Einzelbild herunterladen
 

Herbst.

Von Aloys Hartung.

Vorüber ist nun wieder Der schöne Sommertraum;

Die gelben Blätter fallen Von jedem Strauch und Baum.

Ganz still ist es geworden, In Feld und Wald und Hag, So ruhig und so friedlich, Als sei ein Feiertag.

Nicht rauscht die blanke Sense Mehr durch das Aehrenfeld, Und längst schon hat die Sichel Den letzten Halm gefällt.

Die Blümlein ruhn ermüdet

Vom Blühen Tag für Tag, Und nur die Herbstzeitlose Weint still den andern nach.

Kein Vöglein hört man fingen, Cs schwe.gt fen trautes Xtreb;

Die kleinen Sänger zogen

Fort, fort zum warmen Süd.

Auch mich erfaßt ein Sehnen Nach Frieden und nach Ruh;

Sei still mein Herz, sei stille, Denn balde ruhst auch du!

Golk lenkt.

(Schluß.)

Am Wegrand hockte ein junges Mädchen, ärm- ktch aber sauber, gekleidet, und sammelte welkes Laub zur Streu für ihre Ziegen. Als sie die bei- den sah, errötete sie, beugte sich tiefer und wühlte eifrig imLaube. Ihr feinesProfil hätte einem Maler zum Modell dienen können. Die Züge der Bäuerin aber entstellten Hohn und Spott beim Anblick des Mädchens. Sie wendete sich jäh zu ihrem Manne: Komm, laß uns nach Hause gehen!" Dann schritt sie, ohne seine Antwort abzumurten, heimwärts.

Wir hätten ihr doch wenigstens guten Abend wünschen können", brummte der Bauer unmutig. Sie ist doch immerhin Alfreds Braut."

Der Bettlerin? Sie wird den Jungen noch ganz unglücklich machen. Er hätte schon längst ein rei­cheres Mädchen heiraten können."

Als ob er dann glücklicher geworden wäre! Seine junge Frau faße nun allein daheim und trauerte.

Bah, du bist wunderlich. Das Mädchen hat doch nichts weiter als ihr zierliches Frätzchen. Aber wenn du sie als Schwiegertochter haben willst, meinetwegen; ich mag sie nicht! Das ist auch solch eine Narretei von Alfred. Ueberhaupt, er ist ein rechter Querkopf! War es nicht auch seltsam von ihm, das Dachdeckerhandwerk zu erlernen? Nein, ich verstehe das heute noch nicht."

Daran sind wir doch selbst schuld! Was wollte er denn anfangen? Er mußte doch verdienen, und ist das Dachdeckergewerbe nicht auch ein ehrsamer Stand?"

Nun schwieg die Frau verdrossen. Als sie auf den Hof traten, kam ihnen die Magd seltsam aui- geregt entgegen.Der Herr Pfarrer ist drinnen, Bachbauer, und will Sie sprechen."

Der Pfarrer? Was will denn der?" Ver­wundert fragten sie es wie aus einem Munde.

Die Magd war blaß, und ihre Stimme zitterte als sie scheinbar leichthin sagte:Je nun, er hat jetzt immer viel zu besprechen, bald mit diesem, bald mit jenem. Das macht halt der Krieg!"

Es wird doch nicht . . . ! O Jesus! . . . . " Die Bäuerin läßt die Magd stehen und hastet, krei­deweiß im Gesicht, davon.

Du ängstigst dich umsonst Annerose!" rüst er ihr nach.Es wird Liebesgaben betreffen oder die neue Kanzel, wer weiß!" Dabei rennt er selbst, und das Herz schlägt ihm mit einemmale wie ein Hammer in der Brust.

Da steht der Pfarrer in der Stube, weißharig. lang und hager, und seine milden, traurigen Au­gen sagen:Fasset euch doch, liebe Leutes Es ist schlimm, aber nicht trostlos!"

Herr Pfarrer! O Jesus!" ... Die Bäuerin I kreischt es laut und sinkt händeringend auf einen Stuhl, indessen der Bauer mit schlotternden Knien und verzerrtem Gesicht im Türrahmen steht, hinter ihm die neugierige Magd mit großen, angstvollen Augen und gefalteten Händen.

Der Pfarrer schweigt noch immer, gleichfalls im tiefsten Innern erschüttert.

Oh, meine Kinder!" stöhnt die Bäuerin mit weher Stimme und vergräbt das Gesicht in die Hände.

Der Bauer aber faßt den Seelsorger mit festem Griff am Arme:So, nun sagen Sie es, Herr Pfarrer! Ich will stark sein, und auch die Anne­rose muß es tragen; es hilft nichts! Wer ist es. Wilhelm oder Albert?"

Der Pfarrer faltete ein Blatt Papier ausein­ander, und auch ferne Stimme zittet:Cs ist in Gottes heiligem Rat beschlossen. Jetzt muß wohl ieder schwere Opfer bringen. Beim Sturm auf die kindlichen Linien ist leider euer Wilhelm den Heldentod fürs Vaterland gestorben. Ein Mär­tyrer der Liebe mehr, dessen Name uns allen un­vergeßlich sein wird. Gott der Herr wird Gm die Krone der ewigen Herrlichkeit geben! Mein innig­stes Mitgefühl, meine Lieben!"

Die Bäuerin sank ohnmächtig vom Stuhle; der Bauer sprang hinzu und rief nach der Magd. Zart- stihlend verließ der Pfarrer das Zimmer.Ich kann es nicht! Unmöglich! Cs könnte ihr Tod sein!" sagte er zu sich selbst unterwegs.Seine heiligen Messen foll er umsonst haben, der arme Albert, aber heute darf ich es nicht sagen; es wäre schier zuviel des Leides auf einmal!" Den weihen ^ops tief auf die Brust geneigt, riefelten »hm die Tränen über die Wangen.

Die Nachbarn ahnten unbestimmt, was ge­schehen war und ließen ihn ungefragt ziehen.Gott richtet!" sagten die einen undGott tröste die arme Fron!" che andern.--

Zwei Jahre gingen darüber hin. Frau Anne­rose war schlohweiß und der Bachbouer ganz schwachsinnig geworden. Sie wußten nun, daß Gott alles lenkt und daß er ein gerechter Gott war, der das Unrecht haßt und dem Unterdrückten feine Hülfe leiht. Nun hausten sie allein im Neu­bau, und Alfred hatte die arme, verachtete Braut zum Altar geführt und das Gut seiner Väter über­nommen.

Der alte Bachbauer hatte in seinem Schwach­sinn nur noch Gedanken für Sühne und Buße. Oft entfernte er sich heimlich von Hause und dann fand man ihn an irgend einer versteckten Stelle betend auf den Knien liegen. Eines Abends aber kehrte er nicht wieder zurück. Alles Suchen war

vergebens. Da fanden nach einigen Tageen Geo­meter, die das Land absteckten, seine Leiche unter einem hohen Felsen zerschmettert. Sicher war er in der Dunkelheit da hinabgestürzt.

Die Bachbäuerin überlebte den harren Schlag nicht lange. Noch in demselben Jahre raffte eine Krankheit sie hinweg. Sie schied, mit ihrem Stief­sohn und dessen Frau völlig ausgesöhnt. Die Sehnsucht nach ihren Lieben macht ihr Sterben1 leicht. Sanft entschlief sie in den Armen ihres Stiefsohnes.

Wilm! Albert! Ich komme!" waren ihre letzten Worte.

Sagen unsere Kinder immer die Wahrheil?

Nachdenkliches für Eltern und Erzieher.

In einem kleinen Landstädtchen kam unlängst der kleine Gerd schluchzend und tränenüberströmt aus der Schule heim-

Mutti, jeden Tag komme ich zu spät in die Schule, weil Kurt Schindler mir den Weg ver­sperrt. Er läßt mich nicht durch und verhaut mich dann immer. Bitte, liebe Mutti, schreib mal an den Vater von Kurt Schindler einen Brief. Bitte, Mutti, schreibe gleich!"

Ja, aber warum wehrst du dich denn nicht?"

Wieder floß ein Strom von Tränen:

Kurt ist doch stärker als ich; er bezwingt mich doch!"

Und die Mutter schrieb bebenden Herzens:

Sehr geehrter Herr!

Zwar ist mir bewußt, daß Kindertorheiten eben Kindertorheiten sind. Dennoch möchte ich Sie hier­durch bitten, Ihrem Kurt zu verbieten, daß er Morgen für Morgen meinem Gerd den Schulweg versperrt, so daß er stets zu spät zur Schule kommt außerdem aber, daß er ihn so verprü­gelt, daß er noch Nachmittags Schmerzen hat.

Ich hoffe, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um meinen Jungen geschützt zu wissen und bin mit verbindlichstem Dank im voraus

Ihre

Sie in aller Hochachtung grüßende

F. L.

Darauf lief schon am anderen Tage folgende Antwort ein:

Gnädige Frau!

Für Ihr Vertrauen in meine väterliche Autori­tät ergebenst dankend, habe ich meinen Spröß­ling in strengstes Verhör genommen und kann Ihnen dis beruhigende Mitteilung machen, daß Kurt gern und bald Frieden schließen will, nur mühte Ihr Sohn sich dazu verstehen, ihn nicht mehr anzuspucken.

In größter Ergebenheit

L. Sch.

Seit dieser Zeit soll die Mutter sich nicht mehr beklagt haben. Karl Weidenhaun.

&Memim&.

Nachbars Fritz kommt aus der evangelischen Schule heim und erzählt ganz aufgeregt seinen Eltern:Denkt einmal, heute früh haben wir das erste Mal wieder ein Schulgebet gesprochen. Nun wird es nicht lange dauern und wir bekommen auch wieder Dresche!" (In der Nevo- lution war bekanntlich den Lehrern das Schulgebet sowie die Züchtigung der Kinder untersagt.)