Nr. so
Sonntag, $5 Dezember (929
Ausgabe B.
6t. ElisM-AM
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 L-Pfennig 8 45 R.-Pfennlg (Zustellgebühr extra) Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bet Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens tm Besitz der Fuldaer Aettendruckeret in Fulda lern.
■— 1 '■ Druck nah Verlag Oe# Fuldaer Ackisndruckerei. Vertagsorl Fulda. ——
Iahrg.
WschenèareKder.
Sonntag, 15. Dez. 3. Adventssonntag. Ged. der Oktav der U. Empf.
Montag, 16. Dez. Eusebius, Bisch., Mart.
Dienstag, 17. Dez. Sturmius, Abt zu Fulda, Bek.
Mittwoch, 18. Dez. Quatembermittwoch.
Donnerstag, 19. Dez. Vom Tage.
Freitag, 20. Dez. Qüatembsrfreitag. Vigil des Heil. Apostels Thomas.
Samstag, 21. Dez. Quatembersamstag. Thomas, Ap.
Dritter S@tmfag im AÄVSttl.
Epistel. Philipper 4, 4—7.
Evangelium. Iohannes 1, 19—28. Der Herr ist da.
In jener Zeit sandten die Juden von Jerusalem Priester und Leviten zu Johannes mit der Frage: „Wer bist bu?" (Sr bekannte und leugnete nicht, sondern er bekannte: „Ich bin nicht Christus." Da fragten sie ihn: „Was bist du denn? Bist du Elias?" Er antwortete: „Ich bin es nicht." „Bist du der Prophet?" „Nein" entgegnete er Da sprachen sie zu ihm: „Wer bist du denn? Wir müssen doch denen, die uns gesandt haben, Antwort bringen. Für wen gibst du selbst dich aus?" Er antwortete: „Ich bin die Stimme des Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! wie der Prophet Jfaias gesagt hat." Die Abgesandten gehörten den Pharisäern an. Sie fragten ihn nun weiter: „Warum taufst du denn, wenn du nicht Christus bist, nicht Elias und nicht der Prophet?" Johannes erwiderte ihnen: „Ich taufe mit Wasser. In eurer Mitte aber steht der, den ihr nicht kennt, der nach mir kommt und mir doch voraus ist. Ich bin nicht würdig, seine Schuhriemen zu lösen." Dies geschah zu Bethanien, jenseits des Jordans, wo Johannes taufte.
ein seliges Geschäft.
ie Legende erzählt vom hl.Lucianus, daß er allzeit, selbst im schmerzlichen Martyrium, guten Mutes und heiteren Antlitzes war. Darum fürchtete der heidnische Tyrann, es ..^(, möchte Lucianus durch die An- nehmlichkeit feiner Rede und die Heiterkeit feines Gesichtes die Heiden verzaubern und bekehren. Deshalb ließ er dem Märtyrer, wenn er ins Verhör genommen wurde, ein Tuch auf das Gesicht Men, damit er nicht durch den heiligen Reiz seines Wortes und seiner Mienen die Heiden verwirre, «o verdiente Lucianus feinen Namen durch fein Wesen und Benehmen. Denn Lucianus heißt auf Putsch „Lichtmann". In der Tat war dieser Mär- tyrer ein „Lichtmann", sagt der hl. Chrysostomus, h ^-lchtmann durch seinen Glauben, ein Lichtmann ourch sein Leben, ein Lichtmann durch seine Hei- erkslt und seinen Frohsinn.
k-n "^ die Quelle dieser übernatürlichen Fröhlich- “ ^ud dieses seligen Gleichmutes? Sein Bio- 9 "pH deckt sie auf mit den Worten: „Einen gro
ßen Teil seines Lebens verwandte er auf das Gebet. Von irdischen Dingen wandte er sein Gemüt ab und weilte mit Herz und Sinn bei den göttlichen Dingen. Der Betrachtung widmete er einen so großen Zeitraum, daß er kaum den nötigsten Schlat sich gönnte." —
Und da bin ich nun mitten im Thema meiner heutigen Lesung. Ja, ein „seliges Geschäft" nenne ich die Unterhaltung mit dem höchsten, heiligsten Wesen, mit Gott. Ein „seliges Geschäft" nenne ich das Gebet in allen seinen Formen und Arten. Gerade in der Liturgie des heutigen dritten Ad- vents-Sonnkages finde ich eine kräftige Aufforderung zu diesem „seligen Geschäft"; einen feurigen Appell des Völkerapostels in der Epistel. Ein Trompete setzt Paulus gleichsam an seinen Mund und ruft hinaus in alle Welt und hinein in alle Ohren und Herzen:
„Euer Frohmut werde allen Menschen kund! Denn der Herr ist nahe.
Darum seid nicht ängstlich besorgt;
Sondern in allen Dingen laßt eure Anliegen in Gebeten und Bitten mit Danksagung zu Gott aufsteigen". —--
Ist es nicht, als wollte der Völkerapostel uns ein Allheilmittel empfehlen gegen allen Kummer, gegen alle Sorge? Glaubet ja nicht, will er sagen, daß irgendeiner aus euch verlassen sei; daß irgendeiner von euch ein Griesgram sein müßte; daß irgendeiner von euch sich der Verzweiflung in die Arme zu werfen brauche. Im Gegenteil. Alle sollen guter Dinge sein. Der Herr ist ja nahe. Er ist allwissend und kennt unsere Nöten, bevor wir sie ihm eröffnen. Er ist allmächtig und kann in den verzwicktesten, verwickeltesten, trostlosesten, aussichtslosesten Dinge uns Hilfe schaffen. Er ist unendlich weise und weiß, wozu er uns prüft und heimsucht. Er ist unendlich gerecht und belohnt jedes gute Werk, jedes geduldige Leiden.
Aber eines verlangt Gott. Auf eine Bedingung bleibt er stehen. Und welches ist diese Bedingung? Obwohl unsere Anliegen bereits dem Allrmssenden bekannt sind, wünscht er dennoch, daß wir bei ihm vorstellig werden, daß wir zu ihm kommen, daß wir uns an ihn wenden, daß wir ihn bitten. „Laßt eure Anliegen in Gebeten und Bitten zu Gott aufsteigen."
Im Reiche der Natur und der Gnade hat der liebe Gott in seiner Weisheit das Gesetz der Gegenseitigkeit ausgestellt. Sich selbst hat er das bessere vorbehalten und das mindere uns zugewiesen. Gott will geben, wir sollen nehmen. Und geben ist ja seliger als nehmen. Er gefällt sich in der Rolle eines reichen, freigebigen Fürsten und Vaters; uns aber gibt er die Rolle von Bittenden und Bettlern. Wir alle sind Bettler an der Türe des himmlischen Vaters, sagt der hl. Augustin. Und der Heiland selbst? Höre seine eigenen, so klaren, so eindringlichen Worte:
Bittet, und ihr werdet empfangen;
Suchet, und ihr werdet finden;
Klopfet an, und es wird euch aufgetan." — Und damit wir ja nicht im Zweifel sind, was er meint und welche Rolle er dem Gebete zuschreibt, gibt er uns die Mahnung:
„Ihr sollt allzeit beten und darin nicht nachlassen." Köstlich ist das Gleichnis, dessen er sich bedient, um uns die Pflicht immerwährenden, beharrlichen Gebetes einzuschärfen. Ein Mann kam des Nachts zu seinem Freunde und sprach: mein Freund ist von der Reise zu mir gekommen, und ich habe nichts, ihm vorzusetzen: ich bitte dich, leihe mir drei Brote. Jener aber sprach: ich bitte dich, sei mir nicht lästig und laß mich in Ruhe. Denn ich bin bereits zu Bett gegangen, und auch meine Kinder sind bei mir in der Kammer. — Doch der Freund ließ sich nicht abweisen und nicht abspeisen. Er klopfte so lang an die Türe, bis es dem Mann dadrinnen ungemütlich wurde. Und wenn er auch nicht aufstand aus Freundschaft und Liebe, so stand er doch auf, um Ruhe zu bekommen, und gab dem ungestümen Bettler die drei Brote. So sollen auch wir, sagt der Meister, unbeirrt und unverzagt durch Beten und Bitten beim lieben Gott anklopfen, bis er uns erhört. Dann ist Gott glücklich und wir auch. Dann verdienen wir uns die allererste Seligpreisung aus dem Munde des Heilandes: „Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich." Ja, die Armen im Geiste, die sich ihrer Armseligkeit, ihrer Sündhaftigkeit und Unfähigkeit bewußt sind und darum an den allmächtigen Helfer sich wenden. Und da finden sie Erhörung, und da erhalten sie das Brot der Wahrheit, das Brot der Gnade und das Brot der Seligkeit. Was die irdischen Dinge angeht, die Dinge dieser Welt, die, ach so rasch, verwelken, Reichtum, Ehre, Gesundheit und Leben — in diesen Dingen ist die Erhörung ungewiß; ist an die Bedingung geknüpft: „wenn es zum Heile der Seele und für die ewige Bestimmung gut ist". Was aber die übernatürlichen Güter angeht, die Hilfe Gottes zur Erlangung einer Tugend, zur Umkehr aus einem gottfeindlichen Leben, den Fortschritt in der Heiligkeit und Vollkommenheit, die Beharrlichkeit bis ans Ende und zuletzt die Anschauung Gottes und damit die unaussprechliche, unverlierbare, unendliche, ewige Seligkeit — darin ist das Gebet von geradezu unfehlbarer Kraft und Wirkung. Aber nur dem Gebet, und nur dem beharrlichen, wohlgeordneten Gebet gehört der Himmel. Wo das Gebet nicht ist — da ist auch keine Gnade und darum auch keine Seligkeit, sondern Ohnmacht, Sünde und Verdammnis. Darum der Ausspruch des hl. Kirchenlehrers Alphons, den wir uns einprägen wollen:
„Alle Seligen des Himmels sind selig geworden durch das Gebel; und alle Verdammten sind verloren gegangen, weil sie nicht gebetet haben."
Der Talpfarrer.