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Nr. 48

Sonntag 1 Dezember (929

6t. MW«

Religiöses Wochenblait

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgads A 40 R.-Djennig 8 45 K- Pfennig <Zustellgeliühr extra) Nèdaktlnnsschiuh Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzette im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzette tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Radatl. Auskunst und Off.-Geb. 0.10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda le n.

.. Druck and Verlag der Fuldaer Actiendrucksret. Betlagsoti Fulda. -

Wschenkalender.

Sonnlag, 1. Dez. 1. Adventssonntag. Ged. der Weihe des hl. Bonifatius.

Montag, 2. Dez. Bibiana, Igfr., Mart., f 343.

Dienstag, 3. Dez. Franziskus Xaverius, Bek.,

Patron des Werkes der Glaubensverbreitring, -k 1552.

Mittwoch, 4. Dez. Petrus Chrysologus, Kirchenlehrer, T 582.

Freitag, 6. Dez. Nikolaus, Bischof, Bek., t 327. Hsrz- I e s u- F r e i t a g.

Samstag, 7. Dez. Ambrosius, Kirchenlehrer, t 397. Bi- gil des Festes Mariä Unbefl. Empfängnis.

Erster Ssmâg im Advent.

Epistel. Römer 13, 1114.

Evangelium. Lukas 21, 2533. Dis Wiederkunft

Christi zum Gericht.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JüngernEs werden Zeichen auftreten an der Sonne, am Mond, und an den Sternen, und auf Erden wird eine gewaltige Bedrängnis unter den Völkern entstehen vor Ratlosigkeit ob des Brausens des Meeres und der Fluten. Die Menschen werden vergehen vor banger Erwartung der Dinge, die über den ganzen Erdkreis kommen werden: denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert wer­den. Dann wird man den Menschensohn auf einer Wolke kommen sehen mit großer Macht und Herrlich­keit Wenn das anfängt einzutreten, dann schaust auf und erhebet eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.

Er sagte ihnen noch ein Gleichnis: Betrachtet den Feigenbaum und alle andern Bäume. Wenn sie schon Frucht ansetzen, dann wißt ihr, daß der Sommer nahe ist. So wisset auch, wenn ihr dies kommen seht, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch, die­ses Geschlecht wird nicht vergehen, bis alles sich vollzieht. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen."

Ems uralte AdVenkspredigk.

eberdrüssig der strengen Mahnun­gen des Herrn, sprachen einst die widerspenstigen Juden zu Moses. Reds du mit uns; der Herr soll nicht länger zu uns reden."

Fern von solchem Unverstand wollen wir lieber mit Samuel ausrufen:Rede, Herr: dein Diener hört."

Klingen ja jetzt Adoenksglocken über die leeren Aecker, über die kahlen Bäume. über die schneebe­deckten Dächer. Adoentsglocken klingen hinein in die Ohren und Herzen der Menschen. Und in der Glocke erkennen wir die Stimme vâi oben, die uns längstvertraute Wahrheiten ins Gedächtnis Hüt, Wahrheiten, die der Priester beim sonntäg­lichen Credo bekennt mit den Worten:

Oui propter nos homines et propter nostram falutem descendit de cuelis" der wegen uns Menschen und wegen unseres Heiles herabgestie- Nen ist vom Himmel und Fleisch angenommen hat.

Ja, wegen uns Menschen. Wegen unsrer Künden. Sagen wir es gleich zweimal:Megen unsrer Sünden."

So erhebt sich also die Lichtgestalt unseres Herrn und Erlösers vom düstern Hintergrund der Sünde. Wenn nun wir Priester daran gehen, von der Sünde zu reden, ihre Bosheit, ihre Verwerflich­keit und ihr Verhängnis darzustellen, begegnen wir zweifelhaften Mienen, als wollten sie sagen: Hoch­würden, das kann doch nicht so arg sein mit der Sünde; das ist ja eine Naturnotwendigkeit, höch­stens eine Schwachheit. Da wollen wir denn an den heiligen Gott selber uns wenden, der die ewige Wahrheit und unerbittliche Gerechtigkeit ist. Da wollen wir fragen, was es um die Sünde ist und wollen jener Advenispredigt lauschen, die der Herr selber vor bald 3 000 Jahren durch den Mund des Propheten Isaias gehalten und die wir Prie­ster am heutigen ersten Advents-Sonntag im Bre­vier zu lesen haben:

Höret, ihr Himmel, und nimm es zu Ohren, Erde! Denn

derHerrredel:

Söhne habe ich aufgezogen und in die Höhe gebracht; sie aber haben mich verachtet. Es kenn? der Ochs feinen Eigentümer und der Esel die Krippe feines Herrn; Israel aber kennt mich nicht, und mein Volk hat keine Einsicht."

Wodurch haben die Israeliten dieVerachtung Gottes" an den Tag gelegt? Dadurch, daß sie Gott nicht gehorcht, seine Stimme nickt gehört, um seine Gebote sich nichts gekümmert haben. Und das ist eben die Sünde; das ist ihr Wesen, ihr Gesicht, ihre ungemeine, unbegreifliche Frechheit. Unser Herr­gott hat uns ja aus dem Nichts ins Dasein ge­rufen Seins Hände haben uns ringsum gebildet und geschaffen. Mit Leib und Seele gehören wir ihm als seine Knechte und Sklaven. Da hat er doch wohl ein Recht, uns seinen Willen kundzu- tun? Da hat er doch ein Recht, seine Bedingun­gen zu stellen? Da hat er doch ein Recht, unsere Dienste zu verlangen? Und nun kümmern wir uns nichts um sein Gebot. Ich weiß wohl, spricht der Sünder wenn auch nur in der Tat daß Gott mein Herr ist. Aber ich kümmere mich nichts um sein Gebot. Ich ziehe meinen Willen dem sei- nigen vor. Ist das nicht eine Beleidigung Gottes? Eine Auflehnung gegen seinen Willen? Eine Re­volution gegen die höchste, göttliche Majestät?Im­mer hast du deinen Nacken gegen mich aufgelehnt, spricht der Herr, und hast gesagt: ich mag nicht dienen."

Und daß doch damit alles gesagt wäre. Doc« die Bosheit der Sünde treibt es noch viel, viel weiter. Nicht nur gegen die Ehre und Majestät Gottes erhebt sie die ruchlose Hand, sondern auch gegen die Person und das Leben Gottes. Nicht nur möchte der Sünder feinen Herrgott vom Throne stoßen, sondern ihm auch wenn es mög­lich wäre das Lebenslicht ausblasen, Existenz

und Leben ihm nehmen. Vernimm den Ausspruch des hl. Kirchenlehrers Bernhard in dieser Hinsicht. Zwar kann der Sünder dem lieben Gott in der Tat nichts anhaben. Aber dem Mitten nach hat es der Sünder gegen das Leben Gottes abgesehen. So weit es an ihm liegt, möchte der Sünder, daß es keinen Gott geben möchte, der etwas weiß von feiner Sünde, der ihn zur Rechenschaft zieht und ihm seine Strafe diktiert. Hat damit der hl. Kirchenlehrer zuviel gesagt? O nein; schau nur herauf das Kreuz. Wer ist dort getötet und ge­schlachtet worden? Unser Heiland. Und wer wa­ren seine Mörder? Nicht so sehr die Juden als vielmehr unsere Sünden. Denn so schreibt der Prophet:Um unserer Missetaten willen ist er verwundet und um unsrer Sünden willen ist er zerschlagen worden." O weh! Die Sünde ein Gottesmörder I ! !---

Vom Unrecht der Sünde geht der Prophet auf den Andank über. Ochs und Esel erweisen sich ihrem Herrn dankbar und leisten ihm ihre Dienste. Der Sünder aber ist undankbar und kehrt Gott den Rücken. Von der Dankbarkeit der Tiere er­zählt man ja die rührendsten Geschichten. So war ein Sklave, Androklos mit Namen, seinem Herrn aus Furcht vor Strafe entlaufen. Da flieht er in eine Höhle. Plötzlich trabt aus dem Innern der Höhle ein Löwe daher und hinkt auf den erschrok- kenen Sklaven zu und zeigt mit schmerzlichem Ge­brüll seine Tatze, in der ein Dorn steckt. Mit Geistesgegenwart zieht der Sklave den Dorn her­aus. Bald darauf werden Sklave und Löwe ge­fangen. Der Löwe kommt ins Amphitheater nach Rom. Der Sklave wird verurteilt, als Gladiator mit wilden Tieren zu kämpfen Und wer tritt dem Sklaven entgegen? Ein riesiger, kompfesmutiger Löwe Doch was geschieht? Kaum erblickt die Bestie den Sklaven, stößt er ein freudiges Brüllen aus und läßt sich^vor ihm auf die Knie nieder. Jetzt erkennt der Sklave den Löwen, dem er den Dorn ausgezogen und umarmt ihn. Das Publikum bricht in Beifalls-Stürme aus, läßt sich die Ge­schichte erzählen und schenkt dem Sklaven wie dem Löwen die Freiheit.

Wenn nun selbst vernunftlose Tiere sich des Dankes befleißigen, was sollen wir dann dazu sagen, wenn der Mensch, der mit Vernunft und Einsicht begabt ist, seinen Wohltäter, den lieben Gott, nicht mehr kennt und ihn ins Gesicht beleidigt? Ist denn nicht der liebe Gott unser Schöpfer und Vater, der nicht bloß einmal uns das Leben geschenkt, son­dern jeden Tag es uns aufs neue schenkt, so oft wir des Morgens erwachen, so oft wir Atem schöp­fen und Nahrung zu uns nehmen? Und nach­dem wir zum ewigen Tod verurteilt waren wegen der Sünde, hat uns her Heiland durch seinen Tod am Kreuze begnadigt. Da sollten mir durch schwere Sünde ihn kränken und abermals dem Kreuze ausliefern?

Wohlan. Die Advenkszeit ist da. Tage des Ernstes, Tage der Besinnung. Das Weiter mit