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Ü Beilage zum Donifatiusboten

Ilr. 28.

Sonntag, den H. )uli

1929.

Dis MèseburgkapeLe niedergebrannt

Bei einem schweren Gewitter, das am 4. Juli über das Fuldaer Land zog, schlug der Blitz in den Turm der Gangolf-Kapelle auf der Milseburg. Der Blitz zündete und das ehrwürdige Heiligtum wurde ein Raub der Flammen. Da der Altar keinen Ta­bernakel hat, und die Paramente in Kleinsassen aufbewahrt werden, so fiel nur die schlichte Innen­ausstattung mit den Statuen und Stationen und dem kleinen Holzaltar dem Feuer zum Opfer. In den allgemeinen Jammer um das so plötzlich zer­störte Heiligtum mischt sich gleich der Wille und das Gelöbnis, die Milseburgkapelle so rasch als mög­lich und in neuer Schönheit erstehen zu lassen. Schon sind die ersten Opfer und Stiftungen dafür gemacht. Wer mithelfen will, sende seine Gabe an das dankbare Pfarramt Kleinsassen (Postscheck­konto Kath. Kirchengemeinde Kleinsassen Fulda­

Land, Nr. 82 498).

Der Milseburgpfarrer Ludwig Nüdling hat alten Milseburg-Kapelle folgenden letzten Gruß widmet:

Ich frage nicht, wie mancher feilen Spottes,

Warum ein Blitz dich jählings durft' verderben.

Es muß am Ende jeder Diener Gottes

Auf die und jene Weise einmal sterben.

der ge-

Soll ich dein letztes Lebenswerk bedauern, Weil du den Feuerstrahl doch aufgefangen, Der sonst vielleicht, ganz nahe deinen Mauern Durch junge Herzen tödlich wär' gegangen?

Verarmt im Krieg, mit morschgewordnen Wänden, ..Darfst du wie Simeon in Frieden scheiden 'Schon steht das Volk um dich mit hundert Händen, Um deine, nackten Schultern neu zu kleiden.

Wenn noch der Glaube glüht, der dich gemauert, Der Geist noch lebt, den du am Werk gesehen, ^"ll bald aus allem Schutt, der dich umtrauert, ' neues Heiligtum dem Herrn erstehen.

Wer hilft den Stein von deinem Grab mir wälzen, Daß froh du auferstehst in Pracht und Prangen. Am Kreuz hängt einer hoch dort über Felsen, Mit offnen Armen Helfer zu empfangen.

A«s der Diszsßs Fulda.

Sanitäfsraf Dr. Scherf-Dad Orb f.

An den Nachwirkungen eines schweren Schlag- oncal(5, den er in Ausübung seines ärztlichen Be­rufes erlitten hatte, starb der bekannte Förderer des Kurbades Orb und Kommunallandtagsabgeord- nete Sanitätsrat Dr. Scherf. Neben feiner um­fangreichen Tätigkeit als Bade-Direktor fand der Heimgegangene noch Zeit, sich den öf­fentlichen Angelegenheiten zu widmen. Vom Standpunkt des Zentrums aus, dem er stets vor­bildlich die Treue hielt, hat er int öffentlichen Leben wichtigen Stetten gewirkt. Lange Zeit war er * In den Parteiorganisationen des Zentrums, na­mentlich auch im Landesausschuß der Kurhessischen Zentrumspartei ;m geschätzter Mitarbeiter. Auch dem letzten wichtigen Reichsparteitag in Köln im Dezember 1928 hat er noch beigewohnt. Das Zen­trum in seinem Heimatkreis Gelnhausen entsandte chn auch als Abgeordneten in den Kommunalland­tag, wo er als sachverständiger Referent über die Landeskrankenhäuser sich allgemeine Beachtung verschaffen konnte. Er war ein gewissenhafter, gütiger Mensch, auf den seine politischen Freunde 'wlz waren. Darüber hinaus wurde er als ein uns .südlicher Werber für die Schönheit des Vor- Spessarts und als Vorkämpfer der Erschließung weiterer Svefsartteile in seiner engeren Heimat M hoch geschätzt. Das zeigte sich anläßlich seiner AeNetzung in Bad Orb am Sonntag, den 7. Juli, ^want und Stadtpfarrer Dehler gedachte , Lebenswerkes des Heimgegangenen. Er dar, wie Dr. Franz Josef Scherf in=

mitten seiner vielfachen Berufspflichten auch sei­nen Gott nicht vergaß und wie sein ganzes Tun im Dienste der Menschen auf Rechtlichkeit einge­stellt gewesen und legte namens der Kath. Kirchen­gemeinde Bad Orb einen Kranz nieder. In reicher Zahl folgten sodann weitere Kranznieder­legungen: Für die Provinz Hessen-Nassau und die Bezirksverwaltung sprach Landeshaupt­mann von Gehren und bezeichnete den Da­hingeschiedenen als einen der besten Söhne des Hessenlandes, der seine ganze Kraft in den Dienst der Allgemeinheft gestellt habe. Das dem Ver­storbenen eigene, liebe persönliche Wesen habe ihn zu einem edlen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes gemacht. Für den Kreis Gelnhausen betonte Landrat Delius das jähe Hinschei­den San.-Rat Dr. Scherfs als einen unersetz­lichen Verlust. Wenn der Verstorbene auch nicht im engeren Sinne an der Verwaltung des Krei­ses mitgearbeitet habe, so habe er sich dennoch all­zeit indirekt für den Heimatkreis eingesetzt, dessen Belange er nicht allein in Spessart, Joß- und Lohrgrund gefördert habe, sondern auch für die Vogelsbergteile bei dem dort geplanten Bahn­bau. Für Arme und Bedürftigkeit habe Dr. Scherf allzeit eine helfende Hand gehabt; in seinem Den­ken und Fühlen war er ein echter deutscher Mann, der in gleichem Maße dem alten und dem neuen Staate in Sachlichkeit zu dienen bestrebt gewesen. Namens des Heimatkreises, sowie des Oberpräsi­denten legte Landrat Delius einen Kranz nieder. Für die städtischen Körperschaften Bad Orbs sprach der neue Bürgermeister Schubert. Namens der Kurhessischen Zentrumspartei und der Zentrumsfraktion im Kasseler Kommunallandtag sprach Rektor Sondergeld -Hünfeld und legte einen Kranz nieder, auf dessen Schleife die Zeu- trumsparte: dem Heimgegangenen ihren letzten Dankesgruß zurief. Lehrer Schwank sprach sür die kath. Schule Bad Orbs. Es schlossen sich an für den Aufsichtsrat der Bad Orb G. m. b. H. dessen Vor­sitzender Drisch, für den Aerzteverein des Krei­ses Gelnhausen Dr. med. Schilling-Gelnhausen, die Kurgäste der HeilstätteKüppelsmühle", die Ortskrankenkasse Frankfurt a. M., derSpessart­bund" (durch San.-Rat Dr. K i h n-Aschaffenburg), die Arbeitsgemeinschaft für die wirtschaftliche He­bung des Verkehrs, derSpessartverein Bad Orb", derKinzigtaler Philisterzirkel im C. V." (durch Prof. Friedr. Müller-Büdingen) und endlich die C. V.-VerbindungenRhenania"-Marburg und Silesia"-Halle, die dem toten Alten Herm Band und Mütze ins Grab legten, und die Arbeiter-Sani­tätskolonne Bad Orb durch ihren Führer Amend.

Fulda. Herr Heinrich Fahr bestand an der Universität Jena das pharmaz. Staatsexamen mit gut, Herr Wolfgang F a h r an der Pädagog. Aka­demie Bonn das Lehrerexamen mit Auszeichnung. Beide find Schüler des hiesigen Staatl. Gymnasi­ums. Polizeimeister Troche bei der Polizei­verwaltung hat an der Höheren Polizeischule in Eiche bei Potsdam die Prüfung zum Polizeikom­missar bestanden. Herr Buchhalter Oskar Nobel konnte auf eine 25jährige Dienstzeit beim städtischen Gaswerk in Fulda zurückblicken.

Papstfeier im Herz-Jesu-Heim. Wie man überall, wo Katholiken wohnen, in diesem Jubiläumsjahre unseres hl. Vaters in Treue und Liebe gedenkt, so wurde am Sonntag auch im Herz-Jesu-Heim eine Papstfeier gehal­ten. Der große Saal war angefüllt von den zahlreichen Insassen des Hauses, denen sich noch eine Anzahl Freunde der Anstalt angeschlossen hatte. Umgeben von Blumen, Blattpflanzen, sowie Fahnen in den päpstlichen Farben war auf der Bühne die Büste Pius XI. aufge­stellt. Die Hauskapelle unter Leitung des Herrn Alt­haus leitete die Feier ein durch die HymneDie Him­mel rühmen des Ewigen Ehre", der ein hübsches Be­grüßungsgedicht, .verfaßt vom Hauslehrer Hofmann, folgte. Der Religionslehrer im Herz-Jefu-Helm, der hochw. Pater Honoratus, begründete die Abhaltung der Feier und begrüßte alle Erschienenen. Die Zupfkapelle des Hauses, dirigiert von Joseph Latsch, erfreute durch anmutige Vorträge. Nachdem ein inhaltreicher Prolog, ebenfalls von Lehrer Hofmann verfaßt, das Herz erfreut

hatte, hielt der hochw. Pater Hippolyt die Festrede. Er wußte viel von der Herzensgute unseres hl. Vaters und von der ihm gewährten Audienz bei feinem Aufent­halt in Rom zu erzählen. Pater Hippolyt, ein bekannter Schriftsteller, konnte dem Papste bei dieser Audienz meh­rere Jahrgänge seiner Zeitschriften überreichen, worüber der hl. Vater sehr erfreut war. Passend folgte der allge­meine GesangDen Gruß laßt erschallen zum ewigen Rom". Ein vom Festredner auf den Jubelpriester mit der Tiara ausgebrachtes Hoch und den Dankgesang mit MusikbegleitungGott, wir preisen deine Güte", schloß die schöne Feier.

Wallfahrt nach dem Maria-Ehrenberg.

Die diesjährige Wallfahrt am Feste Peter und Paul erfreute sich einer besonders regen Beteiligung. Unter den 300 Teilnehmern konnte man erfreulicher Weise besonders viele Männer feststellen. Gegen 10 Uhr vormittags zogen die Wallfahrer in Fulda am Badehäuschen ab. Trotz der glühenden Sonne wurden sie nicht müde in Gebet und Gesang Gott den Herrn zu loben und zu preisen. Nach einigen Pausen gelangte man gegen 6 Uhr abends nach Motten. Unter dem Lied:Auf, Zion, preise deinen König" zog die Wallfahrt in die Pfarrkirche, wo Gelegenheit zur hl. Beichte war.

Um 3 Uhr in der Frühe versammelten sich die Teilnehmer wieder und zogen durch die Fluren Mottens nach dem Berg, der der Muttergottes geweiht ist. Unter dem Gebet des Rosenkranzes ging es langsam von Stufe zu Stufe den steilen Berg hinan. Als die Wallfahrt ' der letzten Muttergottesstatue migfr^i.m^i war, Dimm­ten alle das Lied an:'Nun find wir endlich kommen an". In der hl. Messe empfingen dann sämtliche Teil­nehmer den Leib des Herrn.

Nach einer Erholungs-Pause wurde eine kurze Schlußandacht gehalten. Beim Wegzug erklang das Lied:0 Maria, jetzt ist Zeit, daß man von einander scheid'."

Johannesberg. Am Sonntag nachmittag feierte die Schule im Saale der Gastwirtschaft Auch in Johan­nesberg das Dienstjubiläum von Fräulein Leh­rerin Therese Ditzel. 25 Jahre lang ist sie in vor­bildlicher Weise ununterbrochen an der Schule in Jo­hannesberg tätig gewesen. Die Feier gestaltete sich durch Musik-, Gesang-, Gedichtvorträge, dramatische Äuffüh- rungen, Ansprachen der Vertreter der Kirche, Schule und Eltern, vor allem durch die Teilnahme von 300 Pfarrei­angehörigen sehr eindrucksvoll.

Gersrod (bei Blankenau). Dieser Tage feierte der Auszüger Wendelin Gieß von hier seinen 9 0. Geburtstag. Der Jubilar geht jeden Sonntag zu Fuß zum Gottesdienst nach Blankenau. Herr Gieß, der geistig und körperlich noch frisch ist, liest jeden Tag mit großem Interesse die Fuldaer Zeitung. Wir wün­schen ihm einen angenehmen Lebensabend.

Hünfeld. Der Kurh. Bauernverein hat ab 1. Juli in Hünfeld eine Geschäftsstelle eingerichtet. Das Büro befindet sich im Gasthauszur Krone". Die Sprechzeit ist von 81 Uhr festgesetzt. Geschäftsführer ist Diplomkaufmann August Schüler, bisher Ge­schäftsführer bei der Hauptgeschäftsstelle in Fulda. Da im Juli aber in den einzelnen Orten Sprechtage abge­halten werden, ist der Geschäftsführer nur Mittwochs und Samstags zu Hünfeld sprechen. Die Sprechtage werden bekanntgegeben.

Obernüst (Kr. Hünfeld). Unser Bürgermeister Konrad Zentgraf konnte dieser Tage ein seltenes Ju­biläum feiern. 40 Jahre lang hat er in guten und schlech­ten Zeiten die Gemeindegeschäfte vorbildlich erledigt. Aus diesem Anlaß brachte ihm die ganze Gemeinde einen Fackelzug, an dem sich auch viele auswärtige Kollegen und der Kriegerverein Schwarzbach beteiligten. Lehrer Weber feierte in einer Ansprache den Jubilar. Land­wirt H a h l i n g-Wallings sprach im Namen des Bau­ernvereins, Bürgermeister B o t t-Schwarzbach für die Bürgermeister der Pfarrei. Der erste Schöffe Karl Flügel überdachte im Namen der Gemeinde ein Ge­schenk. Bürgermeister Rehm-Mahlerts für die Schulge­meinde. Tief ergriffen dankte der Geehrte. Ein ge­mütliches Beisammensein schloß sich in der gewohnter Weise an die Feier an.

Bernbach (Freigericht). 50-Jahrfeier des Gesangver­eins Harmonie. Bei günstiger Witterung nahm die Ge­samtveranstaltung einen äußerst guten Verlauf. Der Jubelverein hatte bereits am vorhergehenden Sonntag in einem schlichten Gottesdienst der Toten und der für das Vaterland gefallenen Vereinskameraden gedacht. Alle Häuser, an denen der Festzug vorüber ging, trugen reichen Fahnen- und Blumenschmuck. Den Auftakt des Festes bildete ein Fackelzug am Samstag abend. An» Sonntag früh begann nach dem Festgottesdienst in de»