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Nr. 25

Sonntag, den 9. Juni 1929

39. Iatzrg

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-pfennig B 45 R.-Pfennig (Zustellgebühr extra). Redaktinnsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzelle im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens Im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda fein.

Druck und Verlag der Fuldaer Acliendruckerei. Verlagsoet Fulda.

_ Wochenkalender.

Sonntag, 9. Juni' ~3. Sonntag nach Pfingsten. Ged. der Octav des Herz-Jesu-Festes sowie der Octav des hl. Bonifatius. Primus und Gen., Mart.

Montag, 10. Juni. Margareta, Witwe, t 1093. Ged. der 2 Oktaven.

Dienstag, 11. Juni. Barnabas, Apostel. Ged. der zwei Oktaven.

Mittwoch, 12. Juni. Oktav des Festes des hl. Bonifatius.

Johannes von St. Facundo, Bek., t 1479. Basilides u. Gen., Mart. Ged. der Oktav des Herz-Jesu-Festes. Donnerstag, 13. Juni Antonius von Padua, Bek., t 1231. Felicula, Jgfr., Mart. Ged. der Oktav des Herz-Jesu-Festes.

Freitag, 14. Juni. Oktav des Herz-Jesu-Festes. Basilius d. Gr., Kirchenlehrer, t 379.

Samstag, 15. Juni. Mariensamstag. Vitus u. Gen. Mart., f 303._________

Dritter Sonntag nach Pfingsten;

Epistel. 1. Petrus 5, 611.

Evangelium. Lukas 15, 110. Der Freund der Sünder und Zöllner.

In jener Zeit nahten sich Jesus Zöllner und Sün­der, um ihn zu hören. Da murrten die Pharisäer und Schriftgelehrten und sagten:Dieser nimmt die Sün­der auf und ißt mit ihnen." Da trug er ihnen folgendes Gleichnis vor:Wer von euch, der hundert Schafe be­sitzt und eins davon verliert, läßt nicht die neunund- ueunzig in der Wüste und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und hat er es gefunden, so nimmt er es roll Freuds auf seine Schultern. Kommt er dann nach ^ause, so ruft er seine Freunde und Nachbarn zusam­men und sagt zu ihnen:Freuet euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war. Ich sage ruch: Ebenso wird im Himmel größere Freude sein über einen einzigen Sünder, der sich bekehrt, als über ne»n- undneunzig Gerechte, die der Bekehrung nicht bedürfen. Und zündet nicht eine Frau, die zehn Drachmen besitzt und eine davon verliert, ein Licht an, kehrt das Haus aus und sucht sorgfältig, bis sie die Drachme findet? Hat Ne aber die Drachme gefunden, so ruft sie ihre Freun- onnien und Nachbarinnen zusammen und sagt:Freut euch mit mir; denn ich habe die Drachme gefunden, die L uerloren hatte." Ebenso, sage ich euch, wird bei den ngeln Gottes Freude sein über einen einzigen Sünder, °er sich bekehrt^_________

Gin Volksauflauf am schönen Tor,

; ie Verbreitung des Christentums war wie eine Lawine, die zu Tal saust und alles widerstandslos fortreißt. Nur mit dem Unter­schied, daß die Lawine zerstört, die Religion unseres Heilands lieh r .. aber aufbaut und sowohl die zeit- lörd-nt" ewigen Interessen der Menschen Avnu°i l. , der unerschrockenen Predigt der schuß ^"M ihre Wunder dieser Verbreitung Vor- ihn?n ^/«^S ^^ hin, sprach der Heiland zu ^ranken^"'"^^^^ ^ Evangelium und heilet die

Eine berühmte Krankenheilung erzählt uns der hl. Lukas in seiner Apostelgeschichte mit folgen­den Worten:

Petrus und Johannes gingen um die neunte Stunde zum Gebet in den Tempel hinauf. Da trug man einen Mann herbei, der von Geburt an lahm war. Tag für Tag fetzte man chn an das soge­nannte schöne Tor des Tempels, damit er die Tem­pelbesucher um eine milde Gabe angehe. Als er sah, wie Petrus und Johannes in den Tempel gehen wollten, bat er sie um ein Almosen. Da faßte Petrus, desgleichen auch Johannes, ihn ins Auge und sprach: sieh uns an! Er schaute sie an in der Hoffnung, etwas von ihnen zu erhalten. Petrus aber sprach: Gold und Silber habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: im Namen Jesu Christi stehe auf und gehe umher! Damit faßte er ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich kam Kraft in seine Füße und Ge­lenke. Er sprang auf und konnte stehen und gehen. Er ging mit ihnen in den Tempel, Les und sprang umher und pries Gott.

Alles Volk sah, wie er umherging und Gott lobte. Es erkannte in ihm den Mann, der des Al­mosens wegen am schönen Tore des Tempels ge­sessen hatte, und wurde von Bewunderung und Staunen über alles ergriffen, was mit ihm vorge­fallen war.

Das Volk hielt sich an die Fersen des hl. Petrus und drängte sich ihm nach zur Halle Salomons. Nun wandte sich Petrus zum Volke mit den Wor­ten: Ihr Männer von Israel, was wundert ihr euch über diese Tat, als hätten wir aus eigner Kraft und Frömmigkeit sie getan? Der Gott unsrer Väter hat seinen Sohn Jesus verherrlicht, den ihr vor Pilatus verleugnet habt, als dieser ihn sreigeben wollte. Ihr aber habt einen Mörder freigebeten, den Urheber des Lebens aber habt ihr getötet. Aber Gott hat ihn von den Toten aufer­weckt; davon sind wir alle Zeugen. Der Glaube an diesen Jesus ist es, der dem Kranken Gesund­heit verliehen hat vor euer aller Augen. Aber ich weiß, liebe Brüder, daß ihr aus Unwissenheit ge­handelt habt wie auch eure Brüder. So tut denn Buße und bekehrt euch, damit euch eure Sünden vergeben werden. Dann werden Zeiten der Er­quickung vom Angesichte des Herrn kommen, und er wird euch den für euch vor ausbestimmten Christus Jesus senden. Diesen muß einstweilen der Himmel behalten, bis alles wiederhergestellt ist.

Soweit der hl. Lukas über das Wunder, das Petrus am Lahmen gewirkt hatte. Machen wir einen Augenblick an demschönen Tore" Halt und nehmen einige Lehren mit.

Welch ein Mut des hl. Petrus. Er besinnt sich nicht lange, welche Wohltat er dem Lahmen er­weisen soll. Sobald er nur den erenden Zustand dieses Krüppels bemerkt, durchzuckt ihn der Ge­danke, ihm zu helfen. Heilet die Kranken. Diesen Auftrag des Meisters fühlt er plötzlich sich verwirk­lichen. Das Bewußtsein der Wundermacht schießt

unwiderstehlich durch seine Adern. Gold und Silber habe ich nicht: was ich aber habe, will ich dir geben: im Namen Jesu Christi stehe auf.

Welch eine Bescheidenheit des Apostelfürsten. Er hätte ja die ganze Heilung für sich allein in Anspruch nehmen können. Und doch, er teilt die Ehre und die Anerkennung mit seinem Mitbruder Johannes. Warum staunt ihr uns an, als ob wir aus eigener Macht dieses Wunder gewirkt hätten? Doch auch diese Feststellung genügt seiner Demut keineswegs. Er lenkt die Aufmerksamkeit der gaf­fenden Menge sowohl von sich als auch von seinem Kollegen Johannes ab und legt den Ruhmeskranz dem Heiland auf das Haupt.

Welch eine Wohltätigkeit des Felfenmannes. Petrus erinnert sich an die Praris des Meisters, der immer die Liebe gegen Gott verbunden hat mit der Liebe zu den Menschen; der vorüberging und Wohltaten spendete. Der Mangel an Gold und Silber ist ihm kein Vorwand, sich vom Wohl­tun und der Karitas zu dispensieren. Gold und Silber hat er nicht. Und siehe, er gibt mehr, er gibt die Gesundheit, die Arbeitskraft, die Erwerbs­möglichkeit.

Gerne würde ich Wunder wirken wie Petrus, höre ich dich ausrufen. In der Tat zweifle ich keinen Augenblick daran, daß du so manchen Lahmen, Krüppel, Kriegsinvaliden, so manchen Blinden, Epileptiker, Rheumatiker, Neurastheni­ker, Lungen- oder Herz- oder Magen- oder Nierenkranken mit Vergnügen heilen würdest und umsonst dazu, wenn das in deiner Macht stünde. Doch uns sind die Hände gebunden; die Wunder­kraft blieb uns versagt. Zwar ist das Wunder zu keiner Zeit in der katholischen Kirche ausgegangen und hat jederzeit der kath. Kirche Ehre gemacht und ist auch heute noch nicht außer Kurs gekommen. Wer offenen Auges und ohne die Scheuklappen der Voreingenommenheit sich die Welt ansieht, der ist der Ueberzeugung, daß Wunder auch heutzu­tage vorkommen. Eines aber gebe ich ohne weiteres zu: die Wunder sind seltener geworden. Schon die Kirchenväter haben sich mit diesem Problem aus- einandergssetzt. Höre darüber die Ansicht des hl. Kirchenlehrers Gregorius. Wenn wir ein Bäum­chen frisch gesetzt haben, sagt er, dann muß es oft und reichlich begossen werden. Ist aber das Bäum­chen erstarkt und entwickelt, dann nimmt die Be­gießung ein Ende oder wird seltener vorgenommen. So ist es mit den Wundern. Als die Kirche noch zart und klein war, eben in den Tagen der Apostel, da dienten die täglichen Wunder als Ausweis ihrer Göttlichkeit und als mächtiges Anziehungsmittel in ihre Gemeinschaft. Nachdem aber die Kirch« jetzt erstarkt ist, hat sie die Wunder nicht mehl nötig. Ist denn nicht der Bestand der Kirche, ilp Alter, ihre Unvergänqlichkeit, ihre Jugendfrische ihre Fruchtbarkeit allein schon ein fortlaufendes weithinglänzendes Wunder?

Petrus hat mit seinem Gebet und mit seinem Kirchgang auch das Wohikun verbunden. Das ist