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genannt. (VergleicheMonatsblätter der Oblaten" Jahrg. 1927, Seite 114141.

Im Frühjahr 29 erhielt ich von meinen Obern Er­holungsurlaub in die Heimat. Aber, wohlgemerkt, un­ter der Vedignung, daß ich wenigstens zwei deutsche Brüder mitbrächte vom Schlage Bruder Wilhelms und seines Kameraden. Dieser große Missionar, des­sen Missionsgebiet an Ausdehnung wenigstens Deutich­land und Oesterreich gleichkommt, der gearbeitet hat wie der Gewöhnlichste unter uns, der mit seinen India­nern Hunger und Kälte, Gefahren zu Wasser und Land bestanden, der vorigen Sommer noch auf unserer Fahrt auf dem Eismeer mit eigner Hand das Steuer führte durch die vielen Eisschollen hindurch, der ist in schwerer Verlegenheit; er sieht sich nach Hilfe um und weiß nicht, wo sie herkommen soll.

Sollte es da unter den Jüngern Kolvings keine hochherzigen Seelen geben die bereit find, einem armen Missionsbifchof helfend zur Seite zu treten? Die gerne aus Liebe zu Gott auf die ost so fadenscheinigen Freu­den der Welt verzichten, um sich ganz in den Dienst des Allerhöchsten zu stellen und sein Reich bis an die Gren­zen der Erde verbreiten zu helfen? Es läßt sich kein schönerer Beruf erdenken als der: Missionar an der Seite des Priesters, als Bruder im großen Weinberge Gottes draußen in den Heidenländern zu sein.

P. Robert Streit sagt in seinem WerkDie katho­lische Weltmission, Zahlen und Zeichen", das er im Auf­trage des hl. Vaters geschrieben hat:Der Missions- bruder ist wirklich der helfende, stützende und ergänzende Bruder des Missionars."

Das kann ich alles aus eigner Erfahrung bestätigen.

Für unsere Schiffahrt auf dem Eismeer benötigen wir einen tüchtigen Maschinenschlosser; ferner für un­sere Neubauten tüchtige Schreiner. Ueberhaupt alle Handwerker können bei uns Beschäftigung finden; alle, die beten und arbeiten wollen, sind uns willkommen.

Das Klima ist sehr gesund, eine bessere, reinere und klarere Luft als bei uns ist sonst nirgends zu finden. Die Kälte im Winter ist allerdings recht streng, aber trocken; doch sind wir dafür eingerichtet und haben gute Pelze. Genügend Holz ist da, um die Häuser nach jedermanns Geschmack zu heizen; da braucht nicht ge­spart zu werden. Das Nötige zum Leben und etwas mehr haben wir auch. Die schlimmen Anfangszeiten sind beinahe überall vorüber. Die Verkehrsverhältnisse sind jetzt bei weitem besser, sodaß wir mit allem verse­hen sind. Trotzdem Ackerbau und Viehzucht hier nicht mehr recht in Frage kommen, verspricht dieses Land eine große Entwicklung durch die vielen Bodenschätze, die es in sich trägt Seit vorigen Sommer wird diese ungeheuer große Gegend wo ès noch keine Eisenbah­nen, keine Wege gibt, von Flugzeugen durchkreuzt. Die Post die früher im Winter nur mit Hundeschlitten beför­dert wurde, besorgen jetzt vielfach Flugzeuge.

Auch in den Missionen des kanadischen Nordens 'st es wahr, was der Heiland einem jeden verheißt, der sich ihm ganz weiht:Wer Vater und Mutter um mei­netwillen verläßt. dem werde ich hundertfach vergelten schon in diesem Leben."

Wer nun von Euch, wackere deutsche Handwerker, bem Rufe Gottes folgen will, der wende sich vertrauens­voll an Hochw. Herrn P. Novizenmeister im Oblaten­kloster zu Hünfeld bei Fulda und teile ihm mit. daß er Missionar der Indianer und Eskimos werden will.

Bruder Gerhard Kraut,

Oblate der Unbefleckten Jungfrau Maria, Missionar am Makenzie.

WeihtmchtsMngen im Hochwald

Von Sophie Freiin von Künsberg.

Weihnachten! Wieviel glückliche, frohe Stunden bringt dieses schöne Fest zur Erde nieder! Freuden des seligen Erwartens, des beseligten Gebens, des glücklichen Emp­fangens. wieviel Kinderjubel, wieviel lichthelle Stunden für groß und klein! Und für die gläubige Seele wird in dieser heiligen Nacht ein Stück Himmel auf die Erde getragen. Sie fühlt das Kommen des Erlösers, der in Nacht und Kälte den Menschen sichtbar erschien, sie um strahlt im Herzen die Helle aus der Höhe ihr tönt ein Widerklang des Engelsglorias sie fühlt Gottesnähe in der heiligen Weihnacht.

Der Mann, der die Tür seines Dachstübchens schloß, ahnte nichts von der Seligkeit der heiligen Christnacht. Als Kind braver Eltern war er schon früh Waise gewor­den, hatte, im fremden Hause aufgewachsen, nie mehr die Freuden eines eigenen Heims kennen gelernt. Glaubens­lose Menschen hatten ihn umgeben, bae Körnchen Gottes­liebe, das die Mutter in das Kinderherz gelegt, war ver­dorrt, und wenn Herbert Lenz auch immer ein ehrlicher, fleißiger Mann geblieben war, der in feinem Leben den Mitmenschen gegenüber ohne Tadel war, so blieb er in seinem Innern gottentfremdet, und das machte fein ein­sames Dasein öde und freudenleer. Oft fühlte er es be­brütend verlassen, zwecklos. Was war es auch: Von Tag zu Tag muffte er sich mühsam durchringen, nur um das tägliche Brot für die nächsten Wochen zu verdienen; er war an ein Schreibpult gekettet, wo seine Arbeit ihm

zur Last war. Er hatte seinen Beruf als Privatdozent wegen einer Verwundung, die er im Kriege erhalten, aufgeben müssen, jetzt war er Schreiber in einer Kanzlei eine andere Stelle hatte sich nicht für ihn gefunden.

Als er heute mit trübem, müdem Blick durch die Straßen ging, helle Fenster von Christbaumlichtern be- leuchtet sah, aus den Häusern ab und zu Kinderjubel dringen hörte, frohe Menschen an ihm vorbeieilten, da faßte es ihn wie eisige Kälte ans Herz:Nur du bist einsam, freudlos, glücklos nur für dich gibts keinen Lichtschimmer mehr keinen einzigen nur Arbeit, Sorge wozu dies öde, mühselige Leben? Besser ist ein schnelles Ende, ein stilles Ausruhen." Wie lange schon hatte er diesen Gedanken mit sich herumgetragen. Wozu das beständige Zögern?

Dort funkelten von elektrischem Licht umleuchtet Waf­fen in einem Auslagefenster. Herbert blieb einige Augen­blicke vor den blinkenden Scheiben stehen, dann trat er mit schnellem Entschluß in den Laden und kaufte einen kleinen Revolver es war eine billige Qualität, doch das letzte Geld in seiner Börse reichte zu nichts Besserem und wenn das Ziel so nahe ist, trifft man mit einer ge­ringeren Waffe auch sicher. Herbert Lenz verließ die Stadt mit ihren jubelnden Festfreuden und ging die breite Straße weiter. Bald zweigte ein gut ausgetretener Fußweg davon ab und führte durch verschneite Wiesen­flächen zum Hochwald, der von dem aufgehenden Mond umleuchtet in seinem Schneekleid träumte. Dort wollte der lebensmüde Mann durch eine Mordtat feiner eigenen Hand Ruhe und Frieden am Heiligen Abend suchen.

Still war's hier, so feierlich still wie an einem hohen Festtag. Nur der Schnee knisterte unter seinen Füßen, nur ein leiser Nachtvogelruf, wie ein schwaches Wimmern im Halbdunkel, dann wieder Stille, leuchtende Stille. Das Mondlicht schimmerte über die Waldstraße, ruhte auf den Zweigen der hohen Tannen, die die Schneelast nieder­beugte und die der Frost mit langen Eiszapfen geziert hatte. Wie der Kristallschmuck blitzte und funkelte, wenn die Mondstrahlen darüber hinzitterten! Das Waldgras am Straßenrand, die Farren, die verstreut unter den hohen Tannen standen, alles prangte in weißer Winter­herrlichkeit und überall war Friede, Weihnachtsfricde

Der unstete Mann auf der Waldsträße strebte rastlos vorwärts, und doch war ein bewunderndes Schauen in feinen Augen, und je weiter er ging, je tiefer senkte sich ein nie gekanntes Gefühl in fein Herz die Friedens­stille der schweigenden Gotteswelt.

Der Wald lichtete sich, Herbert Lenz stand vor einer kleinen Waldwiese, die von hohem Tannenbestand und von niederem Fichtenjungholz umgeben war. Frost und Mondlicht halfen zusammen und streuten blitzende Dia­manten über die weiße Fläche. Die schneebeladenen Bäume reihten sich, wie von Engelshänden geschmückt, um sie. Rauhreif hing an den höheren Schmeelenbü- scheln, dem niederen Gesträuch, dem Efcugerank, das an einem Felsen hing. Und über Wiese und Wald leuch­teten Millionen goldene Sterne am dunklen Firma­ment.

Still aufatinend stand der lebensmüde Mann am Waldrand und schaute auf die wunderherrliche Winter­welt, die ihn umgab. Nur einmal noch wollte er den leuchtenden Dämmerzauber der schweigenden Mondnacht voll in sich aufnehmen dann sollten feine Augen sich schließen für immer.

Lange stand er so an einem breiten Stamm gelehnt, dann sah er von der stillen Schneeprncht auf zum leuch­tenden Sternenhimmel.

Wie das Flimmern und Glänzen da oben rief und lockte! Die blitzenden Strahlenpunkte weckten ein un­widerstehliches Sehnen und zogen es nach oben, nach jener goldigfchimmerndcn Höhe. Jeder einzelne leuch­tende Himmelskörper erzählte von Ewigkeit und Selig­keit dort in den weiten Gefilden der Unendlichkeit. Der Mann zog die Hand, die schon nach der kleinen Waffe in seiner Brusttasche gelangt hatte, zurück. Er wollte in das Nichts, die ewige, unbewegliche Nacht hinübergehen, und nun war ihm plötzlich ein heißes Verlangen nach jenem glückseligen Licht, von dem die strahlenden Him­melskörper dort oben erzählten, gefommen. Der Weg, den er vor sich liegen sah, war starre Dunkelheit.

Neben der Tanne, an der Herbert Lenz lehnte, stand eine alte, hohe Eiche. Unwillkürlich sah der einsame Mann nach dem einzeln stehenden Baum, der mit dem breiten Geäst vor dem Tannenhintergrund herausragte. An seinem mächtigen Stamm hing eine kleine Holztafel, von einem grünen Schutzdach beschattet: Ein lieblich- schüchtes Bild der heiligen Jungfrau, in ihren Arinen ihr wunderholdes Kind. Herbert Lenz sah auf die fromme Darstellung, und ein Erinnern aus langvergangener Zeit trat plötzlich vor sein Auge, das Erinnern an jene Tage, an denen er als kleiner Knabe auf dem Schoß der Mutter gesessen hatte und sie ihm vom lieben Jesuskind erzählte, wie die allerseligste Jungfrau in der Heiligt n Nacht im Stall zu Bethlebem an der armseligen Krippe vor bem Weltheilnnd gekniet hatte, während Engelscharen den

himmlischen Lobgesang erklingen ließen. Er dachte all liebe, milde Mutterhände, die ihn gehalten und feine Händchen gefaltet hatten, an gütige Augen, die auf ihn gesehen, an den freundlichen Mund, der ihn die ersten Kindergebetchen gelehrt hatte was durch lange, harte Jahre in Vergessenheit versunken war, wachte auf, wachte wieder auf mit einem brennenden Sehnen, nur einmal wieder in die lieben Augen sehen, nur einmal noch feine Lippen auf die Mutterhände drücken zu können. Würde das jemals fein im ewigen Nichts nein! Niemals! Gab es denn wirklich ein Versinken, ein Nichts, wenn der Körper zusammcnbrach? Und wenn ein Jenseits ihn erwartete, gab es keine Verantwortung für ein fortgeworfenes Leben? Er blickte zu dem hohen Sternenzelt auf. Dort strahlte ihm wieder Un- endlichkeit entgegen, ein seliges Leuchten, das ihm Kunde geben wollte von einem ewigen Glück, einem ewigen Fortleben in heiliger Höhe wie aber den Weg fin­den dorthin, wo die Erdenschwere sich in ewige Seligkeit und nicht in starre Dunkelheit auflöst Den Weg, den seine fromme Mutter mit ihrem gläubigen, festoertrauen­den Herzen gegangen war, muhte er suchen, aber w» würde er ihn finden? Wo?

Durch die stille Winternacht kam jetzt ein wunderba- rer, feierlicher Klang. Die Kirchenglocken gaben das erste Zeichen zur Weihnachtsmette. Wie von Engelsflügeln getragen, zog das festliche Läuten über den Hochwald, drang mit feinem mahnenden Ruf an das Herz des ein­samen Mannes. Und der heilige Laut, das ernste Klingen fand einen glückbringenden Widerhall tief innen. Ein neues Licht schien dem Irrenden entgegen. Ja, dort, wo­hin der heilige Laut ihn lockte, dort würde er den Frie- densweg zur Höhe finden, und er wollte ihn fest ent­schlossen gehen.

Er zog seine Waffe aus der Brusttasche und entlud sie, dann hängte er sie an einen Zweig der alten Eiche, nahe zum Marienbild, und trat den Rückweg durch den weih­nachtlichen Wunderwald an zur Krippe des Heilandes in der nächtlichen Christmette den Weg, der ihn in ein neues Leben führte.

Vergeltung".

Von Dina Ernstberger.

Es waren vier Brüder und eine Schwester, als die Mutter starb. Die Schwester war die Jüngste unter den Geschwistern. Sie lag noch in den Win­deln. .

Der Vater machte dem Kinde zum Vorwurf, daß es schuld sei an dem Tode der Mutter. Er trauerte laut und heftig um seine Gattin und mochte das Kind nicht leiden.

Als aber einige Wochen vorüber waren und eine Nachbarin meinte, so könnte das Hauswesen meist fortgehen, er müßte sich nach einer anderen Frau umsehen, da begriff er das schnell.

Kaum waren einige Monate vorbei, da hatte er eine junge Frau und die Kinder eine Stief­mutter.

Das Kleine in der Wiege begriff die Tragweite dieses Wortes noch nicht. Arglos lag es da, ohne zu ahnen, daß das Schicksal beim Tod der eigenen Mutter mit rauher Hand viele Schatten in sein künftiges Leben zeichnete, und daß es arm gegen andere Kinder war.

Anders war es bei ihren Brüdern. Die be» griffen, um was es ging, als ihnen der Vater eins zweite Mutter gab, und jeder fühlte Sorge und Weh beim Anblick der kleinen Schwester.

Die neue Mutter empfand es ganz angenehm,; daß die Kleine von ihren Brüdern besorgt und be-, muttert wurde. Nur, daß einer von ihnen wegen ; des Kindes von der Feldarbeit weg blieb, das, wollte ihr nicht passen. Bald brachte sie ihrem Manne dieselbe Meinung bei.

In Zukunft mußten alle vier zur Arbeit hinaus, und das Schwesterchen mußte in ihrer Wiege da­heim bei der Stiefmutter bleiben. Da kam es oft vor, daß die Brüder müde nach Hause kamen und schon im Hof das Geschrei der kleinen Schwester, hörten. Sie lag naß und war hungrig und fror, unb niemand kümmerte sich darum. Da be­schlossen die Brüder, das Kind fortan mit an die Arbeit zu nehmen. In ihre Kleider gehüllt trugen; sie es mit und bereiteten ihm ein weiches, warmes Lager.

Die Stiefmutter beobachtete das mit tiefem Groll.

Wenn nun gar dis Dorfleute auf die Geschwister- liebe hinwiesen, verdichtete sich der Groll zum Haß'. Sie wurde das, was der Schrecken und die Angst eines jeden Kindes ist, eine böse Stiefmutter.

Ein Jahr später lag in der Wiege ein anderes Kind. Ein Knabe. Der nahm von der Wiege gleich Besitz. ' ~ ' <~ ^