Sonntag, den 25. Suguft J929
39. Zahrg.
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 ».-Pfennig B 45 ».-Pfennig (Zustellgebühr extra), Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Coloneizelle tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Oss.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda fein.
— Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei. Veelagsork Fulda. ------
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Wochenkalender.
Sonntag, 25. August. 14. Sonntag nach Pfingsten. Ludwig, König, Bek., t 1220.
Montag, 26. Aug. Zephyrinus, Papst, Mart., f 219.
Dienstag, 27. August. Joseph von Calasanza, Bek., t 1680.
Mittwoch, 28. Aug. Augustinus, Kirchenlehrer, t 430. Hennes, Mart., f 132.
Donnerstag, 29. Aug. Enthauptung des hl. Johannes des Täufers. Sabina, Märtyrin, f 126.
Freitag, 30. Aug. Rosa von Lima, Jgfr., t 1617. Felix und Gen., Mart., t 303.
Samstag, 31. Aug. Raymundus Nonnatus, Bek., t 1240. ___
14. Somtag nach Pfingsten.
Epistel. Galater 5, 16—24.
Evangelium. Matthäus 6, 24—33. Gottes Valergüte.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Niemand kann zwei Herren dienen. Entweder wird er den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern mißachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Seid nicht ängstlich besorgt für euer Leben, was ihr essen sollt, noch für euren Leib. was ihr anziehen sollt. Ist denn das Leben nicht mehr als die Nahrung, und der Leib nicht mehr als die Kleidung? Betrachtet die Vögel des Himmels! Sie säen nicht, Üs ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen: euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr als sie? Wer von euch kann mit seinen Sorgen seiner Gestalt auch nur eine Elle zusetzen? Und was seid ihr f? ängstlich besorgt für die Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes! Wie sie wachsen! Sie arbeiten Uschi, sie spinnen nicht, und doch, sage ich euch, nicht einmal Salomon in all seiner Pracht war so gekleidet wie eine einzige von ihnen. Wenn Gott nun das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wieviel mehr euch, Kleinmü-
Seid also nicht ängstlich besorgt und fraget nicht: Was sollen wir essen? was wollen wir trinken? womit Men wir uns bekleiden? Um all das sorgen sich die Heiden. Euer Vater weiß ja, daß ihr das alles nötig habt. Suchet also zuerst das Reich Gottes und die Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugegeben werden."
Ein erquickender Strom, assenwanderungen zu den Fluß- D und Strandbädern, um sich zu kühlen, zu unterhalten, zu zerstreuen, zu trösten, zu erquicken. Was sind aber solche körper- h n.^^’^^ ttche Erquickungen gegenüber h« Äsungen und Freuden der Seele, mit denen V Geist diejenigen überschüttet, die sich der «'mmilschen Heimsuchung würdig machen. Davon
ein Beispiel aus der Apostelgeschichte. Hören mir zunächst den Fortgang in der Bekehrung des hl. Paulus, die uns in der letzten Lesung beschäftigt hat. Wir haben ihn zu Damaskus zurückgelassen, wie er von Ananias getauft und geheilt wurde. Die folgenden Ereignisse erzählt der hl. Luöas mit folgenden Worten:
Paulus hielt sich eine Zeit lang bei den Jüngern zu Damaskus auf. Und sogleich predigte er in den Synagogen Jesum, daß er der Sohn Gottes sei. Es staunten aber alle, die es hörten, und sprachen: Ist das nicht der, welcher in Jerusalem diejenigen verfolgte, welche diesen Namen anriefen; der dazu hierhergekommen ist, damit er sie gebunden zum Hohepriester führe? Saulus aber erstarkte immer mehr und brachte die Juden zum Schweigen, indem er dartat, daß dieser der Christus sei. Als nun viele Tage verflossen waren, faßten die Juden Rat zusammen, um ihn zu töten. Es wurden aber dem Paulus ihre Nachstellungen bekannt. Die Feinde hingegen bewachten Tag und Nacht die Tore, damit sie ihn umbrächten. Aber die Jünger nahmen ihn des Nachts und ließen ihn über die Mauer in einem Korbe hinab. Als er nun nach Jerusalem gekommen war, suchte er sich zu den Jüngern zu gesellen; aber alle fürchteten sich vor ihm, indem sie nicht glauben wollten, daß er ein Jünger Jesu sei. Barnabas aber nahm ihn und stellte ihn den Aposteln vor und erzählte ihnen, wie er auf dem Wege den Herrn gesehen, daß derselbe mit ihm geredet, und wie er in Damaskus zuversichtlich im Namen Jesu gehandelt habe. Und er ging mit ihnen ein und aus in Jerusalem und handelte zuversichtlich im Namen des Herrn. Er redete mit den Heiden und stritt mit den Griechen; sie aber suchten ihn zu töten. Da dies die Brüder erfuhren, geleiteten sie ihn nach Cäsarea und ließen ihn nach Tarsus ziehen.
Die Kirche aber hatte Frieden in ganz Judäa, Galiiäa und Samarta und ward erbaut. Sie wandelte in der Furcht des Herrn und ° ward erfüllt mit dem Trost des hl. Geistes.----
Lassen wir für diesmal die Schicksale unseres Helden Paulus außer acht und lenken unsere Aufmerksamkeit auf „den erquickenden Strom", an welchem die Kirche kurze Zeit wohnte. Nichts anderes meine ich mit diesem Strom als den Frie- den des hl. Geistes, dessen die Kirche sich damals erfreute. Jeder einzelne unter der Schar der Christen spürte innerlich in seinem Herzen ein Gefühl der Erhebung, des Trostes und der Freude. Sein Antlitz, feine Miene, sein ganzes Aeußere trug den Stempel der Fröhlichkeit und Heiterkeit. Ohne alle Furcht übten die Christen ihre Religion, redeten öffentlich über die Geheimnisse ihres Glaubens, sammelten sich in Synagogen und Tempeln und öffentlichen Sälen ohne alle Furcht und hielten mit Pracht und Feierlichkeit ihren Gottesdienst, brachten das hochheilige Opfer dar, gingen
zum Tische des Herrn. Es war ein Leben wie im Paradies, ein Vorgeschmack des Himmels.
Gehen wir nun einen Augenblick den Quellen dieses geheimnisvollen Stromes nach und erforschen Grund und Ursache dieses Friedens, dieser Freude. Eine Quelle, wohl die erste und kräftigste, deutet der hl. Lukas selber an mit den Worten: „Die Kirche wandelte in der Furcht des Herrn". Es lebten mithin jene glücklichen Christen voll und ganz nach den Vorschriften des Herrn, nach den Lehren des Evangeliums, nach den Beispielen des Meisters. Steht dir diese Quelle nicht auch zur Verfügung? Handle nach den Geboten Gottes, und der Trost des hl. Geistes ist dir gewiß.
Eine zweite Quelle war die brüderliche Einstellung. Wetteiferten ja die damaligen Christen in Wohltun und Barmherzigkeit. Auch uns soll diese Quelle strömen. Wie freut sich ein armer Teufel, wenn jemand an ihn denkt. Vorige Weihnacht hat eine arme Witwe in meiner Pfarrgemeinde durch die Post von einem ganz unbekannten Absender einen Geldbetrag erhalten. Die arme Frau war bis zu Tränen gerührt über solche Güte. Aber auch der Geber wird an Weihnachten froh gewesen sein; geben ist ja seliger als nehmen.
Die dritte Quelle war das Vertrauen auf die göttliche Vorsehung. Jene Ermahnung, die wir aus dem Munde des Heilandes im heutigen Evangelium hören, war den Christen von damals in Fleisch und Blut übergegangen: „Sorget nicht ängstlich um Essen, Trinken und Kleidung. Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und alles übrige wird euch zugegeben werden." Da möchte auch bei uns der Geist des Glaubens wieder erstarken, daß wir auf die göttliche Vorsehung felsenfest vertrauen. Dann wird das Spinngewebe jener törichten Aengstlichkeit und Sorge ganz von selbst zerreißen. —
Die vierte Quelle jenes Trostes waren die vielen überstandenen Leiden. Mit dem Psalmisten konnte die Kirche sprechen: „Nach der Menge meiner Schmerzen hast du mit Trost mich heimgesucht." Hast nicht auch du schon manches Leid überstanden? Hat nicht manche Krankheit, manche Not, mancher Schicksalsschlag an deine Hütte gepocht? Da kannst du dich trösten mit den Worten des hl. Paulus: „Ich freue mich und rühme mich sogar meiner Trübsal. Denn Trübsal wirkt Geduld, Geduld Bewährung, Bewährung Hoffnung — und die Hoffnung läßt nicht zu Schanden werden."
Die fünfte Quelle war die Aussicht auf die jenseitigen, ewigen Belohnungen. Was kann es Herr- licheres geben, frage ich mit dem hl. Iohannes Thrysostomus, als vom Himmel eine Seligkeit erwarten, die kein Auge gesehen, kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz gekommen ist? Freue dich und frohlocke. diese Aussicht sei auch für dich der Stern, zu dem du aufblickst in den Nebeln und Finsternissen dieses elenden Lebens,
Der Talpfarrer.