eilage zum Bonifatiusboten
Nr. 1
Sonntag, 5. Januar
1930
5
Herz-Zesu-Gebeksnpostolat. Als besondere Gebetsmeinung für den Monat Januar hat der Hl. Vater bestimmt: „Daß sie alle eins werden!" Möge darum das Gebet um das Glück der Wiedervereinigung im Glauben tausend- und millionenfach in diesem Monat zum Himmel steigen.
Die Diözese Aulda hat im verflossenen Jahr? 1929 4 Priester durch den Tod verloren: Pfarrer Hermann Malkmus-Fulda, Prälat Wilhelm Nhiel- Fulda, Pfarrer Oskar Hafeneier-Kaffel - Wehlhei- - den und Pfarrer Karl Alexander ?lbe!-Frankfurt- Fecheuheinu Die beiden erstgenannten lebt m bereits im Ruhestande. — Als neugeweihte Priester traten in den Dienst der Diözese die H. Herren Kapläne: Hermann Hahner, Paul Hartmann, Eduard Schick, Rudolf Hammer, Bernhard Köhler. Dr. Georg Verner (letzterer in Rom zum Priester geweiht), im ganzen 6. In der Vorbereitung auf das Priestertum begriffen sind von der Diözese Fulda zurzeit 62 Alumnen des Priesterseminars I jn gA und 2 Zöglings des Germamkums in Roni, ein weiterer Germaniker wurde berèlts am 28. Oktober 1929 zum Priester geweiht und wird im Laufe des Jahres 1930 feine Studien beenden.
Pfarrer Abel gestorben. Aus Frankfurt am Main-Fechenheim kommt die Nachricht, daß Herr Pfarrer Karl Alexander Abel gestern abend infolge eines Hirnschlages gestorben ist. Der Verstorbene war geboren am 12. August 1873 zu Butlar und wurde am 31. März 1900 zum Priester geweiht. Nach kurzer Wirksamkeit als Kaplan in Großauheim wurde er am 1. Mai 1901 zum Domkaplan in Fulda ernannt. Am 1. April 1903 wurde er Kuratus in Fechenheim und am
15. Februar 1908 Pfarrer der neuerrichteten Pfarrei Fechenheim. Mit Herrn Pfarrer Abel ist ein frommer, seeleneifriger Priester dahingegangen, der von allen seinen Pfarrkindern tief betrauert wird. R. i. p.
Baut Krippens Nachdem einige Wochen vor Weihnachten in Fulda ein K r i p p e n b a u die Aufmerksamkeit weitester Kreise für die Weihnachtskrippenbeme- gung geweckt hatte, nahm der k a t h. Ar b e i t e r v e r- ein der Stadtpfarrei noch Gelegenheit, unmittelbar vor dem Feste in Verbindung mit seiner Adventfeier das Interesse auf die weitere Verbreitung der Weihnachtskrippe hinzulenken. In Pater Ewald hatte man den rechten Redner gefunden, der die Krippe und ihre Bedeutung für die Familie mit begeisterten Worten schilderte.
heimische Landwirtschaft und Siedlungsfrage. In einer Versammlung des Kurhess. Bauernvereins sprach am 21. Dezember Herr Dr. K i f f m e y e r-Kassel, der Leiter der neuen Siedlervermittlunsstelle in Kassel, über die Aussichten der Siedlung im deutschen O st e n. Die Siedlerdörfer werden nach Landsmannschaftlichen Gesichtspunkten und unter Berücksichtigung d?r konfessionellen Zugehörigkeit der Siedler errichtet. Eine Siedlung von etwa 60 Morgen kommt auf 40 000 Mark, wovon 6000 Mark in bar vorhanden sein müssen. Der Karitasverband Fulda (Mutterhaus) gibt gerne nähere Auskunft.
Aus der Zugendarbeit im Fuldaer Land. Die Bezirks- Präses der katholischen Jugend- und Jungmännervereine der Diözese Fulda hatten am 17. Dezember eine Aussprache über die Winterarbeit der katholischen Jugend- u. Jungmännervereine. Der Diözesanpräses, Kuratus Kin d, leitete die Besprechung mit einem Worte unseres großen Führers Mosterts ein: „Ich sage Ihnen, meine älteren Jungen, die hätten dem Teufel ein Ohr abgebissen, wenn der in ihrem Vereine etwas gewollt hätte. Gegen die stürmische Macht und den leidenschaftlichen Drang von 200 älteren Jungen kommt die übrige Oeffentlichkeit eines Ortes nicht an." Jungführer, begeistert für die hehre Sache, voller Kraft, die die Lasten und Verantwortung selbst tragen, müssen wir schaffen. Unsere ganze Bewegung muß eine Bewegung von ziel- und selbstbewußten Männern werden. Ein Junglehrer- kursus, eine Werkwoche für Lehrer, die in der Führung katholischer Jugned stehen, soll in Altenberg bei Köln zwischen Weihm chten und Epiphanie stattfinden. David Gathen, der Führer der Jndustriejugend. wird Mitte Januar in unsere Gegend kommmen. Hanau und Fulda sind vorgesehen zur Arbeitsgemeinschaft mit Gathen über
kooperative Wirtschaftsordnung. Die Wirtschaftslehre Dessauers-Frankfurt wird er uns näher zu bringen suchen. — Aloys S e y o ck, unser altbekannter Führer der Landjugend, wird am 25. und 26. Februar eine pädagogische Dorfführertagung abhalten. Der Ort ist noch nicht bestimmt. Die Winterschulen, Lehrer, Geistliche und Jungbauern werden jetzt schon darauf aufmerksam gemacht. Vom 16. bis 22. März wird dann Seyock in unserer Diözese eine Werbewoche und Kurse abhalten. Ferner sollen in Zukunft die Bezirkstage jedes Vierteljahr an einem bestimmten Tage regelmäßig stattfinden. Ueber Führerring und Jugendring wurde eingehend gesprochen. Die Zusammenfassung aller Kräfte, besonders der Führerkräfte in allen katholischen Vereinen, ist notwendig. Es ist Zeit, daß in diesem Sinne in unserer Diözese grundlegend und bahnbrechend gearbeitet wird. Im Ausbau unserer Organisation ergibt sich im- mermehr die Notwendigkeit, einen hauptamtlichen I u- gendsekretär anzustellen. Werbearbeit für unsere Zeitschriften wird notwendig. Etwa 200 neue Bestellungen für 1929 genügen noch nicht. Unsere Z e i t s ch r i f- t e n gehören in die Hände eines jeden Mitglieds. Darum müssen die Präsides in dieser Sache noch arbeiten. Das Sturmbanner des Verbandes endlich soll auch immer bei uns heimisch werden. Das Christuszeichen auf farbigem Grund und unser neues Verbandsabzeichen soll uns allen voranleuchten im Kampfe um das Königreich Christi, im Sinne der katholischen Aktion, im Sinne un= [ere§ Seitisen Vaters und feiner Sendschreiben an die katholische Welt. Das ist die Aufgabe bèk llâchsten Zeit.
Dietershausen. Am 1. Weihnachtsfeiertag starb in Kohlgrund - Klübersborn der Auszüger Benedikt Seuring. Er war am 23. April 1836 geboren, hat somit ein Alter von fast 94 Jahren erreicht. Bis in das hohe Greisenalter war er geistig und körperlich recht rüstig. Er war aber nicht der älteste Bewohner der Pfarrei. Fast ein Jahr älter ist die am 11. Juni 1835 geborene Witwe M. Eva Katharina Höhl in der Missjgau, die also im kommenden Jahr 95 Jahre alt wird. Sie ist freilich seit längerer Zeit an das Bett gefesselt; auch die Geisteskräfte haben bei ihr sehr nachgelassen. Im Alter von 80—90 Jahren stehen in hiesiger Pfarrei nicht weniger als 10 Personen. Diese sind noch alle kräftig genug, um zum Gottesdienst und Sakramenten-Empfang in die Kirche zu kommen. Es dürfte wohl wenig Pfarreien in der Größe von Dietershausen geben, die eine solch stattliche Anzahl hochbetagter Leute zählen, gewiß ein Beweis, daß ein gesunder Menschenschlag in der Rhön wohnt.
Mittelkalbach. Der auf st redende Gesellenverein Mittelkalbach trat am Abend des 2. Weihnachtstages zum ersten Male mit einem Theaterabend vor die breitere Öffentlichkeit und zwar hatte er sich zur Stufgabe gesetzt, das Drama „Rosa von Tannenburg" zur Darstellung zu bringen. Dem inneren Wert des Stückes entsprechend war der Saal bei Cölestin Heil bis zum letzten Platz gefüllt. Es war ergreifend, am Hochfest der göttlichen Liebe ein schönes Nachbild derselben in der unüberwindlichen Kindesliebe Rosas zu ihrem Vater vor Augen zu sehen. Besonderen Reiz erhielt die Aufführung des Stückes noch durch die anmutigen Lieder und Reigen der Kinder und Mädchen und die vierstimmigen Gesänge des Kirchenchores unter der erprobten Leitung des Hauptlehrers Wieder. Zum Schluß konnte Pfarrer Fiege allen Mitwirkenden verdientes Lob und berechtigten Dank aussprechen.
Welkers. Kürzlich konnte unser Mitbürger Damian Greif in geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag begehen. Durch sein stets hilfsbereites Wesen und seinen lauteren Charakter ist er weit über die Grenzen des Dorfes bekannt. Alle Widerwärtigkeiten des Lebens haben es nicht vermocht, ihm feinen goldenen Humor zu rauben. In feiner fast 50jährigen Tätigkeit im Dienste der Gemeinde war er nur bestrebt, gestützt auf ein reiches Wissen und praktische Erfahrungen, in uneigennütziger Weise dem Wohle der Gesamtheit zu dienen. Ein Fackelzug und ein Ständchen des hiesigen Gesangvereins „Treugold", sowie die Ueberreichung eines sinnigen Geschenkes brachten den Dank der Gemeinde zum Ausdruck. Damian Greif ist auch heute in seinem hohen Alter noch ein eifriger Leser der „Fuldaer Zeitung" und des „Bonifatiusboten". Möge nun unserem lieben Geburtstagskinde durch die Gnade Gottes noch ein langer, ungetrübter Lebensabend beschieden sein. Das ist der Wunsch aller, die ihn kennen.
— Wisselsrod. Nach langer schwerer Krankheit verstarb sanft im Herrn im Landeskrankenhaus zu Fulda Landwirt Richard Schramm von Wisselsrod. Er erreichte ein Alter von 48 Jahren. Am Montag, den 23. d. M., haben wir ihn auf dem Pfarrfriedhof zu Dipperz beerdigt. Zum lebten Male zog er den Kirch- weg von Wisselsrod nach Dipperz, den er im Leben so oft gegangen ist. Viele Leidtragende, auch aus den be
nachbarten Ortschaften, hatten sich zur Beerdigung eingefunden. Man sah es an ihren Gesichtern, daß sie nicht gekommen waren, um einer gewohnheitsmäßigen Pflicht zu genügen, sondern die Tränen, die über die Wangen rollten, waren Zeugnis innerer Teilnahme und Ausdruck des Schmerzes über den erlittenen Herben Verlust. Der Verstorbene war ein echt katholischer Mann! Wer sich in irgend einem Anliegen an ihn wandte, konnte bestimmt auf Hilfe rechnen. Jahrelang hat er den Organisten in der Dipperzer Pfarrkirche vertreten. Alle freuten sich, wenn der „Richard" die Orgel spielte. An seinem Grabe trauern eine Witwe und 12 Kinder. Möge das Lied „Ich hatt' einen Kameraden", das die Musikkapelle am Ende der Trauerfeier spielte, nicht verklungen sein in den Bergen der Rhön, sondern mögen alle, besonders seine Kriegskameraden, treue Kameradschaft halt •
Hilders. Am 2. Weihnachtsfeiertage feierte der hiesige Gesellen». sein 16 Stiftungsfest. Der Morgen sah die Gesellen vollzählig am Tische des Herrn. Die abendliche Festveranstaltung begann mit der Begrüßungsansprache des Präses Kpl. Kreuter. Anschließend fand eine kleine Feier zum Gedenken des Papstjubiläums statt, bei der Pfarrer Weber passende Worte fand. In dem nachfolgenden Theaterstück: „Die Zigeunerin von Rocca- Walla", einem historischen Schauspiel aus Spaniens Geschichte, gaben alle Mitspieler ihr Bestes.
Spahl. Eine ertöte , tiefe Weihnachtsfreude den Angehörigen der Pfarrei Spahl die gemütliche Familienfeier am 2. Weihnachtsfsiertaa im festlich geschmückten Saale der Gastwirtschaft Joseph Henkel. Recht zahlreich hatten die Pfarrkinder der Einladung Folge geleistet. In einleitenden Worten entwickelte unser Hochw. Herr Pfarrer Kleeschu l t e das Programm und betonte, daß die heutige Feier eine Familienfeier sein solle, da die Pfarrei nichts anderes bedeute als eine große Familie. Im Mittelpunkt stand der Lichtbildervortrag des Herrn Pfarrers über Krippendarstellungen berühmter Maler verschiedenen Bekenntnisses. Er zeigte interessante Bilder, die er näher erklärte und ausdeutete. Von besonderer Wichtigkeit für die Zuschauer war der Schlußsatz des ganzen Vortrages, der so recht die Hoheit und Würde der Mutter betonte: „Jede Mutter soll uns heilig sein!" Es folgte nun das vierstimmige Lied: „Es ist ein Ros entsprungen", das wirkungsvoll und exakt vom Spahler Gesangverein zum Vortrag kam. In einem weiteren formvollendeten Vorkrage fand ein Sohn unserer Pfarrfamilie Gelegenheit, auf die Bedeutung des 26. Dezember hinzuweisen und das Jubiläum 'des heiligen Vaters in den Vordergrund zu stellen. Er berichtete uns von seiner Romreise im Jubeljahr 1925 und fand warme und begeisterte Worte, den hohen Priester, greis in Rom zu würdigen. Damit erhielt du Feier das Gepräge einer Papstfeier, wie sie ja von maßgebender Stelle aus gewünscht wurde. Die Rede gipfelte in einem Hoch auf den Stellvertreter Gottes. Im zweiten, mehr gemütlichen Teile kamen die Lachmuskeln auch auf ihre Rechnung. Es folgte „Hänschens Skifahrt", durch Licht- bilder illustriert, und das humoristische Theater- stückchen: „Die Weihnachtsbescherung", wo alle Mitglieder ihr Bestes gaben. Allzu schnell flogen die Abendstunden bei munterem und heiterem Geplauder dab^n. Die Schlußworte waren Dankesworte an ane, die zu dieser wohlgelungenen Feier beigetragen hatten. Ganz besonderer Dank galt dem hochwürdigen Herrn Pfarrer selbst, der uns schon zum zweiten Male während seiner kurze« Wirksamkeit in Spahl mit einer solchen Feie: erfreut hat. Die Feier schloß mit einem begeisterten Hoch auf unseren Seelsorger.
Aus dem Kreise Hünfeld. 2tm 20. Dezember 1929 fanden sich die Ortsvarsitzenden bezw. Delegierten des Kur- hessischen Bauernvereins, Kreisgruppe Hünfeld, zu einet Sitzung im Gasthaus „Zur Krone" in Hünfeld zusammen. Der Kreisvorsitzende, Bürgermeister H e ß-Rim mels, wies auf den Zweck der Zusammenkunft hin. dia Klarheit in allen schwebenden Fragen bringen solle El betonte insbesondere, daß nach Lage der Dinge auch Stellung zu den übrigen Verbänden im Kreis genommet* werden müsse. Geschäftsführer Schüler schilderte im Schwierigkeiten, die dem Kurhessischcn Bauernverein b$ feinem Aufbau im Kreise Hünfeld entgegenstanden. Erf die Versammlungstütigkeit im vorigen Winter habe eines greifbaren Ersole insofern gezeigt, als im Laufe des Wir»