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Sonntag, den (8. Kuguft |929
39. Zahrg.
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 K-pfennig B 45 ZL-pfetinig (Zustellgebühr extra), Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile tm Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Colonelzeile tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bet Wiederholung Rabatt. Auskunft und Oss.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.
—— Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei. Verlagsork Fulda. —---
Wochenkalender.
Sonntag, IS.Augusl. 13. Sonntag nach Pfingsten. Wigbert, Bek., Agapitus, Mart.
Montag, 19. Aug. Johannes Eudes, Bek.
Dienstag, 20. Aug. Bernhard von Clairaux, Kirchenlehrer.
Mittwoch, 21. Aug. Oktav des Festes der Weche der Kathedralkirche. Johanna Francisca v. Chantal, Witwe.
Donnerstag, 22. Aug. Oktav von Mariä Himmelfahrt. Thimotheus u. Gen., Mart.
Freitag, 23. Aug. Philippus Benitius, Bek. Vigil des Apostels Bartholomaeus.
Sanistag, 24. Aug. Bartholomaeus, Apostel.
Dreizehnter Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. Galater 3, 16—22.
Evangelium. Lukas 17, 11—19. Die zehn Aussätzigen.
In jener Zeit zog Jesus auf der Reise nach Jerusalem zwischen Samaria und Galiläa hin. Als er in einen Flecken hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben von ferne stehen, erhoben ihre Stimme und riefen: „Jesus, Meister, erbarme dich unser!" Als er sie sah, sprach er: „Gehet hin und zeiget euch den Priestern!" Während sie hingingen, wurden 1>e rein. Aber nur einer von ihnen kehrte zurück, als er sich geheilt sah, und lobte Gott mit lauter Stimme. Cr fiel vor ihm nieder auf sein Angesicht und dankte 'M. Und dieser war ein Samariter. Da sprach Jesus:
">cht zehn rein geworden? Wo sind denn die "^!"' hat sich sonst keiner gefunden, der zurückkäme
1 ^ Ehre gäbe, als dieser Fremde?" Und er äu ihm: „Steh auf und geh! Dein Glaube hat d-ch gesund gemachi".
Der bekehrte Wolf.
n den „Blümlein des hl. Franziskus" liest man die ergötzliche Geschichte von einem bekehrten Wolf. Mr« Zu Gubio hauste dieses gefräßige, MDk grausame, blutdürstige Vieh. Über- ... - fiel mir nichts, dir nichts die un= Manchen Bewohner, raubte was ihm immer betagte, tötete, was ihm Widerstand leistete. Fran- chSkus aber verwandelte diese gefährliche Bestie n em harmloses Lamm, das gutmütig in den Stra- A " and Häusern umhertrollte und von den Be- Wrn unterhalten und gepflegt wurde. —
lus ^ Zimmer als ein Wolf trieb es aber $au- c, " , ^eine Beute waren die armen Christen von kÄalem und Umgebung, die er schonungslos dem fein .“belieferte. Doch plötzlich schlug die Stunde Po»? Bekehrung, und aus dem Saulus wurde all-m ' r^e mehr Seelen für Christus gewann als Hostel miteinander. So erfüllte sich an ihm ad»» c Auslegung des hl. Augustinus die Prophe- dio M b®5 sterbenden Iakob, der über Benjamin
Worte sprach: „Ein räuberischer Wolf ist Ben
jamin; am Morgen geht er auf Raub aus und am Abend verteilt er seine Beute." Dieser räuberische Wolf, sagt St. Augustin, ist Paulus, der aus Benjamins Geschlecht stammte. Ist er aber immer ein Räuber gewesen? Nein; nur am Morgen, das ist in der Jugend, da geht er auf Raub aus; nur eine zeitlang verfolgt er die Christen. Was tut er aber „am Abend"? Er verteilt seine Beute. Er bekehrt sich. Er wird ein neuer Mensch. Er gewinnt Seelen für Christus. An Hand der Apostelgeschichte wollen wir nun diese wunderbare Bekehrung genau verfolgen, um die Geheimnisse menschlicher Verirrung und göttlicher Erbarmung zu erkennen und zu bewundern.
Saulus schnaubte und brannte vor Wut und Mordgier gegen die Jünger des Herrn. Nicht genug mit der Ausbeute; in Jerusalem ging er zum Hohepriester und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen von Damaskus. Anhänger dieser Lehre, Männer wie Frauen, wollte er gefesselt nach Jerusalem bringen. Schon kam er auf der Reise in die Nähe von Damaskus. Da umstrahlte ihn plötzlich ein Licht vom Himmel. Er stürzte zu Boden und vernahm eine Stimme, die ihm zurief: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?" Sau- I lus fragte: „Wer bist du Herr?" Dieser erwiderte: „Ich bin Jesus, den du verfolgst. Cs ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen." Zitternd und bebend fragte er weiter: „Herr, was willst du, daß ich tun soll?" Der Herr sprach zu ihm: „Steh' auf und geh' in die Stadt; dort wird man dir sagen, was du tun sollst." Seine Reisegefährten standen sprachlos da. Sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemand. Saulus erhob sich nun von der Erde. Als er die Augen aufschlug, sah er nichts. Da nahmen sie ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein. Drei Tage lang konnte er nicht sehen. Dabei aß und trank er nicht.
In Damaskus lebte ein Jünger mit Namen Ananias. Zu ihm sprach der Herr in einem Gesichte: „Ananias!" Er antwortete: „Hier bin ich, Herr." Und der Herr gebot ihm: „Mache dich auf und geh' in die Straße, welche ,die gerade' heißt und frage im Hause des Judas nach einem Manne namens Saulus. Er befindet sich im Gebete. In einem Gesicht hat er gesehen, wie ein Mann mit Namen Ananias zu ihm hineinkam und ihm die Hände auflegte, damit er sehend würde."
„Herr", entgegnete Ananias, „über diesen Mann habe ich von vielen Seiten gehört, wie viel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem zugefügt hat. Und nun hat er vom Hohepriester Vollmacht, alle in Fesseln zu legen, die deinen Namen anrufen."
Der Herr erwiderte ihm: „Geh' nur hin; denn er ist mir ein Gefäß der Auserwählung, um meinen Namen vor Heiden und Könige und die Kinder Israels zu bringen; ich will ihm zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muß."
Ananias machte sich auf den Weg, ging in das Haus und legte dem Saulus die Hände auf mit
den Worten: „Bruder Saulus, der Herr Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, hat mich zu dir gesandt; du sollst das Augenlicht wieder erlangen und vom hl. Geist erfüllt werden."
Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen. Er sah wieder, stand auf und empfing die Taufe. Dann nahm er Nahrung zu sich und erholte sich. (Apg. 9).
Ein großes Werk der Gnade, die Bekehrung des hl. Paulus; ein folgenschweres, freudenreiches Ereignis, das die Kirche durch ein eigenes Fest festhält, Pauli Bekehrung, am 25. Januar.
Die Geheimnisse der Gnade sind unerforschlich wie die Tiefen des Meeres, wie die Gluten der Sonne. Wir können sie nicht ergründen, nicht begreifen, sondern nur demütig anbeten und bewundern. Paulus wurde deshalb der Sänger der Gnade und ist nicht müde geworden, auszurufens „Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin.
Doch haben von menschlicher Seite Zwei Jude« an dieser Bekehrung mitgesponnen.
Der erste ist das Gebet. Hat nicht Stephanen» für seine Feinde gebetet? Und unter diesen Feinden war eben Saulus, der die Kleider der Steiniger gehütet hat. Saulus ist die Frucht des Gebetes, das von Stephanus Lippen kam. Und auch Saulus selber hat gebetet. „Siehe, er betet", sprach der Herr zu Ananias. Saulus faß in einem Winkel im Hause des Judas in der geraden Straße. Und er war versunken ins Gebet. Und welches war wohl der Inhalt seines Gebetes? Die Erkenntnis des göttlichen Willens. Wahrlich, es hat sich erfüllt das Wort des Herrn: „Bittet, und ihr werdet empfangen." Merken wir daraus eine wichtige Lehre. Wenn wir aus einer Sünde, einer Leidenschaft, einer Verirrung herauskommen wollen, müssen wir beten. Und wenn es sich darum handelt, einen verirrten Angehörigen oder Mitbruder aus den Klauen des Unglaubens, der Sittenlosigkeit oder der Unkirchlichkeit zu befreien, müssen wir beten. Und wenn auch der Erfolg des Gebetes nicht gleich in die Augen springt, was tuts? Auch Stephanus hat es nicht erlebt, daß Saulus sich bekehrte.
Und der zweite Faden ist der gute Wille. „Was willst du, daß ich tun soll?" Und Saulus hat sich nach Damaskus begeben, hat sich in das Haus des Judas verfügt, ließ sich von Änanias unterrichten und taufen. Verschmähe auch du nicht dis Hilfe des Mitbruders und die Vermittlung der Kirche. Der Talpfarrer.
Sein Kind.
Der Wehrmann Urban Zeitvogel verzog schmerz» lich den weiten offenen Mund. Nach einer Weil», sagte der Krankenwärter leise: „Tot!" Er nahm einen Zipfel der Wolldecke und drückte behutsam die erstarrten Augen zu