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zur Hälfte des Schiffes in die Kirche hinein und drückt bis zu 2,10 Meter über den Fußboden der Kirche Die Mehrzahl der Männerwelt sieht das ganze Jahr hin­durch den Altar nicht. Die Gemeinde selbst ist arm, besitzt kein Feld und keinen Wald; alle die großen Spes­sartwälder dringsum gehören dem Staate. Die Bevöl­kerung ist arm; bsstèht aus kleinen Bauern, kleinen Dorfhandwerkern, Waldarbeitern und Fabrikarbeitern, dis leben Sonntag-Abend in das Frankfurter Industrie­gebiet fahren, um dort ihr karges Brot zu verdienen, und jeden Samstag-Abend heimkehren, um Sonntags in der Familie zu sein. Der Boden ist sehr bergig, san­dig, steinig, dem Wilde stark ausgesetzt, Bodenklasse 17 und 18. Die seit fast einem halben Jahrhundert an- gefammelten Mittel sind in der Inflation zerflossen. Die Kirchensteuer der Gemeinde Mernes mußte auf das Höchste angespannt werden, um die Mittel zum Unterhalt des Gottesdienstes und eines Teiles des Ku- raiengehaltes wenigstens aufzubringen. Die Gemeinde wendet sich in ihrer Not deshalb an ihre Glaubsns- brüder in den oben genannten Kreisen und bittst sie herzlich um ein Scherflein für den Neubau der Kirche bei der Hauskollekte. Der Heiland wird es dsn from­men Spendern vergeUen. Jeden Tag wird in der Kirche bei der hl. Messe eigens ein Vater unser gebetet für die Wohltäter der Kirche. Die Sammlung soll stattflnden zwischen dem 17. und 30. November. Die Sammler werden mit Ausweis versehen sein.

Ein Grmg durch den Asuhau d§S AutSUMShMMS.

Seit langem geplant konnte der mit der Zeit ormgend notwendig gewordene Erweiterungsbau des St. Antoniusheims in diesem Jahre endlich ausgeführt werden. Längst war im alten Bau schon jedes Plätzchen und Fleckchen ausgenützt und be­legt.. Aber immer noch gibt es und immer wie­der wird es geben Kinder, Sorgenkinder heim­gesuchter Eltern, für die der Unterricht in der Normalschule nicht ausreicht oder deren geistige und körperliche Beschaffenheit auf heilpädagogischer Grundlage fußende Erziehung und eine Spezial­pflege erfordern, die ihnen die Familie daheim nicht geben kann. Diese Aufgaben waren für die Anlage des Neubaus richtunggebend.

Die Räume für den eigentlichen Schulunter­richt, wie auch die Wohn- und Schlafzimmer der Schulkinder liegen in den 190407 erbauten Tei­len der Anstalt. Der jetzige Neubau soll den üb­rigen Teil der Zöglinge aufnehmen, wie vor allem auch Gelegenheit zu anderen wichtigen Ausbil­dungsmöglichkeiten für diese geben. Hier soll die Schulbildung einen für das praktische Leben erfor­derlichen Abschluß finden. Und zwar wird den Knaben Gelegenheit geboten, sich in verschiedenen Handwerkszweigen und in der Landwirtschaft aus­zubilden, während die Mädchen mit allen Hilfs­arbeiten in der Küche und Haushalt vertraut ge­macht werden sollen. Im Untergeschoß ist eine Reihe von Werkstätten vorgesehen, und zwar für Schreiner, Schuhmacher und Schneider, die alle von geprüften Meistern geleitet werden. Davon getrennt und mit besonderem Eingang versehen liegt die Schulküche mit den notwendigen Neben- und Vorratsräumen. In der Schulküche sollen die Mädchen, soweit möglich, das Zubereiten ein­facher Mahlzeiten erlernen.

Neben den Werkstätten liegt die große Turn­halle, ein Saal von 25 Meter Länge. 9,60 Meter Breite und 6,50 Meter Höhe. Bewegung, Er­holung und Spiel sind dem schwachsinnigen Kind ein besonderes Bedürfnis, und die körperliche Er­tüchtigung ist für es nicht minder wichtig als die geistigen Unterweisungen. In dieser Erkenntnis und Auffassung ist der Turnsaal so hoch, hell und luftig erstellt worden. Er soll nicht ausschließlich dem eigentlichen Turnunterricht dienen, sondern auch bei regnerischer oder kalter Witterung ein willkommener Spielplatz für die Kinder sein. Zu­gleich ist er als Festsaal gedackt für die kleinen Anstaltsfeste, bei denen die Kinder durch kleine, aber oft rührend schöne Aufführungen unterhalten und erfreut werden. Bei des öfteren stattfinden­den Lichtbildervorführungen ermöglicht er nun auch öte Teilnahme aller dafür in Betracht kommen­den Kinder.

Von der Turnhalle gelangt man unmittelbar in den nach Süden gelegenen, gegen Norden und Osten. geschützten Spielhof. Ueber' dem westlichen Teil des Turnsaals liegen in 3 Stockwerken je zirka 90 Quadratmeter große, nach Norden durch entfernbare Verglasung geschützte Liegehallen, die es ermöglichen, die bettlägerigen und gelähmten Kinder in allen schönen Stunden den Segen der

frischen Luft genießen zu lassen. Ein Personen- auszug, der aus finanziellen Gründen leider nur projektiert werden konnte, wird später diejenigen Kinder, denen wegen körperlicher Gebrechen das Treppengehen erschwert ist, mühelos auf den Spiel­platz befördern.

Reichliche Gelegenheit zu Bewegung und Spiel geben auch die etwa drei Meter breiten, vorzüglich belichteten Flure in jedem Stockwerk. An deren Süd- bzw. Westseite liegen die Tagesräume und die Schlafsäle, deren farbenfrohe Ausgestaltung einen gar freundlichen Eindruck macht. Alle Stock­werke enthalten noch je eine Teeküche, Kranken­zimmer, Waschräume und Bäder usw. Letztere entsprechen den modernsten hygienischen Anforde­rungen und sind mit Wand- und Fußbodengeplätte, sowie mit fließendem Wasser versehen. Das Mit­telgeschoß mußte leider im Rohverputz stehen ge­lassen werden, da die erborgten Gelder zur Fer­tigstellung nicht ausreichten. Aus dem gleichen

Zogimge des Antoniusheims beim Spiel.

Grunde ist auch das Dachgeschoß nicht ausgebaut worden.

Mit Anteilnahme und Freude verfolgten auch die Kinder des Antoniusheims das Wachsen ihres Hauses. Sind sie ja die ersten, die ein Interesse da­ran haben. Das Gute, das der Erweiterungsbau ihnen bringt, ist ihnen von Herzen zu gönnen. Aber weil noch so manches fehlt, soll diesen Gang durch den Neubau eine Anregung schließen, die einmal der frühere Herausgeber desBonifatius- boten", der fei. Monsignore Pfarrer Atzert, in einem Aufsätze:Ein Leuchtturm christlicher Kari­tas im Fuldaer Lande" gab. Er sagte:Möge der Wohltätigkeitsfinn der Fuldaer Bevölkerung, der sich bei der Gründung der Anstalt und auch in den Haus- und Kirchenkollekten und in andrer Weise im hellsten Lichte gezeigt hat, nicht Nach­lassen. Von den Pflegegeldern allein können die Ausgaben, Zinsen usw. nicht bestritten werden. Darum möge man bei den mancherlei guten Zwek- ken. die der Unterstützung wert sind, auch das Antoniusheim nicht vergessen. Vielleicht bist du von Gott mit irdischen Gütern gesegnet, deine Kin­der sind geistig frisch und kräftig, du bist dafür Gott Dank schuldig. Die Unterstützung einer An­stalt wie das Antoniusheim wäre ein wahrhast gutes Werk, ein Gott wohlgefälliger Dank. Viel­leicht hast du keine Familie. Statt nach deinem Ableben lachenden Erben alles zu hinterlassen, die dir dafür kaum ein Vaterunser in die Ewigkeit nachsenden, wäre es doch viel vorteilhafter, eine solche Anstalt zu bedenken, in der noch Jahrzehnte lang täglich von so vielen unschuldigen Kindern für dich gebetet wird."

Ssä- NAd Festtags

im St Antonius Herm.

Heute ist ein froher Tag; den hat uns Gott gemacht!" So gerne singt es die sangesfrohe Schar des St. Antoniusheims, und immer findet sie wie­der einen Anlaß, heiter und fröhlich zu sein. Schon der gewöhnliche Sonntag bietet soviel Gelegenheit zur Freude. In der schöngeschmückten Kapelle läßt sich's im sonntäglichen Gottesdienst so gut beten

und singen, und wenn nachher der Morgenspazier» gang unter den schattigen Lindenbäumen der Ma- berzellerlandstraße unternommen wird, und bald der hohe Dom und nacheinander jede der vielen Kirchen ringsumher ihren Glockengruß herüber­senden, da fühlen es unsere Kinder auch:Das ist der Tag des Herrn." Und wie gern leben sie sich in die Gedanken des Kirchenjahres hinein. Den Mittelpunkt ihres Denkens bildet hier der Weiße Sonntag, an dem das ganze Haus in Rührung und Liebe auf seine Erstkommunikanten blickt. Am zweiten Pfingsttage werden dann gewöhnlich die Crstkommunikanten durch das hl. Sakrament der Firmung aufs neue begnadigt, gestärkt und ge­tröstet. Unser Hochwürdigster Herr Bischof Dr. Joseph Damian Schmitt betont es gerne, daß es Antoniusheimer Kinder waren, denen er zuerst das Sakrament des Heiligen Geistes gespendet hat. Mit großer Freude sehen unsere Kinder auch dem Fronleichnamsfeste entgegen. Dank einer bsson-

deren Erlaubnis unseres Hochwürdigsten Oberhir­ten dürfen wir unsere eigene Fronleichnamspro- zession halten. Wie gerne bereiten da die Kinder dem Heiland den Weg. Die Knaben m?t wehen­den Fähnchen, die Mädchen im weißen Kleid mit Blumenkränzchen und Blumenkörbchen. Unwill­kürlich kommt einem da, wenn diese Kinder unter den Klängen der Musik die hehren Fronleichnams­lieder singen, das Wort der Hl. Sckrist ins Ge­dächtnis:Aus dem Munde der Unmündigen hast du dir Lob bereitet." Die sonntägliche Kinderpre­digt des Paters vom Frauenberg führt das Kind dann weiter durch das Kirchenjahr. Sie vermittelt ihm das Verständnis der Kirchen- und Heiligenfeste und sorgt dafür, daß im Herzen des Kindes auch immer die entsprechende Feststimmung und Fest­freude einzieht. Die stille Adventszeit wird mit Ehrfurcht begrüßt und mit besten Vorsätzen begon­nen; denn nun soll ja am Abend eines jeden Tages ein Strich im goldenen Buch dem Jesuskind ver­sichern, daß das Kind heute durch sein Wohlver­halten einen neuen Strohhalm in seins Krippe ge­legt hat. Am Krippchen wird dann das Blatt mit den wohlverdienten Strickten verbrannt, und da soll für keinen Tag der Strich fehlen. Und nun die Weihnachtsbeschervng!Welche Wonne, welch ein Leben!" Das ganze Haus hallt wider oon Weihnachlsklängen und Weihnachtsjubel. Am zwei­ten Weihnachtstag wird gewöhnlich ein kleines Krippenspiel aufgeführt, bei dem schon mancher Zuschauer erstaunt gefragt hat:Ist denn das möglich, daß diese Kinder so etwas fertig brin­gen?" Theaterspielen und Theatersehen gehört zu den besonderen Liebhabereien unserer Schutzbefoh­lenen. Sehr beliebt ist auch das Kasperletheater. Dessen gut gelungene Figuren haben die Kinder selbst aus Papiermache hergestellt. Oft bietet sich auch Gelegenheit, die Zöglinge mit einem Lichton- dervortrag zu erfreuen, den sie mit Auge und Ohr aufmerksam verfolgen. Im Laufe des Som­mers wollen und sollen auch alle ihren großen Ausflug machen. Da geht es gewöhnlich mit Wito in die Rhön oder an einen anderen schönen Ort, wo gute Nachahmer des göttlichen Kinüerfreunoe * den Lieblingen Gottes einen reichgedeckten Kastee-