Margareta, das dreizehnte Kind.
Nach dem Leben erzählt von Johannes Feldmann.
Es hat alle Zeit und überall abergläubische Menschen gegeben, so auch um die Mitte des vori- gen Jahrhunderts in Seefeld, wo dem Lumpensammler Ernst Fürtig ein dreizehntes Kind geboren wurde. Die guten Eltern freuten sich über die Ankunft der kleinen Margareta und mit ihnen alle guten Leute. Die Krämerliese aber, ein sonderbares altes Weiblein, das ganz allein im letzten Häusel am Ende des Dorfes hauste, wiegte bedenklich den greisen Kopf und zog das verhutzelte Gesicht noch mehr in Falten. „Das Dreizehnte ist ein Unglückskind!" murmelte sie. „Geb ihm Gott seine Gnad, daß es ihm nicht zu schlecht geht im Leben. Oder es kann auch ein Sorgenkind werden, und dann möge Gott verhüten, daß es feinen Eltern zuviel Kummer mache!"
Der verständige Vater aber lachte sie aus, deutete auf die Stirn und meinte trocken: „Euer Aberglaube ist sündhaft. Damit könnt Ihr leicht Unheil anstiften, allerdings nur bei Dummen. Ich meine: Gott, der das Dreizehnte gab, wird auch den dreizehnten Segen dazu schenken."
Die fromme Mutter wußte ihr auch eine treffliche Antwort. Sie sagte: „Ich habe bisher zwölf Vater unser täglich für meine Kinder gebetet; nun werde ich immer ein dreizehntes hinzustigen." Das hielt die Mutter auch immer so. Selbst wenn es über der reichlichen Tagesarbeit manchmal recht spät geworden war, versäumte sie es nicht, oft noch vor dem Bette die dreizehnte Vater unser auf den Knien zu beten. Es hat ihr und den Kindern keinen Unsegen gebracht, trotzdem es jedesmal dreizehn waren. Zudem betete sie später auch täglich ihre Drittordens-Vatsrunser, sodaß es dann fünfundzwanzig wurden ohne die andern.
Margareta blieb zum Erstaunen der Krämerliefe am Leben und war dabei frisch und gesund' doch tröstete sie sich mit dem Gedanken: „Es ist noch nicht alle Tage Abend. Abwarten!" — Einige Wochen nach Margaretens Geburt kam das viert- Meste Kind, ein Mädchen aus der Schule und setzte sich zur Mutter und Schwester an den Tisch zur Zigarrenheimarbeit. Die füllte nebst der häuslichen den ganzen Tag bis spät am Abend. Man seufzte damals noch nicht nach dem Achtstundentag Je mehr Stunden Arbeit, umsomehr Geld! war die Losung, und Geld mußte geschafft werden für Brot und Kleidung und was sonst noch Notwendiges zum Leben gehört für fünfzehn Personen.
Der Vater zog jeden Morgen wohlgemut mit dem leeren Hundewagen auf die Dörfer zum Lumpensammeln und kam jeden Abend mit dem wohl- gefüllten wieder zurück. Wahr ist es, daß es in der Familie Fürtig manchmal bunt zuging. Es gehörten schon gesunde Nerven dazu, sich durch den Wirrwar der verschiedenen Stimmen und ihrer Wunsche hindurchzukämpfen. Auch kamen oft die Krankheiten zu dritt und viert ins Haus, daß die besorgten Eltern ihr Haus mit einem Lazarett vergleichen konnten. Auch die Sorgen fehlten nicht fetzten sich mit zu Tisch und legten sich mit ihnen abends nieder. Wenn dann mitleidige Nachbarn oder eine gute Frau Nachbarin sie mit ihrem „Stall voll Kinder" bedauerten, sagte Vater Fürtig wohl: „Bedauert uns doch nicht! Wozu sind wir denn auf der Welt? Zum Vergnügen und Gnte- Tage-machen oder zurArbeit u.zumSchaffen? Unser
Leben, reich an Arbeit und Sorgen, hat doch einen Inhalt und Zweck. Hinter unserem Sarge werden einmal, so Gott will, Dreizehn herweinen und vielleicht noch mehr. Ist das nicht ein schöner Trost?" ----
(Fortsetzung folgt.)
Aus dem Dekanat Erfurt.
Große Freude brachte der vergangene Sonntag den Katholiken Thüringens. Wieder einmal war der hochverehrte Herr Reichskanzler a. D. Dr. Marx zu ihnen gekommen. Es galt diesmal, das 73jährige Jubiläum der St. Franziskus-Gemeinde in Sömmerda zu feiern. Sömmerda ist ein Städtchen von etwa 10 000 Einwohnern, 25 Kmtr, nördlich von Erfurt. Hier ist inmitten einer rein protestantischen Gegend eine katholische Gemeinde entstanden, als Dreyse sein Zündnadelgewehr erfunden hatte und infolge der fabrikmäßigen Auswertung dieser großen Erfindung zahlreiche Fabriken hier emporwuch- sen. Aus allen Gegenden Deutschlands strömten damals die Arbeiter zu der neuen Industrie, in der soviel Geld verdient worden sein soll, daß die Kinder mit den Talern auf der Straße spielen (?). Unter den Zuziehenden befanden sich auch einige Katholiken und diese gründeten damals die katholische Kirchengemeinde, die aus ein-m schwachen Pflänzlein zu einem stattlichen Baume emporwuchs. Heute werden die katholischen Kinder schon von zwei Lehrkräften betreut, ein sehr schönes Gotteshaus bildet die natürliche Mitte der Katholiken. Kein Wunder darum, daß beim Begehen des 75jährigen Jubiläums die katholische Gemeinde in heiligem Jubel alles aufbot, um die Feier zu einem großen Erlebnis zu gestalten. Ein Triduum hatte die gesamte Gemeinde geistig vorbereitet. Am Sonntagmorgen erschienen alle Erwachsenen geschlossen an der Kommunionbank. Den schönsten Rahmen aber wies die weltliche Feier auf durch die unvergeßlichen Worte des ersten Führers der deutschen Katholiken, des Herrn Reichskanzlers Marx. Was er sagte von heiligem Kampf um unsere katholische Weltanschauung, von unseren unveräußerlichen Pflichten Kirche und Vaterland gegenüber, das wird noch lange in allen Herzen lebendig bleiben! Wie stolz wir auf diese große Persönlichkeit sein können, das bewies nicht nur der jubelnde Beifall bei seinem Erscheinen und Weggange, das zeigte noch mehr die Ansprache des protestantischen Bürgermeisters, der es betont hervorhob, daß die Stadt Sömmerda stolz darauf fei, einen so erhabenen Gast in ihren Mauern zu sehen! Zu danken von ganzem Herzen ist aber auch all den Katholiken, die von fern und nah herbeigeströmt kamen und so die Feier zu einer machtvollen Kundgebung des Diaspora-Katholizismus gestalteten.
Einen herben Verlust erlitt die St Martinigemeinde in Erfurt in der vergangenen Woche. Ihr allseits beliebter und rühriger Seelsorger, der hochwürdige Herr Pfarrer Hucke, starb nach kurzem, schwerem Leiden fern von ^"I^P^r^ndern an den Folgen einer Operation in Bad-Wildungen. Mit der verwaisten Gemeinde trauert der Gesellenverein, dessen rühriger Präses er war. Unter seiner Leitung gelang es, den Kolpingssöhnen ein eigenes Heim zu schaffen, das immer mehr zum Treffpunkt des gesamten katholischen Erfurt wird. Als Mitglied des Kuratoriums des kathoilschen Krankenhauses St. Nepomuck half er mit, den herrlichen .mit allen Errungenschaften der Neuzeit ausgestatteten Neubau zu schaffen. Wertvolle Seelsorge leistete er an den katholischen Angehörigen der hiesigen Garnison als Militärpfarrer. Nur ein Jahrzehnt war es ihm vergönnt, hier in Erfurt zu wirken und doch hatte er sich in dieser Zeit Liebe und An- Hanglichkeit aller erworben. Das bewies der endlose Trauerzug mit etwa 30 Geistlichen Herren im Rocket, mit zahlreichen Fahnendeputationen; mit Vertretern der Studenten-Verbindung Bavaria-Bonn und mit einer starken Abordnung des hiesigen Offizierskorps. Unter den ergreifenden Klängen der Militärmusik sanken die irbi= Men Ueberreste des allseits beliebten Priesters in die kühle Gruft. Möge der Herr seine segensreiche Wirksamkeit in der Ewigkeit reichlich lohnen! Herr Pfarrer Hucke, ein Sohn des Eichsfeldes, wurde am 1. Oktober 1874 in Breitenbach geboren, besuchte das Gvmnasium in
Hildesheim und studierte in Bonn und Paderborn, wo er im Jahre 1900 die hl. Priesterweihe empfing. Als Kaplan wirkte er dann in Birkenriede, Wüstheuterode, Groß-Bartloff, Geismar, Zeppendorf, Halle-Süd, Hamm und Staßfurt. Dann wirkte er 8 Jahre in Zerbst als Pfarrer, ging dann 4 Jahre nach Magdeburg und verwaltete feit 1919 die Pfarrstelle der St. Martinigemeinde in Erfurt. Er ruhe in Frieden!
j t Aus der Reimet
Eichsfeldifche Rundschau. Heiligen stadt. Durch Oberschulrat Zipperling-Magdeburg wurde der neue Direktor des hiesigen Gymnasiums, Oberstudiendirektor Paul Ax, in sein Amt eingeführt. — Diedorf. Schwestern aus der Genossenschaft der Hildesheimer Vinzentinerinnen haben nunmehr ihren Einzug in das von Fräulein Maria Müller, der einzigen noch lebenden Tochter der verstorbenen Eheleute Gustav und Ka- thariana Müller, gehalten. — Kalteneber. Der älteste Einwohner unseres Ortes Johannes Kellner ist nahezu S5jährig gestorben. — Hüpstedt. Ueber dem Hauptportal der hiesigen Kirche ist eine prächtige überlebensgroße Christus-König-Statue aufgestellt worden. — Zella. Die Wirtschaftsgebäude von Nikolaus Reinhardt, Joseph Höppner und Karl Waldhelm sind niedergebrannt. — H e i lig e nst ad t. Werkmeister Georg Hesse feierte mit seiner Ehefrau Maria Elisabeth geborene Kruse die goldene Hochzeit. — Worbis. Unser Landsmann, Domorganist Hebestreit-Paderborn hat bei der Aufführung des Oratoriums „Quo vadis" in Kassel die schwierige Orgelpartie übernommen. — Hundeshagen. Dem Schlosserlehrling Saalfeld fiel in der Duderstädter Feilenfabrik eine sieben Zentner schwere Eisenschwelle derartig unglücklich auf den rechten Oberschenkel, daß er verschiedene Quetschungen und einen Oberschenkelbruch davontrug. — Beuren. Der Normannsteingau der Neudeutschen hielt auf dem Scharfenstein seinen diesjährigen Gautag ab. — Effel- der. Der 20jährige Arbeiter Gregor Mock, der bei Umbauarbeiten der Ueberlandzentrale durch einen umstürzenden Mast einen Beinbruch erlitt, mußte sich das verletzte Bein abnehmen lassen. — Worbis. Auf dem Bahnhof Westerode verunglückte der Bahnarbeiter Karl Weinrich. Er stürzte aus einem Güterwagen und zog sich schwere Kopfverletzungen zu, die seine Ile- berführung in die Klinik zu Göttingen notwendig machte. — Wingerode. Der Altveteran Karl Wehling ist einer Lungenentzündung erlegen. — Bernterode (Kreis Worbis). Der ehemalige Handelsmann Andreas Schmalz feierte seinen 81. Geburtstag. — Bischofferode. Auf dem hiesigen Kaliwerk Bismarckshall wurde der 60jährige Josef Franke, als er mit dem Schmieren der Transmission beschäftigt war, von einem Treibriemen erfaßt und zwischen das Räderwerk geschleudert, wo er vollständig verstümmelt wurde. Der Bedauernswerte hinterläßt eine Witwe und sechs Kin- der, von denen drei bereits verheiratet sind. — Breitenworbis. Rektor Fernkorn wurde durch Schulrat Preising in sein Amt als Leiter der hiesigen Schule eingeführt. — Niederorschel. Die Wirtschaftsgebäude von Reinhold und Grimm in der Bahnhofstraße fielen einem Schadenfeuer zum Opfer. — Leinefelde. Die Witwe Maria Schneider feierte ihren 80. Geburtstag. — Küllstedt. Durch eine nächtliche Feuersbrunst wurden die Scheunen von Albert Mock, Orschel, Wilhelm Löffelholz und Klemens Degenhardt eingeäschert. Ein auf dem Hofe stehender Trecker explodierte. Außer einem Pferd ist viel Kleinvieh in den Flammen umgekommen. — Silberhausen. Haupt- lehrer i. N. Gümpel feierte seinen 80. Geburtstag.
Zuschriften und Berichte
sind zu richten an
Lehrer C. Walter. Rasdorj