Ausgabe B
Nr. (2
Sonntag, 24. März 1(929
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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig 8 45 R.-Yjennig (Zustellgebühr extra) Redaliiniiejchlaß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzelle im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Eolonelzeile tm Neklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Ofs.-Geb. C,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actlendruckerei in Fulda |e.n.
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Wochenkalender.
Sonntag, 24. März. Palmsonntag.
Erzengel.
Gabriel,
Montag, 25. März. Vom Tage.
Dienstag, 26. März. Vom Tage.
Mittwoch, 27. März. Vom Tage. Johannes Dama- scenus, Bek., Kirchenlehrer.
Donnerstag, 28. März. Gründonnerstag.
Freitag, 29. März. Karfreitag.
Samstag, 30. März. Karsamstag.
Palmsonntag.
Epistel. Philipper 2, 5—11.
Evangelium. Matthäus 21, 1—9. Jesu Einzug in
Jerusalem.
In jener Zeit näherte sich Jesus Jerusalem und kam nach Bethphage am Oelberge. Da entsandte er zwei von seinen Jüngern mit dem Auftrage: „Geht in den Flecken, der vor euch liegt. Alsbald werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen dabei. Bindet sie los und bringt sie mir. Wenn euch jemand darüber zur Rede stellt, so sagt: „Der Herr bedarf ihrer", und sogleich wird man sie freigeben. Dies alles ist geschehen, damit das Wort beim Propheten in Erfüllung gehe: „Sagt der Tochter Sion: Siehe, dein König kommt zu dir in Sanftmut, er sitzt auf einem Esel, auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttieres. Die Jünger gingen hin und taten, wie Jesus ihnen befohlen hatte. Sie brachten die Eselin und das Füllen herbei, legten ihre Kleider auf sie und ließen ihn daraufsitzen. Sehr viele aus dem Volke breiteten ihre Kleider auf den Weg hin, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Volksscharen, die ihm vorauszogen und die ihm nachfolgten, riefen mit lauter Stimme: .Hosanna bept Sohne Davids! Hochgelobt, der da kommt im Namen des Herrn!"
Königs« und Dornenkrone
estern machte ich mit einem geistlichen Freunde eine Autotur nach einem uralten Kloster. Seit her Reformation ist aber Kirche und Kloster verödet. Nicht mehr erschallen im Gotteshaus die Hym
nen, die Präfationen, die Meßgesänge, die Horen, mn uraltes Kreuz aber st och da, kunstvoll und sinnreich. Ein Umstand n diesem Kreuz be- londers merkwürdig. Die Krone, die der Helland dem Haupte trägt, ist nicht die Dornenkrone, sondern die Königskrone.
.. Gerade am heutigen Palmsonntag erscheint der llottlichs Heiland nicht so sehr als König der Vei= als vielmehr als der König der Ehren, als Herrscher über ein Volk, Herrscher über eine Stadt, Herrscher über tausende von Herzen. Jesus selbst weilte als König geehrt werden, bevor er in den ging. Darum machte er auch aufmerksam auf °? Worte, die schon der Broobet Zacharias von geschrieben bat:
„Saget der Tochter Sions: siehe, dein König kommt zu dir; sanftmütig sitzt er auf einem Esel, auf dem Füllen, dem Jungen eines Lasttieres." —
Beim Einzug selber, welche Bewegung, welche Pracht, welche Aufwendung von Prunk und Zeremoniell, welcher Schwung der Begeisterung. Dabei nichts gemachtes, nichts steifes, nichts befohlenes, nichts gekünsteltes; alles Ausfluß eines natürlichen Dranges, alles unmittelbarer Ausdruck der Hochachtung und Liebe. Ohne jedes Kommando war im Nu eine „via triumphalis" geschaffen. Ohne sich lange zu besinnen, legten die Männer unb die Frauen ihre Oberkleider, ihre Mäntel, ihre Tücher, ihre Schleier, ihre bunten, prächtigen Behänge mitten auf den Weg, der jetzt einem einzigen, riesigen Teppiche glich. Den Heiland selbst setzte man auf die Eselin, und so ritt er wie ein König des Weges. Unterdessen hieben die Leute in ihrer unaufhaltsamen Begeisterung Zweige auf den Weg. Wieder andere hielten wohl lange Palmzweige in der Hand und bildeten Spalier und schwenkten sie wie Fahnen in der Luft. Und die Scharen, welche vorausgingen und nachfolgten, riefen mit lauter Stimme:
Hosanna, dem Sohne Davids! Hochgelobt sei der da kommt im Namen des Herm! Hosanna in der Höhe! (Mt. 21.)
O daß wir doch dabei gewesen wären und wären mit jenen glücklichen Männern in einer Reihe gestanden und hätten Palmen geschwenkt und eingestimmt in den Strom der Huldigung.
Doch schau jetzt hinein, mein Christ, in die Liturgie des heutigen Tages und überlege dir, ob du nicht berufen bist, jener Huldigung dich anzv- schließen. Stellt denn nicht die Kirche am heutigen Tage eine Palmprozession an? Ist das nicht eine Wiederholung des feierlichen Einzugs in Jerusalem? Schau, der Heiland am Krc uzbild schreitet der Prozession voraus. Es folgen ihm aber in wohlgeordneten Abteilungen die Knaben und Mädchen, die Männer und Frauen, das ganze Volk mit Palmzweigen und Liedern. Und wo wegen Platzmangels diese Prozession in dieser Ausdehnung nicht gehalten wird oder gehalten werden kann, da wird sie wenigstens vom Priester, den Ministranten und dem Kirchenchor in kleinen Umrissen markiert. Du aber sollst in diesem Fall wenigstens im Geiste dabei sein.
Bei der Rückkehr der Prozession in die Kirche sind wir Zeugen einer sinnvollen Zeremonie. Ein Teil der Sänger tritt in das Innere der Kirche und ein Teil bleibt draußen stehen. Diese beiden Abteilungen bilden zwei Chöre, die abwechselnd das Lob des Erlöferkönigs fingen:
„Ruhm und Lob und Ehre sei dir, Gesalbter, König, Erlöser,
Dem die kindliche Schar
Frommes Hosanna geweiht.
Israels König bist du Und Davids erlauchtester Sprößling.
Der du im Namen des Herrn, König, gesegnet dich nahst. Dir lobsingt in der Höh' Die Schar der seligen Geister. Auch der sterbliche Mensch, Alle Geschöpfe mit ihm. ”
Israel wallte in festlichem Zug Dir mit Palmen entgegen: Siehe, mit Hymnen und Flehn Nahen, o König, auch wir." —
Aber o weh! Achte genau auf die Königskrone, der der Herr am Palmsonntag trägt. Wird sie lange oder immer sein Haupt schmücken? Ach nein. Plötzlich febe ich das Gold sich verdunkeln, die Edel- steine verschwinden. Von Holz trägt er jetzt eine Krone, und die Edelsteine daran sind spitze Dornen. Vom königlichen Haupte aber rieselt das ro- senbarbene Blut, während die Stirne gepeinigt wird von unerträglichen Schmerzen. Das Hosanna hat dem Cruzifixe Platz gemacht. Statt „Hochgelobt" hört man „Ans Kreuz".
Daraus sollen wir etwas lernen. Wenn wir einmal im Lande der Seligkeit die Königskrone tragen wollen, müssen wir jetzt auch mit der Dornenkrone Bekanntschaft machen. Oder ist es recht, so frage ich mit dem hl. Kirchenlehrer Bernhard, daß wir weichliche Glieder sind unter einem dor- nengekrönken Haupt. Alle, die es mit Christus halten, müssen zu den spitzen Dornen sich bekennen. Konnten denn die hl. Märtyrer anders zur Krone der Verklärung gelangen als durch die Dor- nenkronen der Leiden und des blutigen Todes?
In meiner Heiligenlegende lese ich vom gestrigen Tag vom hl. Irenäus. Er war Bischof von Sirmium in Pannonien. Von; Statthalter Probus erhielt er folgenden Bescheid: Es ist der Beschluß der Kaiser, daß man entweder den Göttern opfern oder die Strafen leide, welche für die Widerspenstigen bestimmt sind. Hierauf erwiderte unser wackerer Bischof: „Und das Gesetz meines Gottes will, daß ich eher alle Arten von seinen dulde, als den Götzen opfere." Unwillig schrie ihm der Statthalter zu: „Entweder opfer — oder ich lasse dich foltern." Der Heilige gab die schöne Antwort: „Es freut mich, wenn du das tust, damit ich an dem Leiden meines Herrn leilnehmen kann." Ire. näus wurde gefoltert, enthauptet und in die Save gestürzt. —
Mein Christ; es ist gerade keine Aussicht, wegen des Glaubens gefoltert und getötet zu werden. Aber so manche Sticheleien, Witzeleien und Spöttereien werden dir schon blühen, wenn du es ernst nimmst mit den Forderungen des Glaubens und der Moral. Darauf fei gefaßt und schmücke damit deine Stirne wie mit spiben Dornen Auch wirst du wohl nicht um die Worte des Herrn herum- kommen: „Wer mir Nachfolgen will, verleugne sich selbst." Bringen wir in dieser Karwoche einige' Opfer, legen wir uns einige Entbehrungen auf. Nur durch bi» Dornenkrone ae'anoen wir zur Königskrone Der Turgpfar^er,