehmen fünfhundert Mark auf für die Senze. Was ist das ein schwerer Gang für den totsiechen Mann, bei der Darlehnskasse sein Haus zu belasten am Lebensabend. Aber der Herr Gemeinderat sieht dem Besenfelder kein Weh an.
Das Bäuerlein sagt frisch: „Mein Mädle heirat in die Stadt, da kann ich ihr kein Stück Land mitgeben, da ist Geld nötig."
Als er langsam heimstampft mit den kostbaren Scheinen in der Brusttasche des Kittels, sagt er sich: „Mein Karl muß eben auch übernehmen wie ich seinerzeit, mit etwas Belastung. Er ist gesünder als ich, er wird's leichter freibringen."
Dieser schwere Gang war der letzte des Besenfelder. Am anderen Morgen flog ein Telegramm zu Joseph.
Den Vater hatte über Nacht ein Blutsturz an den Rand des Grabes gebracht.
Noch denselben Abend fuhren der Joseph und bi? Senze ihrer Heimat zu.
Der Vater ist noch bei Sinnen — ein heller Schein geht über das sterbensmatte, elende Männergesicht, als seine zwei so gesunden, kräftigen Kinder aus der Fremde an sein letztes Lager treten.
„Gut, daß da bist", flüstert er dem Sohne zu, als dieser die müde, magere Rechte des Kranken faßt, „daß ich dir noch sagen kann halt die Heimat für den Karl und die Rosel, die passen nit in die Stadt. Halt die Heimat."
„Freilih, Vater, freilich," sagt der Sohn in Herzlichkeit; jetzt konnte er doch diesem armen sterbenden Mann nicht widersprechen. Die Senze stand daneben und weinte ob dem jämmerlichen Anblick des Vaters Mit ihr war vorerst kein ernstes Wort zu reden.
Die Mutter und die zwei Jüngsten kamen leise hin und wieder. Der Vater hatte immer einen müden, gütigen Augenaufschlag; ab und zu ein Seufzen: „Daß ihr mir nur die Heimat haltet!"
Sinne Kolpings gegründet. Eine stattliche Anzahl junger Deutscher, die zumeist noch in den deutschsprechenden Staaten Europas ausgewachsen sind und schon in Deutschland oder Oesterreich Mitglieder der Kolpingsvereine waren, finden sich nun zu wöchentlichen Zusammenkünften in Regina ein; dem rührigen Präses, Pater Hü- land, ist es zu danken, daß ein ansprechendes Versammlunglokal unseren jungen Deutschkanadiern zur Verfügung steht, das auch ein Lesezimmer, ein Schreibzimmer, eine Billardhalle und eine Kegelbahn bietet, so daß >ich ein gediegenes geselliges Leben in Zukunft entwickeln kann. Mögen weitere Kolpingsvereine auch im übrigen Kanada folgen! — Die Anwendung der deutschen Muttersprache in den Schulen in der Provinz Saskat- schewan soll auf Grund einer Verfügung der Provinz' i.« regierung nun ganz unterdrückt werden. Die neue Verfügung will die Erteilung des Religionsunterrichtes in deutscher Sprache vereiteln und läßt nur die Möglichkeit, daß in einer halben Stunde in englischer Sprache Religionsunterricht erteilt wird. Es steht zu hoffen, daß alle zuständigen Kreise, vor allem der Volksvcrein der deutschen kanadischen Katholiken, ihren ganzen Einfluß geltend machen, um diese Verfügung rückgängig zu machen.
Gegen Abend schlief er still hinüber in die ew'g reifen Erntefelder des Paradieses.
Die Senze wertete das letzte Opfer des Toten, daß er eine Schuld für sie auf den Hof ausgenommen; die Dorfleute sagten nach dem Begräbnis des Besenfelders: „Das hätt' keins gedacht, daß der Senze der Tod des Vaters so nah ging, sie hat vor Weinen gar nicht aus den Augen gesehen."
Der Josef mußte sofort wieder abreifen; sein Bau- Handwerk erlaubte kein längeres Fernbleiben. Der Mutter legte er noch ans Herz: „Ueberlegt's wohl, mit Ihr mit den zwei grad aus der Schul Entlassenen das Höfle halten wollt, zehn Jahr gehen glatt vorbei, eh' der Karl ans Uebernehmen denken kann."
Das niedergedrückte Weib weinte: „Was dann, was soll ich tun, was soll ich anfangen?" „Verkäufen," antwortet der Sohn prompt. „In die Stadt ziehen", sagt die Senze.
Der Josef ist fort. Der Vater ist fort — viel, viel weiter — nun im Alltagsleben fehlt ihnen seine bis zuletzt hilfreiche Hand in Stall und Feld.
Wohl greift die Senze mit ein, aber es ist ihr schon eine ungewohnte Arbeit geworden. Sie findet alles schrecklich verwahrlost und ärmlich und ländlich.
Stündlich zeigt sie der Mutter in hundert Worten alle Nachteile dieser armseligen Wirtschaft. Stündlich rechnet sie ihr vor, was die beiden Jüngsten in der Stadt verdienen könnten.
Obwohl es der schlampigen Rosel nicht sehr um die Stadt zu tun ist, so hört sie doch begierig hin, wenn Senze vorrechnet.
Vor dem Karl aber nehmen sich die Frauen wie auf Verabredung in acht Sie wissen, in ihm lebt des Vaters harter Geist weiter. Er will nicht weg, er hängt an dem Erbe des Vaters und der Großeltern, bei ihm wird es einen harten Kampf absetzen.
Langsam reift in der müdgearbeiteten Bäuerin der Entschluß, ihren zwei Aeltesten zu folgen, das Anwesen zu verkaufen und in die Stadt zu ziehen.
Als die Senze nach einer Woche zur Abreise gerüstet in der einfachen Stube steht, weiß sie, die Mutter möchte verkaufen, es braucht nur noch eine Zeit, bis sie es laut zu sagen traut. Wenn sie sich nun einige Monate allein mit dem Karl und der Rosel abgerackert hat, wird sie reden lernen.
So zog sie fröhlich ab mit ihren fünfhundert Mark und einigen längst von der Mutter aufgestapelten Leinwandballen.
Bald zeigte sich in der vereinsamten Bauernfamilie die Arbeitslast in erschreckender Größe gegenüber der Arbeitskraft der alten Mutter, den wohl kräftigen Armen der Kinder, aber ihrer jungen Unerfahrenheit im Handeln. Es gab Meinungsverschiedenheiten, die besonders Karl hervorrief.
Der Sechzehnjährige wollte nun voll guten Willens soviel als möglich der Mutter alle Last abnehmen, griff überall an, kümmerte sich um alles und wollte natürlich nun bei allem mitreden. Die Mutter fühlte sich zurückgesetzt und beleidigt, weil der Bub nicht sie, wie früher den Vater, bei allen Verrichtungen fragte:
,Soll ich jetzt das tun — soll ich es so machen Vb immer häufigere Wortwechsel. Mutter und lebten sich in kurzen Wochen ganz auseinander. . kam, daß keines dem andern die Arbeit dankte, « ein gedrücktes, unlustiges und dabei so sehr st Schaffen.
Als nach zwei Monaten die Besenselderin eines gens aus dem Bett konnte, die entsetzlichen G schmerzen sie zwangen, nach dem Bader zu send juhr die Angst in den Buben um die Heimat.
Im Stall klagte er seine tiefe Not der Rosel schüttete eben den Kühen Futter auf. Sie hör ( gleichmütig an und sagte dann in ihrer gemäc Trägheit:
„Wir können sie doch nit halten und wenn d' ter wegstirbt, nimmt uns das Waisengericht doch da ist es gescheiter, wir verkaufen eher gut und ; in die Stadt mit der Mutter, dort hat sie es 2 streng und erlebt vielleicht noch ein paar Jährlei
Der Karl schaute die gleichgültig Redende entse — Die wollte also auch fort, die Mutter auch — war seine Heimat verloren — verloren für ihn Der Knabe sann nach: für ihn — ja für ihn alle . Den andern gehörte sie nicht, die anderen waren ganz daheim gewesen wie er — die gingen leicht sie immer gewußt, hier ist nicht unser Bleiben - die Mutter! — Der gehörte doch noch alles, r hing die Mutter nicht so an dem Höfle wie er, r wollte die Mutter die Heimat verlassen--? einem Heuhaufen in der Scheune saß der Bub und vor sich nieder und fand keine Antwort auf die schwere Frage. Die Mutter wußte doch, daß de ters letzter Wunsch gewesen: „Behaltet die Heima
Der Vater hatte ihm in letzter Zeit manchm klärt, daß es nicht schlimm stehe, um sie und ihre nur notig und kleinlich, daß aber bei einigen guter ren wieder viel in die Höhe gearbeitet werden kön
Der Vater hatte immer daniit gerechnet, da Mutter, die Rosel und er mitsammen die Heimai - treiben können, bis der Karl auf sie einheirate.
Warum kehrte sich die Mutter an all das letzte len des Vaters nicht? — Freilich, wenn sie krank 1 damit hatte der Vater in keiner Rede gerechnet. — fiel dem Buben plötzlich heiß ein: die Mutter iß nie krank gewesen, wenn sie jetzt sterben mühte lang liegen — wie die reiche Müllerin am Bat doch alle Pflege hat und nicht gesund gemacht v konnte von zehn Doktoren! Wenn die Mutter s liegen müßte'— dem Karl wurde es schwül und f Er und die Rosel allein konnten das Gütlein nie treiben und einen Dienstboten trug es nicht!
Nun rannte der Bub, von Angst getrieben,; die Scheune in den Gang, die Treppe empor in der ter Kammer. Sie lag recht ermattet in ihren wolstern und wollte nichts hören von Vieh und zur Ruhe — Ruhe
Noch angstvoller als er gekommen, verließ ds same Bub auf den Zehenspitzen die Krankenstub!
Vierzehn Tage lag das überanstrengte Weib i diesen Leidenstunden nahm der Plan des Verkaufs bare Gestalt in ihr an.
Wohl wehrte Karl, setzte des Vaters letzten 5 gegen ihre Rede, heulte sogar, die Rosel half z Mutter; er blieb allein mit seiner Heimattreue.
Zuletzt gab es immer harte Reden. Die Muttei seit der Krankheit schneller erregt, weinte bei der sten Veranlassung und hielt dem Sohne Undan Grobheit vor.
Da wurde der Bub verstockt. „Mitgehen tu' keinem Fall," sagte er sich, „ich verding mich als wohin, am liebsten zum oberen Bauer, so wär ich ni in der Fremde, die Sophie hält alleweil zu mir u der Heimat könnt ich auch vorbei, so oft ich wollt
Bald verbreitete sich, daß die Besenselderin ih wesen verkaufe — aber es zeigte sich für das ver loste Haus kein Käufer.
Der Joseph kam an einem Sonntag aus der und riet der Mutter, die Felder und Wiesen ges abzugeben, damit sie bis Frühjahr umziehen könn nicht gezwungen sei, in zwei Monaten nochmal säen. Er redete eindringlich mit dem Bruder ur ihm an, ihn in seinem Handwerk unterzuzubr Aber der Karl sagt:
„Ein Maurer will ich nit werden."
„So bringt dich die Mitzi in einem Hotel unt Ausläufer, als Stiefelputzer, schon mancher hat sü solch niederem Posten zum Portier emporgearbeih ist ein gemachter Mann geworden."
Der Karl trotzt: „Ich will nichts so Vorn werden."
„Was willst denn werden?" fragt endlich der der, dem die Geduld ob dem unguten Burschen ar
Der Karl sagt: „Ein Bauer, sonst nichts!" ' guckt er den Joseph an . . .