uno ging auf eigene Faust auf die Suche nach einem passenden Platz.
Noch manchesmal mußte sie das in den nächsten Monaten tun. Die „Senze" oder „Zenta", wie sie nun hieß, war eine von jenen gefürchteten Mädchen, die jeden Ersten ziehen, weil sie einen Tadel nicht ertragen können in ihrer eingebildeten Gescheitheit.
Der den Eltern versprochene Lohn konnte nicht abgesendet werden. Ein ganzes Jahr wechselte die Zenta hin und her und endlich im zweiten Sommer hatte es den Anschein, als ob sie bei einer älteren, gebrechlichen Witfrau, die ihr nicht viel nachsehen konnte, aushalte. Einstweilen war sie im Auftreten ein bürgerliches Fräulein geworden. Wer sie sah, der tnig den günstigen Eindruck von ihr weg.
Groß und hübsch gewachsen, mit angenehmen Bewegungen, einem gesunden, runden, immer lachenden Gesicht und wunderbaren Blondhaaren, hatte sie schnell in jeder Straße, in der sie sich einnistete, ihre Verehrer.
Die kluge Mitzi entdeckte bald, warum diesmal die Stelle nicht alsbald nach der ersten Reibung gewechselt wurde.
Die Senze sührte hoch oben im vierten Stock den Haushalt der alten Frau, unten im Parterre hatte der Trödler und Altertumskramer Christian Wanner seinen kunterbunden, vom Vater ererbten Laden.
Der Trödler, ein gemütlicher, lustiger Münchener Bürger, anfangs der Dreißiger, hatte sich gründlich 'N das gesunde, hübsche Bauernmädchen verguckt Der Senze gefiel der Mann, sein Geschäft noch mehr, zudem hatte sie das Dienen in dieser kurzen Zeit nicht erlernt und recht satt.
Auf beiden Seiten war ein Wille, wenn auch ein sehr verschiedener. So kam, was kommen mußte.
Die Senze schrieb vor ^..we des zweiten Jahr.s heim, daß sie mit ihrem Bräutigam, einem wohlhabenden Altertumshändler, nach Hause komme und die Mutter bitte, ihr, wenn möglich, eine kleine Aussteuer sammenzurichten. (Fortsetzung folgt).
Das Mädchen tum Konnersreuth
Seit Weihnachten 1922 nimmt fS? keine feste Nahrung, seit Weihnachten 1926 auch keine flüssige, seit dem 30. Septeniber 1927 nicht einmal den Löffel Wasser zur Hostienpartikel mehr. Wenn die Stigmatisierte sich im Zustande der Ekstase befindet, so verschwindet die ihr vom Pfarrer auf die Zunge gelegte Hostie ohne geschluckt zu werden Trotz allem bleibt ihr Körpergewicht unverändert. Auch die Wundmale Christi hat Therese Neumann noch immer. Nunmehr hat sich die Stigmatisierung auch auf den Schulterdruck der Kreuztragung und die Geißelwunden ausgedehnt. Das neue zwei^ bändige Werk des Protestanten Dr Gerlich hat auch viele bisherige Zweitler nachdenklich gemacht. Auch die Erklärungsversuche mit Hysterie sind nunmehr restlos abgetan, von Schwindel redet überhaupt kein Mensch mehr.
Zum 80. Todestag des ehrm. Dieser Gottes P. Wilhelm loses Chammade,
Gründer der Gesellschaft Mariä (Marianisten). (1761—1850).
Wenig bekannt in unserm engeren Vaterland ist der Orden der „Gesellschaft Mariä", der Marianisten. Nur zwei Anstalten dieser Kongregation wirken hier. Die eine befindet sich in Mainz, gegründet 1852 als „katholische Musterschule" und von Bischof Ketteler den Marianisten übergeben. Heute ist sie Realschule mit Internat. Die andere finden wir in Fritzlar, an der ehrwürdigen Stätte, wo einst Bonifatius die Donareiche füllte und das Christentum einführte. Diese Anstalt, für die Schüler der städt. Rektoratschule (Realgymnasium mit gymnas. Parallelklassen) am 1. Oktober 1928 eröffnet, trägt den Namen des großen Apostels der Deutschen: St. Bonifatius-Schülerheim.
Heute, am 22. Januar 1930, begeht die Gesellschaft Mariä die achtzigste Wiederkehr des Todestages ihres ehrw. Stifters Paters Wilhelm Josef Chaminade. Mögen die folgenden Zeilen, ein kurzer Festbericht, dazu beitragen, Gründer und Orden den Botenlesern mehr bekannt zu machen und Vertrauen zu erwecken. Das sei der Zweck der Schilderung des Lebens eines reich begnadeten Dieners Gottes.
Wilhelm Josef Chaminade, im Jahre 1761 in Psri- gueux, einem Städtchen Südfrankreichs, geboren, war das dreizehnte Kind einer Bürgerfamilie. Obwohl die beiden Eltern diesem jüngsten ihrer Kinder besonders zugetan, war dessen Erziehung streng und gewissenhaft. Hier war es die Mutter, welche nicht den geringsten Widerspruch duldete. Unter mütterlicher Höflichkeit und Belehrung erwarb sich der Knabe Wilhelm jene ausgezeichnete Höflichkeit und Liebenswürdigkeit, die den Priester im späteren Leben beliebt machten. Neben der innigsten Gottesliebe flößte die Mutter ihm eine hohe und reine Liebe zu Maria, der Gottesgebärerin ein. Kein
] gen angeblicher Rcgierungsfeindlichkeit an P. Cha I die Auflösung seiner Kongregationen. Jedoch die 1813 und 1814 brachten Frankreichs mächtigsten zum Sturz. Er wurde nach St. Helena verbann begeisterter Aufruf des seeleneifrigen Gründers an die ehemaligen Mitglieder seiner Kongregation begeistert folgten diese mit neuem Mute ihrem s Drei Jahre segensreicher Tätigkeit folgten. Viele linge und Jungfrauen traten aus den Kongreß in den geistlichen Stand über, um ihr Leben gai Dienste Gottes zu widmen. Unter der Leitung n Chaminade entstand die Kongregation der „Mar^ ter", die neben der eigenen Heiligung Krankenpflc Jugenderziehung ausübten.
Zwanzig Jahre waren seit der Gründung de gregationen verflossen, da kam am 1. Mai 18 Jüngling namens Johann Bapt. Lalanne zu P minabe mit dem Entschluß, der Welt zu entsag« ; fich ihm für seine Werke zur Verfügung zu steiler ter Wilhelm Josef rief nach des Jünglings Ane ergriffen aus: „Das ists gerade, was ich lange e> habe. Gott sei gelobt. Sein heiligster Wille of sich, und der Augenblick ist gekommen, den mir vor zig Jahren erteilten Auftrag zu erfüllen." N P. Chaminade nun den Plan der Gründung ehr giösen Genossenschaft unter dem Schutze der allers Jungfrau in Werken der Erziehung und des Unt dargelegt hatte, besprach Herr Lalanne, ein Stud Medizin, diesen Plan mit anderen Kongreganisten fanden sich zum gleichen Werke bereit, zwei davi ren Lehrer. Nach ernster Vorbereitung und gei Exerzitien verpflichteten sich diese fünf ersten ; am 2. Oktober 1817, dem Feste der hl. Schutzeng So fand die Gründung der Gesellschaft Mar Marianisten statt. Sie umfaßt drei verschiedene C I Geistliche, Lehrer und Handwerker. Am 11. De desselben Jahres legten diese Mariensöhne die Ordensgelübde in die Hände ihres Gründers ab bescheidenes Haus ward erworben. Groß war die des Stifters. Im ersten Jahre ging jedes Mitgl nen gewohnten Beschäftigungen nach. Nur (- Mahlzeiten und nach Feierabend kamen sie in gemeinschaftlichen Wohnung zusammen. Ein best- Ordenskleid wählte P. Chaminade nicht für seine ( Die Priester trugen ihre Kleidung und die Laien i damaligen Mittelstandes: Gehrock und Zylinder heiligen Regeln waren die drei Ordensgelübde u besondere Weihe an Maria. Nun folgte die^Mk:. tung der Gesellschaft Mariä. So wurde nach un sein, Pater Chaminades, eigenes Landgut ein K Pensionat in Bordeaux, eine Primarschule in As Zwecke nder Marianisten Herangsechasft. Der Pfarrer von Kolmar im Elsaß ersuchte P. Char < die Schulen seiner Pfarrei zu übernehmen. Du im Jahre 1822. Es kam zu Ordensniederlassun Rappoltsweiler, Schlettstadt, St. Pilt u. a. m. Di sellschast Mariä" gedieh im Elsaß, bis im Jahre 18 läßlich des Kulturkampfes alle Schulen geschlosst, den mußten. Hervorgehoben feien die Gründung Gesellschaft Mariä in der Schweiz im Jahre 18391 dieses Land zeigte er besonderes Interesse, da sein fahren dort beheimatet waren. Nach Sitten, La und Basel kamen die Marianisten und gründeten i Lehrerseminare und Knabenschulen. Im Jahre, kamen die Marianisten nach Oesterreich. In Gi öffneten sie eine Privatrealschule (jetzt Realgymw In derselben Stadt sowie auch in Wien, Freistai Bildungshaus für die jungen Ordenskandidaten rerfeminar, «vchülerheim für die Zöglinge des B gymnasiums), Lanzenkirchen, Greisinghof bei Prc (Noviziatshaus der deutsch-österreichischen Ordensp und Linz eröffnete sie im Laufe des Jahres Volkl Hauptschulen mit Internaten. Im Jahre 1852 die Marianisten dem Rufe des edlen Bischofs $ nach Mainz, Kleinzimmern und Drais. Auch übrigen Ländern Europas befinden sich Schule! Internate der Marianisten, die sich des besten Ru freuen, so z. B. in Belgien, Frankreich, Italic? Spanien. Eine der blühendsten Ordensprovinzen, in Amerika mit ihren sechzig Niederlassungen, bei zwei Universitäten, zu der auch die Schulen de rianiften in Japan (Tokio, Dokohama, Nagasaki, u. a. m.) und auf den Hawai-Jnscln (Honolulu mi Schülern, Hilo und Wailuku) gehören. Auch in besitzt die „Gesellschaft Mariä" Schulen.
So wirkt in allen Ordensniederlassungen das Wort und Beispiel des ehrwürdigen Gründers L I. Chaminade segensreich fort.
Freuden und Leiden zeichneten den treuen $ diener Wilhelm aus. Die letzten Lebensjahre beni zum Besuch seiner geistlichen Söhne und zur endg Abfassung der Ordensregeln. Im Jahre 1839 wo die große Freuds zuteil, von Rom aus die kirchlic! erkennung der „Gesellschaft Mariä" zu erlangen, wurde die Gründung als Werk Gottes bezeichnet, betagt, ein Greis von fast neunzig Jahren, oer P. Chaminade seine letzten Lebensjahre in Bo und besuchte, so oft es ihm möglich war, seine Novizen. Endlich holte Maria ihren treuen Dien glühenden Verehrer zu sich. Am 22. Januar schied der hochverehrte Ordensgründer aus dieser in der er gelegt, gelitten und gewirkt wie ein H Anläßlich der hundertjährigen Gründungsfeier Se. Heiligkeit Papst Benedikt XV. den Grund „Gesellschaft Mariä" einen Mann von außerordei Tugenden. Der Seligsprechungsprozeß ist schon st ' ren eingeleitet. Bitten wir Gott und die Himine
Wunder, daß Wilhelms Wunsch, ein Streiter und Soldat Mariens zu sein, im späteren Leben in Erfüllung ging. Im Alter von zehn Jahren trat der Knabe ins Kollegium eines benachbarten Städtchens. Hier wirkte bereits sein ältester Bruder Johann Baptist als Professor, ein anderer, Ludwig mit Namen, studierte noch. Wilhelm empfing im Kolleg auch die erste hl. Kommunion. Als er sein sechzehntes Lebensjahr erreicht hatte, legte er das priesterliche Kleid an. Es war dies allgemein damaliger Brauch, um hierdurch den zukünftigen Priesterberuf anzuzeigen. Mit ihm entschloß sich zugleich sein Bruder Ludwig und beide machten in der Frömmigkeit und im Studium glänzende Fortschritte. Wilhelms Lieblingsfach war die Religion, sein Streben, die hehren Tugenden der allerseligsten Jungfrau nachzuahmen. Nach Beendigung der Studienjahre im Kolleg trat er ins Priester- eminar zu Paris ein. Hier zum Priester geweiht, tudierte er noch einige Zeit an der „Sorbonne" und ehrte als Doktor der Theologie in sein früheres Kolleg zurück. Johann Baptist, der älteste Bruder, wurde unterdessen zum Direktor der Anstalt ernannt. Ludwig war Studienpräfekt und P. Wilhelm Josef übernahm das Amt eines Verwalters. Große finanzielle Schwierigkeiten stellten sich ihm entgegen; doch war er seiner Aufgabe gewachsen. Die Anstalt gedieh unter der Leitung dieser drei geistlichen Brüder, Söhne einer Familie, zusehends.
Nur wenige Jahre des Friedens und der priesterlichen Arbeit verbrachte er hier, denn 1789 brach die französische Revolution aus. Die Greueltaten derselben sind zu bekannt, um sie hier besonders anzuführen. Unter den vierzigtausend Priestern, die den Eid auf die neue Verfassung verweigerten, befanden sich selbstverständlich auch die drei Brüder Chaminade. Sie mußten natürlich ihr Kollegium aufgeben. P. Wilhelm Josef ging nach Bordeaux. Interessant sind die mannigfaltigen Verkleidungen, in denen er sein heiliges Priesteramt ausübte. In den Straßen von Bordeaux erblickte man damals einen jungen Kesselflicker. Auf dem Kopfe trug er jenen großen Kessel; rings um denselben Löffel, Pfannen und allerlei Küchengerät. „Kesselflicker, Kesselflicker," so hallte sein Ruf immer wieder. Es war V. Wilhelm Josef, der unter dieser Verkleidung in höchster Seelen- und Todesnot vielen Treuen ein Retter ward. Mehr als einmal drohte ihm Gefahr. „He Bürger, bist du nicht dem Pfaffen Chaminade begegnet?", so redeten ihn einige Sanskulotten an. „Ei freilich! Er ist nicht weit von hier. Wenn ihr euch beeilt, könnt ihr ihn noch erwischen," lautet seine Antwort. Jene eilen, der Priester ist gerettet . . . Drei Priester hörten in einem Hause Beicht. Die Häscher erscheinen; suchen; finden niemand. „Es ist doch merkwürdig, daß ihr in jedem Hause Priester wittert. Sucht nur; das ganze Haus steht euch offen!" P. Chaminade hats ihnen gesagt, läßt sie weiter suchen und entweicht mit den beiden anderen aus dem Dachfenster! . . . „Unter dem Bottich dort befindet sich ein Pfaff! Nehmt ihn!", so sagt ein Küfer zu den Verfolgern. Diese glaubens dem bekannten Spaßmacher nicht. Wieder war der Priester gerettet; denn unter dem leeren Bottich saß . . . P. W. I. Chaminade! . . . Dann wieder ist seine Rettung das gute Mundwerk der treuen, alten Hausmagd. Auch des Hauses Wachthund trat in P. Wilhelms Dienst. Der Priester schrieb jedoch seine wunderbare Rettung in dieser Schreckenszeit dem Schutze der Gottesmutter zu. Immer inniger vergalt er ihre Mutterliebe durch wachsende Verehrung.
Die Priesterverfolgung endete im Jahre 1795. Rege, eifrige, öffentliche Tätigkeit setzte ein. Nicht lange. Zwei Jahre später, 1797, begann die Verfolgung aufs neue. Mit vielen anderen erhielt P. Chaminade den Ausweisungsbefehl. Nach Saragossa lenkte der Priester seine Schritte. Hier in Spanien in der Verbannung zugleich mit seinem Bruder Ludwig, fertigten beide, um sich zu ernähren, künstliche Blumen an, auch kleine Heiligenstatuen aus Gips. Und an diesem Orte, welcher in einer naheliegenden Kathedrale ein Gnadenbild der Muttergotte barg, ward ihm der Auftrag der allerseligsten Jungfrau zuteil, nach seiner Rückkehr in die Heimat eine religiöse Genossenschaft zu gründen, deren Mitglieder sich ganz ihrem Dienste weihen und unter ihrem Schutze an der Verbreitung und Hebung des Glaubens arbeiten sollten. Maria zeigte dem treuen Diener die Einrichtung der neuen Gründung, so daß P. Chaminade später einmal seinen geistlichen Söhnen, den Marianisten, sagte: „So wie ich euch heute vor mir sehe, habe ich euch schon lange vorher gesehen!" Oft betonte er, nicht er, sondern die allerseligste Jungfrau selbst habe die „Gesellschaft Mariä" gegründet.
Aus der Verbannung zurückgekhrt, gründete P. Chaminade im Jahre 1800 unter dem Titel der „Unbefleckten Empfängnis" marianische Kongregationen. Die Zahl der Mitglieder stieg schon im ersten Jahre auf Hun- j dert. Außer dieser für Jünglinge gab es noch eine für i Jungfrauen und Kinder; alle unter dem Schutze der „Unbefleckten". Die Kongregationen zählten unter ihren Mitgliedern Vertreter aller Berufsklassen: Priester, Aerzte, Advokaten, Kaufleute, Handwerker. Sie alle rechneten es sich zur Ehr ean und machten es sich zur Ehrenpflicht, ihren Mitmenschen Liebesdienste zu erzeigen. Als im Jahre 1804 der Bischof von Bordeaux sein Priesterseminar wieder eröffnete, gingen sämtliche Professoren und Schüler desselben aus der Kongregation des P. Wilhelm Josef Chaminade hervor. Leider verfügte die Regierung im Jahre 1809, nachdem Napoleon den Heiligen Vater Pius IX. aefangen genommen, we-1