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t. WMH-AM

Sonntag, 20 Oktober $29

59. Jahrg.

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatig Ausgabe A 40 L-Pfennig B 45 ».-Pfennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Tolonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzelle im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens Im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.

Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei. Verlagsort Fulda.-----

ALMA

Wochenkalender.

Sonntag, 20. Ott. 22. Sonntag nach Pfingsten. Johan­nes von Venti, Bek., t 1473. Wendelinus, Abt, Bek., t 617.

Montag, 21. Okt. Hilarion, Bek., t 371. Ursula und Gef., Mart., t 451.

Dienstag, 22. Okt. Vom Tage.

Mittwoch, 23. Okt. Vom Tage.

Donnerstag, 24. Okt. Raphael, Erzengel.

Freitag, 25. Okt. Chrysanthus und Genossen, Mart., t 284.

Samstag, 26. Okt. Vigil der Apostel Simon und Juda.

Cvaristus, Papst, Mart., f 112.

22. Sonntag nach Pfingsten.

Epistel. Philipper 1, 611.

Evangelium. Matthäus 22, 1521. Die Steuersrage.

In jener Zeit gingen die Pharisäer hin und faßten den Plan, Jesus in einem Ausspruche zu fangen Sie schickten also ihre Schüler mit den Herodianern zu ihm und ließen ihm sagen:Meister, wir wissen, du bist wahrhaft und lehrst den Weg Gottes der Wahrheit ge­mäß, ohne nach jemand zu fragen; denn du siehst nicht auf die Person des Menschen. So sage uns denn, was meinst du: ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen oder nicht?" Jesus durchschaute ihre Arglist und ent­gegnete:Ihr Heuchler, warum versucht ihr mich? Zeigt mir die Steuermünze!" Sie reichten ihm einen Denar. Jesus fragte:Wessen ist das Bild und die Aufschrift?" Sie antworteten ihm:Des Kaisers." Da sprach er zu ihnen:Gebt also dem Kaiser, was dem Kaiser gebührt, und Gott, was Gott gebührt!"

Gottes Sprachrohr.

hristus lehrt durch den Mund der Bischöfe besonders durch den Mund des Papstes. Ihn dürfen wir ge­trostdas Sprachrohr Gottes" nen­nen, dessen sich der allweise Gott bedient, um den Menschen seinen Willen kundzutun.

Ein wahres Kabinettstück göttlicher Führung und Entscheidung durch die Kirche bietet uns die Apostelgeschichte in der Erzählung vomApostel- konzil". Welches war denn seine Veranlassung? '-ine brennende Streitfrage. Als nämlich Paulus und Barnabas noch zu Antiochien weilten, kamen luoifche Eiferer und setzten die Heidenchristen in Unruhe mit der Behauptung:Wenn ihr euch , nach dem Brauche des Moses beschneiden las­ier, könnt ihr nicht zum Heile gelangen!" ~, ®® hatten Paulus und Barnabas einen harten . Jene Hartköpfe von Juden wollten chren ,,'Vherzigen Standpunkt einfach nicht aufgeben, fit? nun eine auktoritative Entscheidung herbeizu- i y.ren, beschloß man, Paulus und Barnabas nebst l.Mn andern nach Jerusalem zu den Aposteln zu

Von der Gemeinde eine Strecke Weges

begleitet, zogen sie durch Phönizien und Samaria und berichteten von der großen Ernte unter den Heiden. Bei ihrer Ankunft in Jerusalem wurden sie von der Gemeinde, den Aposteln und Vorstehern ehrfurchtsvoll empfangen. Sie berichteten, welch große Dinge der Herr durch sie gewirkt hatte. Na­türlich bliesen die Pharisäer, diese Formelfuchser und Zeremonienreiter, in das Horn der Erzjuden und stellten hartnäckig die Forderung, daß die Hei­den sich beschneiden lasse und das ganze Gesetz des Moses beobachten.

Da versammelten sich die Apostel und Vorsteher, um hierüber zu beraten. Nach langem Hin- und Herreden erhob sich Petrus und sprach zu ihnen:

Liebe Brüder! Ihr wißt, daß Gott vor lan­ger Zeit die Anordnung getroffen hat, daß die Hei­den zum Glauben gelangen sollen. Und Gott, der die Herzen kennt, hat Zeugnis für sie ab­gelegt, indem er ihnen ebenso den hl. Geist ver­lieh wie uns. Er hat keinen Unterschied gemacht, indem er ihnen ebenso den hl. Geist verlieh wie uns. Was wollt ihr nun den Herrn versuchen und den Heiden ein Joch auf den Nacken legen, das weder unsere Väter noch auch wir zu tragen vermochten? Vielmehr sind wir der Ansicht, daß wir alle durch die Gnade des Herrn Jesus Christus das Heil erlangen."

Die ganze Versammlung schwieg. Sie lauschte dem Barnabas und Paulus, welche berichteten, welch große Zeichen und Wunder Gott durch sie unter den Heiden gewirkt habe. Als sie damit zu Ende waren, ergriff Jakobus das Wort und lieferte den Nachweis, daß die Berufung der Heiden Inhalt der Hl. Schrift fei. Zuletzt wurde der Beschluß gefaßt und den interessierten Gemeinden durch Boten mitgeteilt. Das berühmte Schreiben hatte folgenden Wortlaut:

Wir haben erfahren, daß einige aus eurer Mitte ohne jeden Auftrag von uns euch durch ihre Lehren beunruhigt und verwirrt haben. So senden wir euch Boten mit folgender Entscheidung:

Es hat dem hl. Geiste und uns gefallen, euch weiter keine Lasten aufzulegen außer folgenden notwendigen Stücken: ihr sollt euch von Blut, von Ersticktem und von der Unzucht enthalten. Wenn ihr euch davor bewahrt, tut ihr wohl daran. Lebt wohl."---

Mit dieser Entscheidung war der letzte Faden zwischen Judentum und Christentum zerrissen und die Tore der Kirche haben sich weit aufgetan. Keine Zwischenstufe war fernerhin nötig; kein Durch­gangsstadium. Unmittelbar sollte der Heide durch die Türe der Taufe eintreten in das Reich Christi.

Es hat dem hl. Geiste und uns gefallen. Petrus und feine Mitapostel hatten also die Ueberzeugung, daß der hl. Geist und Gott selber durch ihren Mund geredet haben. Und diese Auffassung ha: sich in der katholischen Kirche durchgesetzt bis zum heutigen Tag. Dis Kirche, der Papst mit den Bi schüfen und auch der Papst für sich allein, wenn sie auf dem Gebiet des Glaubens und der Sitten,

auf dem Gebiet der Religion eine allgemein gil- tige Entscheidung treffen, sind Organe der gött­lichen Wahrheit, Zungen des hl. Geistes. Wer also Anspruch darauf erhebt, ein Kind der katholischen Kirche zu sein, muß solchen Entscheidungen sich un­terwerfen, solche Lehren für wahr, für richtig und göttlich ansehen, solche Vorschriften in die Praxis umsetzen. Es gibt aber die Kirche, es geben Papst und Bischöfe Entscheidungen und Richtlinien nicht bloß auf dem eigentlichen Gebiet der Dogmatik und Moral, sie geben uns auch Richtlinien auf den Grenzgebieten, welche zur Religion in engster Be­ziehung stehen. So haben wir Richtlinien in den Fragen der Schule, der Politik, der Wirtschaft, der Sitte und Kultur, in den Fragen der Morde, des Theaters, des Sportes, der Literatur. Katholiken, die gute Katholiken sein wollen, achten, ehren und befolgen diese Grundsätze, verteidigen sie gegen die Gegner und stehen unentwegt und treu zur Kirche. Das darf uns keine Last und keine Plage sein. Das soll uns ein Trost, eine Hilfe und Freude jein. Wo gibt es denn im öffentlichen Leben überhaupt noch eine feste Regel und eine zuverlässige Richt­schnur, wenn nicht in den Normen der hl. katholi­schen Kirche? Da möchte ich mich der Mahnung des hl. Bischofs Franz v. Sales anschließen, der an seine Freundin, die Baronin v. Chantal die Worte schrieb:Preisen Sie Gott hundertmal des Tages für die Gnade, ein Kind der Kirche zu sein. Tun Sie es nach dem Beispiel der hl. Theresia (15. Okt.), die in ihrer Todesstunde immer wieder die Worte wiederholt hat:Ich bin eine Tochter der katholischen Kirche."

Der Talpfarrer.

Die kmderfreunde",Wie sie find

Herunker mit der Maske.

Noch selten ist mit einem Worte so viel Unfug getrieben, sein Sinn so ins Gegenteil verkehrt wor­den, wie wir es finden bei dem WorteKinder- 'reunde". Sie mögen selbst das Wort haben, damit ein ganz getreues Bild entstehe.

Die Bewegung der Kinderfreunde ist österrei­chischen Ursprunges, sozialdemokratisches Gewächs; es wurde gepflanzt von dem Genossen Anton Afritsch und der Genossin Weinreb. Die Bewe­gung nahm ihren Anfang im Jahre 1908; 1917 wurde der Reichsverein der österreichischen Kin­derfreunde gegründet. Nach Deutschland griff die Bewegung über im Jahre 1922, schon 1923 ent­stand die Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinder­freunde in Deutschland.

Was wollen die Kinderfreunde? Sie sagen es immer von neuem:Ein wenig Sonnenschein" wollen sie bringen ins Leben des armen Kindes, Erziehung im Geists edlen Menschentums". Wie schön, wie harmlos! Silber bei Licht betrachtet sehen die Bestrebungen der Kinderfreunde ganz anders aus. Es muß doch schon zu denken geben,