Sonntag, den 46 Juni (929
39. Zahrg
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 «.-Pfennig B 45 «.-Pfennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Preise: Colonelzelle im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Coloneizeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.
-----Druck und Verlag der Fuldaer Acliendruckerei. Verlagsorl Fulda. ———
Wochenkalender.
Sonntag, 16. Juni. 4. Sonntag nach Pfingsten.
Montag, 17. Juni. Vom Tage.
Dienstag, 18. Juni. Ephraem, Diakon, Kirchenlehrer.
Marcus und Marzellianus, Brüder, Mart., f 267.
Mittwoch, 19. Juni. Juliana Falconieri, Jgfr., t 1341.
Gervasius und Protasius, Mart., f 80.
Donnerstag, 20. Juni. Silverius, Papst, Mart., f 539.
Freitag, 21. Juni. Aloysius von Gonzaga, Bek., Patron der Jugend, t 1591.
Samstag, 22. Juni. Paulinus, Bischof, Bek., t 431. Ged. der Vigil des hl. Johannes des Täufers.
Vierter Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. Römer 8, 18—23.
Evangelium. Lukas 5. 1—11. Der reiche Fischfang.
In jener Zeit drängte sich das Volk an Jesus heran, um das Wort Gottes zu hören. Er stand am See Ge- nesareth. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen; Ire Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Er stieg in eines der Boote, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Lande abzustoßen. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boote aus. Als er seine Rede beendet hatte, sprach er zu Simon: „Fahr hinaus aus die hohe See und werfet eure Netze zum Fange aus!" „Meister", entgegnete ihm Simon, „die ganze Nacht haben wir gearbeitet und nichts gefangen. Aber auf dein Wort hin will ich das Netz auswerfen." Sie taten es und fingen eine so große Menge Fische, M ihr Netz zu zerreißen drohte. Da winkten sie ihren Gefährten im anderen Boote, sie möchten kommen und ihnen helfen. Diese kamen, und sie füllten beide Boote, io oah fie beinahe versanken. Als Simon Petrus das mH. fiel er Jesus zu Füßen und rief aus: „Herr, geh hinweg von mir, ich bin ein sündiger Mensch!" Denn Staunen hatte ihn und alle seine Gefährten ergriffen an des Fischfanges, den sie gemacht hatten; ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten waren. Doch Jesus sprach zu „'m°n: „Fürchte dich nicht! Von nun an sollst du -vlenfchea fangen". Dann zogen sie die Boote ans Land, "ließen alles und folgten ihm nach.
Die Granifiäule.
me GranUfeele spricht E dem König David, wenn er 'm g^ J die Worte des heutigen Introitus ^^ Der Herr ist meine. Leuchte —-----—«x und mein Heil; men soll
tm. Der Herr ist der Schirmer meines Lebens, r°r wem soll ich zittern? Meine Feinde, die « bedrängen, die sind zu Schanden geworden uno hingestürzt."
. Eine Granitseele war auch den Aposteln der Verkündigung des Evangeliums.
b", die vor Ankunft des hl. Geistes wie iurchtf -leien sich scheu versteckten, die traten nach der -un- “^t des hL Geistes muha miß Löwen in die we -
fentlichkeit. Petrus, der vor einer Magd zusammenknickte wie eine Binse bei einem Luftzug, blieb nun aufrecht wie eine Graniksäule bei einem Orkan.
Lauschen wir auf die Erzählung des hl. Lukas, der uns die Standhaftigkeit und den Vekennermut der Apostel namentlich des hl. Petrus getreulich schildert:
Neidisch auf die Erfolge der Apostel taten sich die jüdischen Priester, die Schriftgelehrten, Pharisäer und Sadduzäer zusammen,. um der jungen Pflanzung der Kirche das Lebenslicht auszublasen. Ohne alle Untersuchung nahmen sie die Apostel gefangen. Am andern Morgen ließ man sie vorführen und stellte an sie die Frage: Im welcher Vollmacht und in wessen Namen habt ihr das getan? Da sprach Petrus, vom hl. Geist erfüllt, zu ihnen: Ihr Vorsteher des Tempels und ihr Aeltesten des Volkes! Wenn wir heute wegen der Wohltat an einem kranken Mann vernommen werden und sagen sollen, durch wen er gesund geworden, so sei euch allen und dem ganzen israelitischen Volke kundgetan, daß dieser Mann im Namen Jesu gesund dasteht, den ihr gekreuzigt habt, den aber Gott zum Leben erweckt hat. Er ist der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der setzt aber $um Eckstein geworden ist.
In ihm allein ist Heil!
Kein anderer Name ist unter dem Himmel den Menschen gegeben, in welchem sie selig werden sollen. —
Als sie den Freimut des Petrus und Johannes wahrnahmen und merkten, daß es ungelernte und ungebildete Leute waren, wunderien sie sich. Sie erkannten in ihnen ehemalige Jünger Jesu. Als sie nun den Geheilten bei ihnen stehen sahen, wußten sie nichts zu entgegnen. Sie hießen sie aus dem hohen Rat hinausgehen. Dann berieten sie miteinander unb sagten: was fangen wir mit diesen Männern an. Daß ein offenkundiges Wunder durch sie geschehen ist, können wir nicht leugnen. Damit aber die Sache nicht noch weiter im Volke propagiert werde, wollen wir es ihnen auf die Seele bin= den, daß sie mit keinem Menschen mehr von diesem Namen reden. — Und sie riefen die Apostel wieder hinein und verboten chnen, je wieder im Namen Jesu zu predigen oder zu lehren!! I —
Da war also Feuer unter dem Dach. Was wird Petrus beginnen? Wie wird er sich aus dieser verzwickten Lage herausziehen? Vorsteher der Synagoge find es, rechtmäßige Obrigkeit des israelitischen Volkes. Behörden von Auktorität, hinter denen der Säbel steht und die Folter und der Kerker und der Tod. Ist es da nicht aussichtslos, sich zur Wehr zu fetzen? Ist es da nicht das klügste, sich zu fügen und sich in Schweigen zu hüllen? Doch diese Klugheit hielten die Apostel für Feigheit und Verrat. Wie eine Granitsäule pflanzte sich jetzt Petrus auf und im vollen Bewußtsein seiner Kraft in Gott gab er die treffende, berühmte Antwort;
„Ob es recht ist ist vor Gott, auf euch mehr zu hören als auf Gott, darüber urteilt selbst: unmöglich können wir von dem schwelgen, was wir gesehen und gehört haben".
Darauf kehrten die Sipofrei zu den ihrigen zurück und berichteten ihnen das Vorgefallene. Bei dieser Kunde erhoben alle einmütig ihre Stimme zu Gott und betete: „Herr, du hast den Himmel und die Erde und das Meer und alles, was darin ist, erschaffen. Du hast durch den hl. Geist aus dem Munde unseres Vaters David gesprochen: Warum toben die Heiden und sinnen Eitles die Völker? Warum empören sich die Könige der Erde und warum verschwören sich die Fürsten wider den Herrn und wider deinen Gesalbten?" — In der Tat haben sich in dieser Stadt Herodes und Pontius mit den Heiden und den Stämmen Israels verbunden gegen deinen hl. Knecht Jesus. Dabei führen sie nur aus, was dein allmächtiger Ratschluß vorausbestimmt hat. O Herr, sieh nun, wie sie drohen! Gib darum deinen Knechten Kraft, daß sie mit allem Freimut dein Wort verkünden. Strecke deine Hand aus, daß Heilungen, Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines hl. Knechtes Jesus! ---
Das nenne ich Freimut; das nenne ich Gottvertrauen. Aus solchem Holze waren die Apostel geschnitzt. Solche Granitfäulen hat aus ihnen der hl. Geist gemeißelt. Und ihre Nachfolger, sind nicht auch viele aus ihnen wie Granitfäulen dagestanden im Kampfe mit Irrlehre, Schlechtigkeit, Staatsübergriffen. Denke an einen hl. Chrysöstomus, dem das Kaisers Günstling Cutropius allerlei Gesetze zu entwinden suchte, die der Würde und Freiheit der Kirche einen Strick angelegt hätten. Er aber sprach: ihr könnt mich aushüngèrn, ihr könnt mich ins Exil schicken, ihr könnt mir das Haupt abschlagen; aber die Freiheit der Kirche lasse ick nicht antasten.
Und war nicht auch der hl. Ambrosius eine solche Granitsäule? Keinem geringeren als dem Kaiser selbst hat Ambrosius ein Halt entgegengerufen. Nachdem der Kaiser in unüberlegtem Zorn ein gräßliches Blutbad unter der Bürgerschaft angerichtet, wollte er bald darauf in festlichem Auf- zug die Basilika betreten und den Leib des Herrn empfangen. Ambrosius aber trat ihm am Portal gegenüber und verlangt von ihm öffentliche Butze.
Und haben nicht auch die Heiligen sich als Gra- nitsäulen erwiesen in ihren Kämpfen für ihre Ueberzeugung, für ihre Unschuld, für. ihren Glauben, für ihre Ideale? Was lesen wir denn in dieser Hinsicht vom hl. Aloysius, dessen Andenken wir am 21. dieses Monats begehen? Wollte nicht der eigene Vater ihn von der Schwelle des Ordens zurückhalten, zu dem die Stimme Gottes so deutlich ihn rief? Aloysius aber rang sechs Jahre mit dem Vater, bis er endlich die Erlaubnis zum Eintritt ins Kloster gab. Und einmal, als Aloysius mit adeligen Standesgenossen in einer Gesellschaft sich befand, führte ein verwelkter Lebemann unsittliche Reden. Die reine Stirne von Zorn gerötet, trat