Ausgabe B
Nr. M
Sonntag, (0. März H929
E^y 3cJ re. sM
für öie katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 K-pfennig 3 45 R.-Piennh (Zustellgebüdr exl-a)
Redailinnejchluß Wonlag. Anzeigen-Preije: Colonelzetle tm Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Eolone>zetle tm Reklameteil 0.60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off-Geb. 0,13 Goldmark. Por o extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens tm Besitz der Fuldaer Actiendiuckerei in Fulda len
----- Druck und Verlag der Fuldaer MctienOruderei. Verlagsort Fu da.-----
Wochenkalender.
Lounlag, 10. März. 4. Fastensonntag. Vierzig Märtyrer zu Sebaste, f 320. Beginn der öst erlich e n Zeit.
Montag, 11. März. Vom Tage.^
Dienstag, 12. März. Gregor I. der Große, Kirchenlehrer, Papst.
Mittwoch, 13. März. Vom Tage.
Donnerstag, 14. März. Vom Tage.
Freitag, 15. März. Clemens Maria Hofbauer, f 1820. Zacharias, Papst, Bek.
Sanistag. 16. März. Vom Tage. Beginn des Triduums zu Ehren des hl. Joseph.
Dierler §astensonntag.
Epistel. Kalaker, 4, 22—31.
Evangelium. Johannes 6, 1—15. Die wunderbare
Drolvermehrung.
In jener Zeit fuhr Jesus über den Galiläischen See, den See von Tiberias. Eine große Volksmenge folgte ihm, weil sie die Wunder sah, dis er an den Kranken wirkte. Da stieg Jesus auf einen Berg und setzte sich mit seinen Jüngern nieder. Ostern, das Fest der Juden, war nahe. Als nun Jesus die Augen erhob und die große Volksmenge zu sich kommen sah, sprach er Su Philippus: „Wo sollen wir Brot kaufen, daß die Leute essen können?" Das sagte er. um ihn auf d'e Pwbe zu stellen: denn er wußte, was er tun wollte Philippus antwortete ihm: „Für zweihundert Denare Brot reicht nicht aus für sie, wenn jeder auch nur ein wenig erhalten soll". Da sagte einer von seinen Jün- Sern. Andreas, der Bruder des Sinton Petrus' „Es M ein Knabe hier, der hat fünf Esrstcnbrote und zwei Fische. Allein was ist das für so viele?' Jesus ent- Mgnete: „Laßt die Leute sich lagern!" Es war näm- mh viel Gras an dem Platze. So lagerten sich Ire •Männer, etwa fünftausend an der Zahl. Jesus nahm nun die Brote, dankte und ließ sie austeilen an die, die um gelagert hatte»; ebenso auch die Fische, soviel sie -Ullvon wollten. Als sie satt waren, sprach er zu seinen Hungern: „Sammelt die übriggebliebcnen Stücklein da- sie nicht zugrundegehen." Das taten sie und füll- en non den fünf Gerstenbroten zwölf Korbe mit den Skücklein; soviel hatten die, die gegessen hatten, übrig- Mlassen. Als die Leute das Wunder sahen, das Jesus hatte, riefen sie aus: „Das ist wahrhaftig der , der in dis Welt kommen soll!" Da Jesus daß sie kommen und ihn mit Gewalt zum Kö- J* umchen wollten, zog er sich wieder, ganz allein, auf Berg zurück.
. . Die goldene Bose.
^^dem Hochaltar meiner Pfarr- kirchr glänzt in einem alten Wap- pen eine goldene Rose. Die Herren von „Eberstein". die in der Nähe einst hausten, führten sie als Kennzeichen in ihrem mal »‘W ®n Träger dieses Geschlechtes soll ein- â/u-,der Hand des Papstes eine goldene Rose UW für feine Verdienste erhalten haben.
Daran denke ich heute am Sonntag „Laetare", am Rosensonntag, an dem heute noch der Vater der Christenheit nach uraltem Brauch eine goldene Rose weiht; an dem der Priester ein rosafarbenes Meßgewand tragen darf.
Die goldene Rose. Darf nicht unsere hl. katholische Kirche selber eine goldene Rose genannt werden? Eine Rose ist sie in der Tat. Wie nämlich die Blätter der Rose schön zusammenge- fügt sind und einen wohlgegliederten Organismus ansmachen, so sind auch die Glieder der katholischen Kirche zusammengefügt und bilden einen wunderbaren, lebendigen, wohlgegliederten Organismus. Kein Katholik steht für sich allein da. Jeder ist mit dem ganzen verschlungen, vereinigt und verknüpft. Jeder ist ein Glied am ganzen Leib der Kirche Durch die Gelenke bet Ordnung und Ler Liebe sind alle aufs engste miteinander vereinigt Da sind zunächst die Laien, die Armee der Gläubigen. das Rückgrat der Kirche. Sie bilden die „hörende" Kirche; sie sind die Schäslein auf den Fluren des guten Hirten, die unter der Obhut der Stellvertreter Christi sicher und ruhig, frei von Furcht und Sorge, die unermeßlichen Güler der Religion genießen. Dann kommen die Offiziere der Heerschar Christi: es sind die Priester, die Kleriker, die von der Welt abgesonderten, die zum Dienste der Seelen ausgebildeten und geweihten Geistlichen. Auck sie blicken wieder auf zu ihren Oberführern. Es sind Bischöfe, die der heilige Geist eingesetzt hat zur Regierung der Kirche. An ihrer Spitze steht der Bischof der Bischöfe, der Knecht der Knechte Gotes, der Statthalter Christi, der hl. Vater, der Papst. Mit einer dreifachen Krone, der Tiara, ist er geschmückt, um sein dreifaches Amt zu finnbilden: er ist oberster Lehrer, oberster Priester und oberster Hirt und Regent im Reiche Gottes. Papst und Bischöfe bilden die „l; ende Kirche". O wie schön, wie herrlich, wie ehrfurchtgebietend, wie unzerreißbar, wie segensvoll ist diese hl. Ordnung im Organismus unserer hl. Kirche, diese von Christus selbst angcordnete „Hierarchie".
In der Tat, die Kirche ist eine Rose. Und sie ist eine goldene Rose. Golden ist sie zunächst wegen ihrer Unvergänglichkeit und Ewigkeit. Die Kircke ist nach den Worten Locordaires „eint Tochter der Ewigkeit". Sie nimmt Teil an Gottes Ewigkeit. Von Ewigkeit hat Gott seine Kirche im Auge gehabt, hat sie geliebt, hat ihren Grundriß, ihre Verfassung vorherbestimmt. Einmal ine Dasein gerufen, wird sie nie mehr vom Weltbild verschwinden. Aller Haß, aller Verleumdung, clle Unterdrückung, alle Verfolgung kann daran nichts ändern. Schon viele haben an der Kirche sich die Zähne ausgebissen. Vielen hat die Kirche kirn das Grab geschaufelt. In ihren Ohren tönt immer das Wort des göttlichen Stifters: „Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen." —
Eine goldene Rose nenne ich unsere Kirche auch wegen ihres Glanzes. Welchen Glanz hauchen doch ihre Logmen, ihre Khrfätze aus, r” _ ......
ohne Vorurteil erforscht, wird von diesem Glanze erfreut, überrascht und besiegt. Darum die Scharen von Konvertiten zu allen Zeiten Tarun. er Männer von Urteilskraft, Männer von Wissen, Bildung und Charakter, Männer, auf die unsere Kirche immerdar stolz sein mirb. Einer aus ihnen, Johannes Brunner, der Ende des 16. Jahrhunderts durch seine Konversion Aufsehen erregt har, schreibt:
«Dem Allerhöchsten bringe ich unendliche Danksagung dar, daß er mit klare Einsicht und Ueberzeugung verliehen und mich wunderbar zur Erkenntnis des katbolUchen Glaubens geführt bist. Ich war in die Irrtümer Luthers, Zwinglis u 0 Kalvins verstrickt, so daß ich dem Glauben der römischen Kirche förmlich Hohn sprach. Ich studierte indes aus Wahrheitsdrang die Kirchenväter mb kam durch sie zu den katholischen Schriften der späteren Zeit, von denen ich glaubte, sie strotzten von Gift und Pestilenz. Wie lehr habe ich mich aber getäuscht! Wie viele neue Lichter sind mir ausgegangen! Es entstand plötzlich in meiner Seele eine unverhoffte Freudigkeit, eine unerwartete Gewissensruhe, eine milde Flamme der göttlichen Liebe In katholischen Schristen fand ch nicht den Antichrist, sondern Christus; nicht Eifi- mischung, sondern Nektar und Ambrosia, nicht Pesthauch sondern Gesundbrunnen, nicht Todesschatten, sondern das Licht des Heils und des Lebens." —
Ja, eine Rose von Gold. Damit meine ich das Gold der Tugend, das Gold der Vollkommenheit, Las Gold der Heiligkeit, das an so vielen Seelen der katholischen Kirchs hell und freundlich erstrahlt. Geben wir unbefangen einem Protestanten das Wort: „Wich freute, daß du deine Seele gewonnen hast", schreib: der edle Lavatec an den berühmten Grafen Fr. Leopold v. Swlberg nach dessen Konversion: „Ich sage noch mehr, fährt La- rater weiter. Werd? du die Ehre der katholischen Kirche, übe Tugenden, die den Nichtkaiholiken unmöglich sein werden. Werde du ein Heiliger, wie Borromäus Ihr Kaiholiken habt Heilige, ich leugne es nicht; wir Protestanten haben feine; wenigstens keine wie ihr habt." —
Und noch ein Glanz, heller als der von Gold und Edelstein geht von der katholischen Kirche aus: der Glanz der Wunder. Lies die Begebenheit mit den 40 Rittern, deren Andenken wir eben heute begehen Wegen ihrer Standhaftigkeit im Glauben wurden sie bei grimmiger Winterkälte auf einen zugefrorenen Eisweier mit nackten Gliedern gestellt Ganz frei und ungebunden; jeder konnte nach Belieben davon eilen; mit satanischer Verführung hatten die Heiden sogar ein warmes Bad dicht neben dem Eisweicr ausgestellt. Es war eine Falle. Jeder Cbrist, der sich sum Bad begeben würde, sollte als Apostat gelten. Nur einer wurde ein Feigling. Alle anderen wurden Opfer der Kälte. Ist das nicht ein Wunder der Tapferkeit?
Ein Wunder der Geduld? Ein Wunder Ler Liebe?
Wer^lmmer sie i Und wer zählt die änderest Wunder, die von den