Ausgabe 8
Krjl
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennlg B 45 7L- Pfennig (Zustellgebühr extra) Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Lolonetzeile tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Ted. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im B »er Fuldaer Actiendruckeret in Fulda se n.
-----Druck und Verlag der Fuldaer Activ. ruderet. Perlagsort Fulda. ——
Sonntag, 28. april <929
Wochenkalender.
Sonntag, 28. April. 4. Sonntag nach Ostern. Paul vom Kreuz, Bek.; Vitalis, Mart.
Montag, 29. April. Petrus, Mart., t 1252.
Dienstag, 30. April. Katharina von Siena, Jgfr., 1 1380.
Mittwoch, 1. Mai. Philippus und Jakobus, Apostel. Walburgis, Jgfr.
Donnerstag, 2. Mai. Athanasius, Kirchenlehrer t 373.
Freitag, 3. Mai. Auffindung des hl. Kreuzes. herz-Jefu- Ireikag. Alexander I., Papst, Mart. u. Gen.
Samstag, 4. Mai. Monica, Mutter des hl. Augustinus, t 387. Godehard, Bisch., Bek.
vierter Sonntag nach Ostern.
Epistel: Jakobus 1, 17—21.
Evangelium: Johannes 16, 5—14, Das machtvolle
Wirken des Heiligen Geistes.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Ich gehe zu dem, der mich gesandt hat, und keiner von euch fragt mich: Wohin gehst du? Vielmehr ist euer Herz voll Traurigkeit, weil ich euch das gesagt habe. Allein ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, daß ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, kommt der Tröster nicht zu euch; wenn ich aber hingehe, will ich ihn euch senden. Und wenn er kommt, wird er der Welt deutlich zeigen, daß es eine Sünde gibt, eine Gerechtigkeit und ein Gericht: Eine Sünde, weil sie an wich nicht glaubt: eine Gerechtigkeit, weil ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr sehen werdet; ein Gericht, weil der Fürst dieser Welt schon gerichtet ist. Noch vie- ies hchte ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt noch nicht tragen. Wenn aber jener Geist der Wahrheit kommt, wird er euch alle Wahrheit lehren. Er wird nicht aus sich reden, sondern was er hört, wird er reden, und was zukünftig ist euch verkünden. Er wird wich verherrlichen; denn er wird von dem Meinigen nehmen und es euch verkünden."
Unseres Herrn Triumphzug
« er Tag der Himmelfahrt unseres M Herrn ist nicht mehr fern. Sankt
Lukas beschreibt den Triumphzug ä unseres Heilandes in feiner Apw ^ stelgefchichte mit folgenden Worten :
Nachdem der Herr seinen Apollen die Ausgießung des hl. Geistes angekündigt, durch dessen Kraft sie Zeugen ihres Meisters m 'J&ntfalem, Judäa und Galiläa werden sollten, fuhr vor ihren Augen empor, und eine Wolke ent- ri dte ihn ihren Blicken. Während er so dahin- mhr und sie unverwandten Auges zum Himmel wollten, siehe da standen bei ihnen Zwei 211 öpä» !" weißen Kleidern, die zu ihnen spräche^ Ä männer von Ealiäa; was steht ihr da und ften et H mel-empor? Dieser Jesus, der von,euch in chen Himmel ausgenommen wurdet wird wiederkommen, wie ihr ihn habt auffahren
Wie herrlich muß dieser Triumphzug unseres v Landes gewesen sein. Redet mir nicht von den
römischen Imperatoren, die inmitten ihrer Legionen, von Gefangenen umgeben, durch die geschmückten Tore der Stadt Rom ihren Einzug gehalten haben. Ist nicht das kaiserliche Rom der alten Tage in Trümmer gesunken? Christus aber, der Sieger über Tod und Hölle, ist in den Himmel eingezogen, dessen Herrlichkeit kein Ende nimmt. Auch die Gefangenen haben nicht gefehlt. Doch diese schritten nicht gedemütigt und traurig einher, der Sklaverei oder des Todes gewärtig; nein; mit froher Miene schwebten sie an der Seite Jesu und zogen mit ihm in die Freiheit des Himmels als Mitbürger und Genossen des Herrn. Und was ist der Jubel der römischen Bevölkerung gegenüber dem Jubel der Millionen von Engeln, die ihren Herrn abholten und in seinen Palast begleiteten?
So wollen auch wir auf diesen Tag uns freuen und mit dem Herrn, mit den Engeln, mit der gan-
zen
Kirche jubeln und frohlocken.
Gott steigt empor im Jubelsaug Und mit Trompetenschall der Herr. Singt unserm König, singt!
König ist der Herr über alle Lande.
Singt herrlich! (Pf. 46.)
Und welche Gründe haben den Heiland bewogen, diesen Triumphzug zu halten und in den Himmel aufzufahren?
Er wollte seine Verheißung erfüllen. Denn ich fahre auf, sprach er, zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.
Er wollte den hl. Geist ausgießen. Denn es ist euch nützlich, daß ich hingehe zum Vater, sprach er zu den Aposteln, denn wenn ich nicht hingehe, so werde ich den Geist nicht senden; wenn ich aber j hingegangen sein werde, werde ich euch diesen göttlichen Tröster senden. Dieser wird euch an alles erinnern, was ich gesagt habe und wird bei euch sein in Ewigkeit.
Er wollte uns den Weg zeigen, den auch wir nehmen werden, wenn wir an ihn glauben, seine Gebote halten, seine Gnadenmitte! anwenden, unser Kreuz tragen. Dieser Glaube an Christi und unsere eigene Himmelfahrt besitzt eine wunderbare Kraft und Wirkung. Hören wir darüber den hl. Papst Leo, den beredten Kirchenlehrer:
„Christi Himmelfahrt ist auch unsere Himmelfahrt. Wohin das Haupt aufgestiegen ist, dahin wird auch der Leib aufsteigen. Darum, Geliebteste, wollen wir frohlocken in geziemender Freude und dem Herrn fröhlichen Dank sagen. Denn an der Himmelfahrt des Herrn sind wir nicht bloß Bürger des Paradieses geworden, sondern haben auch mit Christus die Höhen des Himmels durchdrungen. Diesen Glauben, der gefördert ist durch des Herrn Himmelfahrt, der gestärkt ist durch das Geschenk des hl. Geistes, vermochten nicht Kerker nicht Banden, nicht Vertreibung aus der Heimat, nicht Hunger, nicht Feuer, nicht das Zerreißen durch wilde Tiere, nicht die ausgesuchtesten Tor- 1 turen und Qualen zu erschrecken. Für diesen Glau- j
ben haben auf dem ganzen Erdkreis nicht allein unerwachfene Jünglinge, sondern auch zarte Jungfrauen bis zur -Vergießung des Blutes gesümpft."
Diesen Himmel, diese Seligkeit, dieses unbeschreibliche, ewige Glück, diese selige Wohnung beim Heiland, bei den Engeln und Auserwählten zu erlangen, das muß unsere Parole, unsere einzige Aufgabe sein.
Ganz allein die Sünden könnten uns daran hindern. Denn, so sagt der hl. Augustin, mit dem Herrn kann nicht zum Himmel steigen die Habsucht, die Unzucht, nicht die Ehrsucht; kein Laster steigt mit unserm Arzt zum Himmel. Wenn wir also mit unserm Arzt aufsteigen wollen, so müssen wir unsere Krankheiten und Laster ablegen.
Wie steht es aber mit so manchen bösen, verdorbenen Neigungen, die wir noch in uns verspüren? Wenn wir dagegen kämpfen, können sie unsern Gang zum Himmel nicht aushalten; im Gegenteil: sie bringen uns vorwärts und leisten uns Hilfe. Hören wir darüber den nämlichen Kirchenlehrer St. Augustin: „Steigen wir dem Heiland nach zum Himmel empor trotz unserer Fehler und Leidenschaften. Wenn nämlich ein jeder von uns sie zu unterjochen trachtet, wenn er sie zu zertreten sich angewöhnt, so macht er sich daraus eine Stufe, auf der wir aufwärts steigen. Die Fehler werden uns erheben, wenn sie unter uns sind. Aus unsern Fehlern laßt uns eine Leiter machen, indem wir die Fehler zertreten."
Zum Himmel zu steigen können uns nicht hindern unsere Leiden, Krankheiten, Armut, Trübsale. Es gibt ja keinen besseren Himmclsschlüssel als das Kreuz. Was sagt doch der hl. Paulus, der selber durch die Wasser der Trübsale hindurchging? „Die j Leiden dieser Welt können gar nicht in Vergleich kommen zu der Größe der künftigen Herrlichkeit. Und wenn wir geduldig mit Christus leiden, dann werden w'r auch mit ihm einst uns freuen.
Auch die Freuden dieser Welt sollen unsern Flug zum Himmel nicht beeinträchtigen. Als die hl. Monika, Augustins fromme Mutter; deren Andenken wir am 4. Mai begehen, auf das Krankenlager kam, sprach sie zu ihrem Sohn: „Mein Sohn, für mich hat nichts auf der Welt mehr einen Reiz. Was tue ich nod) hier?"
Freuden und Leiden, Kämpfe und Mühen, Martern und Tod sind nichts im Vergleich zum Himmel. Dnim sei auf die Schwelle der Zukunft abermals der Vorsatz gelegt:
Das hab' ich mir vorgenommen: in den Himmel will ich kommen;
Mag es kosten, was es will: für den Himmel ist nichts zu viel.
Der Burgxfarrer.
Zum Fest des heiligen peter Kanifius am 27. April.
Durch die Länder Deutschlands wogte der Sturm der Reformationszeit. Am 8. Mai 1521 wurde in