Ihr Jüngster.
Von Johannes y e I b nt a tt tt
III.
«Schluß.»
Mar entwickelte sich. Das kleine Jüngelchen war so gefällig und eifrig, so schlau und gewitzt! Nie gab er Geld zuviel heraus, höchstens zu wenig. Der trieb unbewußt schon Kundenpjychologie! Kam ein feiner Herr oder eine elegante Dame mit heite- erm Gesicht, so nahm er anstandslos ihnen einige Goschen zuviel ab; kam aber jemand mit ängstlicher oder saurer Miene, jo trat er zaghafter und entgegenkommender auf, ermäßigte die Preise aufs Möglichste und wurde auch gut mit ihnen 'ertig. Wenn er dann den Kunden „eingewickelt" und höflichst zur Tür hinauskomplimentiert hatte, lachte er lustig. Sein Herr drohte ihm dann lächelnd mit dem Finger: „Junge, nicht so tollkühn! Daß du mir die Kundschaft nicht verdirbst!"!
»Nur keine Angst, Herr Prinzipal! Ich kenne meine Pappenheimer!" —
Max war noch keine vier Wochen da, als er seine Führernatur herouskehrte. Er wurde außerordentlich keck und frech. Eines Tages machte er wieder eine schnoddrige Bemerkung gegen den Chef. Da erhielt er als Quittung eine Maulschelle. Wütend und unter heftigem Protest verlies er den Ort seiner Schmach und lief zu Muttern. Die renkte die Sache mit Ach und Weh wohl wieder ein, indem sie die sonstigen Vorzüge des Jungen derb unterstrich und sein Vergehen entschuldigte, aber Maren; Ansehen hatte einen gewaltigen Stoß erlitten Baid erwischte der Kommis Max auch beim Naschen. Zud"m fehlten hin und wieder einige Zigaretten und Zigarren sowie kleinere Geldbeträge in der Kasse, und eines Tages wurde er abgefaßt, we er eine Mark in der Tasche verschwinden ließ. Eine Ohrfeige waote der Chef nicht wieher, aber bodingungsiose Entlassung war die Folge. Frau Henck wurde diesmal gar nicht mehr vorgelassen. Die arme Frau weinte, nicht so sehr über den Fehltritt ihres Max, als über die Hartherzigkeit der Menschen und versuchte es nun auswärts mit ihm. Max hielt sich länger; er war gerissener geworden. Der Chef merkte wohl, daß es manchmal nicht stimmte, aber er konnte dem Bengel nicht beikom- inen. So wurde Max mit mittelmäßigem Zeugnis Kommis
Seitdem iah ihn die Mutter öfter daheim, als ihr lieb war. Er wechselte, als ob er gesundheitshalber alle vier Wochen eine Luftveränderung brauchte. Oft verschwand er dann bei Nacht und Nebel wi"der, wie er gekommen war. Dazu hatte er allen Grund; denn Frau Henck fand des Morgens ihre Kasse wesentlich erleichtert. Dann kam die erste gerichtliche Strafe: acht Tage Gefängnis Oh, biete Schande Die unglückliche Mutter glaubte es nicht mehr nt überleben, mußte jedoch noch viel mehr erleben. Sie sah ihren Sohn auf der Anklagebank als entlassenen Zuchthäusler, als stellenlosen Wandersmann, als Vaganten auf der Landstraße, der nur noch für Schnaps und Zigarren betteln ging Zuletzt kam er krank und verelendet beim und legte sich 3um Sterben nieder. Seine Reue kam Für diese Welt zu spät, auch das Bekenntnis feiner kleinen Jugendschier. denen er fern Unglück zu danken hatte und die er nun seiner Mutter reuvoll gestand.---—
Selten wird das einzige Kind richtig erzogen, selten auch ein hübsches, intelligentes Nesthäkchen.
[Es sind vielmals verwöhnte Lieblinge, denen zu- I viel nachgesehen wird, von denen die blinden Eltern zu eingenommen sind. Die Folge ist, daß sie ! leicht mißraten und die üble Nachsicht mit Schande entgelten.
vom HiUfensberge zur Mrche in Effelder.
Von Albert Weber.
Wie ost schon stieg ich vom schönen Werraiale hinauf zur schöneren Bergwelt des Eichsfeldes. Es ist, als ob die ewigen Riesen mit ihren steilen Hängen und bewaldeten Häuptern mich'lockten und mir winkten, jo ost ich nur die Augen zu ihnen erhebe. Da oben ist schweigende Größe und mannigfaltige Abwschflun«, ein versunkenes Srlbstwimess'n v d trunkenes Schauen zu finden, die reichlich für die kleine Mühe des Aufstiegs entschädigen. Es ist ein Aufstieg, nicht nur des Körpers, sondern vor allem d-s Geistes, d»in die Berge von ihrer Ewigkeit und Erhabenheit gleichsam mitteilen, auf daß er sich frei "vd leicht wie ein Vogel mit Adlerfittichen über d'e Kleinigkeiten und Kleinlichkeiten dieser Welt erhebe un- 'm cuznu^n schwebe.
■ Die Eichsfelder haben daher recht daran getan, sich auf dem Hülfensbergs ein Nationalhetligtum zu begründen. So mancher Freigeist draußen in der Welt behauptet: »Ich verehre meinen Gott in b^r freien Natur!" Wohl, da oben kommt er zu seinem Recht» und könnte beiher noch nach Cbristsn- art seinen Gott im Tempel anbeten, ohne dadurch seine Andacht einzubüßen. Vielleicht geht ihm da- bei bt* rin L'^ t auf über den Wert >>nd Zw»ck der christlichen Kunst, die auch in der Wallfahrtskirche eine sorgsame Pflegestätte gefunden hat.
W!» oft ich aber auch von den verschiedenen Aussichtspunkten ins weite Land geschaut habe, jedesmal zog mich im Nordosten auf gigantischer ^âh» ein aufstrebender Bau in seinen Bann: Die Kirche in Effelder mit ihrem hohen Turme. Meine Sehnsucht nach dem unbekannten Höhenaoltes bause wuchs immer mehr, und ein-'S Tn-w« nahm ich mir fest vor, über den Hülfensberg dorthin zu marschieren.
Der Abstieg vom Hülfeirsberge nach Osten hin hat i^mer etwa« für sich: Strenge Abgeschiedenheit, Wald und Feld im reichem Wechsel und reb lende Av«stcb^n n«ch„. t?erW»h»n«n — Wind im Rücken, ging es leicht hinab. Bald winkte das stille Düringsdorf und weiterhin der Mhu . stein mit feinem schöllen Wakdbestande. 3m Osten m."chte Lengenfeld mit dem Bischofsteine auf. 3n Höhe des Feldweges nach Döringsdark fällt links der Wm steil ab zum Herrentale mit feiner bunt» len Schlucht, während der Bahnhofsweg nach Osten abbiegt
D-'r Frühling war schon etnaeaoaen und rüstete zur Tat!" Es knisterte in den Zweigen der Kiefern von aufspringenden Knospen. Palmkätzchen nickten am Wege, und die Wilddornzweige zeigten die ersten grünen Spitzen. Finken schlugen im Walde "nd in der Ferne rief der Kuckuck seine zw-i Silben in Sangesfröhlichkeit, so wie sie ibm der Schöpfer eingegeben bat. Da lag Geismar im Tale vor mir. Ein liebliches Panorama, dieses stattliche Dorf mit seinen vielfach neuen Häusern, umrahmt von grünen Saatfeldern und Wiesen. Ueber den Bahnhof hin senkt der Weg zum Tunnel in Ve Friedensebene. Bald stand ich am Einflüsse der
Lutter in die Frieda und verfolgte nun das Tal der Lutter bis zur Entenmühle. Wilhelm Mu'.- lers, von Schubert so innig vertonten Müllerlieder falen einem da ein und Mendelssohns:
Wißt ihr, wo ich gerne well
In der Abendkühle?
In dem stillen Tale geht
Eine Wassermühle.-----
Ein Christusbild, vom Entenmüller an den Weg gestellt, zeugt von katholischem Geiste und mutet heimatlich an. Rechts führt ein Weg zum Enten» berge hinan, und nicht weit davon beginnt der Aufstieg zum Uhlenkopf (465 Meter». Ueber den Bchntunnel hinweg gelangt man in einen schönen, ausgedehnten Buchenwald, dessen Stämme wie Pfeiler eines Naturdomes zum Himmel streben. Leider sind nirgends Wegzeichen angebracht. Ich verfolge daher verschiedene Wege, immer in der Richtung auf das Ziel. Selbst als der Wald ein Ende nimmt, kann ich kein Dorf entdecken: doch da ich einen niedrigen Hügel erklimme, taucht brr Kirchturm hinter dem Gebüsche auf. Nun also frisch darauf los!
(Fortsetzung folgt.)
Ans der Heimat - é
Eichsseldische Rundschau. Lengenfeld unterm St ein. Auf einer Grundstücksversteigerung des Bildhauers Josef Lorenz wurde für dessen Wohnhaus ew Angebot von nur 4500 Rin. abgegeben, worauf natürlich der Zuschlag nicht erteilt wurde. — Sch achte- b i ch. Durch Moßfressen sind dem Landwirt Meyer zwei Tiere beim Holzfahren eingegangen. — Direktor Schilling-Halberstadt wurde als ordentliches Mitglied des Preußischen Staatsrates ernannt; Schilling führt mit außerordentlichem Geschick das Amt unseres Pro- vinzialabgeordneten. — Dingelstädt. Der Rektor des hiesigen Oberlyzeums Dr. Kahle wird sich nach einigen Erholungswochen an feinen neuen Wirkungsort begeben; man sieht den freundlichen, hilfsbereiten Herrn nur sehr ungern scheiden. — Faulungen. Am 2. Ostertage wurde hier das Christi Leidensspie! von Fritz Weege geschickt zur Darstellung gebracht: der Erlös dieser Veranstaltung ist zur Beschaffung einer neuen Km- chenorgel bestimmt. — Worbis. Küster Karl Schwill feierte seinen 75. Geburtstag. — Küllstedt. Der älteste hiesige Einwohner Philipp Töpfer konnte seinen 91. Geburtstag begehen. — Effelder. Nun sollen auch unsere gefallenen Krieger ein Denkmal auf dem Friedhöfe erhalten. — Geismar. Pater Vigllantius, der längere Zeit auf dem Hülsensberge wirkte und sich reiche Verdienste um die Ausmalung der Klosterkirche erworben hat, ist einem langwierigen Herzleiden im Krankenhaufe zu Wiedenbrück erlegen — Heiligenstadt. Zu der voraussichtlich nach Pfingsten erfolgenden Einweihung des neuen Gymnasiums werden heute bereits Vorbereitungen durch einen Festausschuß getrof* ten — Gerbershausen. Pfarrer Kirchberg feierte sein silbernes Priesterfubiläum. — Rüstungen, Schulze a. D. Heinrich Döring ist gOjährig gestorben. — Etzelbach. Die Wallfahrtstapelle erhielt an der Auhenlassade einen neuen Schmuck in Gestalt einer Figur des Erzengels Gabriel erhalten. — EiFelder. Die Sortiererin Barbara Völker feierte ihr 25iäbrtges Arbeitsjubiläum be' der Firma Fr. Rathgeber Germershausen. Im hiesigen Augusiinerkloner ist eine neue Klosterfchule eingcweiht worden " ""' ringsdorf. Hier fand ein Theaterabend der Jung frauenkongregation statt, dessen Erlös für die -,tu- sckmückung der Kirche verwandt werden soll. — Ä 0 b i s Kretssparkasfèndirektor Kandler feierte seine 75. Geburtstag.