Nk. 25
Sonntag, den 25. 3unt 1929
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig B 45 R--Pfennig (Zustellgebühr extra), Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzelle tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Ofs.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckeret in Fulda fein.
- Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckeret. Verlagsort Fulda. ----- ,
59. Zahrg.
wochenkalen-er.
Sonntag, 23 Juni. 5. Sonntag nach Pfingsten.
Montag, 24. Juni. Fest der Geburt des hl. Johannes des Täufers.
Dienstag, 25. Juni. Wilhelm, Abt., t 1142.
Mittwoch, 26. Juni. Johannes und Paulus, Mart., t 362.
Donnerstag, 27. Juni. 4. Oktavtag des hl. Johannes des Täufers.
Freitag, 28. Juni. Irenäus, Bisch., Mart., Ged. der Oktav und der Vigil der hl. Apostel Petrus u Paulus.
Samstag, 29. Juni. Fest der hl. Apostel Petrus und Paulus. Kollekte für den Pekerspfennig.
Fünfter Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. 1. Petrus 3, 8—15.
Evangelium. Matthäus 5, 20—24, Die Gerechtigkeit des Neuen Bundes.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: »Wenn eure Gerechtigkeit nicht vollkommener sein wird als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, so wertet ihr in das Himmelreich nicht eingehen. Ihr habt Schort, daß zu den Alten gesagt worden ist: „Du sollst acht töten"; wer aber tötet, soll dem Gerichte verfallen A aber sage euch: Wer seinem Bruder zürnt, soll dem Michie verfallen. Wer aber zu seinem Bruder sagt: »Du Verfluchter!", soll dem Hohen Rate verfallen. Und M ihm sagt: „Du Gottloser", soll dem Feuer der wie verfallen. Wenn du also deine Gabe zum Altare und dich dort erinnerst daß dein Bruder etwas l$ h"t' so laß deine Gabe dort vor dem Altare aa geh zuvor hin und versöhne dich mit deinem Vru- dann komm und opfere deine Gabe."
Eine verhängnisvolle, aber lehrreiche Lüge, uf dem fettesten, fruchtbarsten Ackerland wächst dennoch ein oder der andere Stengel von Unkraut. In einem Feld voll schwerer, körnerreicher Aehren findet sich doch eine oder die andere brandige,
v taube. Der Kirschbaum, der sechs finftM ^^"Echsten, süßesten, köstlichsten, fast ^'rschen trügt, zeitigt dennoch einige wuâ^^ ""^ faule Exemplare Warum also sich cuck /\ rvcwum ein Aergerniß ixhmen, wenn tz°m " >£ katholischen Kirche mitten unter den Vw' und Verbrecher das Haupt tr=
iirtu x faule Früchte waren schon in der Ur- bctpV „ Jerusalem zu beklagen. Wir haben ja der TOnku"0^« sicher Frühling der Heiligkeit und die iun» E^tlsikelt unter der Sonne des hl. Geistes unfern ^r^^^ beglückt. Der Teufel, der schon 'uisinnnnr ^"^ltern das Glück des Paradieses "gönnte, streute auch das Unkraut auf den
Acker jener blühenden, glücklichen Christengemeinde zu Jerusalem. Und die Bibel, dieses Buch der Wahrheit, hat kein Blatt vor den Mund genommen, hat keine Schönfärberei getrieben, hat nicht diesen Kehricht zugedeckt. Zu unserer Belehrung und Warnung hat sie vielmehr durch die Feder des hl. Lukas einen Skandal aus der Zeit der Apostel mutig und wahrheitsgetreu berichtet:
Ein Mann mit Namen Ananias verkaufte gemeinsam mit seinem Weibe Saphir« seinen Besitz. Mit Wissen seiner Frau behielt er einen Teil des Kaufpreises zurück; den andern brachte er und legte den Erlös den Aposteln zu Füßen.
Da sprach Petrus: „Ananias, warum hat der Satan dein Herz bestrickt, daß du den hl. Geist belögest und vom Erlös der Grundstücke etwas für dich behieltest? Blieb es nicht dein Eigentum, wenn du es nicht verkauftest? Und wenn du es verkauftest, konntest du nicht frei über den Erlös verfügen? Wie hast du einen solchen Plan in deinem Herzen aushecken können? Nicht Menschen hast du belogen, sondern Gott!" Bei diesen Worten fiel Ananias zu Boden und gab den Geist auf. Junge Männer erhoben sich, deckten ihn zu und trugen ihn zu Grabe.
Cs vergingen etwa 3 Stunden, da kam auch sein Weib herein. Petrus sprach zu ihr: „Sag mir, habt ihr das Grundstück für so viel verkauft?" Ja, für so viel, versicherte sie. Da erwiderte Petrus: „Warum habt ihr euch verabredet, den Geist des Herrn zu versuchen? Siehe, die Füße derer, die deinen Mann zu Grabe trugen, stehen vor der Tür, um auch dich hinauszutragen."
Augenblicklich stürzte "sie zu seinen Füßen nieder und gab den Geist auf. Die jungen Männer traten ein und fanden sie tot. Sie trugen sie hinaus und bestatteten sie neben ihrem Manne. Die ganze Gemeinde und alle, die davon hörten, überkam große Furcht."---
Also eine verhängnisvolle Lüge. Eine Lüge der Tat, eine Lüge in Werken, eine gemeine, bodenlose, niederträchtige Heuchelei. Dieses saubere Ehepaar wollte auch unter die Frommen und Heftigen gerechnet werden; wollte bei Petrus und bei der Gemeinde im Rufe der Frömmigkeit stehen. Wer weiß, wozu man ein solches Renommee brauchen konnte. Vielleicht ließ sich ein Geschäft damit machen. Man gab sich also den Anschein, als hätte man in der Armut, in der Nächstenliebe, in der Nachfolge des Heilandes bereits den höchsten Gipfel erstiegen. In Wirklichkeit krochen diese Leute noch wie Würmer am Boden und waren mit Leib und Seele dem Materialismus ergeben. Oder aus welch anderem Grunde haben sie wohl diese schmutzige Unterschlagung begangen? Weshalb haben sie nicht den ganzen Erlös dem Petrus zu Füßen gelegt, sondern vielleicht nur die Hälfte? Ja, wenn sie gesagt hätten, es sei nur die Hälfte? Wenn sie mit der Wahrheit herausgerückt wären, dann wäre ja alles in Ordnung gewesen. Aber diese verdammte Verstellung! Warum? Weil man der
Sache nicht traute. Man wollte sich eine Hinter» pforte offen lassen. Vielleicht würde die Gütergemeinschaft eines Tages Fiasko machen. Dann hätten sie trotzdem ihr Schäfchen im Trockenen. Darin also bestand ihre Lüge. Und sie war verhängnisvoll. Beiden kostete sie das Leben, vielleicht auch die Seligkeit. Sagt ja die Hl. Schrift: „Der Mund, welcher lügt, tötet seine eigene Seele." Der hl. Augustinus, dèr im Rat der Kirchenlehrer ein großes Gewicht besitzt, ist der Ansicht: Ananias habe mit dem Leben auch das ewige Heil verspielt.
Verhängnisvoll, aber lehrreich ist diese Lüge. Wie kaum eine andere Sünde hat sie den Geruch der Hölle. Satan, der Erzlügner, her Vater aller Lüge, hat sie eingefädelt. Hüten wir uns also vor jeder Unwahrhaftigkeit, nicht bloß in Worten, sondern auch im Benehmen. Hüten wir uns vor der abscheulichen Heuchelei und am allermeisten vor der Heuchelei auf dem Gebiet der Religion, «uf dem Gebiet der Sittlichkeit, auf dem Gebiet der Frömmigkeit. Wir sollen und brauchen die Frömmigkeit, wenn wir sie in Wahrhert besitzen nicht verbergen; noch weniger aber ->ie Frömmigkeit, wenn wir sie nicht besitzen, heucheln. Sonst trifft uns das Verdikt des Heilandes „dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, ihr Herz aber ist weit von mir."
Noch eine Lehre, die im Angesicht des Festes der Apostelfürsten, zeitgemäß und praktisch ist. Der hl. Petrus besitzt in seinem Amte als Oberhaupt der Kirche eine Erleuchtung und Führung des hl. Geistes. Nicht den Petrus als Privatmann, nein, den Petrus als Stellvertreter Christi, als Hirten der Kirche, den Petrus in seinem Amte haben diese verkehrten belogen. Darum sagt ja der hl. Petrus mit solcher Kraft und Strenge: Ihr habt dem hl. Geiste selber gelogen."
Diese Führung durch den hl. Geist ist von Petrus auf seine Nachfolger übergegangen, die Päpste. Die Oberaufsicht über den Schatz der Wahrheit unb Sittlichkeit ist dem Hl. Vater, dem Papste, anvertraut. Darum nennt der hl. Paulus die Kirche „die Säule und Grundfeste der Wahrheit". Ist das nicht für uns Katholiken eine Wohltat? im wüsten Chaos der Meinungen steht die Lehre des Hl. Vaters wie ein goldener, unfehlbarer Wegweiser uns vor Augen. Bringen wir deshalb dem Hl. Vater ein unbegrenztes Vertrauen entgegen. Auch um ein Gebet und ein Almosen für ihn flehe ich dich an. Durch das Gebet der Gläubigen wurde Petrus aus dem Kerker befreit. Das Gebet der Kirche ist für den Hl. Vater ein Schlüssel der Freiheit und eine Festung der Sicherheit. Durch das Almosen wird bar Hl. Vater in den Stand gesetzt, die Religion Jesu Christi mit der Sonne ihrer Wahrheit und dem Balsam ihrer Liebe auf der ganzen Welt zu verbreiten. Und das Christentum, das wahre, echte Christentum ist für den Menschen die größte Wohltat.
Der Talpfarrer»^