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M. 59

Sonntag, 29 September $929

59. Zahrg

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-ßfennig B 45 R.- Pfennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzelgen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzelle im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetlendruckeret in Fulda fein.

Druck und Verlag der Fuldaer Actlendruckerel. Verlagsort Fulda.

Wochenkalender.

Sonntag, 29. Sept. 19. Sonntag nach Pfingsten. Fest des hl. Erzengels Michael.

Montag, 30. Sept. Hieronymus, Kirchenlehrer, t 420. Dienstag, 1. Okt. Remigius, Bischof t 553.

Mittwoch, 2. Okt. Fest der hl. Schutzengel.

Donnerstag, 3. Okt. Theresia vom Kinde Jesu, Igfr., f 1897.

Freitag, 4. Okt. Herz-Jesa-Freilag. Franziskus von Assisi, Bek., f 1226.

Samstag, 5. Okt. Marien-Samstag. Placidus u. Gen., Mart., t 546.

19» Sonntag nach Pfingsten.

Epistel. Epheser 4, 2328.

Evangelium. Matthäus 22, 114. Das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl.

In jener Zeit redete Jesus zu den Hohenpriestern und Pharisäern in Gleichnissen und sprach:Das Him­melreich ist einem Könige gleich, der seinem Sohne Hoch­zeit hielt. Er sandte seine Knechte aus, die Geladenen zur Hochzeit zu rufen. Doch sie wollten nicht kommen. Da sandte er andere Knechte aus mit dem Auftrag: Sagt den Geladenen: Seht, mein Mahl habe i.-h be­reitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet: alles steht bereit, kommt zur Hochzeit! Allein sie achteten nicht daraus und gingen weg, der eine auf sein Landgut, der andere zu seinem Geschäfte. Die übrigen aber fie­len über seine Knechte her, verhöhnten sie, ja schlugen sie tot. Als der König das hörte, ward er zornig. Er sandte seine Truppen aus, ließ jene Mörder umbringen und ihre Stadt in Brand stecken. Dann sprach er zu seinen Knechten: Das Hochzeitsmahl ist zwar beredet; noch die Geladenen waren seiner nicht wert. 5o geht nenn hinaus an die Straßenkreuzungen und ladet zur Hochzeit, wen ihr nur findet. Die Knechte gingen ruf ote Straßen hinaus und brachten alle herbei, die sie fanden, Gut und Böse. So füllte sich der Hochzeitsmal mit Gästen. Nun trat der König ein, um sich die Gäste anzusehen. Sein Blick fiel auf einen, der kein hochzeit- liches Gewand trug. Er redete ihn an: Freund, wie vlst du hier hereingekommen ohne hochzeitliches Ge­wand? Er aber schwieg. Da gebot der König den Dienern: Bindet ihm Hände und" Füße und werst ihn hinaus in die Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. Denn viele sind berufen, wenige aber auserwählt."

Ein Schwarzkünstler.

Gebet nicht Raum dem Teufel"

o hören wir in der heutigen Epistel den hl. Paulus mit großem Nach­druck ausrufen.

Mit dem Teufel läßt sich jeder ein, der den Leidenschaften des -. Zornes, der Sinnlichkeit, der Be- mertichkelt^ ungehemmt die Zügel schießen läßt, todtesten Raum aber stellen jene dem Teufel bims rfU9ltn9' die sich gleichsam mit ihm ver- w^a "' ^ durch seine Hilfe Reichtümer zu er- den Lüsten zu fröhnen, den Mitmenschen ^eib und Seele zu schaden. Im Volke werden

solche Subjekte gern .Schwarzkünstler" benamst. Mit einem solchen Individuum bekommen wir es heute zu tun.

Auf seiner Missionsreise kam der hl. Paulus in Begleitung des Barnabas und Johannes auf die Insel Cypern. Zu Salamis angelangt, ver­kündigten sie in den jüdischen Synagogen das Wort Gottes. Sie durchwanderten die ganze Insel bis Paphus. Dort trafen sie einen jüdischen Zau­berer und Lügenpropheten namens Barjesus. Er war im Gefolge des Statthalters Sergius Paulus, eines verständigen Mannes. Dieser ließ Barnabas und Saulus zu sich kommen und verlangte das Wort Gottes zu hören. Allein Elymas, das ist der Zauberer so wird sein Name verdolmetscht trat ihnen entgegen und suchte den Statthalter vom Glauben abzuhalten. Saulus aber, der auch Paulus heißt, wurde vom hl. Geiste erfüllt, faßte ihn scharf ins Auge und sprach:Sohn des ^Teu­fels, voll Falschheit und Bosheit aller Art, Feind aller Gerechtigkeit, hörst du nicht auf, die geraden Wege des Herrn zu durchkreuzen? Siehe, die Hand des Herrn kommt über dich: du sollst blind sein und eine zeitlang die Sonne nicht sehen." So­gleich umfing ihn tiefe Finsternis; er tastete um= her und suchte nach jemand, der ihn an der Hand führe. Als der Statthalter den Vorfall sah, wurde er gläubig; so ergriffen war er von der Lehre des Herrn.

So weit der Bericht des hl. Lukas.

Barjesus war also ein Zauberer, ein Schwarz­künstler, der im Bund mit dem Höllenfürsten aller­hand Spuk verübte und sich dadurch in den Man­tel des Ansehens warf und manchen blanken Groschen in seinen Sack steckte. Und da er mit dem Teufel an demselben Strick zog, so war es ganz natürlich, daß ihm die Bekehrung seines Herrn, des Prokonsulus Sergius Paulus ein un­verdaulicher Bissen war. Mit allen Künsten der Verführung wollte er seinen Herrn Paulus dem Einfluß des Missionärs Saulus entziehen. Doch diesmal wurde ihm sein schwarzes Handwerk gründlich gelegt. Das Unwetter entlud sich über feinem eigenen sündigen Haupte.Sohn des Teu­fels, Feind aller Gerechtigkeit," nannte ihn der Apostel. Blindheit wurde ihm angedroht, und alsogleich umfing ihn Finsternis und er tappte umher und suchte einen Führer. Glaube ja nicht, Saulus habe aus Zorn oder Rachsucht dieses Ge­richt über den Zauberer heraufbeschworen. Nein; er handelte als Vollstrecker der göttlichen Gerech­tigkeit. Uebrigens stand das Heil seiner unsterb­lichen Seele auf dem Spiel. Da war unser Saulus Feuer und Schwert. Vielleicht war diese Heimsuchung für den Zauberer nicht bloß eine Strafe, sondern auch eine Medizin. Wird er nicht über sein bisheriges Treiben nachgedacht haben? Wird er nicht zur besseren Erkenntnis gekommen sein? Wird er nicht in die Fußtapsen seines Herrn getreten und ebenfalls die so mächtige Reli­

gion des Gekreuzigten angenommen haben? Für den Prokonsul aber hatte die Stunde des Heils geschlagen. Das Wunder öffnete ihm vollends die Augen. Er wurde Christ und hat wohl auch seine Untertanen zu Christus, zur Wahrheit und zum Glücke geführt. Und ein immerwährendes An­denken an diese Bekehrung des Sergius Paulus wurde für die ganze Nachwelt aufgerichtet. Denn der Apostel Saulus, wie er bis dahin ausschließ­lich hieß, wurde von nun an Paulus genannt.

Zauberei. Eine schreckliche Sache; der Bund mit dem Teufel. Die Verschreibung der Seele in die Gewalt des Höllenfürsten. Daß Zauberei im Laufe der Geschichte vorgekommen sind, kann nie­mand leugnen. Die Zeit des Heidentums war die Hochsaison der Zauberei. Christus, der Herr, hat oft genug seine Herrschaft über die schwarzen Mächte der Hölle bewiesen. In den christlichen Ländern ist der Satan in Ketten gelegt. Gleich­wohl können wir in seltenen Beispielen Satans Spiel mit den Händen greifen. Die Kirche greift dann--ein mit demExorcismus". Dabei muß aber die Hand des Satans gleichsam sichtbar sein. Auf bloße Vermutung hin eine Zauberei anzu­nehmen und arme Menschen als Zauberer oder Hexen" zu verschreien, das ist eine große Unge­rechtigkeit. Ach, was haben die christlichen Länder Europas schon geseufzt unter demHexenwahn". Wie eine Seuche wälzte sich derselbe über die christ­lichen Gaue dahin und zerstörte Glück, Frieden und Menschenleben. Als Erasmus von Rotterdam, ein Freund Luthers, ein Mann von großem Verstand und ungewöhnlicher Bildung, im Jahre 1529 zu Freiburg weilte und von Flöhen arg geplagt war, sagte er zu seinen Freunden: das sind keine Flöhe, sondern kleine Teufel. Denn vor einigen Jahren wurde in der Gegend von Freiburg ein Weib verbrannt, das 18 Jahre lang eine heimliche Verbindung mit dem Teufel gehabt hat. Unter anderen Verbrechen hat sie gestanden, daß sie durch, des Teufels Hilfe mehrere große Säcke mit Flöhe» in die Stadt Freiburg geschickt habe.--

Es ist eine bodenlose Unwissenheit und Unver» schämtheit, diesen verwerflichen und entsetzliche Hexenwahn den Katholiken in die Schuhe schieben zu wollen. Denn alle Konfessionen ohne Untern schied waren davon angesteckt. Fast niemand konnte sich dem Wahne entziehen, der wie eins Seuche grassierte. Ein Katholik ist es indeß ge­wesen, ein Priester und Jesuit, der dem Hexenwahy am entschiedensten entgegengetreten ist, der edH Iesuitenpater Friedrich d, Spee.

Gebet keinen Raum dem Teufel. Nicht einma, den kleinen Finger. Sonst nimmt er gleich dst.» ganze Hand. Darum nicht spielen mit der Ver­suchung. Darum getreu auch im kleinen feint Pflicht erfüllen. Wenn etwas pflichl ist, sagt ein geistreicher Mann, dann darf man garnicht fragen ob man es tun soll oder Mast: denn damit säng schon der Verrat an.

Der Talpsarrer«