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Sonntag, 6. Oktober 1929

GL EWeth-Alltt

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 K-Pfenaig B 45 R-Pfenntg (Zustellgebühr extra) Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Pretse: Eolanelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Eoloneizetle tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Osf.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens tm Besitz der Fuldaer Actiendruckere» in Fulda sein.

Druck und Verlag der Fuldaer AcNemdruckerel. Verlagsort Fulda.

59. Zahrg.

Wochenkalender.

Sonntag, 6. Oktober. 20. Sonntag nach Pfingsten.

Bruno, Bek., f 1101. Rosenkranzfe st.

Montag, 7. Okt. Fest des hl. Rosenkranzes. Marcus, Papst, Bek.: Sergius u. Gen., Mart., t 336.

Dienstag, 8. Okt. Brigitta, Witwe, t 1373.

Mittwoch, 9. Okt. Donysius, Areopagita u. Gen., Mart, t 272.

Donnerstag, 10. Okt. Franz Borgia, Bek., f 1572.

Freitag, 11. Okt. Vom Tage.

Samstag, 12. Okt. Marien-Samstag.

t 272.

20. Sonntag nach Pfingsten.

Epistel. Epheser 5, 1521.

Evangelium. Johannes 4 4653. Jesus heilt den

Sohn eines königlichen Beamten.

In jener Zeit war in Karphanaum ein königlicher Beamter, dessen Sohn krank darniederlag. Als er ver­nahm, Jesus sei von Judäa nach Galiläa gekommen, ging er zu ihm und bat ihn, herabzukommen und 'ei­nen Sohn gesund zu machen; denn er war dem Tode nahe. Jesus sprach zu ihm:Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht." Der königliche Be­amte entgegnete ihm:Herr, komm herab, bevor mein Sohn stirbt!" Jesus erwiderte ihm:Geh hin, dein Sohn lebt." Der SRann glaubte dem Worte, das Jesus zu ihm gesprochen hatte, und ging. Aber schon unter­wegs kamen ihm seine Knechte entgegen und meldeten, sein Sohn sei am Leben. Er erkundigte sich bei ihnen nach der Stunde, in der es mit ihm besser geworden sei. Sie sagten ihm:Gestern um die siebte Stunde ver­ließ ihn das Fieber". Da erkannte der Vater, daß cs die Stunde war, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt". Und er wurde gläubig mit seinem ganzen Hause._____________ _____________

Des Christen Kompaß.

i cht weit von meinem Pfarrhaus steht zwischen uralten Lindenbäu- men die verwitterte Figur eines Mönches; daneben ein ehemaliges Karthäuserkloster, worin das Schweigen, das Denken und die âgend wohnten. Der Mönch aber ist der hl. «runo aus Köln, dessen Andenken gerade aus Den heutigen Sonntag fällt. Um das Jahr 1030 aus adeligem Geschlecht in Glanz und Herrlichkeit ge- oren entsagte er dem Ruhm, dem Reichtum und en Nichtigkeiten dieser Welt, zog sich in eine schau - y. Einöde zurück und hatte nur noch das eine viel vor Augen, den lieben Gott zu verherrlichen, ne tveele zu heiligen, das ewige Leben zu gewin- u und möglichst vielen Gefährten das gleiche Muck zu Dermassen.

an ?.^^. das ist des Christen Kompaß, der Glaube Annu , Ewigkeit. Diesen Kompaß haben auch die -un° ?*e Missionare immerdar ihren Schütz- "^^ Hand gedrückt. Sie wußten aber st^ °^ Weg zu einer glücklichen Ewigkeit Cbri- der Herr ist, der gesagt hat:Darin besteht

das ewige Leben, daß die Menschen Gott, den Va­ter, erkennen, und Jesum Christum, den er ge­sandt hat." Das war die Methode und das Ziel der Predigt, die der hl. Paulus zu Antiochien ge­halten hat. Sein getreuer Chronist St. Lukas er­zählt darüber folgendes:

Ihr Männer von Israel und die ihr Gott fürch­tet, vernehmt meine Worte. Gott hat unsere Vä­ter in der Gefangenschaft Aegyptens, in den Wan­derungen der Wüste und im gelobten Lande Ka­naan allzeit treulich geführt. Aus Davids Ge­schlecht ließ er dem Volke den Retter entsprossen. Vor ihm predigte Iohannes die Bußtaufe und gab die Erklärung:Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet. Er kommt nach mir, und ich bin nicht wert, ihm die Schuhe von den Füßen zu lösen. Und nun ist Christus gekommen, und die Führer des Volkes haben ihn ans Kreuz geschlagen und gerade da­durch, ohne es zu wissen und zu wollen, die Ver­heißungen der Propheten erfüllt. Gott aber er­weckte ihn am dritten Tage, und er erschien seinen Aposteln. Sie sind seine Zeugen beim Volke, und so verkünden wir die frohe Botschaft vom auf­erstandenen Erlöser. Durch diesen wird euch Ver­gebung der Sünden zugesichert."

Am folgenden Sabbat strömte fast die ganze Stadt zusammen, um das Wort Gottes zu hören. Darunter waren die meisten Heiden. Beim An­blick dieser Menge wurden die Juden voll Eifer­sucht, widersprachen den Worten des Paulus und stießen Schmähungen aus. Paulus und Barnabas aber erklärten ganz freimütig:Euch mußte das Wort Goties zuerst gepredigt werden. Weil ihr es aber abweist und euch selbst des ewigen Lebens unwürdig machet, wenden wir uns an die Heiden. So hat es uns der Herr befohlen. Als die Hei­den dies vernahmen, freuten sie sich und priesen das Wort des Herrn. Und es wurden alle gläubig, die zum ewigen Leben vorausbestimmt waren."

So weit der Bericht des hl. Lukas in derApo­stelgeschichte".

Du siehst nun selber, welchen Wert dieser große Prediger S. Paulus aus die Erwerbung des ewi­gen Lebens gelegt hat. Das war ja der ganze Sinn seiner Predigt, die Leute möchten an Jesus glauben und dadurch sich des ewigen Lebens ver­sichern.

Das ist auch heute noch die Aufgabe der Re­ligion, der Kirche, der Priester, den Erdenpilgern unablässig diesen Kompaß zu geben. Der Kompaß des Steuermanns ist stets auf den Polarstern ge­richtet. Des Christen Kompaß aber ist der Ge­danke an die Ewigkeit.

Wenn ein Kind zum erstenmal die Schwelle des Gotteshauses überschreitet, um die hl. Taufe zu empiangen, fragt es der Priester: Was begehrst du von der Kirche Gottes? Antwort: das ewige Leben. Wenn er weiterhin dem getauften Kinde das weiße Kleid reicht, dieses Symbol der Gnade und der Reinheit, gibt er ihm dazu folgende Er­mahnung:

Nimm hin das weiße Kleid und bring es un« befleckt vor Gottes Richterstuhl, damit du das ewige Leben habest."

Außerdem reicht er dem Neugetauften zum Schluß noch eine brennende Kerze mit den Wor­ten:

Nimm hin die brennende Kerze und bewahre unversehrt deinen Taufbund, damit, wenn der Herr zur Hochzeit kommt, du ihm entgegengehen könnest mit allen Heiligen und das ewige Leben habest."

Außerdem reicht er dem Neugetauften zum Schluß noch eine brennende Kerze mit den Wor­ten:

Nimm hin die brennende Kerze und bewahre unversehrt deinen Taufbund, damit, wenn der Herr zur Hochzeit kommt, du ihm entgegengehen könnest mit allen Heiligen und das ewige Leben habest."

Wohl oder übel mußt du zugestehen, daß es sich um den Kapitelpunkt handelt, gegen den alle andern Interessen verschwinden. Neben der Sonne erbleichen die Sterne, neben der Rose stehen die Veilchen zurück, neben dem Golde verblassen Sil­ber, Kupfer, Blei und alle andern Metalle. Sa verschwinden auch und versinken in pures Nichts alle anderen Fragen, die nur das Irdische betref­fen vor der einen großen, entscheidenden Frage, welche dein ewiges Glück zum Inhalt hat.

Besuchen wir diese oder jene Versammlung. Redner treten auf und sprechen im Schweiß des Angesichtes zu den Massen. Und wovon ist die Rede? Ob die Arbeitszeit acht oder neun oder sieben Stunden betragen soll; ob der Stundenlohn eine Mark oder zwei Mark sein soll; ob der Ar­beiter oder der Bauer oder der Fabrikherr zu viel Steuern und Umlagen bezahlt; ob man diesen oder jenen Mann zum Abgeordneten wählen soll; ob man mit der Republik sich zufrieden geben oder das alte Kaiserreich wieder Herstellen oder auf den Trümmern des Kapitalistenstaates die Diktatur des Proletariates errichten soll. Für den Augenblick erscheinen diese Fragen wichtig. Die Rede und Diskussion geht darüber hin und her, und man erhißt sich gewaltig. Laß aber ein Paar Jahre vergehen. Dann ist alles Irdische vorüber und die ganze Welt versinkt vor deinen brechenden Au­gen. Dann leuchtet wie eine Sonne groß und er» haben die Ewigkeit. Laß, lieber Freund, jetzt jdum von den Strahlen dieser Sonne Licht hineinströ­men in deine Seele. Sieh, wenn du jetzt reich wä­rest wie Krösus und wohntest in einer Villa am Genfer See und könntest in einem erstklassigen Hotel mit den Geldaristokraten an der Tafel spei­sen io kann dir das nichts nützen für die Ewig­keit. Es sei denn, du würdest innerlich losgelöst 'ein von Diesen Herrlichkeiten und allen Ueber- stuß den Armen geben. Und wenn du in einem 'onnenarmen Dachkämmerlein wohntest und mit» iamt Deiner Familie von der Arbeitslosenunterstüt­zung und vom Almosen leben müßtest, so kann