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Sonntag 24. November 1929

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 L.-Psennig 3 45 K-Pfennig (Zustellgebühr extra) Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Prelse: Colonelzeile tm 'Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Colonelzeile tm Reklametell 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Oss.-Geb. 0.10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens tm Besitz her Fuldaer Aetiendruckeret in Fulda sen.

---Druck anv Verlag 0 er Fuldaer ActienSruckere«. Verlagsort Fulda.

WschLUZâNdsr.

Sonntag, 24. Nov. Letzter Sonntag nach Pfingsten. Johannes vom Kreuz, Bek., f 1591. Chrysogonus, Mart., t um 300.

Montag, 25. Nov. Katharina, Jgfr., Mart., t 307.

Dienstag, 26. Nov. Silvester, Abt, Bek., f 1267. Pe­trus, Bisch., Mart., st 311.

Mittwoch, 27. Nov. Vom Tage.

Donnerstag, 28. Nov. Bom Tage.

Freitag, 29. Nov. Vigil des hl. Andreas. Saturnin.

Bisch., Bek., st 250.

Samstag, 30. Nov. Andreas, Apostel.

Letzter Smmtag rmch Pfingsten.

Epistel. Kolosser 1, 914.

Evangelium. Matthäus 24, 1535. Der Untergang

Jerusalems und das Ende der Weil.

In jener Zeit^sprach Jesus zu feinen Jüngern:Wenn ihr an heiliger vtätte den Greuel der Verwüstung seht, von dem der Prophet Daniel gesprochen hat wer es liest, der beachte es wohl!--dann fliehe ins Gebirge, wer in Judäa ist; wer auf dem Dache ist, steige nicht hinab, um noch etwas aus feinem Hause zu holen: wer auf dem Felde ist. kehre nicht erst heim, um sei­nen Rock zu holen. Wehe den hoffenden und stillen- den Frauen in jenen Tagen! Betet, daß eure Flucht nicht in den Winter oder aus einen Sabbat salle. Als­dann wird eine so große Drangsal eintreten, wie es von Anbeginn der Welt bis jetzt keine gegeben hat noch je geben wird. 3a. würden jene Tage nicht abgekürzt, so würde kein Mensch gerettet werden. Aber um der Auserwählten willen werden jene Tage abgekürzt wer­den. Wenn dann jemand zu euch sagt: Seht, hier :st Christus ober dort, so glaubt es nicht. Denn es werden falsche Christus und falsche Propheten auftreten und große Zeichen und Wunder wirken ,so daß selbst die Auserwählten, wenn es möglich wäre, irregeführt wurden. Seht ich sage es euch vorher. Wenn man also zu euch sagt: Seht, er ist in der Wüste, so geht nicht hinaus; oder: Seht, er ist in den Gemächern, jo glaubt es nicht! Denn wie der Blitz im Osten ausleuch­tet und bis zum Westen hin sichtbar ist, so wird es auch mit der Wiederkunft des Menschensohnes sein. Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Adler. Sogleich nach der Drangsal jener Tage wird sich die Sonne verfin­stern, der Mond wird fein Licht nicht mehr geben, die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels erschüttert werden. Dann wird am Himmel das Zeichen des Mensckensohnes erscheinen, und bann werden alle Völker auf Erden wehklagen. Sie werden den Menschensohn kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit Er wird feine Engel aussenden mit lautem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten von den vier Windrich­tungen gufammenbrmgen. von einem Ende des Hun- weis^ bis 5um andern. Vom Feigenbaum lernt das Gleichnis: Wenn feine Zweige saftig werden und die -biättsr hervorsprosssn. dann wißt ihr. daß der Sonu mer nahe ist So sollt ihr auch, wenn ihr dies alles missen, daß es nahe vor der Tür ist. Wahrlich sage euch, dieses Geschlecht wird nicht vergehen.

is uies alles geschieht. Himmel und Erde werden ver- «ehen, aber meine Worte werden nickt veracherr."

Ein Abschieds-Strantz.

bschied gilt es heute zu feiern. Abschied von unsrer liebgewonne­nen Apostelgeschichte, die uns schon seit Ostern in ihren Bann gezogen hat, die uns das Leben der Apo­stel und der ersten Christen von der Himmelfahrt des Herrn an geschildert hat; die uns die beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus wie Säulen aus ® vor Augen gestellt hat. Zwar find wir mit dem schönen Buch der Apostelgeschichte noch nicht zu Ende gekommen, denn mir stehen erst am 20. Kapitel, und es bleiben uns noch acht Da nun Advent und Weihnacht vor der Tür stehen, da dann Fastenzeit und Ostern mit Riesenschritten nachrücken, so wollen wir mit der Apostelgeschichte vorläufig Schluß machen und die Fortsetzung der­selben auf die Zeit nach Ostern aufsparen.

Noch einen anderen Abschied gilt es zu feiern. Das Kirchenjahr neigt sich seinem Ende entgegen. Noch sechs Werktage stehen wie sechs Sternlein am Himmelszelt, die aber allmählich hinter dem Horizont verschwinden, und mit dem ersten Ad­vents-Sonntag ist die Morgenröte eines neuen Kirchenjahres angebrochen.

Da will ich es heute machen wie höfliche Men­schen, die ihrem Besuch, wenn er nach Hause kehren muß, einen Abschiedsstrauß in die Hand drücken. Und Abschiedsworte sollen es auch sein, mit denen wir an der Schwelle dcs Kirchenjahres von ein­ander scheiden. Und zwar nicht meine Abjchieds- worte, sondern diejenigen des hl. Apostels Paulus. Drei Jahre lang hat er in der Stadt Ephesus geweilt, hat in dieser orientalischen Hauptstadt ge­predigt, gewirkt und gelitten. Nun war seine Zeit abgelaufen. Der Geist reißt ihn fort nach Jeru­salem und von dort gehts nach Rom. Schon liegt das Scbiff im Hafen; die Segel fmb ausgespannt; die Matrosen stehen bereit, die Anker zu lichten der Kapitän ruft zum Einsteigen. Da erhebt Pau­lus seine Stimme und spricht ein väterliches Ab schiedswort, wirst einen Rückblick auf seine Wirk­samkeit, macht bekannt mit seinen Reiseplänen, lüftet den Schleier der Zukunft und ermahnt zur Treue. Lassen wir auch seine letzten Mahnungen wie Sonnenstrahlen in unser Herz scheinen:

Ihr wißt, wie ich vom ersten Tage an bis heute mich unter euch aufgeführt habe. In aller Niedrigkeit, unter Tränen und Prüfungen habe ick dem Herrn gedient. Ohne Rücksicht habe ich alles verkündet, was euch von Nutzen fein konnte. Juden und Heiden beschwor ich, sich zu Gott zu bekehren und an den Herrn Jesus Christus zu glauben. Nun kühle ich mich in meinem Innern gedrängt, nach Jerusalem zu reisen. Es versichert mir d-whl Geist, daß Bande und Drangsale meiner warten Doch ich achte mein Leben gering, wenn ich nur Meine Aufgabe erfülle, die ich vom Herrn Jesus erhalten habe. Darum versichere ick euch am heu­

tigen Tage, daß ich rein bin vom Blute aller. Denn ich habe es nicht unterlassen, euch den ganzen Ratschluß Gottes zu verkünden.

liebet Acht auf euch und auf die ganze Herde, über die der hl. Geist euch zu Bischöfen gesetzt hat, die Kirche Gottes zu weiden, die er sich mit seinem Blute erworben hat. Ich weiß, nach meinem Tode werden reißende Wölfe bei euch einbrechen. Darum seid wachsam und bedenket, daß ich drei Jahre lang bei Tag und bei Nacht nicht aufhörte, einen jeden von euch zu ermahnen. Und nun empfehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade".

Habet acht auf euch und eure Herde. Diese Ab­schiedsworte des Völkerapostels sollen auch die mistigen sein. Habt Acht. Seid nicht gleichgültig. Habt'cure Aufgabe, eure Bestimmung, euer letztes Ziel unverrückt vor Augen. Gott sollst du bienen, feine Ehre fördern, deine Seligkeit gewinnen, den Himmel erobern. Lassen wir das Ziel niemals locker und verfehlen wir es um keinen Preis. Was sind doch die Menschen unglücklich, wenn sie das geringste irdische Ziel verfehlen. Wenn einer die Stelle nicht bekommt, um die er sich beworben; wenn einem die Partie entgeht, die er zu machen hoffte, wenn jemand den Zug verfehlt, mit dem er abzureisen wünschte. Im Leben des großen Maiw zer Bischofs Ketteler, dem sein cholerisches Tempe­rament während der Jugendjahre viel zu schaffen machte, lese ich, daß er einst bei einer Jagd sich wie verzweifelt zu Boden warf und seinem Vater urief:Vater, schieß mich tot; ich habe den Hasen verfehlt!" Wenn nun die Verfehlung des gering­sten irdischen Zieles als ein solches Unglück be­trachtet wird welch ein Jammer, welch eine Ver­zweiflung mühte uns erfassen, wenn mir das letzte Ziel, die ewige Seligkeit verfehlen würden. Wenn wir umsonst gelebt hätten. Wenn wir umsonst uns abgeplagt hätten. Einstimmen müßten wir alsdann in die Klage jener Toren, die tm Buch der Weis­heit ausgeschrieben ist:Abgeirrt sind wir vom Wege der Wahrheit, müde geworden auf dem Wege der Gottlosigkeit. Was half uns der Stolz? Was nützte uns des Reichtums Prahlerei? Wir können kein Zeichen der Tugend aufweisen und gehen zu­grunde in unsrer Bosheit." (Weisheit 5, 6.)

Habe Acht auf dich selbst. Keinen Seitensprung. Nicht den verfluchten Satz: einmal ist keinmal! Ein einziger Tag im Unglauben es könnte dich der Tod überraschen und dich dem Verdikt des Herrn ausliefern:Wer nicht glaubt, der wird verdammt werden." Ein einziger Tag in der Unzucht. im Ehebruch, tm Mißbrauch es könnte der Tod dich überraschen und dich bekannt machen mit den Wor­ten der Apokalypse-Draußen bleiben die Un- vebtigen." Ein einziger Tag in Haß und Unver- »öhnlichkeit es könnte der Tod dich überraschen und dich aufriären über die Worte des hl. Johan» nes:Wer feinen Bruder haßt, ist ein Mörder, und ihr wißt, daß kein Mörder das ewige Sebes zum Besitz hat." -^