Sonntag, 10 November 1929
39. Iatzrß
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 ZL-Pfennlg B 45 L-Pfennig (Zustellgebühr extra) Redakiinnsfchlub Montag. Anzeigen-Preise: Coloneizeile tm Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Colonelzeüe im Reklameteil 0.60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Ged. 0,10 Goldmark. Porl» extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei tn Fulda fen.
—— Druck und Verlag der Fuldaer AcNendruckeret. Verlogsor» Fulda- ——■—
Wschenkalender.
Sonntag, 10. Novbr. 25. Sonntag nach Pfingsten. Erntedankfest. Kollekte für den Bonifatiusverein. Andreas Avellinus, Bek., f 1608. Tryphon und Gen., Mart.
Montag, 11. Nov. Martinus, Bischof, Bek., t 400. Mennos, Mart., t 304.
Dienstag, 12. Nov. Oktav des Festes der Kirchweihe. Martinus, Papst, Mart., t 655.
Mittwoch, 13. Nov. Didakus, Bek.
Donnerstag, 14. Nov. Josaphat, Bisch., Mart., t 1623.
Freitag, 15. Nov. Gertrud, Jgfr., t 1302.
Samstag, 16. Nov. Mariensamstag.
25» SonKZKg Nach Pfingsten,
Evangelium. Matthäus 13, 24—30.
Das Gleichnis vom Ankraut im Acker.
In jener Zeit trug Jesus dem Volke folgendes Gleichnis vor: „Das Himmelreich ist einem Mann« gleich, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während aber die Leute schliefen, kam der Feind, säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging davon. Als nun der Halm sufschoß und Frucht ansetzte, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da traten die Knechte des Hausvaters hinzu und sprachen zu ihm: „Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?" Er entgegnete ihnen: „Das hat der Feind getan". Die Knechte fragten ihn nun: „Sollen wir hingehen und es einsommeln?" Er antwortete: „Nein, ihr könntet sonst, wenn ihr das Unkraut sammelt, zugleich auch den Weizen mit ausreißen. Laßt beides miteinander wachsen bis zur Ernte Zur Zeit der Ernte will ich dann den Schnittern sagen: „Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Büschel zum Verbrennen, den Weizen aber bringt in meine Scheune."
Beim „Zelkweber" in âsrinH.
tr haben unsern Apostel Paulus in Athen zurückgelassen, wo er den berühmten Dionysius für Christus gewonnen hat. Dar
Fu
nach schüttelte Paulus den Staub ^^Ä» der Musenstadt von seinen Füßen und begab sich nach Korinth. Was ihm dort widerfuhr, hören wir aus folgendem Bericht Apostelgeschichte:
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Jn Korinth traf Paulus einen Juden mit men Aquila, der aus Pontus stammte und mit seiner Frau Priszilla unlängst aus Italien gekommen war. Klaudius batte nämlich verordnet, daß Ms Juden Rom verlassen müßten. Zu ihnen be- er sich, weil er das gleiche Handwerk betrieb, traten nämlich Zellmacher von Beruf. Bei ihnen blieb er also und arbeitete.
r . ^eden Sabbath hielt er in den Synagogen An- wobei er den Namen des Herrn Jesus und suchte, Juden und Heiden zu gewin- " Als Silas und Timotheus aus Mazedonien
eintrafen, widmete sich Paulus ganz der Predigt und wies den Juden nach, daß Jesus der Messias sei. Da sie aber sich widersetzten und Lästerungen ausstießen, schüttelte er seine Kleider aus und sprach zu ihnen: „Euer Blut komme über euer Haupt. Mich trifft keine Schuld. Von nun an werde ich zu den Heiden gehen."
Er ging von da weg und begab sich in das Haus eines. gottesfürchtigen Mannes mit Namen Titus Iustus, dessen Haus an die Synagoge stieß. Der Synagogenvorsteher Krispus nahm mit seinem ganzen Hause den Glauben an. Auch viele andere Zuhörer in Korinth wurden gläubig und ließen sich taufen. Der Herr sprach des Nachts in einer Erscheinung zu Paulus: „Fürchte dich nicht: rede nur weiter und schweige nicht! Ich bin mit dir, und niemand wird dich antasten, um dir ein Leid anzutun; denn ich habe viele Anhänger in dieser Stadt." So blieb Paulus ein Jahr und sechs Monate in der Stabt Korinth und predigte unter ihnen das Wort Gottes." —
Schenken wir diesem Bericht der Apostelgeschichte etwas Aufmerksamkeit. Da treffen wir den Bölker- apoflel Paulus mitten in seiner aufreibenden Missionsarbeit. Wie ein Schnitter steht er auf dem großen Aehrenfeld und kennt keine Pause, keine Erholung, bis die Ernte geborgen ist. Und es handelt sich da nicht um Aehren, Weizen und Brot, sondern um unsterbliche Seelen, die für den Himmel bestimmt, die zur Erkenntnis und Liebe des Heilandes berufen find. Und nun bedenke, daß Paulus in dieser bildungsstolzen, prachtstrotzenden, verschwendungs- und genußsüchtigen Stadt seine Tätigkeit nicht auf das Predigen allein beschränkt. Paulus hat auch gearbeitet. Zu diesem. Zweck hat er eine Werkstätte aufgesucht und sich einem Meister vorgestellt und um Arbeit sich beworben. Offenbar hatte Paulus das Handwerk meisterhaft gelernt in den Tagen feiner Jugend. Und wenn èr auf dem Arbeitsamt zu Korinth feinen Beruf hätte angeben müssen, so hätte er sich als „Zeltmacher" oder „Weber" eintragen lassen. Für die Reise, für den Aufenthalt im Freien, für das Soldatenleben und manche andere Zwecke brauchte der Grieche eine Menge mannigfaltiger Zelte. Vielleicht wurde damals gerade in der Gegend von Korinth ein Manöver oder ein Sportfest abgehal- ten, wo ein außerordentliches Quantum von Zelten nötig war. So war nach guten Zeltwebern eine rege Nachfrage. Der Meister Aquila toar deshalb froh, als eines Tages ein etwas schmächtiger Mann mit flammenden Augen und energischem Auftreten bei ihm anklopfte und um Arbeit nachsuchte. Sofort wurde Paulus — so hieß der körperlich schmächtige Mann — eingestellt. Der Meister hatte alle Freude an dem prächtigen Gesellen, der so gewissenhaft war im Arbeiten uno so anspruchslos in der Pflege. Paulus stellte aber auch in der Werkstatt fein Licht nicht unter den Scheffel und hatte bald beim Meister, bei seiner Familie und bei der Arbeiterschaft einen Stein im Brett.
Mit Staunen erkannten sie die Macht seiner Gedanken, die Macht der Wahrheit. Es sanken ringsum die Nebel des Götzenwahns, und sieghaft stieg empor die Sonne Christus Jesus, der Herr. Meister und Meisterin beugten alsbald ihren Scheitel dem heilsamen Wasser der Taufe und wurden begeisterte und opfermutige Anhänger des hl. Paulus und des Reiches Christi. Wir sehen dieses fromme Ehepaar in der Zukunst an der Seite des Apostels und als Träger der „katholischen Aktion" in Korinth, in Ephesus und selbst in der Weltstadt Rom. Paulus zeigte sich ihnen dankbar und hat ihnen im Römerbrief ein bleibendes Denkmal gesetzt mit den Worten: „Grüßet Prisca und Aquila, meine Mitarbeiter in Christus, welche für mein Leben ihren Nacken dargeboten, und welchen nicht allein ich, sondern auch alle Gemeinden der Heiden Dank sagen." In den freien Stiinden ging aber Paulus nicht ins Theater oder in die Bäder oder in die Vergnügungsstätten, sondern in die Synagogen, in die Tempel und Versammlungsorte und verkündigte allerwärts mit Mut und Erfolg das Wort Gotres. Sogar mit Zeichen und Wundertaten war sein Apostolat gesegnet. So werdet ihr euch nicht besonders verwundern zu hören, daß die Christengemeinde zu Korinth wie eine Oase aufblühte.
Wie mühsam wird diese Arbeit gewesen sein. „Brüder", so schreibt der Apostel, „seid eingedenk unserer Arbeit und Mühe." Hat aber Paulus arbeiten müssen? Hat er Werkarbeit verrichten müssen, um sein Brot .zu verdienen? Keineswegs. Paulus erhob den Anspruch, seinen Lebensunterhalt von den Gläubigen zu bezichen. Denn — so sagt er ausdrücklich — „Wer dem Altars dient, der soll auch vom Altare leben." Freiwillig hat sich Paulus seines Rechtes begeben, damit niemand sagen konnte, er hätte ja vom Evangelium seinen Gehalt bezogen! Auch wollte er durch die Uebernahme körperlicher Arbeit ein Beispiel geben. Gab es doch in Korinth genug Bummler, Müßiggänger und Straßensteher, die in der Arbeit eine Hube- quemlichkeit oder eine Schande erblickten." Ich habe Tag und Nacht schwer gearbeitet, um keinem aus euch zur Last zu fallen. Nicht als ob ich dazu kein Recht hätte, sondern um euch ein Beispiel zu geben, dem ihr nachfolgen sollt. Hören mir dc-ch daß einige von euch ein unordentliches Leben führen und dem geschäftigen Müßiggang nachgehen. Diesen Leuten gebieten wir nachdrücklich im Herrn Jesus Christus, sie sollen in Ruhe arbeiten und ich ihr eigenes Brot verdienen." —
Das Gesetz der Arbeit gilt auch heute noch. Aber nicht Zwang, nicht Paragraphen, nicht Polizei- organe und Arbeitsämter, sondern das Gewisse» sollte die Arbestsverhältnisse regeln. Dann gäbe es keinen, der sich um die Arbeit widerrechtlich drückt. Dann gäbe es keinen, der mit List und Betrug „stempeln geht" und auf Kosten der Oeffentlichkeit ein Schmarotzerleben führt. Dann wurden wir auch die Arbeitswilligen, die aber bei aller Bemü»