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kanzle!, wo er von Staatssekretär Dr. P ü n d e r begrüßt und von R e i ch skanzler Müller in ebenfalls halbstündiger Audienz empfangen wurde. Ein dritter Besuch galt dem preußischen Mini­st e r p r n s i d e n L e n B r a u n.

Bischof und Klerus.

Am Dienstag voriger Woche versammelte sich oer Klerus von Brandenburg und Pommern in Berlin, um seinen künftigen Bischof kennen zu lernen. Bischof Schreiber erklärte den versammel­ten Gelstirchen, unter denen sich auch der Kom­missar für Pommern, Propst Steinmann von Stettin, befand, daß ihm als Bischof von Berlin besonders vier Dinge als feine vordringlichsten Aufgaben erscheinen, an benen er mit dem Klerus arbeiten wolle: Schule, Karitas, Presse und poli­tischer Rückhalt. Zugleich eröffnete er ihm feine Absicht, die Theologen des Berliner Sprengels, die demnächst die Priesterweihe erhalten sollen, selber und zwar in Berlin zu weihen. Berlin, das zwar schon einmal eins Bischofsweche gesehen hat, soll also in Bälde zum ersten Male eine Priesterweihe erleben.

Bischof und Volk.

Die Katholische Aktion von Berlin veranstal­tete am Buß- und Bettag im Sportpalast in Ber­lin eine große Kundgebung, bei der der neue Bischof von Berlin und der Mark Brandenburg Dr. Schreiber zum ersten Male sich öffentlich zeigte. Der bis auf den letzten Platz gefüllte Sportpalast war unter sachkundiger Leitung des Reichskunstwartes Dr. Redslob mit den Fahnen des Reiches, Preußens, der Stadt Berlin und der weiß-goldenen KirchenfoWe geschmückt. Neben vielen geistlichen Würdenträgern waren die Mi­nister von Guerard, Dr. Schätz!, Steiger, Reichs­kanzler a. D. Dr. Marx, der badische und der hessische Gesandte und anbere staatliche Wür­denträger erschienen. Nach Begrüßungsworten von Ministerialdirektor Dr. Klausener sprach Bi­schof Dr. Schreiber. Seine Aufgabe sei es, nicht nur für die Kacholiken, sondern für das Wohl sämtlicher Volksgenossen in Liebe zu sorgen. Von minutenlangem Beifall unterbrochen legte der Bi­schof ein Treubekenntnis zur Verfassung ab. Ob­wohl er mit dem Papste eng verbunden sei, habe er in erster Linie eine ganz große Liebe zum deutschen Vaterlands, und es werde für ihn im­mer eine große Pflicht fein, die nationalen Be­lange des deutschen Volkes zu wahren. An den Papst und an den Reichspräsidenten v. Hindenburg wurden Huldigungstslegramme gesandt.

Vsr d§W WshlsA M LHArmgen.

Auf einer Sitzung in Weimar kam am 22. Nov. nach längerer Beratung eins Lkstenverbin- dung für die Landtagswahlen am 8. Dez. zwischen dem L a n d b u n d, der W iri­sch« f t s p a rte i, der V a l k s r e cht - P a r t e i und demZentrum zustande. DieNationalsozia- listen und die Demokraten haben sich von dieser Listenverbindung ausdrücklich ausgeschlossen. Sie Demokraten begründeten ihre Stellungnahme da­mit, daß es für sie, rechnerisch gesehen; besser wäre, gesondert vorzugehen.

Da das Z e n t r u m eine eigene Liste aufge­stellt hat, müssen diesmal ganz besonders die Katholiken Thüringens alle zusammenstehen, um ihren Kandidaten, Herrn

Dechant Breitung in Weimar durchzubringen. Wenn alle ihre Pflicht tun, wer­den wir im nächsten Landtag wieder einen Zentrumsabgeordneten haben, der als Vertreter des katholischen Volksteilss in Thüringen von größ­ter Bedeutung für uns ist. Darum heißt die

Parole

für den 8. Dezember: Wühlt einstimmig die Liste der Zentrumspartei! Keine Stimme darf verloren gehen!

OhTSAb eichte und SelWmsrd.

Die in München erscheinende hochangesehene Medizinische Wochenschrift bringt in ihrer Nr. 35 eine Studie von Dr. Erich Meyèr über die Selbst­morde und deren Verhütung. Auf Grund sorgfäl­tigster statistischer Prüfungen kommt er zu dem Resultat, daß katholische Länder wesentlich weniger Selbstmörder aufzuweisen haben als nichtkathöli- sche. Er findet dafür eine einleuchtende Erklärung:

Das hat seinen Grund ganz überwiegend in der Ohrenbeichte der katholischen Kirche. Ich bemerke hier, daß ich Protestant bin, mir also eine Ver­herrlichung der katholischen Einrichtungen fernliegt. In der Ohrenbeichte, zu der der Katholik schon in frühen Jahren angehalten wird, liegt für jeden, ganz besonders aber für die Jugendlichen, der tiefe Wert, daß er einen Menschen hat, dem er gewissermaßen unpersönlich all seine Nöte unb all fein Ringen vortragen kann. Er braucht nicht das Gefühl zu haben, als würde er dafür, daß er tiefste Seelentiefen offenbart, verachtet. Er weiß, daß der Priester an Gottes Statt seine Beichte an­hört, vor allem auch, daß er zum Schweigen über alles, was ihm anvertraut wird, verpflichtet ist."

Der Arzt schließt: Hätte der Selbstmörder in den schweren Stunden einen Freund helfend zur Seite, dem er sich anvertrauen könnte, so unter­bliebe mancher Fall. Der Arzt soll daher seinen Beruf als Priestertum an anvertrauten Seelen be­trachten. _

Wm nicht Mm MWermeißse gsMU

Nachdem die Gsmeindewahlen vorüber sind, folgt nun als zweiter Akt die Wahl der Stadträte, Beigeordneten, Schöffen usw., d. h. der eigentlichen Verwaltungs-Organe in Stadt und Land. Da kommt mir gerade ein Büchlein aus alten Zeiten in die Hand, das Vorschriften gibt darüber, wen man nicht zum Bürgermeister wählen soll. Das­selbe gilt auch für die Wahl der übrigen Gemeinde­organe. Die Regeln scheinen heute wieder so wich­tig, daß sie so manchem Wähler von Nutzen sein können:

1. Wöhle keinen Ehrgeizigen. Ein solcher sucht nur die Befriedigung seines eigenen Ehrgeizes, nicht aber das Wohl feiner Mitbürger.

2. Wähle keinen Habsüchtigen; Für den ist der Bürgermeisterpoften eine Magen- und Geldbeutel­srage.

3. Wähle keinen, der im eigenen Haushalt keine Ordnung hat: Der kann auch in der Gemeinde keine Ordnung aufrecht erhalten.

4. Wähle keinen Ungerechten, der nach Gunst und Ungunst handelt.

5. Wähle keinen Verschwender und Spieler: Wer feine Zeit vergeudet und sein Geld, wird auch die Zeit und das Geld anderer nicht schonen.

6. Wähle keinen Hochmütigen: Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz.

7. Wähle keinen, der das Gras wachsen hört: Der kommt mit keiner Behörde aus.

8. Wähle keinen, der vor der Wahl schon ein Faß Bier zahlt: Wer mit Vernebelungsversuchen sich das Amt erschleichen will, ist nicht treu.

9. Wähle keinen Priesterfeind: Wer keine Reli­gion hat und deren Diener nicht achtet, hat den Frieden nicht. Ohne diesen Frieden kann er auch kein Schlichter sein in so vielen kleinen Streit­fragen, die nicht selten Generationen von Bauern­familien verderben.

Sie Wahl ist Gewissenssache, nicht Stimmungssache, darum überlege jeder Wähler, wem er feine Stimme geben soll.

^Mâëp sMscheAachrichkeN!|

Von der Lehrerbildung. Im kommenden Jahr müssen 9 neue Lehrerakademien in Preußen errichtet werden. Die Mittel sind im Etatsentwurf vorgesehen.

Das siegreiche Trierer Zentrum. Nachträglich hat sich herausgestellt, daß bei den Stadtratswahlen das Zentrum in Trier nicht nur seine alte Manvatsziffe- von 20 behalten, sondern daß es noch zwei neue Sitze dazu gewonnen hat, so daß es nunmehr mit 22 Manda­ten in dem 42 Köpfe starken Trierer Parlament wieder über die absolute Majorität verfügt, die ihm 1924 ver- lorengegangen war. Dis Mieterpartei hat nicht weni­ger als sieben Sitze verloren. Sie bildete bisher eine Fraktion von acht Köpfen und hat nunmehr nur noch einen Stadtverordneten. Die Deutsche Bolkspartei ging von sechs Sitzen auf zwei zurück. Auch in der Bi- schofsstadt Münster i. W. hat das Zentrum die dâs vorigcmal verloren gegangene absolute Mehrheit wie­der gewonnen. Desgleichen melden die Parteifreunds von Dülken, daß sie diesmal wieder 14 von 27 Man­daten der Stadtverordnetenversammlung eroberten.

Das Gewicht einer Stimme. Die amtliche Nachprü­fung der Stimmzettel bei der letzten Stadtverordneten­wahl in Hamm hat ergeben, daß der Zentrumspartei nur eine Stimme fehlte, um ihr ein weiteres Mandat zu sichern. Statt des 19. Zentrumsmannes zieht nun

ein Nationalsozialist übrigens der einzige Vertreter dieserPartei" in das Stadtparlament ein.

Der Vizepräsident des Deutschen Larikasverbandes

75 Jahre alt. In voller Rüstigkeit und erstaunlicher geistiger Frische konnte der frühere Oberpräsident der Provinz Westfalen Dr. Bernhard Wuermeling am 15. Oktober in Münster den 75. Geburtstag feiern. Sein arbeitsreiches Leben bewegt sich in stets aufsteigender Linie: 1898 wurde er Regierungsrat und ständiges Mit­glied des Rsichsversicherungsamtes, trat 1901 als Ge­heimer Regierungsrat in das Reichsamt des Innern ein und wurde 1918 Ministerialdirektor. Am 1. Juli 1919 berief ihn das Vertrauen der preußischen Staats­regierung als Oberpräsident an die Spitze seiner Hei­matprovinz Westfalen. Schon früh lernte er Werth­mann kennen und ist feit der Gründung des Karitasver­bandes ein treuer und wertvoller Mitarbeiter. Seit 1924 hat er das Amt des Zweiten Präsidenten und stell­vertretenden Vorsitzenden des Deutschen Karitasverban­des inne. Anläßlich der Zsntralratssitzung des Deut­schen Karitasverbandes ' in Münster überbrachte Prälat Dr. B. Kreutz dem getreuen Eckart unseres Verbandes wärmsten Dank und herzliche Glückwünsche.

Abgeordnete Frau Bachem f. Die Zentrumsabgeord­nete Frau Bachem in Königswinter, Mitglied des Preu­ßischen Landtags, die schon seit Monaten schwer krank war, ist gestorben. Ein edles, hochherziges, selbstloses Frauenleben hat damit ein allzufrühes Ende gefunden. Nachdem sie schon seit 1919 als Stadtverordnete und als Mitglied des Kreistages tätig war, gehörte sie seit 1922 für den Wahlkreis Köln-Aachen dem Landtag an. Als ihr Nachfolger tritt nach dem Wahlvorschlag der Zentrumspartei Köln-Aachen der Landwirt Werner Jo­seph Krückel (Waldenrath, Kreis Heinsberg) in den Landtag ein. Seit der Neuwahl des Landtages am 20. Mai 1928 hat der Wahlkreis Köln-Aachen schon den dritten Zentrumsabgeordneten durch Tod verloren, und zwar Karl Hofmann (Bonn), gestorben am 12. Juli 1928, Landrat a. D. Loenartz, gestorben am 29. März 1929, und jetzt Frau Bachem.

Braunschweig. Auch der Katholische Lehrerverein unterstützt die katholische Geistlichkeit im Kampfe betr. Beseitigung des neuen Geschichtsbuches für die braun­schweigischen Schulen. Er erklärt sich auf Grund ein­gehender Prüfung des neuen Geschichtsbuches außer­stande, nach solchenGeschichtsbildern" die Jugend zu unterrichten. Das Organ der Katholiken Mitteldeutsch­lands, die Sächsische Zeitung, bringt eine herbe Kritik über das neue Braunschweiger Geschichtsbuch, in der es u. a. heißt, daß zunächst der konfessionelle Charakter der braunschweigischen katholischen Bürgerschulen, bei denen nach einer ministeriellen Verordnung das neue Geschichtsbuch ebenfalls eingeführt ist, sichergestellt ist. Als Vertragspartner hat sich, wie bereits berichtet, die bischöfliche Behörde in Hildesheim mit dem braunschwei­gischen Stantsministerium in Verbindung gesetzt, ohne jedoch trotz dreimaliger Ausforderung eine Antwort zu erhalten. Nunmehr unterstützen auch die Katholiken Mitteldeutschlands und Braunschweigs den beabsichtigten Schritt des Bischofs Dr. Nikolaus Bares (Hildesheim), eine Klarstellung der Angelegenheit mit Hilfe des Ge­richts zu erlangen.

Der Sklarek-Skandal in Berlin hat doch manche Par­tei schwer in Mitleidenschaft gezogen. Mehrere sozial­demokratische und kommunistische Stadträte und Bür­germeister sind so stark belastet, daß sie ihres Dienstes enthoben und daß sie vom Staatsanwalt unter Anklage gestellt werden. Von deutschnationaler Seite haben die Abgeordneten Bruhn und Wolf mit den Gebrüdern Sklarek freundschaftlich verkehrt und an ihren Gelagen teilgenommen. Abg. Wolf hat sein Mandat bereits nie» dergelegt. Der Abg. Bruhn, der besonders stark be­lastet ist, packt jetzt gegen seine eigene Partei aus. In der WochenschriftDie Wahrheit" behauptet er, daß der deutschnationale Abgeordnete Lawerenz, ein Gehilfe Hu­genbergs, und der Kassierer des Berliner Landesverban­des der Deutschnationalen, der Stadtverordnete Ganzow, von den Sklareks und noch einer anderen Berliner Mo­nopolgesellschaft Schmier- und Schweigegelder empfan­gen hätten. 2tn Ganzow hätten die Brüder Sklarek, mit 2000 Mk. augefangen, wiederholt für den Landesverband Berlin der Deutschnationalen Volkspartei Geldbeträge bezahlt. Ganzow sei so oft zu den Sklareks gekommen, um Geld zu holen, daß den Sklareks schließlich die Zah­lungen unbequem wurden und Leo Sklarek äußerte, Ganzow könnenun aber mal Pause machen". Dafür hätten die deutschnationalen Abgeordneten einstimmig ge­wissen Terrainküufen der Sklareks zugestimmt. Herr Hugenberg kenne seit Anfang Oktober diese Geschäfte der Herren Lawerenz und Ganzow. Diese beiden be­haupteten, die Sklareks hätten das Geldfür wohl­tätige Zwecke" hergegeben. Der Berliner Lokalanzei­ger sieht sich gezwungen, folgendes zuzugeben:Ein Fall aus dem Jahre 1926, in dem dem Landesverband eine