Einzelbild herunterladen
 

Dann wird unser Junges Volk endlich sich abwenven von den Radikalen rechts und links?

Eine Ortskrankenkasse abgebrannt. Kürzlich brannte das umfangreiche Gebäude der Ortskrankenkasse in Lom- berg (Sippe) bis auf die Grundmauern nieder. Es konnte nichts gerettet werden. Drei im Hause wohnende Familien entkamen mit knapper Not dem Tode. Als Ursache wird Brandstiftung angenommen. Der frühere sozialdemokratische Stadtrat Fasse, dem das Haus ge= hört, wurde in Haft genommen. Für Montag kommen­der Woche war eine Revision der Ortskrankenkasse beab­sichtigt.

CD CD Ausland. CD CD

England.

1929 ist das Jubeljahr der englischen Katholiken, in dem sie auf ein Jahrhundert bürgerlicher Gleichberech­tigung zurückblicken. Der Jahrestag der Emanzipation fällt auf den 13. April, und der englische Katholiken- fongreB mit den eigentlichen Jubiläumsseierlichkeiten findet erst im September statt. Die Ereignisse werten ihre Schatten voraus. Die öffentlichen Versammlungen der Katholiken mehren sich. In gewissem Sinne wird das Jubeljahr auch von einem großen Teil der weltlichen Presse mitgefeiert. Die Emanzipation der Katholiken ist ja der Anstoß zu der größten englischen Verfassungs- rsform der neueren Zeit gewesen. Sie hat nach der politischen Reaktion, die in England auf die napoleoni­schen Kriege folgte, zu der berühmten Reform-Bill von 1832 geführt. Insofern ist sie eine Angelegenheit, an der ganz England teilnimmt.

Die erste große Kundgebung der Kirche ist ein lan­ger Fastenbrief des Episkopates, der in den Kir­chen vorgelesen wurde. Er beginnt mit Danksagungen für die Aushebung der Ausnahmegesetze, gibt einen Ueberblick über die Ereignisse der damaligen Epoche und legt den Nachdruck auf die Verantwortlichkeit, die den Katholiken aus der bürgerlichen Freiheit erwachsen ist. Die Emanzipation", sagt er u. a.,war der Anfang zur inneren Abkehr von einem sehr dunkeln Abschnitt unserer Geschichte, ein stiller Widerruf mancher liebge­wordenen Verleumdung. Die Revision einer Geschichte von 300 Jahren, die damals begann, ist noch nicht zu Ende. Die religiöse Umwälzung des 16. Jahrhunderts wird denjenigen, die lesen und denken, allmählich in ihrer wahren Perspektive klar. Sicher ist die politische Emanzipation der englischen Katholiken auch der An­fang zur geistigen Emanzipation vieler Protestanten ge­wesen. Sie hat gelehrt, die Dinge zu sehen, wie sie sind In ihren Augen besitzt die katholische Kirche eine neue Würde und Bedeutung, und die Protestant. Theorien der Vergangenheit verwirren nicht länger in dem Maße, wie sie es ehedem taten. Diejenigen, die im 16. Jahrhundert sich von der gottgewollten Einheit des Christentums los- löftcn und ganz England von ihr loslösen wollten, glaubten zuerst, die Nation in scheinbarer Einigkeit des Glaubens zusammenhalten zu können. Sie vergaßen die logischen Folgen, die das Prinzip des Privaturteils nach sich zieht, und glaubten, daß sie England in religiöser Uniformität erhalten könnten, w u sie Zwang an die Stelle der Vernunft und des Gewissens setzten. Heute erkennen wir rings um uns die unheilvollen Folgen einer Politik, die von Beginn an zu schließlichem Miß­erfolg verurteilt war. Einst war der Glaube die uner­läßliche Grundlage der Religionsausübung. Jetzt sind diese beiden Dinge auseinandergerissen, und mit dem Zerfall des Glaubens hat die Ausübung der Religion ihre wahre Bedeutung und die Anziehungskraft, die sie einst für die ganze Nation besaß, verloren."

Mexiko.

Vor der letzten Präsidentschaftswahl in Mexiko wurden zwei Präsidentschaftskandidaten ermordet. Für die nächste Wahl wird in Gilberto Valenzuela ein ernster Gegner des Calles und Gil auftreten. Dieser künftige Präsidentschaftskandidat Gilberto Valenzuela .früherer mexikanischer Gesandter m London, veröffentlicht soeben den schärfsten Angriff, der in den letzten drei Jahren gegen die mexika­nische Regierung weaen ihres Verhaltens gegen­über der katholischen Religion unternommen wurde Valenzuela benützte die Gelegenheit, um Calles vor den Augen seiner Mitbürger zu sagen, daß er (Va- lenzuell- weder die Spione, noch die Meuchelmör­der, noch die Gefängnisse Calles' fürchtet. Der amerikanische Korrespondent berichtet, daß der »vehemente Angriff" Valenzuelas zeigt, wie weit noch bis zur Lösung der religiösen Frage sei, E bei bcn kommenden Präsidentschaftswahlen ^^ überragende Rolle spielen werde.

. Valenzuela, der auf einer Massenversammlung

Hermosilla, der Hauptstadt des Staates Sonora.

sprach, beschuldigte Talles ganz offen, »den reli­giösen Konflikt frei ersunden zu haben, um die un- menfdjltdie Verfolgung der mexikanischen Katholi­ken durchführen zu können." Die jetzige Regierung Gil sei eine »Vlahhalterin" für Lattes und ganz von ihm abhängig, so daß sie ebenso unbarmherzig vorgehe wie dieser: bei den kommenden Präsidenr- schaftswahlen werde sich der Kampf nicht um die verschiedenen Präsidentschaftskandidaten drehen, sondern er (Valenzuelas werde gegen den »Pluto­kraten Calles" den Kampf aufnehmen.

In einem Leitartikel führt derExelsior" aus, es herrsche in Mexiko eine derartige Entartung des politischen Kampfes, daß die Menschenleben dabei nicht mehr gezählt werden. Die mexikanische Re­gierung habe so viele Feinde, daß sie dieselben gar nicht mehr überblicken könne. Die Gegner einer Wiederwahl derSchaukelkandidaten" aus den Parteien Calles und Obregon; die Obregonisten, die nicht mit Calles die Schaukel benützen woll­ten: die Partei Pascual Rubio Ortiz: die Partei Valenzuelas, die antirevolutionär, aber nicht kalho- lisch sei, und schließlich diegerade in der letzten Zeit noch straffer organisierten Katholiken" wür­den für einen bewegten Wahlkampf sorgen. Die Katholiken hatten keinen Anlaß, ihre günstige Po­sition durch Attentate und Morddrohungen zu ver­derben. Die Regierung Gil-Calles dürfe nicht ver­gessen, daß bei der letzten Präsidentsck-aftswahl zwei Kandidaten standrechtlich erschaffen worden seien und daß deren Anhänger sich auf ihre Art nun rächen.

China.

Ein junger Katholik, Franz Xaver Zia, wurde tum Pressechef der chinesischen Regierung ernannt. Im Vorjahre war er noch politischer Gefangener. Seit seiner Befreiung hat er in der von ihm ge­leiteten Zeitung offen seinen katholischen Glau­ben bekannt und mitgeteilt, daß er im Gefängnis sich das Buß- und Altarsakrament habe geben las­sen. Diese Erklärung zeugt von hohem Mute. Denn sie erfolgte zu der Zeit, als in der offiziellen Welt die antichristlichen Gefühle vorherrschten und die BezeichnungChrist" noch genügte, um von je­dem öffentlichen Dienst auszuschließen.

Der Iordan als elektrische Kraftquelle.

Der seit langem schwebende Plan, Palästina mit Elektrizität zu versorgen, ist nunmehr In Verwirklichung begriffen. Die Arbeiten haben bereits am See Gene- zareth begonnen. Als Kraftquelle dient der Jordan, dessen Wasserkraft bis auf den heutigen Tag unbenutzt geblieben war. Den frommen Christen gilt sein Was­ser als ein Schatz der körperl. u. geistig. Leiden Genesung verschafft. Die Kreuzfahrer brachten als kostbare Gabe Flaschen mit Jordanwasser in die Heimat, und Kinder aller Länder sind mit dem Wasser des Flusses getauft worden, worin Johannes der Täufer den Heiland ge­tauft hatte. Und noch heutigen Tages kommen Pilger aus allen Weltgeyenden, um in dem Flusse zu baden.. Am Hermon im Antilibanon entspringend, fließt der Jordan durch den Hulehsee und dann in den See Gene- zareth. Von hier aus geht er in reißender Strömung weiter und mündet schließlich ins Tote Meer. Die Fallhöhe zwischen den Quellen des Jordans und dem Toten Meere beträgt etwa 1000 Meter. Meistens fließt der Iordan zwischen hohen Ufern, wo Weiden und Ta­marisken wachsen. Zahlreiche kleine Inseln hemmen seinen Laus, und besonders bemerkenswert sind seine vielen Krümmungen, die bewirken, daß der Jordan eine beträchtliche Länge hat 215 Kilometer, obgleich er in Wirklichkeit keine sehr lange Strecke durchläuft Wäh­rend der Fluß selbst einen großen Fischreichtum auf­weist, gibt es an den Ufern eine Masse Vögel und son­stige Tiere. Die Wafsermenge, die der Jordan ins Tote Meer ergießt, beträgt täglich über fünf Millionen Ton­nen. Die Wasserkraft soll nicht bloß zur Gewinnung von Elektrizität, sondern auch zur Bewässerung großer Strecken des Jordantales benutzt werden, die bisher un­fruchtbar waren und in Zukunft der Landwirtschaft zu­gänglich gemacht werden sollen. Der vom Ingenieur P. Rutenberg stammende Plan ist von der Regierung gutgeheißen worden und die Ausführung erfolgt durch die Palästina-Elektrizitäts-Gesellschaft. Es werden meh­rere Kraftstationen längs des Jordans errichtet, so daß in naher Zukunft alle Städte und Ortschaften des Heil. Landes elektrische Kraft für Beleuchtung und son­stige Zwecke erhalten, und die Regierung will dafür sorgen daß die Elektrizität billig geliefert wird. Somit werden in nicht zu ferner Zeit alle biblischen Stätten. Jerusalem, Bethlehem, Bethanien, Nazareth usw. in elektrischem Licht strahlen.

Ulli II Hill ^«««»MgEMSMEgre^^ Gedenke des PMM- Vereins!

Kleine kirchliche Nachrichten.

Rom. Die päpstliche Kongregation für Ordensleute hat im Auftrag des Hl. Vaters einen Erlaß herausge­geben für die klösterlichen Lehr- und Erziehungsanstal­ten in Rom mit Weisungen über die Kleidung der Klo- sterfchülerinnen.

Münster. Infolge von Arbeitsüberlastung hat sich Herr Professor Dr. Ettlinger entschlossen, von der wis» |enfd)aftlid)en Leitung des Deutschen (kath.) Instituts für wissenschaftliche Pädagogik, die er seit der Gründung des Instituts sehr erfolgreich führte, zurückgetreten. Da­mit die Arbeiten keinen Aufschub erlitten, hat sich aus dringenden Wunsch des Vereins zur Pflege wissenschaft­licher Pädagogik e. V. Dr. Steffes in Münster L W. bereit erklärt, die wissenschaftliche Leitung des Instituts bis auf weiteres zu übernehmen.

Trier. Am 25. Februar erhielt Prälat Dr. Ba»es. der neue Oberhirte von Hildesheim im Dom zu Trier die bischöfliche Weihe. Im Chor hatten die Vertreter der Behörden, darunter auch der Oberpräsident der Rheinprovinz, Dr. Fuchs. als Vertreter der Staatsre­gierung und die Verwandten und Freunde des neuen Bischofs Platz genommen. Die Konsekration wurde vorgenommen vom Bischof von Trier, Dr. Bornewas- ser. unter Mitwirkung von Bischof Ludwig Maria Hugo von Mainz und Weihbischos Dr. Mönch (Trier). Als Assistent wirkte Domprobst Dr. Mause. Ehrendiakon« waren Domkapitular Fuchs und Prälat Dr. Kaas Der Wahlspruch des neuen Bischofs lautet: veritas et pap. Um. 12 Uhr fand eine Gratulationscour statt, der sich um 1 Uhr eine Festtafel im Priesterseminar anschloß.

Trier. Einen Aufruf zu einer Diasporagemeinde für die Diözese Hildesheim aus Anlaß der Konsekration und Inthronisation des Herrn Prälaten Dr. Bares als Bi­schof von Hildesheim veröffentlicht der Präsident des Diözesankomitees des Bonifatiusvereins, Dr. Dahm, Trier. In dem Aufruf heißt es u. a.: Schon seit Jah­ren verbindet die Diözese Trier das Band der Diaspora- patenichaft mit der Diasporadiözese Hildesheim Für ille Bedürfnisse der Hildesheimer Diaspora soll der Trierer Bonifatiusverein in besonderer Weise sorgen und alle Trierer Diasporagaben sollen in beiorzugtem Maße nach Hildesheim fließen. In den letzten Jahren wurden die Kirchenbauten in Jerxheim und Schöppen­stedt in weitestem Maße durch die Trierer Spenden er- möglicht, anderen Diasporastationen wurde von Trier aus die gesamte Paramentenausstattung überw.esen. In den kommenden Jahren steht die Diözese Hildesheim vor großen Aufgaben. Die Göttinger St. Pauluskirche geht ihrer Vollendung entgegen und wird als erste von Bi­schof Dr. Bares ihre Weihe erhalten. D,e große Schu- dsnlast der katholischen Gemeinde Göttingens erfordere dringend Hilfe. Die Paramentenausstattung wurde bereits von einetn Paramentenverein der Diözese Trier übernommen. Die Diözese Trier will nun dem neuen Hildesheimer Bischof eine Spende für die Göttinger Kirche mitgeben. Die Spende soll dem Bischof am Tage seiner Inthronisation in Hildesheim überreicht werden Alle Katholiken der Diözese Trier, besonders aber bi< Freunde der Diaspora, die Bonifatiusvereine aller Pfar­reien. die Freunde des neuen Bischofs und die Priester der Diözese Trier werden daher zu einer Spende auf­gerufen. Auch um die Einsendung von Paramenten wird in dem Aufruf gebeten.

Konstanz. Das Schloß Hirschberg bei Immenstadl am Bodensee ist in den Besitz der Pallottiner übergegan- gen. Das Schloß wird ähnlich der Niederlassung in Konstanz und Bruchsal als Studienanstalt für Spätberufe verwendet werden. Damit dürfte auch die Frage eines Neubaues in Konstanz ihre Erledigung gefunden haben.

Belgien. Die Presse von Lüttich berichtet von einer ganz außergewöhnlichen Ausgrabung in Tilleur bei Lüttich. Als vor einigen Tagen eine Nonne des Ordens der Barmherzigen Schwestern starb, wurde beschlossen, die Ueberreste der zwei erstverstorbenen Schwestern zu­sammenzulegen, um in dem Grabgewölbe des Ordens noch Platz für die letztverstorbsne zu schaffen. Als man die Särge der Schwestern Anne-Cuphrasie Ssrvange und Jeanne Castanet, die beide im Jahre 1891 gestorben waren, öffnete, fand man in ersterem nur ein paar Knochen, in letzterem aber den vollkommen erhaltenen Körper der Nonne; selbst die Kleider und die Haube waren unversehrt. Der Leichnam war noch so geschmei­dig wie im Augenblick des Todes. Diese erstaunliche Entdeckung rief natürlich eine ungeheure Erregung her­vor, um so mehr, als das Schicksal der beiden Nonnen, die am gleichen Ort in einem Zeitabstand von nur 10 Tagen beigesetzt worden waren, ein so verschiedenes ge­wesen ist. Schwester Jeanne Castanet, 1810 im Süden.