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Ratgeber für Landwirtschaft,

== ,-r-^_._:.:^. Gartenbau und Hauswesen. ===================

Nr. 17. Ä 39. Jahrgang. ex Gratisbeigabe zum Domfatiusdaten. Zulda, den J. September 1929.

Zur Kalkdüngung.

Sämtliche Kulturpflanzen brauchen zu nor­malem Gedeihen einen bestimmten Kalkoorrat im Boden. Einmal ist der* Kalk ein unentbehrlicher Pflanzennährstoff und zweitens ist eine bestimmte Kalkmenge zur Auflösung der übrigen Nährstoffe und Mr Anregung der Bodentätigkeit im Boden erforderlich. Kalk und Stickstoff können unbedenk­lich zu Winterhalmfrüchten gegeben werden, wenn die Kalkung möglichst schon jetzt und der Kalkstick- stoff 1014 Tage vor der Bestellung gegeben wird. Wenn es sich um einen kalkarmen Boden handelt, dann ist er in der Regel leicht. Die Er­fahrung lehrt, daß leichte Böden auf einmal nicht zu stark, aber dafür öfter mit Kalk versehen wer­den sollen. Etwa alle 3 Jahre mit 15 Zentner Aetzkalk. Man darf aber bei der Düngung nicht vergessen, auch Kali und Phosphorsäure zu verab­folgen; denn nur wenn sämtliche 4 Kernnährstoffe in richtigem Verhältnis zueinander im Boden vorhariden sind, kann mit guten Ernten gerechnet werden.

V'e Bedeutung der Landwirtschaft.

Der Anteil der Landwirtschaft an der Bevölke­rung Deutschlands ist binnen 43 Jahren von 40 auf 23 v. H. gesunken, der der Industrie gleich­zeitig von 35 auf 41,7 v. H. gestiegen. Die Land­wirtschaft muß weiter rationalisieren, um im Wett­bewerb mit der überseeischen und osteuropäischen Landwirtschaft bestehen zu können.

Ihr Fortschreiten auf diesem Wege ist für die Industrie von größter Bedeutung. Der Rationali­sierungsvorgang selbst schafft der Maschincnindu- strie und anderen Gewerben Absatz, und das durch die Rationalisierung gesteigerte Einkommen der in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung hebt ihre Kaufkraft für Verbrauchsgüter aller Gruppen der Industrie. Mancherlei privatgeschäftliche Erwä­gungen haben eine für den Praktiker geradezu grauenerregende Mannigfaltigkeit von landwirt­schaftlichen Maschinenteilen gebracht.

Zur Frage der Landflucht ist grundsätzlich zu sagen: Die zu erwartende stärkere Auswirkung der Rationalisierung gegenüber der Intensivierung dürfte kiinftig einen absoluten Rückgang der land­wirtschaftlichen Bevölkerung zur Folge haben. Al­lerdings wird infolge der Bewirtschaftung des über­wiegenden Teiles deutschen Bodens von Bauern im Kleinbetriebe einer schnellen Rationalisierung naturgemä noch manches Hemmnis entgegengesetzt werden.

Erfreulicherweise führt die Erkenntnis, daß die Kaufkraft des Landwirtschaft betreibenden Bevöl­kerungsanteils für die Industrie von ausschlagge­bender Bedeutung ist, dazu, daß die Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer wirksameren Förde­rung der deutschen Landwirtschaft sichtlich zunimmt.

Der Gesamtwert der landwirtschaftlichen Erzeu­gung wird auf 13 Milliarden Mark geschätzt. 4 Mil­liarden davon verbraucht sie selbst an Nahrung, 6 Milliarden ist der Wert der Erzeugnisse, die sie vus den Mark bringt. Für die Erhaltung und Neuherstellung von Wohn- und Wirtschaftsgebäu­den »wird X Milliarde verwendet, die etwa zur Hälfte der Baustoffindustrie, zur Hälfte dem Ban­handwerk zufließt. Fast zwei Drittel ihrer Pro­duktion gibt die deutsche Düngemittel-Industrie an we deutsche Landwirtschaft ab, deren Bedarf an Produktionsmitteln gewerblicher Herstellung auf insgesamt 2 Milliarden geschützt wird. Ein etwas größerer Teil der Einnahmen der landwirtschaft­lichen Bevölkerung entfällt auf Textillien, Nah­rungsmittel und dergleichen. Im ganzen kann die landwirtschaftliche Bevölkerung nicht viel unter ihrem prozentualen Anteil an der Gesamtbevölke- vung, also reichlich 20 v. H. des Auslandabsatzes ver deutschen Industrie aufnehmen.

Da der Boden, die Grundlage der Produktion, einem alten Kulturlands nicht wesentlich ver­

mehrbar ist, ist die Kapazität (Aufnahmefähigkeit) der Landwirtschaft bei ihrer heutigen technischen Entwicklung binnen kurzer Frist auf der gegebenen Bodenfläche erreicht; sie kann ihre Erzeugnisse we­nigstens so weit vermehren, daß sie den Bedarf des Landes in den Grundnahrungsmitteln voll deckt und das deutsche Volk von der Nahrungs­mitteleinfuhr unabhängig macht; vorausgesetzt, daß dis große Masse der landwirtschaftlichen Betriebe »ihren Wirtschaftsertrag durch Betriebsverbesserun­gen auf die Höhe bringt, die gut geführte Wirt­schaften schon heute haben. Solcher Fortschritt aber kann bei besten Willen nicht von Landwirten er­reicht werden, die den Betrieb nur durch ständig wachsende Verschuldung aufrecht erhalten können. Der heute von geborgter Einfuhr lebenden Jndu- striebevölkerung drohen schwere Gefahren, wenn einmal die Anleihen aufhören, ehe die deutsche Landwirtschaft die Versorgung der Verbraucher­massen aus eigenem erreicht hat.

Vorsicht beim GetreideMSdmsch!

Jahr für Jahr ereignen sich beim Ausdreschen des Getreides eine große Anzahl von schweren und schwersten Unfällen bei der Bedienung der Dresch­maschinen. Es kommt vor, daß als Heizer und Getreideeinleger Leute verwendet werden, die sich zu dieser Arbeit nicht eignen. Als Heizer oder Einleger sollen nur nüchterne und verlässige Perso­nen eingestellt werden, die sich ihrer Verantwor­tung bewußt sind und eine sichere Gewähr für einen ordnungsmäßigen Verlauf des Dreschens bieten. Eine anscheinend nicht auszurottende Un­sitte beim Dreschen ist auch das Zigarren- und Zi­garettenrauchen. Nicht selten sind durch das Weg­werfen von Zigarren- und Zigarettenstummeln Brände verursacht worden. Die Verabreichung geistiger Getränke außerhalb der für die Einnahme der Mahlzeiten und der Vesper vorgesehenen Ruhe­zeit während des Dreschens ist auch ein Mißstand, der schon schwere Unfälle zur Folge hatte. Die Landwirte, die ohnehin zu der landwirtschaftlichen Unfallversicherung schon recht ansehnliche Beträge zu leisten haben, werden in ihrem eigensten In­teresse zur Mithilfe an der Behebung solcher Unsit­ten und Mißstände ermahnt.

Der Gesundhsitswert von Obst und Gemüse.

Die Notwendigkeit, mehr einheimisches Obst und Gemüse zu essen, wird in neuerer Zeit bei uns mit Recht betont. Tatsächlich würde dadurch nicht allein unsere Handelsbilanz verbessert, sondern auch unsere Ernährungsweise natürlicher u d ge­sünder werden. Man brauchte dabei noch nicht bis zur vegetarischen Lebenshaltung zu gehen.

Vom Standpunkt der Ernährungsphysiologie sind es zwei Gründe, die die Berechtigung abge­ben für den Aufruf:Eßt mehr Obst und Ge­müse!" Erstens der Vitamingehalt der Gartener­zeugnisse. Vitamine sind lebensnotwendige Stoffe. Auf ihre Spur kam die Wissenschaft, als sie die durch Vitaminmangel verursachten Krankheiten er­forschte. Aehnlsth wie den Vitaminen geht es den Mineralien, dis unsere Nahrung enthalten soll. Auch sie sind von der größten Bedeutung für kräf­tigen Aufbau, Gesundheit und Frische des Kör­pers und erfahren auch heute ihre Würdigung von feiten der Wissenschaft, nachdem diese sich davon abgewandt hat, d>e Nahrungsmittel nur nach ihrem Brennwert aus Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten einzuschätzen. An Mineralien kommen in Betracht: Kalk, Vhosphorsäure, Kalium, Natrium, Magne­sium, Eisen und andere, die in Spuren notwendig sind. Den Vorrang unter ihnen nimmt mengen­mäßig der Kalk ein als wesentlichster Bestandteil von Knochen und Zähnen. Von nicht geringerer

Bedeutung ist aber, daß er auch in gelöstem Zu­stande im Blut und allen Körpersäften kreist und wichtige Aufgaben für die Tätigkeit btr Muskeln, Nerven und Verdauungsorgane zu erfüllen hat. Geheimnisvoll und dennoch überzeugend ist der Versuch, in dem es gelingt, das Herz eines ge­töteten Frosches in schwacher Salzlösung durch Kalkzusatz wieder zum gleichmäßigen und kräftigen Schlagen zu bringen. Seiner allgemeinen beleben­den und kräftigenden Wirkung wegen wird daher heute von ärztlicher Seite Kalk verordnet. Rachi­tische Kinder sollte es nicht mehr geben und die resignierte Auffassung bei Frauen, daß jedes Kind einen Zahn koste, als Torglaube finsteren Mittel­alter verschrieen werden.

Kalkpräparate sind ein nützlicher Behelf, aber in der besten Form erhält der Körper die Kalk- zufuhr in Obst- und Gemüse. Die Vitamine sor­gen als Vermittlungs- oder sogenannte Kontakt­substanzen dafür, daß der Kalk auch im Körper bleibt, gelöst und mit Phosphorfäure verbunden im Knochen niedergelegt wird. Von Obst sind besonders Birnen kalkreich, Aepfel weniger. Der Phosphor­säurereichtum der Aepfel macht sie aber zum Bei» spiel mit den kalkreichen Nüssen zu der für Kin­der beliebten Zusammenstellung.

Alle Gemüsearten sind ferner für die Kalkberet- cherung unserer Nahrung vorzüglich geeignet. Dar­aus ergibt sich aber der Hinweis, daß man im Gar­tenbau zur Erzielung lohnender Ernten, vor allem auch von guter Beschaffenheit, dem Boden ständig den in den Untergrund und in die Früchte gegan­genen Kalk ersetzen mutz. Landwirtschaftliche Er­fahrungen müssen hier verwertet und in erhöhtem Maße zur Anwendung gebracht werden. Denn der" Kalkverlust nach oben und unten ist im Gartenbau, der die stärkste BodenbeNutzung darstellt, naturge- mäß viel größer als im Ackerbau. Man mache Versuche und überzeuge sich, indem man Kalk bei Bäuinen, besonders Steinobst und Kernobst, im Bereich der Kronentraufe flach in den Boden hackt, und zwar je Quadratmeter etwa 200 Gramm ge­brannten Kalk bei schweren Böden oder die dop­pelte Menge kohlensauren Kalk auf leichtem Bo­den. Ebenso verfahre man bei Beerensträuchern und Gemüse und wiederhole dies alle 23 Jahre. Von der Anwendung von Stalldung, Jauche, stick- stofs- und phosphorsäurehaltigen Kunstdüngemit­teln ist die Kalkung durch etwa drei Wochen zeit­lich zu trennen. Kalisalze können zu gleicher Zeit gegeben werden.

Erwähnt sei noch, daß der Kalk den Boden von schädlichen Pilzen säubert, daher gesunde Früchte erzeugt, und sein großer Wert für die Komvostbe- reitung, die am besten mit gebranntem Kalk vor­genommen wird.

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Die Förderung der Geflügelzucht erhöht unser Volksvermögen sehr. Die Eiereiis.hr aus dem Ausland nach Deutschland kostet uns 340 Millionen. Die Feder einfuhr aus dem Auslande nach Deutschland kostet uns 80 Millionen Mark. Das in die Geflügelzucht gesteckte Kapital erzielt eine Wertsrzsugung von 470 Prozent, beim Rindvieh 60 Prozent, bei der Schweinezucht 70 Prozent. Wenn in Deutschland auf einen Kopf der Bevöl­kerung 1 Huhn und ein Eierverbrauch von 117 Stück pro Jahr kommt, so ist uns der Amerikaner mit 3,5 Hühner und 118 Stück Verbrauch voraus, während in Kanada gar 5 Hühner und 313 Stück Verbrauch auf den Kopf der Bevölkerung treffen. Lehrreiche Zahlen. Der deutsche Gestügelstand Legt zu 12,9 Prozent in der Stadt, zu 10.6 Prozent auf den Gutsbezirken und zu 76,1 Prozent in den Landgemeinden. Die landwirtschaftlichen Betriebe von 20 Hektar besitzen einen Hühnerbestand von rund 48 Millionen Stück, das sind 28 Prozent des deutschen Bestandes.