Sonntag, 2?. Oktober $929
39. Zahrg
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig B 45 K-Pfennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Prelse: Tolonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Lolonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besttz der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda sein.
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Wochenkalender.
Sonntag, 27. Oktober. 23. Sonntag nach Pfingsten.
Fest unseres Herrn Jesus Christus des Königs.
Montag, 28. Okt. Simon und Judas Thaddaeus, Apostel.
Dienstag, 29. Okt. Vom Tage.
Mittwoch, 30. Okt. Vom Tage.
Donnerstag, 31. Okt. Vigil von Allerheiligen.
Freitag, 1. Nov. Fest Allerheiligen.
Samstag, 2. Nov. Gedächtnis Allerseelen.
23. Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. Philipper 3, 17—4, 3.
Evangelium. Matthäus 9, 18—26. Die Auferweckung der Tochter des Jairus.
In jener Zeit, da Jesus zu den Volksscharen redete, siehe da kam ein Vorsteher, warf sich vor ihm nieder und sprach: „Herr, meine Tochter ist soeben gestorben. Aber komm, leg ihr deine Hand auf, so wird sie wieder leben." Jesus machte sich auf und folgte ihm mit sei- u«n Jüngern. Und siehe, eine Frau, die seit zwölf Jahren am Blutflusse litt, trat hinter ihm heran und berührte den Saum seines Gewandes. Denn sie dachte bei sich: „Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich gesund." Jesus wandte sich um, sah sie und sprach: „Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht." Von der Stunde an war die Frau gesund. Als dann Jesus in das Haus des Vorstehers kam und die Flötenspieler und die lärmende Menge erblickte, sprach er: „Geht hinweg! Das Mädchen ist nicht tot, es schläft nur." Da verlachten sie ihn. Er aber wies die Leute hinaus und ging in das Gemach. Er faßte das Mädchen bei der Hand, und es erhob sich. Die Kunde davon verbreitete sich in jener ganzen Gr- gend.
Christkömgsdienste.
f) in mächtiger Herzog in seinen Tagen war Franz Bo-Ugia, einer der angesehensten, edelsten Fürsten seiner Zeit. Bei aller Gottesfurcht war er indessen ein Weltmanit bis zu einem Ereignis, das ihn heraus- aus seiner Weltbefangenheit. Da war nämlich ie Kaiserin Isabella gestorben, die als Ausbund ” Schönheit von der ganzen Welt angestaunt ^rde. Dem Herzog Franz wurde der kaiserliche , ^ag, die Leiche vor der endgültigen Beisetzung 6 « Granada in Augenschein zu nehmen. Und als ü.L m 9,. eI weggenommen war, was kam da wf^ein? Statt eines blühenden, heiteren, .„Mahlenden gütigen Gesichtes eine häßliche, ten « « Zerfallene, wachsbleiche, übelriechende To- der^^' ® Welt mit deiner Herrlichkeit, rief ick ß>~ ^°9 au5' ^hre wohl. Nicht länger will ein rclns9en bienen, deren Herrlichkeit, ach so bald, Sonin- ^ Ä"â Christus allein, dem König der n 9e> will rch in Zukunft dienen. —
Christus, der König der Könige. Heute ist sein Fest, das Christuskönigsfest. Mit allem Glanz wird es rings auf dem Erdenrund gefeiert. Mit einem doppelten Recht, als Gott und als Mensch, hat er Anspruch auf unsere Dienste. Mit Leib und Seele sind wir sein Eigentum. Für Zeit und Ewigkeit sind wir ihm verpflichtet. Wollen wir nicht aus freien Stücken ihm unsere Dienste anbieten und darbringen? Und welches sind diese Dienste?
Einmal sollen wir an Christus glauben. Ein großer, herrlicher, gottgefälliger Dienst ist der Glaube. Er ist die Pforte der Wahrheit, des Glückes und der Seligkeit. Denn, so spricht der Heiland selber: „Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage." Ein andermal schildert der Herr die Verdienstlichkeit des Glaubens in der Form eines feierlichen Gebetes: „Das ist das ewige Leben, daß die Menschen dich, den Vater, erkennen und den du gesandt hast." All unsere Tugend, all unsere Almosen, all unsere Menschenfreundlichkeit ist wertloser Plunder, wenn unsere Werke nicht hervorgehen aus dem Glauben. Paulus, der große Apostel, möge darin unser Vorbild sein. „Ich weiß, wem ich geglaubt habe", ruft er mit frohem Bewußtsein im Angesicht des Todes aus. Das soll auch unser Trost sein im Leben und Sterben, an Christus, den Herrn und Erlöser, geglaubt, auf ihn gehofft, ihn geliebt zu haben.
Ja, die Liebe, diese herrliche Geistesverfassung, diese Zuneigung des Herzens, diese Richtung des Willens, die Liebe zu Jesus ist ein weiterer Christkönigsdienst. Schätzt sich nicht jener König am glücklichsten, der das Vertrauen und die Liebe feiner Untertanen besitzt? Was sprach dock Fürst Eberhard, der Mann mit dem Barte, der Liebling seiner Schwaben? Während die anderen Fürsten die Schönheit und den Reichtum ihrer Länder mit vollen Backen priesen, überraschte sie Eberhard mit folgenden Worten:
Eberhard, der mit dem Barte, Württembergs geliebter Herr, Sprach: „Mein Land hat kleine Städte, Trägt nicht Berge silberschwer.
Doch ein Kleinod hälts verborgen: Daß in Wäldern noch so groß
. Ich mein Haupt kann kühnlich legen Jedem Untertan in Schoß." —
So freut es auch unseren König Jesus, sich von uns geliebt zu sehen. Fraget den hl. Paulus, ob er nicht sein ganzes Herz in glühender Liebe Jesus geschenkt hatte. Nicht der geringste Teil davon gehörte noch ihm selber oder der Welt. Darum jene wundervollen Worte: „Christus ist mein Leben, Sterben mein Gewinn." Darum konnte es auch ein Paulus nicht verstehen, wie es Menschen geben könne mit einem solch steinernen Herzen, daß sie keine Liebe spürten für den Erlöser." Wenn jemand", so ruft er drohend aus, „wenn jemand den Herrn Jesus nicht lieb hat, der sei im Banne,"
Darum auch sein Eifer für Jesus, seine unermüdliche Arbeit für Jesus, seine unersättlichen Leiden für Jesus. Wir haben ja Beispiele genug gesehen im Verlauf der Apostelgeschichte. Um nicht ganz aus der Reihe zu kommen, will ich auch heute ein solches anführen. Aus Asien war Paulus infolge eines nächtlichen Gesichtes nach Europa herübergekommen und war in der Stadt Philippi angelangt. Dort benutzte er die erste beste Gelegenheit, um für feinen geliebten Heiland Propaganda zu machen. Bei einem Bethaus an einem Fluß traf er nämlich eine Anzahl Frauen. Er dachte nicht, diese paar armen Frauen haben keine Bedeutung und keinen Einfluß! Nein, er setzte sich mitsamt seinem Begleiter Silas bei ihnen nieder und lenkte wie von ungefähr das Gespräch auf Jesus von Nazareth. Und sein Vertrauen und sein Bemühen waren mit Erfolg gekrönt. Wenn wir auch nichts von einer Massenbekehrung lesen, so berichtet doch die Apostelgeschichte von einer Purpurhändlerin namens Lydia, die aufmerksam ihm Gehör schenkte und sich mit ihrer ganzen Familie taufen ließ. So begeistert war diese Frau für Christus utib das Evangelium, daß sie den Apostel bat, bei ihm sein Absteigequartier zu nehmen und ihr Haus zu einer Zentrale des Christentums zu machen.
Siehst du, wie man auch im kleinen für Christus etwas tun kann? Da handelt es sich 3. B. manchmal um die Wahlen. Als Katholik weißt du genugsam Bescheid, welche Partei in der Öffentlichkeit, in der Kammer, in der Gesetzgebung eintritt für Christus und für die Interessen seiner hl. Kirche, die seine geliebte Braut ist. Geh' nicht bloß selber hin und gib den entsprechenden Stimmzettel ab, sondern veranlasse durch ein gutes Wort auch deine Angehörigen, Bekannte und Freunde, ein gleiches zu tun. So hast du ohne viel Arbeit wirklich und wahrhaft ein Zeugnis für Christus abgelegt.
Liebe zu Christus. Sie zeigt sich auch in bet Nachfolge Jesu. Da öffnet sich dir wahrhaftig ein weites, großes Feld. Knie nieder, sprach die Oberin zur hl. Margaretha, deren Fest wir am 29. Okt. begehen, knie nieder vor dem hl. Sakrament und sei da wie eine ausgespannte Leinwand vor dem Maler. Und bet Heiland sagte ihr, daß er die Hauptzüge fernes Lebens: Entbehrung, Arbeit, Stillschweigen, Opfer, Liebe und Leiden, Entsagung von aller Anhänglichkeit in die Leinwand zeichnen wolle. Schau, das gilt auch für dich und mich. Ein König gibt feinen Soldaten gerne eine Uniform. So will es auch der König Chris us machen. Seine eigene Uniform will er uns geben. Nicht eine Uniform von Kleidern, Knöpfen und Treffen sondern eine Uniform feines Lebens und feiner Tugenden. Ein anderer, ein zweiter Christus zu werden, ein wahrer, echter, vollkommener Christ, das fei wieder unsere Ausgabe bis zum letzten Atemzug. Aer Talpfarrer J