rnärts taumelt. Sie dÄM W nâMes AMMAN 'inbrünstig gegen die Brust. Weshalb schleppt sie nur so schwer an der kleinen Bürde? Das schwarze ^aar hängt ihr zerwühlt über die Jacke; jetzt beugt sie sich über das Kind, einen messerscharfen Schrei ausstoßend. Und liebkost es so wild, als wolle sie ihm mit ihren brennenden Küssen ihren Atem einhauchen.
Als der kleine Zug sich näherte, erkennt die Gutsfrau die Dunkelhaarige und ihre Bürde. Es ist Marika, die polnische Magd. Das Kind in ihren Armen läßt den Kopf herabhängen. Seine verglasten Augen stieren in die blaue Höhe. Und die Marika wimmert: „Mein Johanne!! — O liebe Mutter Gottes, was soll ich jetzt machen! — Hab' ja nischt gehabt als den Jungen."
Schaudernd deckt die Beobachtende die Hand über die Augen. Und die herbeigeeilte Mamsell braucht ihr nicht erst das traurige Bild zu erklären: sie hat genug gesehen, um zu wissen, daß das Kind der Marika ertrunken ist.
Mamsell redet beruhigend auf ihre zitternde, blasse Gnädige ein. — Weshalb müssen auch die dummen Leute mit dem ertrunkenen Jungen ausgerechnet hier vorübergehen! —' Und das Gejammer von der Marika wäre übertrieben. So ein Kind sei am besten beim lieben Gott aufgehoben. Warum ging der Bengel unter die Erlen baden, wo doch die tiefen Löcher waren! —
Mamsell redet unermüdlich mit im Eifer überschnappender Stimme, bis die blasse Frau gequält abwehrt: „Ich will nichts mehr hören! Lassen Sie mich allein."
Am Abend schmiegte sie sich zitternd in den Arm des Gatten. „Hast du es schon gehört, Edmund? — Der kleine Johannes ist im Teich ertrunken! Und ich — o — ich mache mir jetzt die größten Vorwürfe! Ich", sie stöhnt in tiefer Not auf, „ich hab' die Kinder von der Sandbank, wo ihnen nichts passieren konnte, wegjagen lassen, weil mich ihre Unruhe störte. Ach, wenn ich gewußt hätte, daß ich damit das Unglück heraufbeschwor!" Ihre Stimme bricht, und es dauerte lange, ehe es dem Mann gelingt, die Verstörte zu beruhigen.
*
Frau Ilse schneidet die schönsten Rosen und schickt sie ins arme Stübchen der Magd, auch Stoff zu einem Trauerkleid und das weiße Särglein. Aber sie bringt nicht den Mut auf, das stille Kind noch einmal zu besuchen.
Nach der Beerdigung bedankt sich die arme Mutter bei der Herrin. Tränenlos, mit leeren Augen stiert das junge Weib, nachdem es ein paar unbeholfene Worts gestammelt hat, an Frau Ilse vorüber auf den schillernden Wasserspiegel. „Js es falsch — das Wasser", murmelt sie. Frierend zieht sie die Schultern zusammen.
Die Gutsherrin steht blaß und schuldbewußt vor dem armen Weibe. Auf die reichen Geschenke, die sie in ihre Schürze legt, wirft Marika keinen Blick. Aber sie küßt in gewohnter, stumpfer Unterwürfigkeit die zarte Hand der Herrin, die ihr verlegen abwehrt.
*
Die gefahrvolle Stelle am Dorfteich wird umfriedet. Im Gutshause wird ein großes, helles Zimmer als Kindergarten eingerichtet, und Frau übernimmt mit einer Lehrerin die Beauffich- tigung der Kleinen. Sie ist übereifrig in ihrem Liebeswirken, das sie allein von ihrer heimlichen Schuld erlösen kann. Jetzt sind ihre Tage ausgefüllt. Sie braucht nicht über Langweile zu klagen.
Aber die Einsicht der jungen Frau ist teuer erkauft. Zwei Kinderaugen mußten brechen und ein Mutterherz in Schmerz erstarren, ehe ihr Inneres sich wandelte ....
AWE Schlösser UNÄ Siegst
Pierrre Termite.
Vater Stephan, der seine Zeitung las, schlug Mit der Faust auf den Tisch, daß der Mostkrug wackelte: „Da haben wirs! Wieder ein Verbre- chen!" — Seine Frau lief, das Geschirr stehen las- lend mit einem Teller in der Hand herbei: „Was gwt es?" — „Was es gibt? Man hat neuerdings bmand ermordet." — „Laß hören". — Stephan Mte seine Brille zurecht und buchstabierte langem die verschiedenen Tatsachen: „Als heute früh as Haus des Gärtners Hieronymus nicht geöffnet uroe, kamen die Nachbarn nachzusehen. Ein
sttrchtbvrer Anblick bot sich ihnen. Die ganze Abscheulichkeit eines gräßlichen Verbrechens. Mitten im Schlaf hatte man das unglückliche Ehepaar überfalle« und niedergemetzelt. Raub war sicher das Motiv der Tat, denn alle Möbel waren durchsucht. Die Mörder drangen durchs Fenster des ersten Stockwerks ein und sprengten mühelos die hölzernen Fensterladen auf . . . die Polizei berichtet usw. . . " — „Nicht möglich", rief die Frau. — „Nicht möglich? Du siehst sehr wohl, daß dies nicht nur möglich, sondern bereits geschehen ist. Und daß es näherkommt. Vorigen Monat war es in Tilly." — „In Tilly?" — „Erinnere dich. Den ganzen Hühnevhos haben sie mit Chloroform betäubt und hundert Stück Geflügel gestohlen, das Huhn zu 40 Fr. Das bedeutet einen Gewinn von 4000 Franc für diese Banditen." — „Wenigstens haben sie niemand getötet . . ." Und die Mutter Barbara, die man einige Kilometer von hier um 2 Uhr morgens überfiel und ermordet . . . Wohin kommen wir? — Der alte Bauer wirft die Zeitung auf den Boden und geht in der mit Stein- fliefen belegten Küche auf und ab: „65 Jahre bin ich alt geworden, aber so was ist mir nicht vorgekommen." — „Was willst du, Alter, die Jugend glaubt nichts mehr, betet nicht mehr, geht nicht mehr zur Messe. Darum!" — „Und dann werden sie freigefprochen. Und kommen wieder. Du wirst sehen. Eines Nachts ist die Reihe an uns — man wird uns den Hals abschneiden." — „Sag so etwas nicht. Ich kann nicht mehr schlafen!" — „Irgend ein junger Bauernknecht, ein Fleischergehilfe, der hier vorüberkommt, denkt sich: Hier leben zwei Alte, die einige Ersparnisse haben müssen . . Sie sehen sich eingehend das Haus an. Wie sonst überall, so kann man auch hier herein". — „Wir haben doch Fensterladen?" — „Fensterladen! Mit einer Heugabel sprenge ich alle deine Fensterladen auf." — „Nun dann muß was geschehen ..." Diese Nacht schlief Stephan nicht. Er hatte das Gewehr neben sich gestellt, beim geringsten Laut spitzte er die Ohren . . . Als er aufstand, war sein Leintuch wie ein Strick zusammengerollt . . . „Hör, Mutter, koste es, was es wollte, aber ich kann mich nicht mit dem Gedanken vertraut machen, daß mir hier in unserem Heim, mitten im Schlaf, von einem Apachen der Garaus gemacht wird. Ich gehe zum Schlosser und versuche, uns zu verteidigen. Es wird schwer sein. Das Haus war nicht dafür gemacht. Als mein verstorbener Vater es baute, schlief man bei offenen Türen. Auch ich hielt es so, bis meine Schwestern das Haus verließen. Im Dorfe dachte man an so etwas gar nicht. Jetzt hingegen . . ." Eine Stunde später kam der Schlosser und Vater Stephan setzte ihm den Fall auseinander. Der Schlosser hörte zu und zuckte die Achseln: „Sie haben recht! Heutzutage weiß man nicht. Wie denken Sie sich die Sache, da Sie Ihr Haus kennen?" Vater Stephan kratzte sich die Stirne und schob die Mütze zurück. — „Gesetzt den Fall, ich bin der Apache . . es ist Mitternacht ... ich will ohne Lärm ins Haus kommen, Geld stehlen und wenn nötig morden." Vater Stephan überlegt. „Ich dringe durch den Keller ein . . ., finde die Stiege . . ., bin sofort mitten im Haus. Oder ich sprenge einen Laden im Erdgeschoß auf . . ., oder nehme eine Leiter und dringe ins erste Stockwerk ein." — „Dann muß eben alles vergittert, befestigt werden . . . Die Holzladen durch Eisenladen bei allen Fenstern ersetzt werden. Und wie viele sind es!" — „Läßt sich ein Eisenladen nicht erbrechen", fragte ängstlich die Frau. Der Schlosser lächelte: „Ja, wissen Sie, mit einem Stemmeisen überwältigt man viel. Aber ich werde drei Ouerstangen innen anbringen . . . Das erhöht immerhin den Widerstand und zwingt den Dieb, Lärm zu machen." — „Jawohl. Aber sie begreifen, daß Sie aus Ihrem alten Haus kein betoniertes Fort mache! können." — „Es wird dazu kommen." „Ja bei den Neubauten." — „Sie haben richtig bemerkt: die Hauptsache ist, den Dieb zu zwingen, Lärm zu machen. Dann nimmt mans mit ihm auf ..." — „Wenn es aber mehr sind", ruft die Frau ... — „Da fragen sie mich zuviel!" — „Aber man wird auch bei der Kellertüre eine eiserne Vortüre anbringen müssen und ebenso beim Stall." — „Das wird aber zu viel werden." — „Ja, wenn Sie wirklich abgeschlossen sein wollen?" — „Und Ihre Rechnung? Die wird „gesalzen" sein. — „Was ist heute zur jetzigen Zeit nicht gesalzen?" — „Sie werden mir einen kleinen Rabatt gewähren?" — Kurzum Vater Stephan erhielt soeben seinen kleinen Rabatt. 4200 Franc macht die Rechnung aus. Ohne den Anstreicher. Das gibt ihm
einen Schlag in den Magen. 4200 Franc! Man wird die Kartoffeln, Milch, Eier verkaufen müssen, um die Summe aufzubringen. In diesem Moment kommt gerade der Herr Pfarrer, sich Vorräte zu besorgen. Vater Stephan ist ein alter Ungläubiger, der schlecht wählt und außer bei Hochzeiten oder Leichenbegängnissen nie einen Fuß in die Kirche setzt. Dessenungeachtet liebt er seinen Pfarrer sehr. „Herr Pfarrer, schauen Sie, was ich zahlen muß, um etwas beruhigt schlafen zu können und ohne befürchten zu müssen, ermordet zu werden." — Der Pfarrer sieht sich die Rechnung des Schlossers an: Für gelieferte Eisenladen u. Zubehör, Schlösser, Ver'stärkungsstangen, Stahlriegel usw. Er liest und gibt sie dann mit einem traurigen Lächeln dem alten Bauern zurück.. — „Sie müssen zugeben, Vater Stephan, hätte man anstatt ihr Haus mit Eisenstangen zu befestigen, wie einst den Seelen der Kinder fest die zehn Gebote Gottes eingeprägt: Du sollst nicht stehlen ... Du sollst nicht töten'. . . wäre es nicht viel billiger gekommen? — Und viel sicherer gewesen?" — „4200 Franc" wiederholte Stephan, der nicht ganz verstehen will.
MlilM « èm .
St Familia. Samstag, 31 August 17 48 trifft der Hochwürdigste Herr Bischof in Kassel ein. Die Katholiken der Stadt Kassel werden gebeten, zur Begrüßung Hochdesselben sich recht zahlreich in der Pfarrkirche St. Familia einfinban zu wollen.
St Elisabeth. Am Sonntag, den 1. September, ist die Feier des Ewigen Gebetes. Die Aussetzung des Allerheiligsten findet morgens 6 Uhr statt. " Die Ordnung der Betstunden am Nachmittag ist aus der Gottesdrenstordnung zu ersehen. Die Gläubigen werden gebeten, an diesem Tage recht zahlreich zu den hl. Sakramenten zu gehen und die Befftunden eifrigst zu besuchen.
Selbsthilfe kathol. Vereine bei Slerbefällen. Die Mitglieder, die den letzten Sterbefall, (Fr. Glapiak) noch nicht entrichtet haben und vielleicht noch weiter im Rückstand sind, werden ersucht, ihren Verpflichtungen möglichst sofort nachzukommen. Es dürfte das um so leichter sein, als in mehreren Monaten kein Sterbefall vorgekommen ist. Mitglieder die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen haben keinen Anspruch auf das Sterbegeld, das zur Zeit 175 Mark beträgt. Gelegenheit zur Entrichtung der Beiträge ist Sonntags von 11 ms 1 Uhr im Gesellenhaus, woselbst auch neue Interessenten jede gewünschte Auskunft erhalten können. Werbet für unsere wirklich gute Sache.
St Josefskrankenunterstöhungskasse. Sonntag, den 1. September, vormittags von 11—12.30 Uhr, Zahltag im Gesellenhaus. Wir bitten unsere Mitglieder, -die Beiträge pünktlich zu entrichten.
Der Vorstand.
Windthorstbund. Am Donnerstag, den 29. August, Zusammenkunft im „Ritter" Mittelgasse 42. Es sollen kommunalpolitische Fragen besprochen werden. Alle Mitglieder und Freunde unserer Bewegung, besonders aus der Partei, sind herzlichst eingeladen.
Katholische Bürgergesellschafl. Unter Leitung des 1. Vorsitzenden, Konrektors Ebel, veranstaltete die Kathol. Bürgergesellfchaft am Dienstag, den 20. August im Herkulesbräu einen Familienabend mit Vortrag und Lichtbildern. Wie der 1. Vorsitzende ausführte, bildete diese Veranstaltung eine Aufgangsnote zu der Papstfeier, die am 8. Dezember 'stattfinden soll. Sodann ergriff der Redner des Abends, Pastor Brandstätter, das Wort zu seinem Vortrag über seine diesjährige Romreife. In anschaulicher Weise legte er den Zuschauern seine Eindrücke von der wunderbaren Fahrt und seinen Aufenthalt in Rom dar. Er schilderte die überwältigenden Eindrücke bei der Fahrt durch die Alpen. Ueber Mailand, dem Geburtsort unseres jetzigen Heiligen Vaters Pius XI. und der Stätte, wo der hl. Ambrosius und der hl. Karl Borromäus begraben liegen, ging die Fahrt nach Rom, dem Mittelpunkt der ganzen katholischen Welt. Der Redner schilderte nun seinen Gang nach St. Peter. Schon von weitem grüßt der prachtvolle Kuppelbau der St. Peterskirche. Vor der Kirche ragen stolz die etwa 800 Säulen, die sogenannten Kolonnaden, in vier Reihen empor. Vor St Pe- ter erhebt sich in majestätischer Schönheit der Obe-