Sonntag, 22 Dezember $929
Ä59. Jahrs. M
Nr. 5|
für die katholischen Gemeinden Kassels
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Druck und Bering Oet Fuldaer Ackiendrucksrei. Verlagsar» Fulda. ——
Wochenkalender.
Sor ::g, 22. Dez. 4 Adventssonntag. Ouarlalskollekke für das Prieslerseminar.
Montag, 23. Dez. Vom Tage.
Dienstag, 24. Dez. Vigil von Weihnachten. Vigilfafttag.
Mittwoch, 25. Dez. hochheiliges Wsih- nachtsfest. Anastasia, Wwe., Mart., T 304.
Donnerstag, 26. Dez. Stephanus, Erz- martyrer.
Freitag, 27. Dez. Iohannes, Evangelist, f- 100.
Samstag, 28. Fest der Unschuldigen Kinder.
Werler Sonnlag im Advent.
Epistel. 1. Korinther 4, 1—5.
Evangelium. Lukas 3, 1—6. Als die Zeit, erfüllt war.
Im fünfzehnten Jahre der Regierung des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Landpfleger von Judäa war, Herodes Vierfürst von Galiläa, sein Bruder Philippus Vierfürst von Ituräa und der Landschaft Trachonitis, Lysa- nias Vierfürst von Abilene; als Annas und Kaiphas Hohepriester waren; do er- ging das Wort des Herrn an Iohannes, den Sohn des Zacharias, in der Wüste. Er durchzog die ganze Gegend am Jordan und predigte die Buhtaufe zur Vergebung der Sünden, wie geschrieben steht im Buche ter Reden des Propheten Jsaias: „Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet eben feine Pfade! Jedes Tal soll ausgefüllt, jeder Berg und Hügel abgetragen werden! Was krumm ist. soll gerade, was uneben ist, soll ebener
Weg werden! Und alles Fleisch wird schauen das Heil Gottes."
Anfere Weihnachkskanzel.
1. „Liebe, reine Lieb' ist Gott;
Seht, er kommt, die Welt zu retten Und er bricht der Sünde Ketten, Trotzt der Hölle Wut und Spott.
2. Seht, als Kind kommt Gottes Sohn
Von dem Himmelsthron zur Erden, Will im Stall geboren werden, Wählt die Krippe fick zum Thron." —
Weihnachten braucht keine Kanzel. Weihnachten predigt für sich selber. Und doch hat auch Weck- Nachten eine Kanzel, eine richtige Kanzel, eine Kan- M aus Holz. Und diese Kanzel thront nicht
hoch oben in den Lüften; bescheiden steht sie unten am Boden. Denn es ist die Krippe.
Wahrhaftig, ein gutes Kanzelholz, die Krippe, ein beredtes Kanzelholz Da braucht es keinen Prediger mit wissenschaftlicher Vorbereitung, keine nn- poiante Gestalt, keine tönende Stimme, kenn Verstärkung durch Lautsprecher, keine nebertragunb durch Radio. Denn die Krippe spricht für sich selbst. Jedes Kind versteht seine Sprache. Selbst der Taube kann sich ihr nicht verschließen Es braucht jo keine Ohren, diese Predigt zu hören, wndern nur ein Herz, um zu ahnen und zu empfinden.
Gott ist die Liebe, schreibt der Apostel. In der Krippe wird es Wahrheit. Gottes Sohn wird ein Kind, ein armes Kind, ein demütiges Kind, ein todgeweihtes Kind. Und da ist keine Pflicht, keine Nötigung, kein Zwang, keine Gewalt.
Das ist eben Liebe. „Darin hat sich Gottes Liebe gegen uns gezeigt. daß er seinen Sohn, den eingeborenen, in die Welt gesandt, damit wir durch ihn zum Leben kommen sollen", schreibt der Apostel. Und diese Leute wollte uns der Heiland zeigen. Die wortlose und doch so laute und beredte Predigt der Liebe wollte er uns halten, als wollte er sagen: „Seht, ihr Men- schenkinder, wie weit ich meine Liebe getrieben habe. Ich habe den Himmel verlassen und bin auf die Erde herabgestiegen. Ich habe die Gesellschaft der Engel aufgegeben und zwischen Ochs und Esel meinen Platz gewählt. Ich habe ein Meer von Seligkeit zurückgelassen und Armut und Verachtung und Blöße und Verfolgung und Leiden und Tod eingetauscht."
So wollen wir schon vor Weih^ nachten und noch mehr an Weihnach- nachten und in der ganzen Weihnachtszeit und besonders beim 'Anblick der Krippe im Haus und in der Kirche die Worte des hl. Iohannes wiederholen und betrachten und ein« prägen:
„Gott ist die Liebe".
Ick weiß nicht, schreibt der hi. Kirchenlehrer Augustinus, ob uns die Liebe herrlicher empfohlen werden konnte als eben mit diesen Worten: „Gott ist die Liebe". Es ist ein kurzes Lob und ein großes Lob. Kurz in Worten, groß im Inhalt. Wie schnell ist gesagt: Gott >st die Liebe. Wie kurz ist das. Zählt man die Worte, so ist es nur eines:
„Liebe". Wägt man die Worte, wie leicht wiegen sie. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, fährt der Apostel weiter, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
Der liebe Gott soll uns ein Haus sein, und du sollst ein Haus Gottes sein. Gott bleibt in dir, um dich zu halten. Du bleibe in Gott, daß du nicht fallest.
Uno wirkt solche Liebe nicht ansteckend? Werden nicht Oie Herzen der Menschen wie Kerzen an dieser Flamme entzündet? Der Apostel ist wenigstens der Ansicht, daß die Betrachtung der Gottesliebe eine Quelle der Gegenliebe ist. „Lasset uns Gatt lieben", ruft er aus; „denn Gott hat uns zuerst geliebt."
Und ist diese Gottesliebe nicht auch zugleich eine Quelle der Nächstenliebe? Wiederum ist es der Lie» besjimger Iohannes, der diese Konsequenz zieht.