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Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-pfennlg B 45 R.-pfennlg (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens km Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda fein.

-----Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerel. Verlagsork Fulda.

Sonntag, 15. September 1929

59. Zahrg.

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Wochenkalender.

Sonntag, 15. Sept. 17. Sonntag nach Pfingsten. Fest der 7 Schmerzen der sel. Jungfrau Maria. Nico­demus, Mart.

Montag, 16. Sept. Cornelius u. Gen., Mart., f 252. Euphemia u. Gen., Mart.

Dienstag, 17. Sept. Einprägung der Wundmale des hl. von Assist. Hildegardis, Jgfr., Aebtissin.

Mittwoch, 18. Sept. Ouatembermittwoch. Joseph von Cu- pertino, Bek., t 1663.

Donnerstag, 19. Sept. Januarius u. Gen., Mart.

Freitag, 20. Sept. Quakemberfreilag. Eustachius u. Gen., t 118. Vigil des hl. Apostels Matthäus.

Samstag, 21. Sept. Quakembersamskag. Matthäus, Ev. Apostel.

17. Sonntag nach Pfingftns.

Epistel. Epheser 4, 16.

Evangelium. Matthäus 22, 3546. Das Hauptgebot.

In jener Zeit kamen Pharisäer zu Jesus. Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stel­len und fragte ihn:Meister, welches ist das Hauptge­bot im Gesetze?" Jesus antwortete ihm:Du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Ge­müte! Das ist das höchste und erste Gebot, das zweite ist diesem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie mch selbst! An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten". Da die Pharisäer beisam­men waren, richtete Jesus an sie die Frage:Was haltet ihr von Christus? Wessen Sohn ist er?" Sie antwor- ihm:Davids Sohn." Da sprach er zu ihnen: kann ihn dann David, vom Geiste erleuchtet, Herr nennen, da er sagt: Es sprach der Herr zu meinem i)errn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine zum Schemel deiner Füße mache? Wenn nun

® Gn Herr nennt, wie ist er dann sein Sohn?" ^ciemand konnte ihm Antwort darauf geben. Und von oiejem Tage an wagte niemand mehr, ihm eine Frage vorzulegen.

Ein Ehrenname.

gas Christusproblem ist das Königs­problem der ganzen Weltgeschichte. Christus, der Herr, ist der goldene Angelpunkt, um den sich alles dreht. In ihm allein ist das Heil, m ... - Ohne ihn ist Finsternis, Irrtum,

bi» 0^^^' Verwerfung. Darum die Frage aus Christugs^enen Mund:Was haltet ihr von

c. ^n& von Christus, dem Sohne Gottes, unserm 2,9* rmd Erlöser, haben wir alle einen Namen tun«. £tnen Zugkräftigen Namen, einen bedeu- «ngsvollen Namen, einen ehrenvollen Namen:

sind Christen.

her rau^ dieser Name zum erstenmal auf in mit ^schichte? Das erzählt uns der hl. Lukas folgenden Worten:

Soh'p h! ^< Verfolgung der Christen, die beim den -i^b hl. Stephanus ausgebrochen war, wur- nrae bis nach Phönizien, Cypern und Antio-,

chien zersprengt. Sie verkündigten das Wort Got­tes nur den Juden. Aber einige von ihnen, Män­ner aus Cypern und Cyrene, verkündigten nach ihrer Ankunft in Antiochien auch den Heiden die frohe Botschaft vom Herrn Jesus. Die Hand des Herrn war mit ihnen, und eine beträchtliche An­zahl wurde gläubig und bekehrte sich zum Herrn.

Die Kunde davon kam auch der Kirche zu Jeru­salem zu Ohren. Man entsandte Barnabas nach Antiochien. Als dieser kam und die Gnade Gottes sah, freute er sich und ermahnte alle, aufrichtigen Herzens dem Herrn anzuhangen. Er war eben ein trefflicher Mann, vom hl. Geiste und vom Glau­ben erfüllt. So wurde eine große Anzahl für den Herrn hinzugewonnen.

Barnabas begab sich nach Tarsus, um Saulus aufzusuchen. Er fand ihn und nahm ihn mit nach Antiochien. Sie verweilten ein volles Jahr in der Gemeinde und unterrichteten eine große Menge.

In Antiochien gab man den Jüngern zuerst den Ramen: L h r i st e n."

Wie viel Anhänger Jesu in den ersten Jahr­hunderten sich daraus eine Ehre gemacht haben, Christen zu heißen, welch große Ehre dieser Name ihnen war, ersieht man aus der Legende des hl. Märtyrers Lucian.

Der Kaiser Maximinian ließ diesen Mann vor sich kommen. Um der Gefahr zu entgehen, durch die Macht seines Anblicks gerührt und bekehrt zu werden, ließ er denselben beim Berhöre hinter einem Vorhang stehen. Durch bestechende Verhei­ßungen und schreckliche Drohungen bemühte sich der Kaiser, den Lucian auf seine Seite zu bringen. Doch was tat dieser erleuchtete Bekennner des Herrn? Auf alle Fragen und Plagen gab er nur die eine Antwort:Ich bin ein Christ, sonst will, hoffe und fürchte ich nichts."

Maximinian ließ den Helden grausam geißeln und seinen zerrissenen Leib auf spitzige Scherben legen und ihn Tag und Nacht aufs strengste be­wachen, damit ihm ja niemand einen Bissen zu­stecke. Doch noch eine neue Marter ersann der ruchlose Tyrann: siehe, die schmackhaftesten Spei­sen läßt er vor den Hungrigen hinstellen, die den köstlichsten Wohlgeruch verbreiten und selbst bei einem Gesättigten noch Lust und Appetit gereizt hät­ten; wie viel mehr bei einem halb Verhungerten. Aber, o weh! Es waren lauter Fleischstücke, die man vorher den Götzen geopfert hatte und deren Genuß einer Verleugnung des Glaubens gleich­kam. Gefragt, ob er essen wollte, gab er zur Ant­wort:Ich bin ein Christ; sonst will und hoffe und fürchte ich nichts." Unterdessen kam das Fest der Erscheinung des Herrn, und die Mitgefange­nen baten den Priester Lucian, das hl. Opfer dar­zubringen und den Leib des Herrn zu spenden als letzte Vorbereitung auf das blutige Martyrium. Da nun kein Tisch und kein Altar zugegen war, legte sich der Märtyrer zu Boden und benutzte seine Brust als Altar und stellte darauf den hl Kelch und brachte das hl. Opfer dar und spendete den

lechzenden Seelen die letzte Wegzehrung und er­mahnte alle zur frohen Hoffnung des ewigen Le­bens. Als andern Tages der Kaiser nachfragen ließ, ob Lucian noch lebe, raffte dieser seine letzten Kräfte zusammen und rief:Ich bin ein Christ; ich bin ein Christ; ich. bin ein Christ."

Christen sind auch wir. Da erinnere ich aber an das Motto des französischen Adels:Noblesse oblige Adel verpflichtet". Ja, auch Pflichten ha­ben wir übernommen, als wir in der Taufe zu Christen geweiht wurden. In der Epistel des heu­tigen 17. Sonntags nach Pfingsten deutet der hl. Paulus diese Pflichten an mit den Worten:Ich bitte euch, wandelt würdig des Berufes, zu dem ihr berufen seid." *

Nicht nur soll jeder einzelne Christ seines Na­mens würdig wandeln und für Christus, den Herrn, Ehre einlegen, sondern auch die verschisde- nenen Gemeinschaften, zu denen die Christen sich allerwärts zusammenschließen. Da ist vor allem die erste und wichtigste Gemeinschaft, die Grund­lage der menschlichen Gesellschaft, die Pflanz­schule von Kirche und Staat, die Familie. In Freiburg hat vor 14 Tagen die kakholikenverfamm- lung stattgefunden, und ich bin dabei gewesen und habe mitgemacht und bin von einer Versammlung zur andern gewallt, und es heißt hergegangen, und die Redner und Zuhörer haben soviel Schweiß vergossen, daß die wasserarme Dreisam bald über die Ufer getreten wäre. Aber schön ist es gewe­sen und gewinnreich. Und alle Reden und Bera­tungen haben ein und dasselbe Ziel im Auge ge­habt: die Rettung und Besserung der christlichen Familie. Dazu gehört der richtige Herzschlag, der richtige Handschlag und der richtige Schwertfchlag. Der richtige Herzschlag. Wir müssen wieder die unvergänglichen, erhabenen Grundsätze der christ­lichen Ehe zu Herzen führen, daß sie eine Gemein­schaft zwischen Mann und Frau ist, eine Gemein­schaft der Leiber, eine Gemeinschaft der Güter, vor allem aber eine Gemeinschaft der Seelen, der Liebe und Hilfe. Der richtige Handschlag. Die Gatten sollen einander schätzen und zusammenstehen in Freud und Leid. Sollen ihren Kindern eine gute Erziehung geben. Der richtige Schwerlschlag. Wir ollen kämpfen gegen die falschen Grundsätze und Praktiken moderner Eheauffassung. Ablehnen die Kameradschaftsehe, die Zeitehe, die wilde Ehe, )ie amerikanische Ehe, die russische Ehe. Ablehnen das Zweikindersystem, den Mißbrauch, die Eheschei­dung, den Ehebruch. Pflegen die Eintracht, die unverbrüchliche Treue und Liebe, die Hilfe für Zeit und Ewigkeit, die gute Kinderstube.

Der Talpfarrer.

St Hlldegard-Zubiläum im Rheingau.

Der ganze Rheingau, von Mainz bis Koblenz, rüstet sich, den 750. Todestag der hl. Hildegard estlich zu begehen. Hildegard,die Perle von Bin­zen", ist eine der herrlichen Frauengestalten des