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Sonntag, den 2. Juni §929
39. Zahrg
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig B 45 JL-Pfennig (Zustellgebühr extra) Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Pretse: Colonelzette im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Oss.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda jein.
-----Druck und Verlag der Fuldaer AcNendruckerei. Verlagsort Fulda. ———
Wochenkalender.
Sonntag, 2. Juni. Sonntag in der Fronleichnamsoktav. Marcellinus u. Gen., Mart., t 304. Kollekte für den Bonifatiusverein.
Montag, 3. Juni. 5. Tag in der Oktav von Fronleichnam.
Dienstag, 4. Juni. 6. Tag der Oktav von Fronleichnam. Franziskus Caracciolo, Bek., 1608.
Mittwoch, 5. Juni. Bonifatius, Apostel der Deutschen. 1. Patron der Diözese Fulda, f 754.
Donnerstag, 6. Juni. Oktav von Fronleichnam. Norbert, Bek., f 1134.
Freitag, 7. Juni Fest des hl. Herzens Jesu.
Samstag, 8. Juni. 2. Tag der Oktav des Festes des hl. Herzens Jesu. Ged. dèr Oktav des hl. Bonifatius.
2. Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. 1. Johannes 3, 13—18.
Evangelium. Lukas 14, 16—24. Das Gleichnis vom großen Gastmahl.
In jener Zeit trug Jesus den Pharisäern folgendes Gleichnis vor: „Ein Mann veranstaltete ein großes Gastmahl und lud viele dazu ein. Als die Stunde des Mahles gekommen war, sandte er seinen Knecht aus und ließ' den Geladenen sagen, sie möchten kommen, alles stehe bereit. Da fingen alle insgesamt an, sich zu entschuldigen. Der erste sagte zu ihm: „Ich habe ein Landgut gekauft und muß hingehen und es besichtigen. Ich bitte dich, sieh mich als entschuldigt an! Ein an= derer sagte: „Ich habe fünf Ochsen gekauft und gehe hw, sie zu prüfen. Ich bitte dich, sieh mich als entschul- d-gt an". Ein dritter sagte: „Ich habe mir eine Frau genommen und kann deshalb nicht kommen". Der Knecht ,am zurück und berichtete dies feinem Herrn Da ward dtt Hausvater zornig und sprach zu seinem Knechte: „Geh schnell hinaus auf dis Straßen und Gasten der Stadt und hole die Bettler und Krüppel, die Blinden und Lahmen herein!" Der Knecht meldete: „Herr, cs M geschehen, wie du befohlen hast. Aber es ist noch ^latz da". Da sprach der Herr zum Knechte: „Geh hin- uus auf die Landwege und an die Zäune und dränge alle hereinzukommen, damit mein Haus voll werde." y’i luge euch aber, von jenen Männern, die geladen waren, soll keiner von meinem Mahle kosten.
3m Rosengarten der jungen Ktr^e.
ie ein Garten im Frühling, wenn warme Winde über die Wete streichen, wenn müder R g zur rechten Zeit das Gr tränkt, wenn tausende von ^ sen dem Lichte h$. olM n stummer, seliger Pracht, so prangte die wnge uncyc unter dem Wehen des hl. 'Stiftes, unter du ten der Feuerzungen, unter der Leitung der st el, Unter dem Schutzmantel der Gottesmutter.
Ein Hochgenuß ist es, der Erzählung des hl. Lukas darüber zu lauschen, die herrlicher klingt als jeder Roman,
„Es beharrten die Christen in der Lehre der Apostel, in der brüderlichen Gemeinschaft. im Brot- brechen und im Gebete. Furcht ergriff alle Herzen. Zudem geschahen durch die Apostel in Jerusalem viele Zeichen und Wunder; und so herrschte allgemein große Furcht. Die Gläubigen standen aber alle zusammen und hatten alles gemeinsam. Ihr Hab und Gut verkauften sie und verteilten den Erlös unter alle, wie ein jeder es bedurfte. Täglich verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in den einzelnen Häusern das Brot und genossen ihre Speise in Freudigkeit und Herzenseinsalt. Sie prie- sen Gott und waren beim ganzen Volke beliebt. So führte ihnen der Herr täglich neue zu, die sich retten ließen."
Ja, wundersame Rosen glühten und prangten in diesem Wonnegarten, der den Wettbewerb mit dem Paradies gut bestanden hätte. Uno die erste und schönste Rose war die Golkesliebe. Ihr Gott war der Heiland, den viele aus ihnen noch persönlich gekannt hatten, den viele aus ihnen gesehen und gehört hatten. Eine Zeitlang verblendet durch die Umtriebe der Pharisäer, standen sie auf der Seite derer, die im Borhof des Pilatus die fürchterlichen Worte schrieen: „Ans Kreuz mit ihm!" Jetzt aber war ihnen unter den lichtvollen Worten des Apo- stelfürsten die Ueberzeugung aufgedämmert, daß dieser verleumdete, geschmähte, gekreuzigte Jesus der größte Wohltäter der Menschen war, Erlöser und Gott ist, Herr und Richter. Ihm schlugen jetzt ihre Herzen in frischer, opfermutiger Liebe entgegen. O wie dürsteten sie, den Herrn Jesus immer besser kennen zu lernen. Darum wurden sie nicht müde, auf die Predigt des Petrus, des Iohannes, des Jakobus und der andern Apostel zu lauschen, sogen jedes ihrer Worte begierig ein und suchten die Liebe zu Jesus ins Leben umzuformen.
Darum auch eine beispiellose Hochschätzung der heiligsten Eucharistie. Verharrten sie ja in der „fractio panis", im Brechen des Brotes. Im Coe- naculum und in Prunksälen der Stadt errichteten sie Altäre. Da brachten die Apostel das Opfer des neuen Bundes dar. Da empfingen sie aus ihren Händen das Brot des Lebens, das Heldenblut zu erzeugen vermag. Da oblagen sie auch dem gemeinsamen Gebete, dem hl. Offizium, den Tageszeiten, wie sie schon in der Synagoge üblich waren. Die Christengemeinde zu Jerusalem war eine liturgische, eine eucharistische Gemeinde. Sollte dieser Gedanke nicht eben gerade jetzt, 'm der .Fronleichnamswoche, unserer eucharistischen Einstellung einen neuen Impuls, eine neue Frische, einen neuen Aufschwung geben? Besuche nach Möglichkeit die Oktavmessen und Oktavandachten; bemühe dich um den eucharistischen Segen; schreite mit Glauben und Verlangen zum Tische des Herrn.---
Und noch eine andere Rose sehe ich glühen und prangen im Garten der jungen Kirche: die Räch-' ' stenliebe. Würden wir unsern Bericht nicht der Bi
bel entnehmen, dieser reinen, unverfälschten Geschichtsquelle, dieser so nüchternen und sachlichen Chronik, wir wären zur Ansicht geneigt, es würde uns ein Schlaraffenland gezeigt, ein Roman beschrieben, ein Luftschloß vorgezaubert. Doch nein! Wir haben es mit Tatsachen, wir haben es mit der Wirklichkeit zu tun. Und wie hat diese ausgesehen? Es war unter den ersten Christen Gütergemeinschaft. Es war unter den ersten Christen — erschrecket nicht! — Kommunismus; Es verkauften ja die Besitzenden, die Grund- und Häuserbesitzer, die Kapitalisten, ihr Eigentum und verteilten alles unter die Bedürftigen. Und welches war der Verteilungsschlüssel? Einzig und allein die Bedürftigkeit. Dieser Kommunismus war nicht staatsfeindlich; dieser Kommunismus war nicht gottesfeindlich; dieser Kommunismus war nicht freiheitsfeindlich. Dieser Kommunismus war der Ausdruck einer intensiven, gesteigerten, radikalen Gottesliebe, die in jedem Menschen den Bruder Christi erkennt. Dieser Kommunismus war staatsbildend und gab der ganzen Stadt Jerusalem das Gepräge der Brüderlichkeit und Eintracht. Dieser Kommunismus fußte auf dem Prinzip der Freiwilligkeit und war von aller Gewalttätigkeit und von allen drakonischen und blutrünstigen Akten weiter entfernt als die Sonne von der Erde.
Und diese Rose der Gottesliebe und der ,Nächstenliebe war betaut von einer großen Herzlichkeit, Heiterkeit und Fröhlichkeit Da war kein grimmiges Gesicht, keine sauertöpfische Miene, keine verdrießliche Falte. „Sie genossen ja ihre Speise in Freudigkeit und Herzenseinfalt". Siehe da ein Zeichen der wahren und echten Gottesminne, ein Zeichen echte.', ungeheuchelter Religion. In den Mauern einer süddeutschen Stadt begeht man in diesen Tagen eine großes Sängerfest. Auf dem Plakat, das an den Schaufenstern prangt, sieht man die Gestalt des Sängers David. Er spielt die Harfe und hat ein so vergnügtes, verklärtes Gesicht. daß es jedem Beschauer wohltut. Siehe, das ist das Bild der wahren Religion. „Dienet dem Herrn mit Freude", hören mir eben diesen König David ausrufen. Unter den Vorsätzen des Paters Doyle, der auf dem Feld der Ehre den Heldentod gestorben ist, lese ich auch folgenden, den ich dir zum Beschluß dieser Lesung besonders empfehle: „Der Herr will, daß ich ihm alles, was ich geben kann, freudig gebe, ohne mich je über ein Opfer zu beklagen." Der Talpfarrer.
Der Geist der Herz-Zesu-Kndacht.
Was ist die Herz-Jesu-Andacht? Was ist ihr tiefster Kern?
In den Büchern über die Herz-Jesu-Andacht heißt es vielfach: das Herz ist uns Menschen das Symbol der Liebs; wir verehren darum unter dem Bilde des Herzens Jesu die Liebe Christi zu uns. Das ist richtig, aber man tut Unrecht, wenn man das Herz Jesu nur als Symbol der Siebe