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fett und preisen seine Liebe, der die Sünden ver­gibt, aber bringe Ihm ein Opfer: erbarme dich des Menschen, und Gott wird sich deiner erbar­men! Du bist Mensch und der andere ist Mensch ,hr beide seid armselig, Gott aber ist barmher- gig. Hast du Gott um nichts zu bitten, so ver­achte den, der dich bittet!

Schon manchen, den die gemeinsame Natur nicht zum Mitleid beugte, beugte ein gemeinsames Un­glück. Wie leicht erbarmt sich des Sklaven, der einst Sklave war! Mit einem Vater, der einen Sohn beweint, hat herzlich Mitleid, wer einst Aehn- liches beweinte.

Nach seinen Kräften soll jeder beitragen — kei­neswegs so, daß er selbst Mangel leidet; nicht sol­ches ist unsere Lehre; aber dein Ueberfluß ist an­dern notwendig. Und wir haben Ueberfluß, wenn wir uns mit Notwendigem begnügen; suchen wir Eitles, so genügt uns nichts. Besser wenig bedür­fen als viel besitzen.

Meinetwegen bediene dich immerhin des Ueber» flusses — aber gib auch den Armen das Nötige! Bediene dich des Kostbaren, aber gib dem Armen das Geringere! Mögen die Reichen behalten, was für sie genügt, selbst mehr als für sie genügt, aber wenigstens einen Teil laßt uns zu Almosen ver­wenden! Ich weiß, ihr sollt vernünftige Vorsorge treffen: einerseits etwa an Schätzen für den Him­mel anlegen, andererseits auch für euch selbst, für eure Familie und eure Kinder zum Bedarf des Lebens übrig lassen — damit nicht schließlich an­dere lachen und ihr darbet. Soweit es weder dir noch andern schadet, nach menschlichem Ermessen, soweit sollst du geben. Wem du gerechterweife eine Bitte abschlagen mußt, dem mache den Grund klar, damit er nicht ganz leer von dannen gehe! Denn du gibst oft etwas Besseres, wenn du dem eine Lehre gibst, der Unbilliges verlangt.

Aus dem Herzen muß das Almofen kommen. Reichst du die Hand und erbarmt sich nicht das Herz, so hast du nichts getan. Erbarmt sich aber das Herz und hast du nichts zu reichen, so nimmt Gott dein Almosen an. Die Liebe spendet man nicht aus dem Sacke.

Gott sieht beim Wohltun nicht darauf, wem man gibt, sondern in welcher Gesinnung man gibt. Zwiefach übt Barmherzigkeit, wer Armen so gibt, daß er persönlich zum Geben kommt. Möchte zur Güte des Schenkenden sich gesellen die Demut des Dienenden! Wie es kommen mag, ich weiß es nicht, doch, meine Brüder, es ist so, daß die Ge­meinsamkeit des menschlichen Loses erst so reckt empfunden wird, wenn die Hand des Gebers sich in die Hand des Armen legt.

Nimm den Dünkel weg, und alle sind nichts als Menschen! Der Wurm des Reichtums ist der Stolz. Schwer ist es, daß ein Reicher nicht stolz sei. Nimm weg den Stolz, und der Reichtum schadet nichts! Nicht der Reichtum wurde am Rei­chen getadelt und nicht die Armut am Armen ge­lobt; sondern verdammt wurde an jenem das lieb­lose Herz und gelobt an diesem der fromme Sinn.

Geld, Ehre irdische Macht, Aemter, Gesundheit sind Güter, die Guten und Böien gemein sind: sie sind gut; aber sie fordern auch gute Menschen: böse Menschen schaffen damit Böses; nur Gute schaffen damit Gutes

Groß ist der Reiche, der sich nicht deshalb groß bunkt, weil er reich ist. Ein erhabener Geist ist der mitten im Reichtum nicht angefochten wird von dieser Krankheit des Hockmuts Denn viel wunderbarer ist es, irdischen Dingen nicht anzu- hangsn, obschon man sie besitzt, als sie überhaupl vicht zu besitzen.

Gott schaut nickt auf das Vermögen, das einer bat, sondern auf die Begierde. Er richtet auch den Bettler nach der Begierde, mit der er zeitlicken Gütern nachsagt, nicht nach dem Vermögen, das er sich nicht erwerben konnte. Viel läßt einer hin­ter sich, der nicht nur hinter sich läßt, was er hatte, sondern auch was er zu haben begehrte.

Wem irdischer Reichtum abgeht, soll nicht durch unrechte Mittel danach streben; wer solchen besitzt, möge ihn durch gute Werke für den Himmel be­wahren.^ Ein christliches Gemüt, wie es sein soll, erbebt sich nicht, wenn Reichtum kommt, und wird nicht verzagt, wenn er fehlt. Vielmehr gedenkt es des Worte« des Herrn: „Wo dein Schatz' ist, da auch dein r-erz" (Mt. 6, 21).

3br Armen, hört meine Frage: was habt ihr nicht, wenn ihr Gott habt? Ihr Reichen, hört Frage: was habt ihr, wenn ihr Gott nicht (Vom hl. Augustinus.)

Hm Krankenbett.

Eine Nachtwache einer vinzenzfchwester.

. Pflicht und Glück einer Barmherzigen Schwe­ster ist es, dem Heiland in der Person der Armen und Kranken zu dienen, wie der hl. Vinzenz sagt: Die Güte und Barmherzigkeit Kottes inmitten der menschlichen Not zu offenbaren. Dieses Evan­gelium darf die Barmherzige Schwester den Ar­men verkünden, nicht mit Worten, sondern mit Opfern und Taten der Liebe.

Der Krankenpflegeberuf bringt die Barmher­zige Schwester in Berührung mit den verschieden­artigsten Patienten, mit Reichen und Armen, Ge­lehrten und Ungelehrten, mit Gläubigen und Un­gläubigen. An allen will sie die Pflicht dienen­der Heilandsliebe erfüllen. Oft steht vor ihrem geistigen Auge Jesus, wie er in Kapharnaum nach Sonnenuntergang helfend und tröstend zu den Kranken trat, die aus Häusern und Hütten zu ihm gebracht wurden.

Mit diesem Bild des mitleidigen, gütigen Hei­landes vor Augen geht die Schwester zur Nacht­wachte. Sie weiß, opferreiche, anstrengende Stun­den stehen bevor, sie denkt an die Verantwortung. Es ist so einsam und still im großen Haus — doch fühlt sie sich nicht einsam, dort in der trau­ten Hauskapelle wacht ihr Herr und Meister mit ihr; ihm gelten alle Mühen und Opfer dieser Nacht, ihm, dem ihr ganzes Herz gehört, darf sie dienen, ihn pflegen, ihm seinen Durst stillen, ihn weicher betten, ihm ein tröstendes Wort sagen.

Alle diese vielen Patienten sind ihr der Hei­land, der spricht: Was ihr dem Geringsten mei­ner Brüder getan, habt ihr mir getan.

Ach! Wie ist der Herr und Meister zugerich­tet: hier starke Verbrennungen mit unerträglichen Schmerzen — dort große, stark eiternde Wunden — in jenem Saal ein armer Krüppel, dem das Bein amputiert ist, der obendrein noch verkrüp­pelte Hände hat und zu all dem noch verbittert ist wegen eines harten Lebensschicksals — ohne die Kraft und den Trost der Religion; leidend an Leib und Seele.

Ich geh von Zimmer zu Zimmer. Hier jam­mert ein Kranker: „Schwester, lch hab jo starke Schmerzen im Leib, kann keinen Schlaf finden." Er erhält mit Erlaubnis des Arztes ein Beruhi­gungsmittel. Dort klagt einer: „Schwester, o mein Kopf schmerzt, ich weiß nicht, wo ich ihn hinlegen soll." Ich lege ihm zur Kühlung eine Eisblase auf den Kopf. — Auf dem Gasherd bereite ick bald dem, bald jenem eine Stärkung, Tee, Kaf­fee. ... Da plötzlich ein Glockensignal. Ich eile zum Saal, woher der Alarm kommt. Die erreg­ten Patienten deuten auf das Bett des oben ge­nannten Krüppels. Er hat sich mit dem Bettuch an den Bettgalgen so fest angeknüpft, daß ich ihn nur mit größer Mühe losbringe. Sein starkes Röcheln — es wäre fast sein Todesröcheln gewor­den — hat die schlafenden Mitpatienten im Saal geweckt. Ich mache Wiederbelebungsversuche, gebe Herzmittel, benachrichtige den Arzt und so wird der arme Krüppel für zwei Lebenstage gerettet. Nach 2 mal 24 Stunden starb er. Ich setze meinen Gang durch die Zimmer an den Krankenbetten vorbei fort, leiste den Kranken die gewöhnliche Hilfe, gebe Einspritzungen, Wärmeflaschen auf den schmerzenden Leib, Tropfen für den Husten, wuchte Kompressen auf die heiße Stirne.

Nun läutet die Hausglocke. Zwei Kranken­wärter bringen auf einer Bahre eine schwer ver­letzte Frau in Männerkleidung, im Sportsanzua und mit kurz geschnittenen Haaren, als Frau kaum zu erkennen. Sie hat auf einem Motorrad nm ihrem Mann eine Radtour gemacht und beide sind schwer verunglückt! Ich habe gerade die Patien­tin mit dem Notdürftigsten versehen, als ein un­gemein schriller Glockenton an mein Ohr bringt. Ich eile, Schlimmes ahnend, in das signalisierte Zimmer. Und ach! O Schreck! Ein Patient, des­sen Magen operiert ist und sich schon auf dem Wege der Besserung befindet, ist dem Tode nahe. Hoch aufgerichtet, schon mit dem Atem ringend, starren Auges sitzt er im Bett.....

Eine Embolie, ein Lungenschlag hat seinem Leben so plötzlich ein Ziel gesetzt. Ich habe die Situation gleich erfaßt und tue, was ich in diesem Falle allein noch tun kann. Ich bete mit dem in den letzten Zügen Liegenden die Sterbegebete' „Mein Jesus, Barmherzigkeit' Liebster Jesus, sei mir nicht Richter, sondern Erlöser."

Wäre ich nicht auf den ersten Glockenschlaa ge­eilt, hätte ich eine Leiche angetroffen; in einigen Minuten hat das arme Herz ohnedies aufgehört zu schlagen.

Ich bringe mit Hilfe einer anderen Schwester die Leiche aus dem Krankenzimmer. Im Gebet und Znit tiefernsten Gedanken beschäftigt, bringe ich die Zeit am Lager des Verstorbenen zu, welche mir nach Bedienung der anderen Kranken noch übrig bleibt. Früh um 6 gehe ich in die hl. Messe, die für den Dahingeschiedenen gelesen wird. Schlafbedürfnis habe ich nach dieser ergreifenden Nacht nicht mehr, und beginne mein Tagewerk, als ob ich die ganze Nacht geschlafen hätte. Ein lebhaftes „Memento Mori" schwebt mir den gan­zen Tag vor Augen.

Bei der hl. Kommunion am Morgen nach bet Nachtwache halte ich Zwiesprache mit dem Hei­land. Er spricht zu mir: „Was du den Armen, Kranken und Sterbenden in dieser Nacht getan hast, das hast du mir getan!" Und ich sage zum Heiland: „Ich danke dir, daß ich habe bienen dürfen heute nacht, daß du von mir unwürdigen Menschen Erquickung und Trost angenommen hast, daß ich für dich einige Opfer bringen durfte. Ich danke dir, daß du mich für deinen Dienst aus­erwählt hast. Ich bitte dich um Verzeihung für alle Fehler und Mängel, die mir an meinem Heilandsdienst vorgekommen sind. Stärke mich mit deinem Geiste und gib mir Kraft für die erhabene Lebensaufgabe, nach der Forderung meines Or­densvaters, des hl. Vinzenz, deine Liebe und Barmherzigkeit am Orts menschlichen Elendes zu offenbaren."

Die Nackstwache im Lichtschein der hl. Messe: sie ist ja die Erneuerung des blutigen Erlösungs­opfers — auf dem Altare — mein Herr und Meister als Opfergabe. — Jin Dienste der Ehre des Vaters und der Rettung der Menschenseelen: mit welcher Sanftmut, mit welcher Geduld! Herr! Wann kann ich endlich sagen, daß ich dein Bei­spiel nachahme, daß dein Geist mich ganz erfüllt! — daß ich mich ganz hingeopfert habe, so wie du dich für uns hingsopfert hast!

So hat diese Nacht dazu beigetragen, mir neue Seiten des unendlichen Heilandsdienstes zu of­fenbaren: feine Opfer und Mühen, feine Verant­wortung und Pflichten, seine Bitterkeiten und Süßigkeiten, seine Finsternisse und Sonnenstrah­len. Und ich höre aus seinem Munde:

Selig die Barmherzigen, denn sie werde« Barmherzigkeit erlangen!

Keine neue Inflation.

Es sind zu wenig Jahre her, als daß nicht hier, und da unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Erinnerung an eine Zeit geweckt wird, da die Tau­sender Banknoten die Zahlkraft einer Mark oder später die Milliarden den Wert von Pfennigen hatten. Es gibt Menschen, die, kopfscheu durch ihre früheren Erfahrungen, sich jetzt wieder Dollarnoten kaufen oder Golddollars. Diesen sei gesagt, daß sie den größten Fehler begehen, den sie im Augen­blick in ihrem eigenen Interesse machen können. Denn nicht auf Inflation, also auf Vermehrung des Banknotenumlaufs der Reichsbank laufen die ge­genwärtigen Verhältnisse hinaus, sondern auf das Gegenteil, auf Geldknappheit und Geldteuerung, auf steigende Zinsen. Gerade derjenige, der heute Gold ober ausländische Banknoten sammelt, ist heute der Geschädigte, er speichert Geld zinslos auf zu einer Zeit, wo jedwedes Kapital feinen Wert nur durch den Zins erhält, den es trägt. Denn es ist kein Zweifel, daß Deutschland bei einer Ver­weigerung tragbarer Reparationszahlungen in eine Zeitläufte verminderten Geldumlaufs, knapper und teuerer Geldlage hineinsteuert, die notwendiger­weise alle Waren des täglichen Bedarfs verteuert. Die Wirkung ist dieselbe, ob wir nun Inflation (zu deutsch: Aufblähung) oder Constriction (Schrumpfung) des Geldes haben, nämlich Ver­minderung der Zahlkraft der Bevölkerung, aber die Maßnahme, ihr zu begegnen, muß die entge­gengesetzte fein: Der Wert des Geldes wird heute nicht dadurch erhalten, daß man es als Gold oder Devisen in den Strumpf tut, sondern daß man es der nächsten Genossenschaftskasse zur zinsbaren 21m <age bringt, daß man es arbeiten läßt. Nicht Kai nitalerholtung, sondern Kapitalbildung ist das Ge«, bot der Zeit.