Sonntag, den H. Juli $929
39. Zahrg
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig B 45 R^pfenulg (Zustellgebühr extra). Redaktlansschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Colonelzeile im Reklametetl 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Ofs.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.
—-----Druck und Verlag der Fuldaer AcKendruckerel. Verlagsort Fulda. ——
Wochenkalender.
Sonntag, 14. Juli. 8. Sonntag nach Pfingsten. Bonaventura, Kirchenlehrer, f 1274.
Montag, 15. Juli. Heinrich II., Kaiser, Bek., f 1024. Dienstag, 16. Juli. Maria von Berge Karmel. Skapulierfest.
Mittwoch, 17. Juli. Alexius, Bek., f 417.
Donnerstag, 18. Juli. Camillus von Lellis, Bek., t 1614. Symphorosa u. Gen., Mart.
Freitag, 19. Juli. Vincenz von Paul, Bek., f 1660. Samstag, 20. Juli. Hieronymus Aemilianus, Bek. t 1537. Margareta, Jungst., Mart., f 275.
Echter Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. Römer 8,12—17.
Evangelium. Lukas 16,1—9. Der untreue Verwalter.
In jener Zeit trug Jesus seinen Jüngern folgendes Gleichnis vor: „Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Dieser wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere seine Güter. Er ließ ihn rufen und hielt ihm vor: „Was muß ich von dir hören? Gib Rechenschaft von deiner Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein." ^o dachte der Verwalter bei sich: „Was soll ich an« fangen, da mein Herr mir die Verwaltung nimmt? Graben kann ich nicht, zu betteln schäme ich mich. — weiß, was ich tue, damit sie mich in ihre Häuser mfnehmen, wenn ich der Verwaltung enthoben bin. — ließ nun die Schuldner seines Herrn kommen, einen nach dem anderen. Den ersten fragte er: „Wieviel bist M meinem Herrn schuldig?" Er antwortete: „Hundert Muge Del". ,,Nimm deinen Schein," sagte er zu W- »setz dich geschwind hin und schreibe: Fünfzig". cn anderen fragte er: „Wieviel bist du schuldig?" -f^Ewortete: „Hundert Malter Weizen". „Nimm ß schein," sagte er zu ihm, „und schreibe: Achtzig". TV lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug m . habe. — Denn die Kinder dieser Welt sind ttehr mit ihresdleichen klüger als die Kinder des hem ä’ "loch ich sage euch: Machet euch Freunde mit ^ ®#W(f)fen Mammon; dann werden sie, wenn es Wohnungen "^"^^ 9^1' euch aufnehmen in die ewigen
Ist die Kirche armenfeindlich?
5 US dem Munde verbitterter Arbeiter kann man bisweilen die Klage hören: Die Kirche hilft zum Geldsack. Dis Kirchs segnet den Kapitalismus. Die Kirche steht der sozialen Not der unteren Schich- riih^ » - oder indifferent gegenüber. Die Kirche ^helfen "?" ginger, den wirtschaftlichen Nöten ab-
Jft also die Kirche armenfeindlich?
lia? m^, ein Vorwurf ist entweder eine böswil- heit g„euwdung oder eine bodenlose Unwissen- nfpL $ls schlagenden Gegenbeweis hole ich Deutschen Bischof, dessen Andenken am bem/V -'es Monats begangen wird, gerade üs in ■F0 sch ^less Lesung für dich niedsrschreibe. oer hl. Otto von Damberg. In der Legende
von Vogel finde ich darüber folgende anziehende Schilderung:
„Seine Liebe und Mildtätigkeit waren unbegrenzt. Er hatte die Ramen der Armen ausgeschrieben und sorgte für ihren Unterhalt wie ein Vater. Als eine Hungersnot ausbrach, nährte er tausende und ging in die elendesten Hütten, die Leidenden zu trösten, die Kranken zu stärken und die Toten zu begraben. Einmal fand er hinter einem Zaume die schon halb verfaulte Leiche eines Weibes. Er brachte sie mit Hilfe eines Dieners in den Kirchhof und sagte: „Ich will die Verhungerte zu Grabe tragen, die ich hätte am Leben erhalten sollen." Fast alle Speisen, die auf seinen Msch kamen, schickte er den Armen und begnügte sich für seine Person meistenteils mit Wasser und Brot; und selbst davon genoß er niemals bis zur vollen Sättigung. Einst trug man einen sehr kostbaren Fisch auf; aber der Heilige wies ihn zurück mit den Worten: „Ferne sei es, daß der elende Otto an einem Tag so viel Geld verzehre. Geht hin und bringt diesen Fisch den Kranken; ich bin gesund; für mich reicht ein Stück Brot hin." Auch in allen andern Lebensbedürfnissen sah er nur auf das notwendige, nicht aber auf Pracht und Luxus. Er schämte sich nicht, in zerrissenen und wieder ausgebesserten Kleidern zu erscheinen, und als ihm einige Domherren zu verstehen gaben, wie sich solches nicht schicke für einen Mann so hohen Ranges, gab er zur Antwort: „Stört mich nicht in meiner Lebensweise: die Einkünfte des Bischofs find das Almosen der Gläubigen, und man darf sie nicht für eitle Dinge verschwenden."--
Als zweiten Gegenbeweis gegen die Armen- feindlichkeit der Kirchs ziehe ich die Bibel heran. Der Abschnitt der Apostelgeschichte, der gerade heute an die Reihe kommt, verbürgt für immer die Sorge der Apostel und der Kirche für die Armen: „In jenen Tagen, als die Zahl der Jünger an« wuchs, entstand ein Murren der Hellenisten gegen die Hebärsr, daß ihre Witwen bei der täglichen Bedienung zurückgefehk mürben. Da riefen die Zwölfe die Menge der Jünger zusammen und sprachen: „Es ist nicht recht, daß wir das Wort Gottes verlassen und den Tisch besorgen. Darum wählt unter euch, liebe Brüder, sieben Männer aus von gutem Zeugnis, voll des hl. Geistes und voll Weisheit, denen wir dieses Geschäft übertragen! Wir aber werden uns ganz dem Gebete und dem Dienste des Wortes widmen."
Das Wort fand Beifall beim ganzen Volke. Und sie wählten Stephanus, einen Mann von Glauben und vom hl. Geiste, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parme- nas und Nikolaus, einen Proselyten von Antiochien. Sie stellten diese den Aposteln vor; die beteten und legten ihnen die Hände auf. Und das Wort des Herrn verbreitete sich mehr und mehr und immer größer ward die Zahl der Jünger. Auch eine große Zahl von Priestern gehorchte dem Glauben.",^- ^ ■
Soweit der Bericht des hl. Lukas in seiner Apostelgeschichte. Siehst du nun, daß schon die Apostel die Armenpflege eingerichtet und organisiert haben? Mit Recht haben sie die Obsorge für die Notleidenden als einen wichtigen Teil des kirchlichen Lebens betrachtet. Vielleicht kommt dir aber das Bedenken, wie denn überhaupt in der Kirche zu Jerusalem eine Notlage entstehen konnte da doch eine Gütergemeinschaft herrschte? Antwort: das kommt von der Ausdehnung der Christengemeinde, so daß trotz des besten Willens nicht alle Not ausgespürt werden konnte. Das kam auch von der Unzulässigkeit menschlicher Einrichtungen, die immer unter der Unvollkommenheit zu leiden haben. Das kam endlich vom Willen Gottes, der die Augen der Kirche immer schärfen will gegen Not und Elend. Darum das Wort des Heilandes: „Arme werdet ihr allzeit bei euch haben." So kam es, daß manche Armut übersehen oder nicht genügend gewürdigt wurde. Darum das Dèurren; darum die Klage. Haben nun dis Apostel die Sorge für die Armen abgeschüttelt? Nein. Sie haben über das Anliegen beratschlagt, eine Versammlung abgehalten, wirksame Entschließungen gefaßt. Diakons wurden eingesetzt und durch eine eigene Weihe ausgezeichnet, die Augen und Hände und Herzen der Apostel und ihrer Nachfolger sein sollten inbezug auf die Armenpflege.
Jahrhunderte lang blieb die Einrichtung des Diakonates am Leben. Die Diakons gelangten oft zu großem Ansehen und Einfluß. Zur Pflege der Mädchen und Frauen und Kinder wurde dem Diakonat ein weiblicher Zweig angegliedert, die Diakonissen.
Durch das Altertum, das Mittelalter und dis Neuzeit zieht sich die Armenpflege wie eine kostbare Perlenschnur. Während bei den alten Griechen und Römern, trotz ihrer hohen Kultur, die Armenpflege entweder" ganz vernachlässigt oder nur aus kalter Berechnung geübt wurde, um Unruhen und Putschen vorzubeugen, betrachtete die Kirche die Armenpflege als Michl der Religion, Pflicht der Gerechtigkeit und Liebe. Die Kirche besitzt nichts als den Glauben, schreibt der hl. Ambrosius; das sind ihre Einkünfte und Besitzungen. Was sie aber an zeitlichen Gütern besitzt, das dient dem Unterhalt der Armen. Mit beredten Worlen haben allzeit die Bischöfe und Prie- ter die Besitzenden ermahnt, sich der Bedürftigen zu erbarmen. Reichlich flossen auch immerdar die Unterstützungen. Mit dem Zorne Gottes und mit ewiger Verwerfung haben die Prediger die Geizhälse bedroht, während sie den Barmherzigen zeitlichen Segen und himmlischen Lohn in Aussicht stellten. Die Gemeinden und der Staat erkennen in unserer Zeit ebenfalls die Pflicht der Armenpflege- Zuersi ist aber die Kirche auf dem Platz gewesen. Und auch jetzt noch behauptet sie, trotzdem ihr sa viele Stiftungen, Anstalten und Güter entrissen wurden, ihren Platz an der Sonne der Karitas«
D s r T a l x f ar r e. r._