Sonntag, den 4. August (929
59. Zahrg.
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 ».-Pfennig B 45 ».-Pfennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Eolonelzeile tm Anzeigentell 0,15 Goldmark, Colonelzell« lm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Oss.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda sein.
—— Druck und Verlag der Fuldaer Actieadruckerei. Verlagsort Fulda. ——
Wochenkalender.
Sonntag, den 4. August. 11. Sonntag n^h Pfingsten.
Dominikus, Bek., t 1221.
Montag, den 5. August. Maria Schnee.
Dienstag, den 6. August. Fest der Verklärung Christi aus Tabor.
Mittwoch, den 7. August. Cajetan, Stifter der Theatiner, t 1547. Donatus, Bischof, Mart-, t 361.
Donnerstag, den 8. August. Lyriacus u. Gen., Mart., t 305.
Freitag, den 9. August. Johannes Maria Vianney, Bek. Firmus u. Rusticus, Mart. Romanus, Mart. Vigil des hl. Laurentius.
Samstag, den 10. August. Laurentius, Mart., f 258.
Elfter Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. 1. Korinther 15,1—10.
Evangelium. Markus 7,31—37. Heilung eines Taubstummen.
In jener Zeit zog Jesus weg aus dem Gebirge von Tyrus und kam über Sidon an den See von Galiläa mitten in das Gebiet der zehn Städte. Da »rächte man einen Taubstummen zu ihm und bat ihn, er möge ihm die Hand auflegen. Er nahm ihn vom Volke abseits, legte ihm seine Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel. Dann blickte er auf zum Himmel, seufzte und sprach: „Efsetha", das heißt: „Tu dich auf!" Sogleich öffneten sich seine Ohren, das Band seiner Zunge ward gelöst, und er sprach richtig. Er verbot ihnen aber, irgend jemand etwas davon zu sagen. Doch I? strenger er es ib: - verbot, desto weiter erzählten ue es, und desto mehr gerieten sie in Staunen und Machen: „Er macht alles gut: die Tauben macht er Horen und die Stummen reden."
Reichsmark."
Des Geldes Fluch.
^ enn du auch nicht gerade „Hättich" heißest wie einige meiner Pfarr- r? kinder, so hört man doch vielleicht manchmal aus deinem Munde den Stoßseufzer aufsteigen: Hätt' ich doch eine Million; hätt' ich doch mindestens hunderttausend
Bei deinem schmalen Geldbeutel sind solche Wünsche ohne weiteres zu' begreifen und zu ver- fleheu. Ob aber mit dem Gelde auch das erträumte Mück einziehen würde in deine Stube? — — — ,. Da lese ich in der Apostelgeschichte ein merk- Würdiges Vorkommnis, das geeignet ist, dir die -Hugen zu öffnen über den Unsegen deines Geld- Hungers. Als nämlich nach dem Tode des heiligen Stephanus die Christen in alle Winde zerstreut wurden, da kam der Diakon Philippus nach Sa- maria und predigte dort von Christus. Und die Volksscharen lauschten einmütig und willig den Sorten des Philippus, da sie die Zeichen, und Wunder sahen, die er wirkte. Denn aus vielen, Ie von unreinen Geistern besessen waren, fuhren
dieselben aus mit großem Geschrei. Viele, die lahm und verkrüppelt waren, wurden geheilt. Darum herrschte in dieser Stadt große Freude.
Schon lange lebte nun in dieser Stadt ein Mann mit Namen Simon. Der trieb Zauberei und betörte die Bewohner Samarias, indem er sich für etwas höheres ausgab. Alle, groß und klein, hingen an ihm und sagten: Dieser ist die Gotteskrast, die „große" genannt. Sie hingen an ihm, weil er sie lange Zeit mit seinen Zaubereien betört hatte. Als aber Philipttus die frohe Botschaft vom Reiche Gottes und vom Namen Christi verkündigte, nahmen Männer und Frauen den Glauben an und ließen sich taufen. Auch Simon wurde gläubig und empfing die Taufe. Er schloß sich an Philippus an und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, als er die Zeichen und Wunder sah, die da geschahen. Als nun Petrus und Johannes in Jerusalem hörten, daß Samaria das Wort Gottes angenommen habe, begaben sie sich nach Samaria. Sie legten den Christen die Hände auf, und diese empfingen den Heiligen Geist.
Als aber Simon sah, daß durch Handauflegung der Apostel der Heilige Geist verliehen wurde, [bot er ihnen Geld an mit den Worten: „Gebt auch mir die Vollmacht, daß jeder, dem ich die Hände auslege, den Heiligen Geist empfange." —
Petrus entgegnete ihm: „Das Geld fahre mit dir ins Verderben, weil du geglaubt hast, die Gabe Gottes um Geld erwerben zu können. Du hast keinen Anteil und kein Recht darauf. Dein Herz ist nicht auftichtig vor Gott; laß ab von deiner Verkehrtheit und bete zum Herrn; vielleicht findet deines Herzens Absicht noch Vergebung. Ich sehe, du bist voll bittrer Galle und von Bosheit umstrickt." Apg. 8.
„Dein Geld fahre mit dir zum Verde rben; dein Herz ist nicht auftichtig vor Gott."
Simon, dieser Zauberer, war ein geldgieriger Mensch. Der all seinen Zauberkünsten und Scheinwundern hatte er nicht das Wohl der geplagten Menschen, sondern nur seinen Geldbeutel vor Augen. Nun eröffnete sich ihm eine neue, vielversprechende Einnahmequelle. Er wollte den Leuten die Hände auflegen, und sie würden dann den Heiligen Geist empfangen. Das wäre fein. Man würde alsdann sehen, wie diese Leute in fremden Sprachen reden, prophezeien, Wunder wirken, Kranke heilen würden. Das würde einen mächtigen Andrang geben, und Simon wäre bald ein Großkapitalist! Und so machte er denn den Aposteln den Vorschlag, ihm diese einträgliche „Kunst" zu verkaufen. Was erwiderte aber Petrus? „Dein Geld fahre mit dir zum Verderben; dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott. Denn deine Gesinnung ist irdisch; die Liebe zum Geld wird dir zum Unglück und zum Verhängnis werden."
Wenn nun wir Pfarrer den Menschen predigen, daß Reichtum nicht glücklich macht und nicht das höchste Gut ist, so sagen viele: Der hat gut reden,
das gehört zum Geschäft! Da hat nun ein Laie das Wort ergriffen, und zwar ein Amerikaner, einer der reichsten, ein schönes Wort über das Reichsein gesprochen: „Man pflegt heute die Armut als ein Uebel anzusehen und bemitleidet den jungen Mann, der nicht mit einem silbernen Löffel im Munde geboren ist. Ich aber sage, daß das beste Erbteil, das man einem jungen Mann mitgeben kann, die Armut ist. Ich mache mich keiner Torheit schuldig, wenn ich behaupte, gerade der armen Klasse entstammen die guten und großen Menschen. Nicht die Söhne der Millionäre und des Adels gaben der Welt ihre Lehrer, ihre Märtyrer, ihre Erfinder, ihre Staatsmänner und selbst ihre großen Geschäftsleute. Kaum einer trägt einen unsterblichen Namen, der nicht genährt und unterrichtet wäre in der die Kräfte anspannenden Arbeit. Nichts ist so entnervend, so schädlich in seinen Einwirkungen auf Geist und Herz als ererbter oder sonst durch Zufall zugefallener Reichtum. Für jeden Menschen, der nicht gezwungen ist, sich sein Brot durch eine Arbeit zu verdienen, fühle rch nur tiefes Mitleid. Von allen Seiten ertönt der Ruf: Schafft die Armut aus der Welt! Glücklicher Weise ist das unmöglich. Wir werden immer Arme unter uns haben. Was wäre der Welt Los, wenn sie von den Reichen allein abhängig wäre! Alles Gute und alles Große würde aufhören und die Menschheit würde in die Bar- batet zurücksinken."
Hättest du also Reichtum, wer weiß, ob das dein Glück wäre. Hast du ihn aber wirklich, so liegt es nur an dir, ihn zu einem Glück zu gestalten durch guten Gebrauch, durch Freigebigkeit und Wohltun. Hast du aber keinen Reichtum, sondern nur dein Auskommen, vielleicht auch manchmal Not und Verlegenheit, so spiele nicht die Rolle des Verbitterten, sondern werde reich an Zufrie- denheit, an Tugend und Gnade, an Verdiensten für den Himmel. Der Talpfarrer.
Die Randsteinchristen.
Sonntagsgedanken von Alphons M. Rathgeber.
Im vergangenen Jahre fand in Stuttgart unter zahlreicher Beteiligung die Fronleichnamsprozession statt. Dabei ereignete sich folgender Zwischenfall:
An einem Evangeliumaltar drängten sich die Zuschauer auf den Bürgersteigen. Die Spitze der Prozession hatte gerade den Altar erreicht, als sich ein Herr durch die Menge zwängte und gerade vor eine Frau zu stehen kam, der dadurch jede Aussicht versperrt wurde. In „höflicher" Weise gab sie dem unbescheidenen Vordermann einen zärtlichen Rippenstoß und forderte ihn auf, den Platz frei zu machen. Bekanntlich heiße es: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Aber da kam die Frau schön an. Der Gekränkte brauste auf und meinte: „Ich bin katholisch und habe ein Recht, da vorne hin zu stehen, um die Prozession der Katholiken besser sehen zu können". Worauf die Schwäbin mit einer treffenden Schlagfertigkeit ihm