öen Namenszug einbrennen oder wir müssen Euch die Nase sofort' abschneiden."
„Nein, Gewalt brauchen will mein Herr nicht", beteuerte der Fex, „aber Ihr könnt Euch auf einen lustigen Prozeß gefaßt machen, der Euch seine tausend Gulden kostet und den Ihr noch mit Trommeln und Pfeifen verspielt."
Jetzt wurde der Wirt ganz kleinmütig, er fing an zu betteln und zu winseln, man möge den Handel zurückgehen lassen. Lange konnte sich der Nasenreisende dazu nicht entschließen. Erst auf die Fürbitte seiner Freunde gab er murrend nach. Aber der Wirt mußte ein tüchtiges Reugeld zahlen. Nicht nur freies Essen und Trinken für sich und seine Kameraden verlangte der Peter, sondern auch einen Taler jedem in die Hand. Mit einem schweren Seufzer ging der Wirt auf die Forderungen ein und war doch froh, daß er seine gefährdete Kapitalnase noch so billig in Sicherheit gebracht hatte. Die drei Spießgesellen aber tranken bis der Mond aufging und dann hörten sie noch lange nicht auf.
Beketmerbischos Zr. Konrad Min
Hirkenschreiben des Bischofs von Paderborn zum 50. Todestage.
Am 16. Juli d. Js. waren 50 Jahre verflossen, daß die Trauerkunde wie ein Lauffeuer durch Stadt und Diözese Paderborn eilte: „Bischof Konrad Martin ist tot!" Ein großer Geist war heimgekehrt zum ewigen Frieden, die Seele eines Märtyrers für die heiligsten Güter des katholischen Glaubens war zum Himmel gestiegen, um den ewigen Lohn für feine nie versagende Treue zu empfangen. Von 1856—1879 hat Konrad Martin als Bischof für Christi Reich gewirkt. Seine Tatkraft schuf Bedeutsames. Schon bald nach Uebernahme des Hirtenstabes des hl. Hathumar konnte er bei seiner Reise zu den Gräbern der hl. Apostel dem Heiligen Vater Papst Pius IX. über den Zustand seiner Diözese erfreuliche Auskunft geben und noch erfreulichere Aussichten eröffnen.
Dem wachsamen Auge des Bischofs ist keine die christliche Kirche oder das christliche Volksleben nachhaltig bedrohende Bewegung entgangen. An alle Erscheinungen des öffentlichen Lebens legte er den unveränderlichen Maßstab des christlichen Gedankens, die Richtschnur des christlichen Sittenge- fetzes an, beleuchtete so die zutage tretenden Irrtümer und zog die praktischen Folgerungen. In allen seinen Entschließungen, Ratschlägen und Hir- tsnschreiben hielt er die Fahne des Kreuzes, den Glauben an die von Christus geoffenbarte göttliche Wahrheit unerschütterlich und erfolgreich fest. Die herrlichen Hirtenbriefe des großen Toten sind kostbare Perlen christlicher Weisheit, treffliche Samenkörner für die NerPflanzung christlichen und kirchlichen Lebens, sichere Pfadweiser für die menschliche Gesellschaft und ihre sozialen Pflichten, ernste Mahnungen und Aufträge zur Erfüllung dessen, was der damaligen Zeit nottat.
iDe Rufe des gotterleuchteten Mannes verhallten nicht ungehört. In allen Teilen der Diözese, ja in ganz Deutschland lauschte man aufmerksam, wenn er den beredten Mund öffnete, um seine wohlmeinenden Raffchläge zur Erhaltung und Förderung der Wohlfahrt der menschlichen Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen. Ist auch nicht zu leugnen, daß der edle Oberhirt für viele die Zielscheibe der gehässigsten Anfeindungen war, so ist es anderseits wieder eine bekannte Tatsache, daß eine große Zahl seiner Gegner den Tribut der Achtung und Verehrung ihm nicht versagt hat.
Der Name des Bischoss Konrad Marsin gehört der Geschichte an, die ihn mit glänzender Schrift unter den Würdigsten und Besten der Epoche für immer aufführen wird. Was ihm in der Kirchengeschichte seine eigenartigste Stellung verleiht, das ist ein Doppeltes:
Sein Anteil an den Arbeiten des Vatikanischen Konzils und feine Stellungnahme im harten Kampfe, der im letzten Viertel des abgelaufenen Jahrhunderts über die katholische Kirche unseres Vaterlandes hereinbrach.
. >im Jahre 1863 hatte Papst Pius IX. alle Bi- lojofe des Erdkreises zu einem Konzil, welches am Dezember 1868 in Rom zusammentreten sollte, berufen. Die Hauptfrage desselben war die De- Unition der päpstlichen Unfehlbarkeit. Eine Flut Büchern, Broschüren und Zeitungsartikeln war schienen, in welchem das Konzil und besonders ^e päpstliche Unfehlbarkeit auf das heftigste an- «egriffen wurde, so daß in der ganzen Welt, auch
in Deutschland, eine große Erregung entstand. Bischof Konrad Martin tat von Anfang an alles, um die aufgeregten Geister zu besänftigen. In einem Hirtenschreiben des Jahres 1868 ermähnte er in eindringlichen Worten, die Berufung des Konzils mit echter Demut, gläubigem Vertrauen u. inniger Dankbarkeit gegen Gott entgegen zu nehmen. Kurz vor feiner Abreise nach Rom munterte er die Gläubigen feiner Diözese auf, vom Konzil nichts zu fürchten, aber viel zu hoffen. Auf dem Konzil selbst war Konrad Martin hervorragend tätig. Er zählte von Anfang an zu den feurigsten Verteidigern der Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit, die am 18. Juni 1870 feierlich als Glaubenssatz verkündet wurde.
Der Ausbruch des deutsch-französischen Krieges und die Untaten der Piemontesen in Rom machten dem Konzil nach Verkündigung der Unfehlbarkeitslehre ein vorläufiges Ende. Kaum war der Kampf Deutschlands gegen Frankreich, an dem aus allen Diözesen außerordentlich viele Welt- und Ordenspriester und Klosterfrauen in der Feldseelsorge teilnahmen, siegreich zu Ende, da begann der innere Krieg in unserem Vaterlande — der Kulturkampf. Bischof Konrad Martin handelte während desselben, wie feine heilige Pflicht ihm vorschrieb, und bald war er mit zahlreichen Paragraphen der neuen Gesetze in Widerspruch geraten. Anklage folgte auf Anklage, Strafe auf Strafe, Pfändung auf Pfändung. Aber der Bischof ließ sich nicht beirren, zu tun, was seines Amtes war; schließlich erlebte die Diözese Paderborn und die ganze katholische Welt das traurige Schauspiel, daß er zur Abbüßung einer längeren Gefängnisstrafe verhaftet und in das Kreisgefängnis zu Paderborn abgeführt wurde. Es war am 4. August 1874. Während dieser Haft erkannte der König!. Gerichtshof für kirchl. Angelegenheiten am 5. Januar 1875 auf Entsetzung aus dem Bischöflichen Amte. Zwei Wochen später, am 19. Januar, wurde der Bischof vom Kreisgefängnis zur Abbüßung einer zweimonatigen Festungshaft nach Wefel gebracht. Als diese verbüßt war, wurde über ihn eine weitere Haft von einem Monat verhängt. Als auch diese abgelaufen, wurde er in Wesel interniert. Da infolge der langen Haft und der vielen Gemütsausregung seine Gesundheit stark gelitten hatte, wurde ärztlicherseits der Gebrauch eines Seebades für notwendig erachtet. Die behördliche Erlaubnis hierzu wurde aber nicht erteilt. Um die Pflichten feines Oberhirtenamtes, wenn auch getrennt von seiner Diözese, doch soweit es möglich war, erfüllen zu können, verließ der Bischof am 4. August im stillen Wesel und begab sich zunächst nach Holland. Fast auf dem Fuße folgte ihm unter dem 15. August die Verlusterklärung der preußischen Staatsangehörigkeit. Auf Veranlassung der preussischen Regierung wurde er am 14. März 1876 unerwartet aus Holland ausgewiesen. Dasselbe drohte ihm in Belgien, wo er sich vorübergehend beim Bischof von Lüttich aufhielt. Er verließ jedoch Belgien nicht, sondern begab sich am 12. Juni 1876 im tiefsten Inkognito nach Mont St. Guibert, wo die Schwestern der christlichen Liebe aus Paderborn unter der Eeneraloberin Pauline von Mallinckrodt ein Pensionat besaßen. Hier lebte er mit kurzen Unterbrechungen in größter Verborgenheit bis zu seinem am 16. Juli 1879 unerwartet schnell erfolgten Hinscheiden. Sein Tod war der eines Gerechten. Wie foHte_.es auch anders sein! Der seeleneifrige Hirt, beF opferfreudige Kämpfer im Diesseits stand ja vor der reichsten Ernte im Jenseits. Die heiligen Sterbesakramente empfing er mit tiefergreifender Andacht. Sein hinsterbendes Auge ruhte mit inniger Liebe auf dem Bilde des gekreuzigten Erlösers, für den er gearbeitet, geopfert und geduldet hatte. Mit den laut vernehmbaren Worten: „Gelobt fei Jesus Christus" übergab er feine Seele in die Hände feines Schöpfers zurück. Schnell entschlossen führte die bereits erwähnte Eeneraloberin Pauline von Mallinckrodt die Leiche des edlen Dahingeschiedenen in _ aller Stille nach Paderborn, wo sie am 24. Juli mit höchster Feierlichkeit und unter ungeheuer großer Teilnahme des Klerus und des Volkes in der altehrwürdigen Kathedrale als Samenkorn für den strahlenden Auferstehungsmorgen zur Ruhe gebettet wurde. Hier ziert feit einigen Jahren ein kostbares Denkmal aus Marmor, den Bischof kniend, mit dem Kruzifix in der Hand, darstellend, die Gruft. Aber dauernder als in Marmor wird sein Bild in unsere Herzen eingegraben bleiben. „Ich gehe in die Ewigkeit", sprach Konrad Martin
sterbend zu seiner Umgebung. Er ist in die Ewigkeit gegangen. Aber sein Wort, sein Rat, seine Lehre, sein Vorbild, sein Weg bleiben bei uns. Mit seinem 50 Todestage hat seine Wirksamkeit nicht aufgehört. Vielleicht wird man nach wieder 50 Jahren mit noch vermehrter Bewunderung von ihr sprechen. Es war und ist ja immer großen Geistern eigen, von der Mitwelt gar nicht oder nicht voll gewürdigt zu werden. Konrad Martin ist ein Großer gewesen, ein Kenner, ein Denker, ein Führer, ein Vater. Die Ernte wird ihrer Zeit zeigen, was er alles gesät hat. Bis dahin ihm unser Gebet, unsere Liebe, unsere Dankbarkeit^ unser Schwur, den Weg unverdrossen weiterzugehen, den er uns gezeichnet hat mit den Worten: „Der römisch-katholischen Kirche gehören meine Jugend und mein Mannesalter, ihr wird mein Greisenalter gehören, solange mir Gott das Leben fristen wird. Alles werde ich für sie opfern, und wenn es sein sollte, auch den letzten Blutstropfen."
Ein Kunststück.
Der Reisende Zungenschnell fährt auf der Eisenbahn, wie schon so oft in seinem Leben. Man nähert sich der Endstation, einer größeren Stadt. Im Kupee sitzt auch eine jüngere Frau aus der Stadt, die plötzlich einen leisen Wehlaut aufstößt, und dann auf der Bank, in ihrem Täschchen, Koffern und Paketen eine wilde Suche beginnt.
„Ach Gott, meine Fahrkarte! Ich muß sie irgendwo verloren haben!" Man beteiligt sich allgemein an der Suche nach der verschwundenen Fahrkarte: der jungen Frau kommt das Weinen und allgemeines Bedauern wird wach. Die sympathische Dame ist offenbar ein wenig unselbständig und beim Reisen aufgeregt.
Zungenschnell entnahm seiner Westentasche die mütsruhe zugesehen. Er hat schon mehr solcher Fälle erlebt.
„Schlagen Sie keinen Lärm, ich geleite Sie sicher durch die Sperre! Hier, nehmen Sie einfach meine Karte und geben Sie diese ab!"
„Aber Sie selbst----"
„Keine Sorge, ich komme schon durch!"
„Sie werden gestraft und betrügen möchte ich die Bahn nicht!"
„Niemand wird betrogen. Ihre Fahrt haben Sie ja bezahlt. Sie möchten nur den Scherereien und einer eventuellen Nachzahlung aus dem Wege gehen. Nehmen Sie hier meine Karte, alles andere klappt von selbst!"
Zungnschnell entnahm seiner Westentasche die Fahrkarte, kritzelte auf die Rückseite etwas und händigte der Dame die Reichsbahnpappe aus. Gleich" lief der Zug ein.
Der Menschenstrom drängte zur Sperre. Die Dame mit dem Billett Zungenschnells gab die Karte ab und nach einiger Zeit, so recht im Gedränge drückte sich auch Zungenschnell durch die Sperre.
„Ihre Karte!" rief der Beamte, als Zungenschnell bereits vom Menschenstrom vorgedrängt, draußen vor der Sperre war.
„Mein Billett haben Sie ja!" erwiderte Zungenschnell und tat verwundert.
„Sie haben mir keine Karte gegeben!" beharrte der Beamte.
„Und ich beweise, daß Sie meine Karte haben!"
Andere Reisende drängten nach, ungehalten über die Verzögerung. Deshalb sagte der Beamte kurz: „Sei warten hier!"
„Gern", sprach Zungenschnell. „Rufen Sie bitte unterdessen den Vorstand."
Zwei Minuten später. Anwesend der Vorstand, der Beamte von der Sperre und Zungenfchnell.
„Also," sagte der Beamte, „den Herrn hab' ich angehalten, weil er ohne Fahrkart' die Sperr' passieren wollt."
„Und ich behaupte, daß ich durchaus im Besitz einer rechtmäßigen Fahrkarte mich befunden und daß diese Karte ebenso ordnungsgemäß von dem Herrn hier an der Sperre in Empfang genommen wurde" sagte höflich, aber bestimmt Zungenschnell. „Sie geben doch zu, daß an der Sperre ein großes Gedränge war und daß Ihnen da ein Irrtum unterlaufen konnte?"
„Jawohl, aber Sie haben mir keine Karte gegeben. Da müßte ich mich arg täuschen!" Der Vorstand griff ein:
„Wenn Sie eine Fahrkarte abgegeben haben, muß sie sich in dem amtlichen Sammelkasten vorfinden. Wo kommen Sie her?"