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Ausgabe B.

6t. AWeth-NM

Religiöses Wochenblatt

für die kakholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R-pfenntg B 45 R-pfennig (Zustellgebühr extra), Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Pretse: Colonelzeile Im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzelle im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen muffen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendrulkerei in Fulda sein.

Druck und Verlag der Fuldaer Acklendruckerei. Verlagsork Fulda.

Nr. 38

Sonntag, 22. September $929

$59. Zahrg.

Zwei bedeutungsvolle Zahre in der Geschichte des Bistums Zulda : 1829 und 1929.

I. Das Jahr 1829.

Am heutigen Sonntag, den 22. September, ist genau ein Jahrhundert vergangen seit dem Tag, da das durch die Säkularisation gefährdete und fast vernichtete Bistum Fulda in der Person des Kasseler Stadtpfarrers Joh. Adam Rieger nach langer Verwaisung wieder einen Oberhirten er­hielt. Am Tage vorher hatte der neue Oberhirte im Dom zu Fulda die bischöfliche Weihe empfan­gen. Am 22. selbst fand die feierliche Besitzer­greifung und Inthronisation statt.

Schwere Jahre waren für die Diözese Fulda vorangegangen. Durch den ungerechten Gewaltakt der Säkularisation war das Fürstbistum Fulda und die ehrwürdige Abtei, die bis auf den heiligen Bonifatius zurückreichte, durch einen Federstrich vernichtet worden. Zwar hatte der Reichsdeputa- twnshauptschluß vom 25. März 1803, der die geist­lichen Besitztümer an weltliche Fürsten verteilte, bestimmt, daß diese Fürsten die Diözesen samtden Domkapiteln und Seminarien neu zu dotieren hatten. Aber die Fürsten nahmen sich damit Zeit und führten zuerst ihren Raub am Kirchengut bis zum Aeußersten durch. Fulda kam an den Prin­zen von Oranien, der wie viele andere Fürsten 8ar nicht den Beschluß der Reichsdeputierten ab- wartete, sondern auf die Zusage der Franzosen ^ Russen hin, um deren Gunst er buhlte, schon die Besetzung Fuldas vornahm, das Ver­flogen des Bistums, selbst einen großen Teil der goldenen und silbernen Kirchengeräte an sich zog und eine neue Verwaltung, die vielfach aus aus« ^artigen Protestanten bestand, einrichtete. Als im Satire 1806 die napoleonische Armee heranrückte, neue Fürst die aus dem Dom geraubten ^vchenichäke mit sich führend nach Berlin. Es 0Wn für Fulda die traurigen Jahre der Fran- zoienherrschaft, die monatelang den Dom als di- . die gefangenen Preußen benutzten, dann ®* owt des Großherzogtums Frankfurt unter MnLr 0&0r. v°ri Dalberg, und nach dem Sturz rpi*° eo die gemeinsame Herrschaft der sieg- o^d-»^ Monarchen und schließlich nach vorüber- K, "der preußischer Regierung die Zuteilung an " r y e s s e n.

tisck?^' w"^ das alte Fürstentum Fulda poli- an mA^eri- .c n Teil kam an Bayern, ein Teil klbft nhTnV ew Teil an Hessen-Darmstadt, Fulda ^ber samt seiner Umgebung an Hessen-Kassel.

6ebipfP schliche Diözese Fulda als solche, die die des alten Fürstentums umfaßte, blieb in

ihrem Umfange durch solche Teilungen zunächst un­berührt. Der letzte Wrstbischof, Adalbert von Har st all einer eichsfeldischen Familie entstammend führte die geistliche Verwaltung weiter, allerdings oft behindert durch Eingriffe der weltlichen Regierung. Am 8. Oktober 1814 schloß er im Tode die Augen. Fünfzehn Jahre sollte die Diözese verwaist bleiben.

Der verstorbene Fürstbischof hatte vor feinem Tode seinem Generalvikar Heinrich Frhr. v. Warnsdorf, Propst aus dem Michaelsberg,

Otunfius pacelli.

die Diözese für die Zeit der Vakanz anvertraut. So führte dieser die Bistumsgeschäfte weiter, vom 16. November an als Apostolischer Vikar für die Diözese Fulda.

Schon am 17. Februar 1817 starb er auf dem Michaelsberg. Sterbend hatte er seine Vollmachten an den Stiftskapitular Bonifaz Freiherrn v. K e m p f s abgetreten, der nunmehr als General­vikar die Diözese weiterführte.

Unter ihm traten bald grundlegende Verän­derungen der Diözesangrenzen ein. Auf Grund des bayerischen Konkordates wurden im Juli 1822 die an Bayern gefallenen Gebiete des Fürftbis-

I tums Fulda an die Diözese Würzburg zugeteilt: alle Pfarreien des Saale- und Sinngauxs von Hammelburg bei Brückenau einschließlich Motten, Lütter, Schmalnau, Batten.

Durch die Abmachungen der Kurie mit den ober* rheinischen Staaten wurden alle (früher meist Mainzer) Pfarreien, die im Gebiete von Kurhessen lagen, der Fuldaer Verwaltung zugeteilt. Boni­faz von Kemps selbst wurde am 12. Januar 1823 zum Apostolischen Vikar für Kurhessen ernannt, also für die Gebiete, die von nun an das neue Bis­tum Fulda ausmachen sollten; auch die an Weimar gefallenen Pfarreien des Geifaer Bezirks blieben unter der Fuldaer Bistumsverwaltung.

Die Zuteilung der kurhessischen Pfarreien und' die Ernennung des Frhr. v. Kempff zum Aposto­lischen Vikar von Kurhessen war bereits eine Folge der Bulle Provida sollersque vom 16. August 1821, durch die die Diözesen der Freiburger (oberrheinischen) Kirchenprovinz in ihren Grenzen festgelegt wurden. Bis zur völligen Wiederher­stellung der Diözese Fulda war allerdings noch ein weiter Weg mit vielen Schwierigkeiten. Wie die anderen oberrheinischen Staaten, so suchte auch Kurhessen fein neues Landesbistum möglichst ganz unter die Kuratel der Staatsregierung zu stellen und unter Verletzung der vollzogenen Ab­machungen mit der Kurie die demnächst zu er­nennenden Bischöfe auf eine geheimeKirchen­pragmatik" festzulegen.

Der gegebene Mann für die Neubesetzung des Fuldaer Bischofsstuhles war Freiherr v. Kempff. Als diesem seitens der Kurhess. Regierung die be­rüchtigte Kirchenpragmatik zur Unterschrift und Anerkennung vorgelegt wurde, lehnte der edle und aufrechte, treu kirchlich gesinnte Mann, den auch die Mehrheit des Klerus als Bischof vorge- chlagen hatte, dieses Ansinnen entschieden ab. Die Kandidaten der Regierung für die übrigen vier oberrheinischen Bistümer hatten ein trauriges Zeichen für den Geist des damaligen oberrhei­nischen Klerus die Pragmatik unterschrieben. Nun erfuhr auch der Papst von dieser Pragmatik und lehnte ihre einzelnen Artikel entschieden ab« zugleich verwarf er auch jene Bischofskandidaten, )ie sie unterschrieben hatten.

Frhr. von Kempff kam nach seiner Weigerung für die kurhess. Regierung nicht mehr in Frage. Ihr Kandidat war nun der hochbetagte und alters­schwache Kasseler Stadtpfarrer Joh. Adam Rieger. Erst im Jahre 1828 waren die Verhandlungen so weit aedieben, daß die Erhebung des Pfarrers