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Die hl. Lioba.

Ein Vorbild deutscher Frauen in ihrer Tätigkeit für den Bonifatius-Verein.

(Zum 28. September).

^enu wir alljährlich dankerfüllten Herzens am 5. Juni das Fest des großen, heiligen Bonifatius feiern und an unserem Geiste seine wundersame, weite Länderstrecken umspannende Missionstatig- keit vorüberziehen lassen, so müßten wir von Rechts wegen auch seiner treuen Helferin, der hei­ligen Aebtissin Lioba, liebevoll gedenken, deren opferreiche, segensvolle Tätigkeit das Werk des heiligen Bischofs auf das wirksamste unterstützte.

Diese zwei edle Gestalten aus uns Deutschen stammverwandtem angelsächsischen Geschlechte wa­ren zu unseren Voreltern über den Signal gekom­men, um ihnen entweder das Christentum zu bringen, oder, wo es bereits vorhanden, jedoch be­drückt war, neu zu stärken. Auch die heilige Lioba eiferte in glühender Begeisterung für die Aus­breitung des Reiches Christi, für das Heil der un­sterblichen Seelen. Ihre Biographie übt auf den Leser eine gewaltige Anziehungskraft aus. Leider ist aber heutzutage die heilige Lioba nicht jo be­kannt, wie man annehmen konnte in Anbetracht des mächtigen Verlangens nach segensreicher Tätig­keit, das in unserer Zeit durch weite Kreise unserer edleren Frauenwelt geht. Gerade die katholische Frauenwelt würde in unserer Heiligen eine be­wußte Vorkämpferin höchster Ideale finden.

Es war schon eine geraume Zeit der Gelübde- Ablegung der heiligen Lioba verstrichen, als ihr großer Verwandter, der heilige Bonifatius, wel­cher mit Anspannung aller Kräfte in den unwirt­lichsten Gegenden Deutschlands die Völker zu christianisieren strebte, hilfeslehend nach England sich wandte, und von den kirchlichen Oberen d-e junge Klosterfrau nebst einer erlesenen Schar eng­lischer Priester und gottgeweihter Jungfrauen 'ich erbat, damit diese ihm beim Werk der Glaubens- oerbreitung beiständen. Freudig folgten die Ge­rufenen der Einladung. Sie ahnten wohl kaum, wie reich an Opfern und Beschwerden und Käm­pfen von jetzt an ihr Leben sein werde. Das Los- reißen von der Heimat, die in kultureller Hinsicht damals Deutschland weit voraus war, die ga^z fremde Sprache, deren mangelhafte Kenntnis eine Einwirkung auf das Volk anfangs sehr erschwerte, machte das kleine Missionswerk der kleinen Helden- schar zu einem doppelt schweren.Doch Schritt­weise stetig vordringend verhalfen sie zum Siege des Kreuzes in unseren Heimatländern.. Die Gründung von Frauenklöstern, in denen die Töch­ter des Landes erzogen werden sollten, zog viele derselben herbei und das heiligmäßige, wahrhaft apostolische Leben der Klosterfrauen wirkte mäch­tig auf Deutschlands Jugend." So sagt fast wört­lich der neuere Biograph der Heiligen, Karl Zell. Mit dem weiten und tiefen Blick eines wahren Volkerapostels hatte Bonifatius erfaßt, daß ge­eignete Kräfte eine mächtige Förderung dem hei­ligen Miffionswsrk bringen würden. Das weib­liche Geschlecht ist ausgestattet mit reichen Herzens­gaben und einer Riesenkraft der Hingabe an einen höheren Zweck", dem Weibe wirklich Herzenssache geworden.

Vergegenwärtigen wir uns einmal, der große Bischof Bonifatius trete heute in unsere Mitte, überschaute die Wirksamkeit und das Arbeitsfeld unseres nach seinem Namen benannten Vereins, wurde er nicht heute wie damals einen dringenden Werberuf an die Frauen und Jungfrauen Deutich­lands richten? Wo bleibt die Mehrzahl der Scha­ren frommer Jungfrauen der Marien-Vereine, der Paramentenstickerinnen, der Verehrerinnen des heiligsten Altarsakramentes? Wie viel von euch leben in gut katholischer Gegend, geborgen und geschützt durch geordnete, kirchliche Verhältnisse, un­bekannt mit dem grenzenlosen geistlichen und mora­lischen Elende der deutschen Diaspora! Euch rufen wir zu:Gedenket des heiligen Bonifatius, dem wir Deutsche unsere heiligsten Güter verdanken. Helft uns! Opfert doch wenigstens einen kleinen Teil eures Interesses, eures Geldes und eures Ge­betes und eurer Zeit dem großen, wichtigen Werke der Seslenrettung, das der Bonifatiusverein fick zum Ziels gesetzt hat. Macht euch vor allen Dingen bekannt mit dem Organ des Vereins: dem Boni- fatiusblatt, das die Vereinsdruckerei zu Paderborn versendet, und wodurch ihr Einblick tut in die tau­sendfache Not des weiten Diasporagebietes, aber

zugleich auch in die Opferwilligkeit großer Scharen deutscher Katholiken, welche je nach Fähigkeit ihre Gaben senden!"

Können wir erstaunt sein, daß in vielen prote­stantischen Kreisen Verständnislosigkeit, Unkennt­nis und Geringschätzung betreffs der katholischen Religion sich vreit machen, da oft die einzigsten Vertreter unseres heiligen Glaubens in großen pro­testantischen Länderstrecken jene armen, der Kirche entfremdeten und schlecht unterrichteten Namens­katholiken der Diaspora sind, deren Verwahrlosung angesehen wird als naturnotwendiges Ergebnis eines Glaubens, der weder die Heilswahrheiten in rechter Weise lehre, noch zu einem rechtschaffenen Tugendleben befähige, noch Seelenfrieden bringe.

Deutsche Frauen und Jungfrauen! Sagt euch bei jeder Mark, die ihr unnützerweise ausgebt, bei jedem Luxus, den ihr euch in Kleidung, Geschen­ken oder Handarbeiten gestattet:Wie dankbar wäre mancher arme Diasporapriester, hätte er diese Summe zur Verfügung für seine ärmsten unter den Armen." Wie leicht könne er in einem von der nächsten katholischen Kirche weitab gelegenen Orte ein Zimmer zum Gottesdienste mieten oder Fahrkarten zur Kirchfahrt verschenken, täten sich allerorts eifrige Katholiken zusammen, sparten und opferten für diese heilige Zwecke gemeinsam.

Viel Jammer und Elend würde verhindert oder von unseren Glaubensbrüdern abgewendet, wenn nur jede treue Katholikin des weiten deut­schen Vate landes an jedem Sonntag ein, wenn auch ganz geringes, Dankopfer beiseite legte, nach­dem ihr Gott die unverdiente Gnade geschenkt, dem heiligen Meßopfer beiwohnen zu können. Tausende unserer Brüder und Schwestern in der Diaspora sind oft ohne ihre Schuld in die Lage geraten, ihren kirchlichen Pflichten nur selten nachkommen m können. Der Gatte oder Vater wanderte aus katholischer Gegend ins fremde Land, bessere Ver­dienste erhoffend, oder der kleine Staatsbeamte wurde versetzt in eine ganz protestantische Um­gebung, wo die Kirchwege beim besten Willen nur mit Aufbietung starker Energie und großer Geldopfer dann und wann ermöglicht werden kön­nen. In Familien, wo kleine Kinder der Mutter bedürfen, wo Kranke Pflege brauchen, wird die arme Hausfrau oft viele Monate vom Gottesdienste ferngehalten, da der lange, anstrengende Kirchweg in den meisten Fällen große Schwierigkeiten be­reitet, zumal im Winter bei schlechtem Wetter.

Besonders traurig ist aber die Lage der armen katholischen Schulkinder in der Diaspora. Wie selten, wie mühsam erreichen sie einen ausreichen­den Religionsunterricht, weil die Geldmittel fehlen, um genügende Schulen oder wenigstens Kommuni- kanten-Anstalten einzurichten. Da wächst nun ein junges Geschlecht heran, unwissend bezüglich der wichtigsten katholischen Glaubenslehren, ohne reli­giöse Durchbildung, ohne den nötigen sittlichen Halt. Und diese jungen Scharen sollen nach einem Jahr­zehnt die Repräsentanten unseres heiligen Glau­bens in protestantischen Gegenden sein! Wenn üaatlicherseits erwogen würde, wie die religiöse Verwahrlosung die Quelle der meisten Verbrechen ist, man würde die Gründung von katholischen Schulen und der Erbauung von katholischen Kir­chen in den ärmsten Diasporagemeinden freund­licher gegenüberstehen. Die Straf- und Besserungs­anstalten würden bedeutend weniger bevölkert sein. Man verstopfe die Quelle, aus der die trü­ben Gewässer, religiöse Gleichgültigkeit und Zwei­felsucht fließen, und man spart sich große Mühe und Kosten

Wird aber vom Staate her die Hilfe oft ver­geblich erwartet, so wird sicherlich der Hilferuf an die opferfreudigen Herzen deutscher Frauen und Jungfrauen nicht ohne Erhörung bleiben. Haben zur Zeit der Freiheitskriege so viele sich bereitge­funden, ihre langen, glänzenden Haarflechten zu verkaufen und ihren wertvollen Goldickmuck zu opfern, um den Kämpfern für das deutsche Vater­land Geldmittel zu verschaffen, so wird heute auch in mancher edlen Frauenseele ähnliche, viel größere Opferwilligkeit erfinderische Liebe zu Taten treiben, an denen die Engel im Himmel ihre Freude haben. Denn es gilt jetzt nicht einen irdischen Kampf zu unterstützen, sondern unsterbliche Seelen unserer katholischen Mitbrüder, ja unschuldige Kinder, zu retten vor der Verwahrlosung.

Werfen wir jetzt wieder einen Blick auf die heilige Lioba, welche mit ihrer schwachen Kraft als Weib so Enormes vollbrachte und dazu unter den schwierigsten Verhältnissen, so lernen wir an

ihr, was uns befähigen kann, segensreich für den Bonifatiusverein zu wirken. Der Biograph be­richtet, sie habe die unter ihrer Leitung stehenden Klosterjungfrauen zu immer größere Vollkommen­heit hingeleitet. Voll Demut und beständiger Hei­terkeit, habe sie nie eine zorniges oder schmähendes Wort geäußert; sie sei strenge gegen sich selbst, aber stets milde gegen andere gewesen. Gerne habe sie den Klosterfrauen Erholung und Ruhe gegönnt, damit sie für Gebet, Studium und kör­perliche Arbeit genügende Frische bewahren. Die Gastfreundschaft habe sie sich besonders angelegen sein lassen, und nach dem Vorbilde des göttlichen Heilandes den fremden Gästen selbst gedient. Oft besuchte sie mehrere andere ihr unterstellte Klöster und wurde die geistige Führerin vieler edler Jung­frauen aus deutschem Stamme, welche später in der Welt lebten und als christliche Mütter in ihren Familien unberechenbaren Segen verbreiteten. So ist sie noch heute nicht nur den Ordensfrauen, son­dern auch den in Familien Lebenden ein leuchten­des Beispiel geworden. Gar manche Jungfrau nämlich ist zeitweilig oder dauernd durch dringende Pflichten oder schwache Körperkräfte am erwünschten Klosterleben gehindert; sie gerade kann eine Hel­ferin des heiligen Bonifatius werden, ohne in Fa­milienkonflikte durch Vernachlässigung wichtiger häuslicher Pflichten zu geraten. Weder Kranken- -ssuche mit Ansteckungsgefahr noch zeitraubende Vereinsarbeit außer dem Hause ist notwendig, um eifriges, tätiges Mitglied des Bonifatiusvereins zu fein. Die Hauptsache ist das Gebet und eins glü­hende Liebe für die heilige Sache selbst. Dann wird man alsbald selbst erfinderisch, neue prak­tische Mittel und Wege entdecken und zu benutzen, um durch Sparen, Opfern, sowie durch Handarbei­ten für die Bekleidung der Kinder in den Kom- munikanten-Anstalten am großen Werk des hei­ligen Bonifatius ein wenig mitzuhelfen. Und welch große Glückseligkeit bewirkt solche stille, se­gensreiche Arbeit! Ist Wohltun immer Balsam für das eigene Herz, so ist Wohltun für den Bonifa­tiusverein noch non dem beseligenden Bewußtsein begleitet, daß wir durch jedes Liebsswerk für den­selben am besten Gott den schuldigen Dank ab- stalten können für jenes kostbare Himmelsgeschenk, den wahren Glauben, für den wir ihm nie genug zu danken vermögen. Zuletzt wurzelt ja alle Le­benskraft des Bonifatiusvereins in dem Glauben an und in der Liebe zu Christus und seiner Kirche, die er durch sein eigenes Blut sich erworben hat. Jeder einzelne muß, wie der heilige Paulus im Briefe an die Kolosser (1, 19) schreibt,Gott dem Vater danken, daß er uns entrissen hat der Fin­sternis und uns versetzt hat in das Reich des Soh­nes und Liebe, in welchem wir Erlösung haben durch sein Blut, Vergebung der Sünden".

Darum, deutsche Frauen und Jungfrauen, auf zur Mitarbeit für das Werk des heiligen Boni­fatius und der heiligen Lioba!

Asus Arbeiter im Weinberge des Herrn.

Wir stehen vor der folgenschweren Tatjache, daß die Zahl der Priesterberufe in allen Diözesen zurückgeht. Aus verschiedenen Gründen, vielfach wegen fehlender Mittel für das Studium, aber auch zum großen Teil wegen mangelnder religic- ser Vertiefung in der Familie. Die Not der Zeit mahnt uns, die HeilandsworteBittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte sende, von neuem in Erinnerung zu bringen.

In unserer Zeit sind die Aufgaben des Prie­sters in ungeheurem Ausmaß gestiegen und nie­mals ist der Priestermangel stärker empfunden worden, als in der Gegenwart.

Kein anderer Stand ist mit dem Volke m Freud und Leid so fest verbunden wie der sirie- sterstand. Der Seelsorger hat Wunden zu hel­len, die dem Arzt nicht gezeigt werden, und Rechts­fälle zu lösen, die nicht in die Akten des Rechts­anwaltes kommen. - ,r. .

Unserer Zeit fehlt die Seele. Maschinisierung und Mechanisierung vergessen die unsterbliche See des Menschen Unzufriedenheit und Berbltteru g haben weiteste Kreise erfaßt. Die sittliche B ' Milderung unserer Zeit wirkt zersetzend bis m Familie hinein. " hip.

Der Priester des 20. Jahrhundens steht h vor gewaltigen Aufgaben. Wohl besteht b erste und heiligste Aufgabe in der Verwaltung Vermittlung des Testamentes unseres gotum Herrn und Meisters. Die Schlüssel von