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dünne Gertrud' liegt auf dem Rücken M6 ver- sucht immer wieder in die Sonne zu schauen. So ganz hat sie ihr nie gehört. Anna macht sich um mich zu schaffen. Schon lange ist sie still, träume­risch . . . ., ich tue, als sähe ich sie nicht. Da schiebt sich eine kleine Hand in die meine. Nun muß ich hinschauen.Anna!" Ein kleiner, freu- diaer Aufschrei!Ich glaube, du hast mir was zu erzählen." Ja, sie ist so liebenswürdig und findet keine Liebe bei ihrem Vater. Das drückt sie. Aennchen, 13 Jahre alt, körperlich kaum wie eine achtjährige entwickelt, erzählt:Gestern bekam Vater auf dèr Fabrik einen Unfall. Nun ist er im Spital. Nachmittags war ich mit Mutter hin. Sie wissen, ich darf Mutter nicht allein lassen. (Sie ist nervenkrank, und dem Kinde zittern heute schon die Hände. Das Kind kam als Waise zu dieser Mutter', ihrer Tante.) Mutter fiel zusammen, als wir beim Vater waren. Heute gehen wir wieder hin, dann hören wir, was er hat."

Um das Kind flogen Schmetterlinge und Käfer. Aber Aennchens junges Leben ist freudlos. Sie achtet nicht darauf. Erna sitzt an der anderen Seite. Ihr Vater fiel im Krieg. Nun heiratete die Mut­ter einen Trunkenbold. Wie das Kind zu erzählen beginnt, schicke ich die anderen Blumen pflücken. Nachts um 4 Uhr nahm der Schutzmann den Vater, weil er die Mutter so geschlagen. Wenn der Vater abends raus geht, kommt Mutter vor Angst zu uns ins Bett. Fräulein, einmal waren wir im Waisenhaus, da war es schön, kann ich nicht zurück dorthin?"

Else sitzt im Schatten unter einem Strauch. Ich rufe:Heraus da, in die Sonne!"Ich kann sie nicht vertragen", sagt das Kind. Den Vater kenne ich, Kriegsinvalide, luitgenkrank, verbittert, hadernd mit sich und der Welt. Sechs Kinder sind da, das jüngste fünf Wochen alt. Ich war in der Wohmma, alle Fenster geschlossen, eine Luft zum Ersticken. Else kann keine Sonne vertra­gen . . .

Da kommen aus dunklem Waldesgrün die Schü­lerinnen von St. Ursula wie halberblühte Rosen, frisch, froh, strahlend vorbei an meinen Heideblüm­chen. Einige hüpfen lustig voran, weißgekleidet. Blumen im Haar. Freundlich winken die Kinder ihnen; nur wenige erwidern den Gruß.Fräu­lein!" ruft ein Kind,man meint, das wären En­gel". Und gleich singt ein zartes Sümmchen:Es geht durch alle Lande." Ach, möchte der Gruß mir ein Zeichen sein, daß ihr in späteren Jahren meinen Kindern Führer, Mütter, Schutzengel sein wollt!

11 Uhr abends, noch sehe ich vor mir die strah­lende Jugend von St. Ursula. Wieviel Mädchen mögen dort sein? Sicher viel mehr als wir ha­ben. Wie, wenn sie mit ihrer Betreuung nun schon beginnen würden, wenn eine oder zwei Schü­lerinnen ein Hilfsschulkind glücklich machten, in­dem sie ihm (einem ganz bestimmten, das sie nun liebhätten, das ihnengehörte", und von dem sie

Wer ist ärmer als em Kind?

An dem Scheideweg geboren.

Heut geblendet, morgen blind, Ohne Führer geht's verloren!

Wer ist ärmer als ein Kind? Wer dies einmal je empfunden, Ist den Kindern durch das Jesuskind verbunden.

Wie so leicht lehrt sich ein Kind, All' zum Guten, all' zum Bösen.

Wie den Schlüssel es gewinnt, Wird es alle Rätsel lösen.

Die im Himmel waren Kind, Die auch, die der Fluch getroffen! Ach so such ein Kind geschwind, Lehr es glauben, lieben, hoffen!

Willst du segnen, lehr ein Kind, Aus dem Körnlein werden Aehren. Wie dein Körnlein war gesinnt, Wird das Brot die Welt einst nähren

Ach wer führt dies schwache Kind? Höll und Himmel stehen offen. Daß das Lamm dem Wolf entrinnt, Hat es mich wohl angetroffen. Wer ist ärmer als ein Kind? Wer dies einmal je empfunden, Ist den Kindern durch das Jesuskind verbunden.

(Brentano)

roie5?rgeffe5f wür^enf ein schönes "leihnachfsst'st bereiteten, still für es nähten, aus ihren Kleidern vielleicht, und dann am Weihnachtsabend in Be­gleitung der Mutter unauffällig in die Familie «das Heim) gingen mit den Geschenken und mehr noch: mit ihrer Liebe, ihrer Persönlichkeit. Und wenn es die Schülerinnen der Englischen Fräu­lein und vieler anderer Institute, die Gott so reich mit Gaben des Geistes und Herzens ausgestattet hat, ebenso machten, und sie wüchsen heran zu den führenden Persönlichkeiten, zusammen mit den ihrer Liebe Bedürftigen, gewiß, es würde bes­ser auf der großen weiten Welt.

Diese Schilderung ist entnommen dem Verlag von Her­der-Freiburg (1928, Preis 1,80 Mark) erschienenen Büch­lein:Vorbeugende Karitas für die Kinder der Hilfs­schule. Erlebnisse und Gedanken einer Hilfsschullehre­rin." Es bringt zum größten TeilBilder aus dem Leben", ergreifende und erschütternde Bilder aus dem Leben der armen Kinder, denen das Geisteslicht nicht

voll leuchtet und die dazu noch zumeist in bitter-trauri­gen Verhältnissen aufwachsen mußten, bis sie eine Heim­stätte in einer Anstalt gefunden haben. Das Büchlein ist wert, daß es viele Leser findet, und es ist ihm zu wünschen, daß die Anregungen der edlen Schreiberin mit ihrem liebeswarmen Herzen auf recht fruchtbaren Boden fallen.

ff ^

MM »Stu AseM».

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Der nächste Mittwoch, der Buß- und Bettag, ist für uns Katholiken der Gedächtnistag für die im Weltkrieg Gefallenen. Er ist zwar kein kirch­licher, aber ein gesetzlicher Feiertag. Weil er kein kirchlich gebotener Feiertag ist, deshalb ist auch die Gottesdienstordnung nicht dieselbe wie an Sonn- und Feiertagen. Das Nähere findet sich unter der

Rubrik Gottesdienstordnung.

Kakh. Gesellenverein. Am Sonntag, den 24. November (Totensonntag) wird der Gesellenverein seinen jährlichen Theater-Abend geben. Im Rahmen von einigen Chören unserer Gesangsab­teilung wird das Volksstückder rechte Erbe" ge­spielt werden. Es werden heute schon die Ehren­mitglieder mit ihren Familien und die Freunde unseres Vereins auf diesen Abend aufmerksam ge­macht und herzlich eingeladen. Karten find im Gesellenhaus und bei den Mitgliedern zu haben.

Zenkrumsparlei Kassel. Am Freitag, den 15. November, ist abends 8 Uhr im Kath. Gesellenhaus Versammlung, in der hauptsächlich Wirtschafts­fragen besprochen werden sollen. Am Samstag, den 16. November, ist ebenfalls abends 8 Uhr im Gesellenhaus eine Versammlung und zwar für die Jugend. Zu beiden Versammlungen lädt der Par­teivorstand herzlichst ein.

Volksverein für das kathol. Deutschland.Ehe und Familie vom Standpunkt des Arztes." Der 2. Sexual-Vortrag wird am Mittwoch, 20. Novem­ber 20 (8) Uhr (Bußtag) im Hanuschsaal, Stände­platz 3, stattfinden. Als Redner ist der Chefarzt der'Frauenklinik des Marienkrankenhauses Frank­furt a. Main, Prof. Dr. Bauch, gewonnen. Prof Dr. Bauch hat wiederholt schon diese Frage be­handelt und dürfte darum eine geeignete Persön­lichkeit fein, umsomehr noch, als er Referent auf der großen katholischen sexual-pädagogischen Kon­ferenz in Düsseldorf gewesen ist. Die Vorträge können nur ihren Zweck erfüllen, wenn die Teil­nehmer des einen Vortrages sich vom anderen nicht ausschließen. Die Betrachtung vom Standpunkt des Arztes, des Fachmannes, der tatsächlich mit dieser Frage beruflich zusammentrifft, ist außeror­dentlich wi'cktig. Kein Erwachsener, kein Ehepaar sollte es versäumen, sich diese Vorträge anzuhören. Die Karten zu 50 Pfennig sind zu haben beim Kass. Kurier, Obere Karlstr., F. W. Schmitt, Stern­weg 16 und an der Abendkasse.

Gestalten des Todes. Zu diesem am 17. Nov. 1929, abends 8 Uhr, in der Landesbibliothek statt­findenden Vortragsabend ist noch zu bemerken, daß die Reihenfolge der dargebotenen Bilder diese ist: Totentanz eines Lebens (von Holbein), Totentanz eines Tages (von Dräßner), Totentanz einer Re­volution (von Grossek) und der Tod als Freund (von Rethel). Die verbindenden Lesungen und Ge­dichte werden darauf Hinweisen, daß der Tod, wenn auch mit Schrecken gegürtet, doch ein Engel Gottes ist. So wird dieser Abend mit seinem Ernst, aber

auch mit seinem Trost dem Eyaraner ves rauer- seelenmonats Rechnung tragen. Karten sind zum Preise von 50 Pfennig in der Buchhandlung Schmitt Nachf. oder auch an der Abendkasse er­hältlich. .

50 Jahrs Alois Nitschs.

Die Entwicklung eines der ältesten Herren- und Damen- sriseur-Geschäste Kassels.

Die Firma Alois Nitsche konnte am 11. November auf ein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Deshalb durf­ten einige Angaben über den Werdegang der weit über die. Grenzen 'Kassels hinaus bekannten Firma mterep fisten

Als im Jahre 1874 der Gründer der Firma von Bad Tevlitz nach Kassel kam, nahm er zunächst Stel­lung bei dem damaligen Hoffriseur Plümer. Nach drei­jähriger Tätigkeit in diesem Geschäft gründete Alow Nitsche selbst mit seinem Schwager Carl Bourdon in der Obersten Gasse ein Friseurgefchäft. Nach zwei Jah­ren, am 11. November 1879, zog es Alois Nitsche vor, sich ein eigenes Geschäft in der Mittel- und Entengaße- Ecke 19 zu gründen. Als eine Neuerung für Kassel führte Alois Nitsche den ersten Damenfristursalon in Kassel ein: es ist somit das älteste Damenfriieurgeschaft Kassels. Das Geschäft nahm einen solchen Aufschwung, daß die Räume sich als zu klein erwiesen, und das Ge­schäft wurde nach Mittelgasse 44 in das damalige Hotel Ritter verlegt.

Der Zug nach dem Westen machte einen abermaligen Umzug, nach Wilhelmstraße 4, erforderlich, wo das Ge­schäft sich heute nach 35 Jahren noch befindet. Es wur­den dann im Laufe dieser Jahre bedeutende Vergröße­rungen und Veränderungen der Neuzeit entsprechend vorgenommen, bis im Jahre 1910 der älteste Sohn, Karl Nitsche, das väterliche Geschäft übernahm. Es kam der Krieg; drei Söhne des Gründers wurden zu den Fahnen einberufen, der zweitjüngste blieb, von einer Flieger­bombe getroffen, auf dem Felde der Ehre; während die­ser schweren Zeit mußte Alois Nitsche nochmals die Füh­rung seines Geschäfts übernehmen, bis dann im Jahre 1927 am 30. Juni Alois Nitsche die Augen für immer ^Sm Jahre 1919 hatte Karl Nitsche das Haus Wil­helmstraße 4 käuflich erworben, um durch Um- und Ausbau fein Geschäft noch weiterhin zu vergrößern und es zu dem zu machen, was es heute ist. Das Geschäft gehört heute zu den größten und elegantesten und in hygienischer Beziehung zu den ersten in Kassel.

'Sie heute noch lebende Inhaberin des Gründers, Frau Ernestine Nitsche geb. Bourdon, führte die ersten Perücken in Kassel ein, da ja zu der damaligen Zeit das Perücketragen in Mode war.

Möge das alte gute Friseurgefchäft von Alois Nitsche weiter vorwärts streben, so daß ihm einst das 100jährige Jubiläum betrieben sein werde; aller Anlaß dazu ist gegeben, da bereits die dritte Generation im Geschäft tätig ist.

Sslhollsche VEsbiichsrei, Kassel

Friedrichsplatz 16.

Dörfler, Peter, Abenteuer des Peter Farbe. Roman. 8". Freiburg im Breisgau 1929, Gerber. 4.80 Mk., in Leinwand 6.50 Mk. Peter Farbe ist ein Abenteurer des Schicksals. Kein Buch, das vom Abenteuer lebt, ist ja abenteuerlich wie der Schicksalsweg Peter Fardes. Kein Held, der zu erstaunlichen Taten auszog, war so er­lebnisoerstrickt wie dieser blonde Afrikawanderer. Und doch wollte er nur den Frieden: in sich und unter den Menschen. Von all dem, was er in Leiden und Kämpfen erlebte, blieb schließlich nur eines zurück: die Liebe zu den vom Schicksal Geschlagenen, das Mitleid. Das er­greifende, lange nachwirkende Buch spielt im Mittel­meer in den Wüsten Nordafrikas, in den Urwäldern Mittelafrikas, am Kongo und im Stillen Ozean. Wie kommt es, daß dieses Buch uns alle angeht und trifft? Weil das unvergleichlich zähe Heldentum Peter Fardes so echt und so menschlich, aber auch so schweigsam und so wenig ehrgeizig ist, daß es uns ob feiner Anonymität ergreift." Ein Unbekannter, Unberühmter _ das ist das Erschütterndste. Viele Helden gibt es, wenige aber wie Peter Farbe von Gent, den Abenteurer des Schick­sals.

Sämtliche hier besprochenen Bücher und Zeitschriften sind zu beziehen durch die Buchhandlung F. W. Schmitt (Hanfland) Steinweg.

Vereinskalender.

Sonntag, 17. November.

Jungfrauenkongregakion Sk. Kumgundis. Wäh­rend der Frühmesse gemeinsame hl. Kommunion. Nach­mittags Teilnahme an des Andacht, darauf Kongregattons- Versammlung in der Kirche.

(?) 8 Uhr Vortragsabend in der Landesbibliothek:Ge» statten des Totes". Totentanzbilder, dargeboten durch Kaplan Bretzler.

Marienversin für Harrsgehilsinnsn. Abends 8 Uhr Spielabend im St. Agneshaus, Frankfurter Straße 25. E. l