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Juli 1929
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Druck und vertag Bec Fuldaer WctienBruderei. Verlagsorl Fulda.-----
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für die katholischen Gemeinden Kassels.
Eifche-Nt jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig B 45 K.-Pfennig (Zustellgebühr extra) RedaNinneschluh Montag. Anzeigen-Preiie: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzelle im ReNameteil 0,60 Goldmark. Lei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda fein.
WschSii^aiender.
Scnnic^» 21. Juli. 9 Sonntag nach Pfingsten. Pra- xsdès, 5gfr., Mart.
Montag, 22 Juli. Maria Magdalena, Büßerin.
Dienstag, 23. Juli. Apollinaris, Bisch., Mart., f 81, Liborius, Bisch., Bek., t 393.
Mittwoch, 24. Juli. Vigil des Festes des hl. Jakobus. Christina, Jgfr., Mart., t 303.
Donnerstag, 23. Juli. Jakobus, Apostel, Christophorus, Mart., t 250.
Freitag, 26. Juli. Anna, Mutter der allersel. Jgfr. Maria.
Samstag, 27. Juli. Mariensonntag. Pantaleon, Mart., t 303.
Neunter Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. 1 Korinther 10, 6—13.
Evangelium. Lukas 19, 41—47. Jesus weint über
Jerusalem.
In jener Zeit näherte sich Jesus Jerusalem. Als er die Stadt erblickte, weinte er über sie und sprach: „Wenn du es doch erkenntest, und zwar an diesem deinen Tage, was dir zum Frieden dient! Aber es ist vor deinen Augen verborgen. Denn es werden Tage über dich kommen, da deine Feinds dich mit einem Walle umgeben, dich ringsum einschiießen und dich von allen Seiten bedrängen werden. Sie werden dich und deine Kinder, die in dir sind, zu Boden schmettern und keinen Stein aus dem anderen lassen, weil du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast." Dann ging er in den Tem- Pei und trieb die Käufer und Verkäufer hinaus. Er melt ihnen entgegen: „Es steht geschrieben: Mein Haus 'n ein Bethaus: ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht". Und er lehrte täglich im Tempel.
Blinö und taub.
Ku hast die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt. Worte der Wehmut aus dem Munde des Heilandes. Blind und taub ist Jerusalem. Blind die Pharisäer und Zöllner. m ______» Blind die Schriftgelehrten und Priester, blind die Bewohner der Stadt in der großen Mehrzahl. Blind gegen die Taten des Heilandes, den sie als Gottessohn hätten erkennen rnüssen. Blind gegen seine Lehren und Ermahnungen. Taub gegen seine Warnungen und Drohungen. Darum ist auch das Schicksal über die unglücklich- Stadt hereingebrochen wie eine Sturm- slut und hat sie vom Erdboden weggefegt und kei- nen Stein auf dem anderen gelafsen. — , Plind und taub waren die Bewohner Jerusa- auch gegen die Boten und Gesandten Jefti, gegen die Apostel und ihre Stellvertreter und Ge- gUsen. Wir haben gehört, daß sie zu ihrer M- 'eichterung Diakons ausgestellt haben. Unter ihnen , ^ Stephanus, einen Mann mit kraftvollen Taten wutiaer Rede. Eifersucht und Neid brachten
ihn in den Verdacht, als wüte er gegen den Tempel und gegen Moses. Da hielt Stephanus vor dem versammelten Bölke eine lange und inhaltsreiche Rede, in welcher er dis ganze Geschichte des jüdischen Volkes wie ein Panorama vorüberziehen ließ. Es würde zu weit führen, diese Rede in ihrem Wortlaut hier anzuführen. Lies sie, wenn sie dich interessiert selber nach in der Apostelgeschichte am siebenten Kapitel. Es hat aber den Anschein, als ob die Zuhörer von dieser Rede nicht besonders entzückt waren, daß sie nur mit Widerwillen und Ingrimm sie anhörten. Darum nimmt auch der hl. Diakon kein Blatt vor den Mund und schließt seine Predigt mit folgenden Worten eines berechtigten, heiligen Zornes:
„Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herz und Ohren. Ihr widersteht allzeit dem hl. Geiste; wie eure Väter, so auch ihr. Wo war ein Prophet, den eure Väter nicht verfolgt hätten? Sie haben jene getötet, die von der Ankunft des Gerechten weissagten. Ihr seid nun feine Verräter und Mörder geworden, ihr, die ihr das Gesetz auf Anordnung von Engeln hin empfangen, aber nicht gehalten habt." —
Als sie dies vernahmen, ergrimmten sie in ihrem Herzen und knirschten mit den Zähnen wider ihn. Er aber, voll des hl. Geistes, blickte zum Himmel auf, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten stehen und rief aus: „Ich sehe den Himmel offen und Jesus zur Rechten Gottes stehen."
Da erhoben sie ein lautes Geschrei und hielten sich die Ohren zu. Wie ein Mann stürzten sie auf ihn los, stießen ihn zur Stadt hinaus und steinig, ten ihn. Die Steiniger legten ihre Kleider nieder zu Füßen eines Jünglings, der Saulus hieß. So steinigten sie den Stephanus, der betete: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf." Dann sank er in die Knie und rief mit lauter Stimme: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an." Unter diesen Worten entschlief er. —
Sehen wir zu, daß wir nicht auch in unsern Tagen blind und taub sind. Blind und taub gegen die Zeichen der Zeit. Blind und. taub gegen die Zersetzung und Zermürbung unseres hl. Glaubens Taub gegen die Warnungen der Führer und gegen die Fanfaren der Feinde.
So bläst aus Rußland ein gewaltiger Sturm. Alles, was Glauben heißt und mit Religion etwas zu tun hat, findet vonseiten der Gewalthaber, vonseiten der Bolschewisten, vonseiten der Sowjetregierung eine grausame Gegnerschaft, einen frivolen Protest, eine fanatische Feindseligkeit. Tagte dort vor einiger Zeit der Kongreß der „Gottlosen". Da wurden Reden gehalten, die einem alles Blut in Eis verwandeln, die auch dem Blindesten die Augen öffnen sollten gegen die drohenden Gefahren. „Die Beißzange wollen wir in die Hand nehmen", rief einer der Gewaltigen, „und die Religion mitsamt der Wurzel aus den Herzen der Menschen herausreißen durch eine gottlose Erzie
hung." Ja, „gottlose Erziehung". Im ganzen Bereich der Sowjetregierung darf kein Kind irgend welchen Religionsunterricht erhalten. Kein Geistlicher darf die Schwelle einer Schule übertreten. Kein Geistlicher darf Privatunterricht geben einem Jugendlichen. Nicht einmal die eigenen Eltern dürfen ihre Kinder in der Religion unterweisen. Wohl dürfen sie ihre Sprößlinge" in der Gottlosigkeit und Unsittlichkeit unterrichten — keineswegs aber ihnen etwas von einem Herrgott, von einer Vorsehung, von einem Erlöser, von einer Gottesmutter, von einem Himmel, von einem Schutzengel erzählen. Jeder Vater, jede Mutter, die das tut, versündigt sich gegen die Staatsgesetze und wird bei Anzeige gestraft. Bei Kindern, die von irgend einem Spitzel scharf gemacht werden, kommt es vor» daß dieselben ihre eigenen Eltern angeben unfe sie der Strafe entgegenführen. So sieht dis FrP )eit aus. So werden die Eltern-Rechte mit Flitz st getreten. So erfüllt man den alten Spruch der Kozialdemokratie: „Religion ist Privalsache".!! Ja, jener Führer des Sozialismus hat Recht, der mit aller Offenheit erstarre:
„Christentum und Sozialismus vertragen sich so wenig wie Feuer und Wasser."
Und dabei gibt es noch Katholiken, die, wie S. Chrysostomus sagt, immer noch schlafen und schnarchen! Die noch dem Sozialismus nachlaufen und im Wahne befangen find, sie könnten Sozialisten oder Kommunisten fein und dabei noch gute Katholiken bleiben! Noch mehr. Einer jener kommunistischen Redner auf dem Kongreß der Gottlosen, hat den Mund ganz voll genommen und in die Welt hinausgerufen: „Groß ist der Sieg des Bolschewismus; denn fast die ganze Jugend hat alles religiöse Empfinden verloren!"
Seht ihr, diese Führer lassen die Katze aus dem Sack. Offen und frei sagen sie heraus, daß Kommunismus und Religionsfeindlichkeit ein und dasselbe ist.
Also machen wir die Augen auf und erkennen wir die Zeichen der Zeit. Machen wir die Ohren auf und hören, wie viel Uhr es geschlagen hat. Steht auf zur Wahrung des größten und heiligsten Gutes, zur Wahrung der Religion.
Der Talpfarrer.
St. Vinzenz von Paul.
Aus dem Leben des hl. Vinzenz von Paul ei> zählt uns heute Alban Stolz, wie Vinzenz in Gefangenschatt kam und wie er einen Türken zum Christen machte.
Vinzenz hatte einstmals eine Geschäftsreise zu machen; ein Edelmann machte ihm den Antrag, zu Schiff mit ihm zu fahren. Da Vinzenz Geld und Zeit dadurch ersparen konnte, nahm er das Anerbieten an. Als sie aber auf dem Meer waren und ganz guten Wind hatten, machten auf einmal drei türkische Raubjchiffe einen Angriff auf