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Nr. 35

Sonntag, l September P29

39. Zahrg

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 K.-Pfennig 3 45 R.-Pfennlg (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Aeb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda fein.

- Drues und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei. Verlagsork Fulda.

Wocheâlender.

Sonntag, 1. Sept. 15. Sonntag n. Pfingsten. Aegidius, Bek., f 700. Zwölf Brüder von Benevent, Mart.

Schuhengelfest.

Montag, 2. Sept. Stephan, Bek.

Dienstag, 3. Sept. Vom Tage.

Mittwoch, 4. Sept. Vom Tags.

Donnerstag, 5. Sept. Laurentius Juftiniani, Bek., f 1453.

Freitag, 6. Sept. Vom Tage. Herz-Jesu-Freikag.

Samstag, 7. Sept. Mariensamstag.

15» Sonntag nach Pfingsten.

Epistel. Galater 5, 256, 10.

Evangelium. Lukas 7, 1116. Der Jüngling zu Haim.

.In jener Zeit ging Jesus in eine Stadt mit Namen Naim. Es gingen mit ihm feine Jünger und viel Volk. Als er in die Nähe des Stadttores kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, den einzigen Sohn seiner Mutter, und diese war eine Witwe. Viel Volk aus der Stabt ging mit ihr. Als der Herr sie sah, ward er von Mitleid über sie gerührt und sprach zu ihr:Weine nicht!" Dann trat er hinzu und rührte die Bahre an. Die Träger blieben stehen. Und er sprach:Jüngling, ich sage dir, steh auf!" Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen. Und er gab ihn seiner Mut­ter. Furcht ergriff alle. Sie priesen Gott und sagten:

großer Prophet ist unter uns aufgestanden; Gott hat sein Volk heimgesucht."

M Velms aus einet MWnsmse.

hl. Petrus machte es wie ein General, der die Front abschreitet und nachsieht, ob alles in Ord­nung ist. Immer und überall zeigt er sich in aller Demut und ohne . ---» alle Aufdringlichkeit als Oberhaupt

er Kirche. Handelt es sich darum, für Judas eine Platzwahl zu treffen, übernimmt Petrus die Jni- mive Handelt es sich darum, die Juden zsu n,, ^egen mit ihrer unsinnigen Behauptung, die seien betrunken, so ist Petrus der Wort- Ä Muß man sich mit der Obrigkeit ausein- t waltet Petrus entschlossen seines Am-

sn ' zB man das ärgernisvolls Gebühren des I in !^s und der Saphira an den Pranger stellen, | eina r- Petrus allen einen heilsamen Schrecken du^ m> die junge Kirche unterrichtet, getröstet, mir V~°ort ""^ Wunder erfreut werden, so finden

Petrus an seinem Platze.

der^Äeiten wir ihn heute auf eine Missionsreise, fänn^t^ der hl. Lukas mit großer Aus- nUchkeit uns berichtet:

Aund^!^ maÄe dei den Christengemeinden eine Sortos unö ^m zu den Heiligen in Lydda. ' trht ^, er einen Mann namens Aeneas, der seit

' wahren zu Vette lag; denn er war gelöhnt.

Petrus sprach zu ihm:Aeneas, der Herr Jesus Christus macht dich gesund. Steh auf und richte dein Bett selber zu." Sofort erhob er sich. Alle Bewohner von Lydda und Saron sahen es und bekehrten sich zum Herrn.

In Joppe lebte eine Jüngerin namens Tabitha oder Gazelle. Sie tat viel Gutes und gab reich­lich Almosen. In jenen Tagen nun wurde fite krank und starb. Man wusch sie und legte sie ins Obergemach. Nun liegt aber Joppe nahe bei Lydda. Auf die Kunde, daß Petrus dort sei, sand­ten die Jünger zwei Männer zu ihm mit der Bitte:Komm unverzüglich zu uns."

Petrus machte sich auf und ging mit ihnen. Als er ankam, führte man ihn ins Obergemach. Alle Witwen standen um ihn herum und zeigten ihm mit Tränen in den Augen die Hemden und Kleider, die ihnen Tabitha verfertigt hatte. Petrus ließ alle hinausgehen, kniete nieder und betete. Dann wandte er sich zu der Leiche und sprach: Tabitha, steh auf." Sie öffnete ihre Augen, sah Petrus an und richtete sich auf. Er reichte ihr die Hand und richtete sie empor. Dann rief er die Heiligen und die Witwen herein und stellte sie ihnen lebend vor.

Die Kunde davon verbreitete sich in ganz Joppe und viele kamen zum Glauben an den Herrn. Pe­trus blieb noch längere Zeit in Joppe bei Simon, einem Gerber.

Soweit der Bericht des hl. Lukas. Beginnen wir mit dem Schluß-Satz:Petrus blieb längere Zeit in Joppe und wohnte bei Simon, dem Ger­ber. Da wohnten also zwei Simon beisammen. Simon, der Gerber, und Simon Petrus. Der eine war der Haupteigentümer, der andere der Gast. Glaubst du wohl, Petrus wird während der Tage oder Wochen, die er in Joppe zubrachte, eine Pen­sion bezahlt haben? Da würden wir der Liebe jener ersten Christen großes Unrecht zufügen. Denn jeder betrachtete ja sein Eigentum als Gemeingut. Der Gerber fetzte feine Ehre darein, dem Fischer ein Obdach zu bieten. Petrus wiederum gab ein Beispiel der christlichen Demut und Bescheidenheit und bewies einen bewundernswerten sozialen Takt. Hätte ein solcher Lehrer, ein solcher Wundertäter, dazu das Oberhaupt der ganzen Christenheit, es nicht verdient, beim Bürgermeister jener Stadt oder bei einem Beamten oder einem Kapitalisten zu wohnen? Vielleicht haben sich manche Honoratio­ren der Stadt um die Ehre beworben, diesen be­rühmten Wundertäter aus Bethsaida beherbergen zu dürfen. Und was hat Petrus getan? Bei einem Gerber ist er abgestiegen, bei einem Ge­schäftsmann, bei einem Handwerker. Damit hat Petrus zu erkennen gegeben, daß er sich auf feine Würde nichts einbilde und daß er einen sozialen Unterschied nicht kenne. Hoch oder nieder, reich oder arm, gebildet oder ungebildet, angesehen oder unbeachtet alle waren ihm Brüder in Christus.

Dann die Auszeichnung der Tabitha. Offenbar war diese Christin von Beruf eine Räberlu von 1

geringerem Stand aus der untersten Schicht der so­zialen Ordnung. Aber diese Frau hatte den christ­lichen Gemeinschaftsgedanken wie wenige erfaßt und praktiziert. Sie hatte nur Augen für fremde Not; sie hatte nur Hände für fremde Hilfe. Sie war die Mutter aller Witwen, Waisen und Ar­men der ganzen Stadt. Kein Wunder, daß bei ihrem Tode Tränen flossen. Und was tut Petrus? Er schöpft aus dem Schatze seiner Wundermacht und ruft die Tabitha zum Leben zurück, nicht nur um sie zu belohnen für ihre Liebestätigkeit, son­dern auch um den Hilfsbedürftigen ihre Mutter wiederzugeben.

Solche edle Frauenseelen sind in der Kirchs Christi nie ausgestorben. Da lese ich von der hl. Rosa v. Lima, dieser ersten Blume aus dem Gar­ten der Heiligen derNeuen Welt", deren An­denken wir vorgestern, am 30. August, begangen haben, folgende rührende Zeilen:

Die Stunden des Tages teilte sie so ein, daß 12 der Frömmigkeit, 10 der Arbeit und zwei der Ruhe gewidmet waren. Werke der Liebe am Näch,- sten zu verrichten, war ihre Herzenslust. Wer mag die zählen, welche die Heilige gesättigt, gekleidet, in der Trübsal getröstet, am Krankenlager gepflegt hat? Einmal darbte sie acht Tage, um Hungrige zu speisen.

Siehst du, wie so manche Menschen sich ab* mühen für das Wohl der Notleidenden? Siehst du, wie sie sich die Zeit am Schlafe, die Speise am eigenen Munde absparen, um andern helfen zu können? Dabei gibt es unverständige, unzufrie­dene, beschränkte Menschen, die da sagen:Der und die haben gut Almosen geben; sie haben ja sonst nichts zu tun! Sie müssen doch die Zeit ver­treiben; sie haben alles im Uebersluß und wissen nicht, was sie mit ihrem übrigen Geld, mit ihren Kleidern und Speisen anfangen sollen." Wissen daß solche Reden lieblos, gottlos und ungerecht find und geeignet, der Karitas den Todesstoß zu versetzen. Bist du in die Möglichkeit versetzt, Gutes zu tun, so tue es mit Freuden. Bist du aber in die Notwendigkeit versetzt, Gutes zu empfangen« fei erkenntlich und sei dankbar. So reichen sich Arme und Reiche die Hände, um mit vereinten Kèäften die Reise in den Himmel anzutreten.

Der Talpsarrer«

Ministrant und Engel.

Ich hatte vor vielen Jahren einen lieben, klei* neu Ministranten, TA Jahre war das Kerlchen erst alt, und das Ministrantenröckchen mußte hochge­bunden werden, als es zum erstenmale an den Stufen des Altars ganz nahe beim lieben Heiland knien durfte, erfüllt von heiligem Eifer und gro­ßer Freude. Joseph Anton, so hieß der Kleine, durfte zuerst nur am Sonntag nachmittag mini­strieren, aber sehr bald stillte der gütige Herr