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Der slMe heilige des Monats März.

Vom hl. Joseph können mir mehr sagen, was er mcht getan har, als was er getan hat.

Er hat kein geistreiches Buch geschrieben. Er hat keine neue Philosophie ausgebracht. Er hat weder das Telephon noch das Radio erfunden. Er hat auch keinenzeitgemäßen" Verein gegründet und keine neueBewegung" angefangèn! Und doch lebt sein Name heute in MUlionen Herzen.

Was bedeutet der kleine Handwerker in der Blmnenstabt Nazareth gegen Zeitgenossen wie Augustus und Herodes? Der Amtsmann in Bethle­hem hat ihn sicher nicht als Prinzen behandelt, als er sich mit Ma.ia. seinem verlovten Weibe, an­gab, und die reichen Verwandten halten nicht ein­mal ein Bet! für ihn übrig, als er bei ihnen an­klopfte Später aber betrachteten Kaiser und Kö­nige cs als eine hohe Ehre, feinen Namen zu tra­gen, und Die Päpste wählten ihn zum Schutzpatron der ganzen Kirche

Selbst für das Evangelium hat der hl. Joseph nicht viel tun sönnen; der Heiland drückte ihm die Augen zu, bevor er seine Sendung begann. Neben einem hl. Iohannes und einem hl. Paulus, neben einem hl. Petrus und hl. Jakobus erscheint bie Rolle des hi Joseph mehr als bescheiden.

Wie konnte dieser stille Heilige einen so her­vorragenden Platz gewinnen im katholischen Fröm- migkeitsleben der Gegenwart? Wie kommt es, daß wir gerade zum hl. Joseph soviel Liebe und Vertrauen tragen?

Nun, der erste Grund liegt sicher in dem Rat­schlusse der göttlichen Vorsehung. Sie stellt bald den einen, bald den anderen Heiligen mehr heraus. Dem einen gibt sie seine Aufgabe im Geben; des anderen Wirksamkeit beginnt erst nach seinem Tode. Ganz, wie Gott es will Er ist es, der ruft und verwirft, erhöht und erniedrigt. Er benutzt bie Heiligen als Werkzeuge, um die Pläne seiner Vor­sehung nuszuführen. Der hl. Joseph ist von der großen hl Theresia gleichsam neu entdeckt worden. Sie ist die Heilige, von der die Gegenbewegung gegen die Reformation eigentlich ausgegangen ist, und sie fand in der Verehrung des hl. Joseph eins der Hauptinittel, um die stolze Welt wieder zur Demut und zum Gehorsam gegen die Kirche au» rückzuführen. Das ist uns gewiß gut verständlich.

Aber auch andere Gründe wirkten mit, um die Andacht zum hl. Joseph volkstümlich zu machen. Cs beburite gleichsam nur eines kleinen Anstoßes, um der Christenheit klar zu machen, daß sie dem hl. Joseph noch vieles schuldig geblieben sei.

Das erste, was uns für ihn einnimmt, ist der Umstand, daß er drin Erlöser in seinem Erden- leben so besonders nahe gestanden hat.Daß er das Kindlein treu bewacht, das hat ihn uns so lieb gemacht."

Das zweite ist leine Ritterlichkeit gegen die Got­tesmutter. Selbst der Weltmensch hat dafür Ge­fühl und Empfinden. Mögen wir auch einmal über Tugend und Reinheit spotten, im Grunde des Herzens fühlen wir doch alle, daß die wahre Männ­lichkeit nicht im Genuß und in der Sinnlichkeit, sondern in der Entsagung besteht

Zum dritten ist es nicht schwer zu erkennen, daß im hl. Joseph die bescheidene, treue Arbeit auf den Altar erhoben ist die Arbeit also, in der die mei­sten von uns sich den Himmel verdienen müssen Der hl. Joseph ist der augenfällige Beweis dafür, daß es dem Heben Gott Ernst ist mit dem Worte: Die Letzten werden die Ersten sein."

Nun kommt es aber gar sehr darauf an, daß wir den hl. Joseph auch in der rechten Weise ver­ehren.

Wir sinh aufrichtige Verehrer des hl. Joseph, wenn wir wahre Bescheidenheit und Demut haben wenn wir die Häuslichkeit und die Familie fchätzen, wenn wir Ehrfurcht haben vor dem Gesetz und vor der Obrigkeit, wenn mir Christus und die Kirche lieben. Wer die Arbeit und die Anstrengung flieht, wer gegen Gott murrt und die WschseifäUe des Lebens nicht mehr mutig trägt, wer Zucht und Sitte verachtet. ist sicher ein schlechter Verehrer des hl. Joseph

Den hl Joseph verehren heißt auch den schlich­ten Mann in der Kirche Gottes ehren. Eine Zeit­lang konnte inan das Wort hören, der Musketier habe den Weltkrieg entschieden. Daher bei vielen Völkern das Denkmal desunbekannten Soldaten". Es ist viel Wahres an diesem Worte. So kann man auch in gewissem Sinne sagen, daß der ein­fache Christ das Schicksal des Reiches Gottes in der Hand hat Was hilft es uns, daß mir Heilige als Priester, Bischöfe und Päpste haben, wenn das katholische Volk nicht fromm, verständig und opfer­

willig ist? Was nutzen uns unsere Kathedralen, wenn sie nicht gefüllt lind? Was helfen uns große Künstler, Schriftsteller, Prediger, wenn das Volk sie nicht verstehen will? Josephsverehrung bedeu­tet also Einsicht in die Bedeutung des schlichten Vol­kes, Ehrfurcht vor seiner Arbeit, vor feiner Seele, vor seinem Heim, vor seiner Familie, vor seinen Kindern, vor seinen berechtigten Bestrebungen.

Verehrung des hl. Joseph bedeutet endlich Ach­tung vor uns selbst, Bor Gott braucht sich nie­mand seines Standes und seiner Arbeit zu schä­men. Vor den Menschen aber auch nicht. Haben wir erst Achtung vor uns selbst, dann haben auch die anderen Achtung vor uns. Auf die Dauer setzt sich der innere Wert durch. Du hast nicht so viele Morgen Land wie dein Nachbar. Aber du hast das Herz deines Weibes, d>e Folgsamkeit deiner Kinder, Sauberkeit in der Wirtschaft. Du weißr vernünftig zu reden und richtig zu urteilen. Hast du aber selbst keine Achtung vor dir und deines­gleichen, machst du dich gemein gegen die Frauen und Mädchen deines Standes, duldest du Schmutz, und Unordnung in deinem Hause, versäumst du deine Arbeit und innere Bildung, dann nützt es dir auch nichts, daß das Bild des hl. Joseph *r= gcndwo bei dir im Hause auf dem Tisch steht oder an der Wand hängt, oder daß du ab und zu ein Vaterunser zum ihm betest. Du bist ein schlechter Schüler, und der hl. Joseph hat wenig Freude an dir.

Als nach dem Deutsch-Französischen Kriege die Volkszahl in Deutschland schnell stieg und überall

3» St. MDMOHt.

Heil'ger Joseph, voll Vertrauen

Wir zu dir, dem Schutzherrn, schauen, Dem das Höchste anvertraut: Jesus will dich Vater nennen, Als Gemahl und Herrn erkennen. Dich, des Heil'gen Geistes Braut.

Unter deinem Schutz zu leben, Heil'ger Joseph, sei mein Streben Hier in diesem P lgertal.

Mögst du mir das Glück erwerben, Unter deinem Schutz zu sterben, Einzugeh'n zum Himmelsmahl.

neue Kirchen notwendig wurden, da sind viele von ihnen dem hl. Joseph geweiht worden, besonders in den Vororten der großen Städte und in den Arbeitervierteln. Das nimmt nach dem Gesagten kein Wunder, und es will fast scheinen, als hielten diese Pfarreien besonders gut zusammen und zeig­ten ein besonderes kirchliches Leben. Etwas Pa­triarchalisches, Familienhaftes liegt über ihnen. Das haben sie von ihrem heiligen Pfarrpatron. Mögen sie sich darüber freuen und dieses Erbe pflegen! Eineheilige Familie" soll ja jede Pfarrei sein und die ganze Kirche. Je mehr sie von der Fa­milie an sich haben, je mehr sie innerlich und nicht bloß äußerlich miteinander verbunden sind. umso­mehr entsprechen sie dem Wunsche des Heilandes. Unter den übernatürlichen Mitteln zur Pflege des Familiengedankens möge deshalb auch Die Andacht um hl. Joseph genannt sein. Güte, väterliche Fürsorge, Gehorsam, Arbeit im verborgenen Ver­antwortungsgefühl, Liebe zum göttlichen Heiland als die Triebfeder des ganzen Pfarrlebens das ünd Dinge, die zu seinen Füßen zu lernen sind. Sind es nicht auch die Dinge, von denen der Pfarr­gedanke lebt? Deshalb fei keine Pfarrkirche, in der nicht am Iosephsmonat der Altar des heiligen Nährvaters besonders geschmückt wäre! Seme Pfarrei in bet nicht auch fleißig gebetet mürbe um den Geist der Gemeinschaft, um Friede zwischen den Pfarrgenossen um Wachstum in der Fröm­migkeit und in der brüderlichen Gesinnung' Wo de- hL Joseph Vater ist, ist es um das Haus wohl, bestellt;___

Varm^erzkgbeit.

Dem Leben nacherzählt von M. G. Meister.

Es war ein stiller Herbstabend, der einen klei­nen Kreis von Bekannten in dem gemütlichen

Wohnzimmer des Hauses vereint hatte. Schön» anregende Stunden waren verstoßen u. nun begann hereinbrechcnde Dämmerung ihre Schatten zu we. ben. Aoer in dem milden Zwielicht ließ es sich nur noch besser plaudern. Frau Elsbeth, die sonst so Geschäftige, saß heute still auf ihrem Platze und hielt zärtlich die Hand ihrer Mutter umspannt, die seit einigen Tagen ihr Gast war. Die alte Frau beteiligte sich wenig am Gespräch, nur ihrem lebhaften Mienenspiel in dem gütigen Gesicht war anzusehen, daß sie mit Interesse der Unterhaltung lauschte. Da zerriß plötzlich das schrille Klingeln an der Haustüre die Stimmung.

Noch ein Gast", rief übermütig der junge Sohn des Hauses und eilte hinaus, aber keinem verspäteten Besuch öffnete sich die Tür. Und kurz darauf trat Ludwig wieder ins Zimmer, etwas übellaunig, wie es schien.

Nun?", Mal wieder ein Bettler", war die är­gerliche Antwort. Man lachte, und ein junges Mädchen meinte neckend:Sie haben ihm doch ein ordentliches Stück Kuchen gegeben?"

Das hab ich auch, bei uns wird kein Armer ohne kleine Gabe weggeschickt", klang des Jüng­lings Stimme, der über sich selbst ärgerlich war, daß er sich vorhin seinen Unmut über die Störung hat anmerken lassen.

Mein Gott", schwirrten nun die Stimmen durch­einander,da werden Sie aber oft belästigt wer­den "

Nein, an der Türe gebe ich prinzipiell nichts", sagte eine wohlbeleibte Dame.

Es ist dock; alles Schwindel", fnurrte ihr Mann.

Wofür gibt es alle die wohltätigen Vereine?"

Erbettelt Geld wird doch zumeist in Schnaps umgesetzt."

Die Unterhaltung wurde sehr lebhaft, denn dies war ein Gebiet, auf dem jeder Anwesende zu Hause war und mit Beispielen aufwarten konnte. Nur die zur Familie gehörten, schwiegen. Des Hausherrn warmer Blick suchte feine Frau, die all diese weisen Lehren hatte über sich ergehen lassen.

Durch Almosen geben ist noch keiner arm ge­worden". war alles, was sie jetzt erwiderte.

Aber nun ergriff die Großmutter das Worr.

Laß, Elisabeth, ich will erzählen, warum ich dich gelehrt, keinen Armen von der Türe zu wei­sen."

Ich war noch jung", begann sie mit bebender Stimme,und mein erstes Kind lag noch in Der Wiege. Cs war an einem kalten, stürmischen Win­terabend. Ich war allein zu Hause und noch emsig beschäftigt. Da klopfte es draußen am Tore und, beherzt und energisch wie ich war, nahm ich eine Leuchte in die Hand und schaute nach, wer so spät noch Einlaß begehrte. Der Riegel klirrte in meiner Hand zurück-, wie spitze Nadeln stach mir die Kälte ins Gesicht und der eisige Luftzug drohte mein Lämpchen auszulöschen. Aber dann flammte es um so schneller auf, und in feinem gelben Schein erblickte ich eine gebeugte Bettlerge. statt. Sie schwankte und eine unsichere Hand suchte sich an der Türe festzuhalten. Das heisere Lallen verstand ich nicht, ich gav mir auch keine Mühe, denn Zorn und Entrüstung stieg in mir auf.

Ihr wagt, noch zu betteln?" rief ich,schlaft lieber Euren Raufch aus, Ihr könnt ja nicht mehr auf ben Beinen stehen." Und ich schlug die Türe zu. Dann schloß ich gewissenhaft ab; sah nach überall nach dem Rechten, räumte meine Arbeit zusammen, legte im Ofen noch etwas Kohle nad). auf, daß die angenehme Wärme des Zimmers über Nacht erhalten bliebe und ging dann im befriedig­ten Bewußtsein einer umsichtigen Hausfrau zur Ruhe.

Ach, es war bie letzte Nacht für lange Zeit, die ich in friedlichem Behagen verträumte! Am nächsten Morgen, als der Bäckerjunge schellte und ich ihm das zierliche Frühftückskörbchen entgegen­hielt, um die frisch duftenden Brötchen in Empfang zu nehmen, wußte er mir eine Neuigkeit zu berich­ten.Drüben an der Ecke hat man heute morgen eine Leiche gefunden. einen alten Mann, der er­froren war. Der Arzt, den man rief, meinte, in­folge langen Hungerns fei er so geschwächt gewe­sen. daß er dort auf der Treppe zuiammengebro: chen ist. Und die kalte Nacht gab ihm den Rest-

Ich vermochte nicht zu antworten. Ich wem nicht, wie ich zurück ins Zimmer kam Mir, war, als habe mir jemand einen Hammer vor die Stirn geschlagen, und es hämmerte fort: erfroren, ver­hungert. erfroren, verhungert. D, was hab ich « litten, wie hab ich mich versteckt in jenen Tage ' als das Vorkommnis in der Nachbarschaft besp chen wurde! Was waren das für qualvolle den, da ich mich mit meinem Gewissen ausein