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3 Aus Kirche und Welt.
pus der Hauptstadt der Christenheit.
Für die große Prozession am 25. 3uN, die den ersten Ausgang des Hl. Vaters aus dem Vatikan und Sankt Peter bedeutet, sind nun alle Vorbereitungen getroffen. Außerordentlich wird der W* aerzustrom aus dem In- ynb Auslande fein, und man glaubt, daß den Petersplatz allein über 300 000 Personen füllen werden. Bis zur Füllung wird der Zugang frei sein; um lebensgefährliches Gedränge zu vermeiden, wirb der Petersplatz durch starke Holzfchranken in vier strahlenförmig verlaufende Abschnitte geteilt. Längs des Portikus der Basilika und der Kolonnaden werden die prächtigen Gobelins angebracht werden, die Napoleon dem Papste Pius VII. anläßlich der Krönung verehrt hatte. Den Hintergrund des auf der Plattform vor dem Basilikaeingang aufgestellten Altars, von dem der Segen erteilt werden soll, bildet ein riesiger, das letzte Abendmahl vorstellender Gobelin. Der Altar wird von einem rotsamtenen, golddurchwirkten, zehn Meter breiten Baldachin überdacht und mit künstlerischen massivsilbernen Leuchtern in entsprechender Größe geschmückt sein. Der Altar selbst ist aus vergoldeter Bronze. Kardinal Rampolla ließ ihn seinerzeit für besondere Feierlichkeiten in Sankt Peter herstellen. Die Prozession selbst wird sich in folgender Ordnung abwickeln: Ein Fähnlein Schweizer mit einem Zeremonieninsister an der Spitze, dem die Prokuratoren der Kollegien, der Apostolische Prediger, die Geheimkämmerer, die Vertreter aller Orden und die der nach Rom gekommenen Seminaristen folgen, alle mit brennenden Kerzen. Dann kommen die Bussolanten, Kapläne, Konfisto- rialadvokaten, die Mitglieder der Tribunale der Signatur sowie der Sacra Rota, die Pönitentiare der Vatikanischen Basilika, die Aebte, Bischöfe und Erzbischöfe, die Patriarchen, die Prälaten und Würdenträger des päpstlichen Hofstaates und hinter dem Apostolischen Subdiakon, der von sieben Kerzenträgern umgeben das Papstkreuz trägt, die Mitglieder des Hl. Kollegs. Den Kardinälen zur Seite marschieren zwei Reihen Schweizer in Paradeuniform mit Helm, Panzer und Hellebarde. Nun folgen die Zivilwürdenträger der Vatikanischen Stadt mit dem Gouverneur, dem Generalsekretär und Schatzmeister, sowie die Votanten der Signatur, welche die Rauchfässer schwingen. Endlich kommt das von den Sediarien getragene Podium mit dem Heiligen Vater, der das Allsrhei- ligste in den Händen hält. Acht Prälaten der Signatur wechseln mit Alumnen des Kollegs der Propaganda Fids im Tragen des reichen silber- durchwirkten Baldachins ab, von dem mit dem päpstlichen Wappen geschmückte Behänge im Winde flattern. Zur Seite des Podiums schreiten die ersten Hofwürdenträger und je zwölf Nvbslgarden E gezogenem Degen, zwei Geheimkämmerer mit am Pfauenwedeln, 16 Bussolanten mit Fackeln. Gleich hinter dem Podium folgt der Dekan der Rota mit acht päpstlichen Gängern, die das Lauda «ion singen. Den Schluß des Zuges bildet wieder ein Fähnlein Schweizer. Es ist kein Zweifel, daß diese einzigartige eucharistische Prozession einen unvergeßlichen und selten gesehenen Triumphzug des Heilandes wie auch seines Stellvertreters auf t-rden darstellen wird.
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Größere Pilgerzüge kamen aus Ungarn (200 Personen), Amerika (700 Matrosen mit ihren Of- IWen) und aus verstlüedsnen italienischen Pro-
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Wie aus bester Quelle verlautet, soll der von ^f^ischan Blättern schon als „nahe bevor- llehend gemeldete Besuch des Königs Viktor rnnanuel und der königlichen Familie beim Papst findet ^ zweiten Hälfte des September statt- f ®er König ist sofort nach dem feierlichen Emp- Ln9 des neuen Nuntius, Mfgr. Borgongini Duca,
" "ach dem königlichen Sommeraufenthalt in ll " Rosore bei Pisa abgereist, und nach italieni- ' m Brauch erscheint es vollkommen ausaekchlos-
sen, daß während der heißen Sommermonate der angekündigte offizielle Besuch des Königshauses von Savoyen beim Vatikan stattfinden wird.
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Der Hl. Vater hat dem Plan des Architekten Senator Beltrami Mr den Bau eines neuen Palastes einer wundervollen Gemäldesammlung im Vatikan feine Zustimmung gegeben. Diese neue Pinakothek wird in den päpstlichen Gärten errichtet; der Palast wird eine Ausdehnung von 2 200 Quadratmeter und 2 Etagen mit einer Gefamthöhe von 18 Nieter erhallen. Man rechnet damit, den B,au bereits im nächsten Jahre zu beenden, so daß im Jahre 1931 die Gemälde darin untergebracht werden können.
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Es ist wenig bekannt, verdient aber besondere Hervorhebung, daß der deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl, Herr v. Bergen, dort zugleich preu- ßisck^r Gesandter ist. Der „Osservatore Romano" der am 13 Juli. von der Audienz des Herrn o. Bergen beim Papst berichtet, weist in seiner offiziellen Mitteilung ausdrücklich darauf hin. Es war in dieser, seiner preußischen Gesandten-Eigen- schaft, daß Herr v. Bergen diesmal zum Heiligen Vater ging, galt es doch, ihm von der preußischen Regierung die Glückwünsche zum Jubiläumsjahr darzubringen. Mit feinem Verständnis für die besonderen Interessen des Papstes überreichte Preußen ihm eine künstlerische Wiedergabe der „Mannessischen" Heidelberger Liederhandschrist. Der „Osservatore" sügt hinzu: „Das prächtige Geschenk war begleitet von einem schönen Glückwunschbrief des Ministerpräsidenten Dr. Braun. Seine Heiligkeit bezeugten ihr sehr lebhaftes Wohlgefallen an dem kostbaren Geschenk und über die edlen Gefühle, die es begleiteten."
Zwei Tage später übersandte der Papst dem deutschen Botschafter das Großkreuz des Pius-Ordens, die höchste Auszeichnung, die an Diplomaten gegeben zu werden pflegt. Herr von Bergen, der auch im kaiserlichen Deutschland schon Gelegenheit hatte, sich in den diplomatischen Dienst mit dem Vatikan ein- zuleben, überreichte am 30. April 1920 dem Papst fein Beglaubigungsschreiben als deutscher Botschafter, nachdem dies Amt nach dem Rücktritt des preußischen Gesandten v. Mühlberg neugeschaffen worden war. Im Jahre 1925 wurde Herr v. Bergen dann zugleich preußischer Gesandter.
Seine Verdienste um die vorbildlich guten Beziehungen Deutschlands zum Heiligen Stuhl sind allgemein anerkannt und ganz besonders im Vatikan weiß man sie zu schätzen. An dem glücklichen Abschluß des preußischen Konkordats hat die kluge und vornehme Verhandlungstaktik v. Bergens, einen großen Teil des Verdienstes, wobei er als altgläubiger Protestant stets das Wohl des deutschen und preußischen Staats- und Volksganzen im Auge hat.
Hier ist ein Beispiel der Parität gegeben, was wahrhaft staatsmännisch ist, und das gerade unter den schwierigen Nachkrieasverhältnissen eine Leistung bedeutet, die erst die Geschichte voll würdigen wird. Die päpstliche Auszeichnung ist daher wohlverdient und zugleich eine fold>e für die deutsche und preußische Nachkriegsdiplomatie dem Vatikan gegenüber.
Gemeinsam mit dem Geistlichen Botschaftsrat, Prälaten Dr. Steinmann, wird Botschafter von Bergen nun die Ratifikationsurkunden des Konkordats von Berlin nach Rom zum Austausch im Vatikan holen.
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Im September wird das Generalkapitel des Dominikanerordens zusammentreten, um einen neuen General zu wählen.
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Die Einleitungsprozesse für die Seligsprechung Pius' X. sind nunmehr abgeschlossen, und es besteht kein Hindernis, daß die Ritenkongregation nach Eintreffen aller Akten den regulären,Seligsprechungsprozeß in Angriff nimmt. Es ist natürlich nicht vorauszusehen, wie viele Zeit er, in Anwruck nehmen wird, doch kann man hoffen,
daß es uns in nicht allzu ferner Zeit vergönnt sein wird, der Glorie des heiligen Papstes beizuwohnen.
Der Apostolische Präfekt von Eritrea übersandt« dem Papst im Namen der Kapuzinermissionen einen sein gearbeiteten, perlengeschmückten goldenen Ring mit der Bitte, das Juwel dem ersten einheimischen afrikanischen Apostolischen Vikar, den Se. Heiligkeit weihen wird, widmen zu wollen.
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Bei der Seligsprechung in St. Peter, die den armenischen Priester und Märtyrer Eomidas Keu. murgian (Cosmas von Carboniano) zu den Ehren der Altäre erhob, wurde dem Hl. Vater nur ein Bild des Seligen auf Seide, die Lebensbeschreibung und der Blumenstrauß überreicht, während der Reliquienschrein fehlte. Das hängt damit zusammen, daß die Echtheit der sterblichen Reste des für die Einheit der christlichen Kirchen grausam getöteten Bekenners noch nicht feststeht. Bis zum Jahre 1922 war die allgemeine Ueberzeugung, daß der Körper des Seligen bald nach dem Begräbnis nach Frankreich gebracht worden sei. Das ging aus dem Tagebuch des dissidenten Patriarchen von Armenien, den Behauptungen Meier Neffen des Märtyrers und anderen Zeugenangaben hervor. Trotzdem ließ die Ritenkongregation die erste Begräbnisstätte im Friedhof von Balikli untersuchen, was, nicht ohne Schwierigkeit, der damalige Apostolische Visitator des katholischen armenischen Ha- triachates, Mfgr. Naslan, durchführte. Und siehe da, man fand ein männliches Skelett, das einer genauen ärztlichen Prüfung unterzogen wurde. Rach dreitägiger Untersuchung erklärten zwei Aerzte der Pariser Fakultät, daß die Knochen einem 174—180 Zentimtr. hohen 45 bis 50jährigen Mann angehörten und etwa 100 Jahre alt seien. Diese Tatsachen legen natürlich die Vermutung nahe, daß es sich um den ehrwürdigen Leib handeln könne und die Nachricht von der Uebertragung nach Frankreich nur verbreitet worden wäre, um zu verhindern, daß die Feinde der Katholiken die Reliquien ausgrüben und ins Meer würfen. Jedenfalls aber hat sich bisher die geistliche Behörde über die Echtheit noch nicht ausgesprochen.
Die Politik der Woche.
Fest steht jetzt, daß in Preußen die Wahlen zu den Gemeindevertretungen, zu den Kreistagen, zu den Provinziallandtagen, bei uns in Kurhessen zum Kommunallandtag am 17. November dieses Jahres stattfinden werden. In 4 Monaten muß also wieder einmal gewählt werden. Es stehen für uns Katholiken wichtige Dinge dabei auf dem Spiel. Erfreulicherweise hat in Zentrumskreisen bereits eine rege Vorarbeit für diese Wahlgänge eingesetzt. Das ist auch dringend notwendig. Ue- berall muß ein engeres Vertrauensverhältnis zwischen den Ständen, die im Zentrum vertreten find, hergestellt werden, damit wir den letzten Wähler an die Urne bringen und in den in Betracht kommenden Körperschaften für die christlichen Ideale der Zentrumspartei eine starke leistungsfähige Vertretung erzielen.
Don nicht geringer politischer Bedeutung ist die lebensgefährliche Erkrankung des deutschen Reichskanzlers Hermann Müll r. Seine Gallenstein-Krankheit wuchs sich plötzlich zu einer höchst gefährlichen eitrigen Gallenblasenentzündung aus, die einen ärztlichen Eingriff erforderlich machte. Wenn der Patient mit dem Leben davon kommt, so ist ein langes Krankenlager sehr wahrscheinlich. Da die deutsche Regierung auf der Konferenz, die über die politischen Folgerungen aus dem Poung- vlan verhandeln soll, erwartet wird und im Anschluß bedeutsame politische Aufgaben zu lösen sind, wird mit der Ernennung eines Vizekanzlers gerechnet. Außenminister Dr. Stresemann soll wieder leidlich gesund sein. Er geht jetzt zur Nachkur nach Bad Wildungen. Wo die Reparation-- konferenz stattfinden wird, weiß man immer noch nicht aenau. Es wird jetzt die holländische Regie»