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Nr. 9

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig B 45 R.-Pjennig (Zustellqebühr extra)

Redakiinn-fchluh Moniag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile tm Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Coloneizeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Ofj.-Geb. C,10 Goldmark. Porio extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Acliendruckerei in Fulda jen.

Druck und Verlag der Fuldaer Acliendruckerei. Verlagsort Fulda.

Sonntag, 5. März 4929

MM Zatzra.

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Wochenkalender.

Sonntag, 3. März. 3. Fastensonntag. Kunigunde, Kaiserin, s- 1040.

Montag, 4. März. Kasimir, Bek., t 1484. Lucius I., Papst, Mart., f 254.

Dienstag, 5. März. Vom Tage.

Mittwoch, 6. März. Perpetua u. Felicitas, Mart., t 203.

Donnerstag, 7. März. Thomas von Aquin, Kirchen­lehrer, t 1274.

Freilag, 8. März. Johannes von Gott, Bek., f 1550. Samstag, 9. März. Franziska Romana, Witwe f 1440.

NB.! Am Sonntag, 10. März, Beginn der öst erlichen Zeit.

Dritter Fastensonntag.

Epistel. Epheser 5, 19.

Evangelium. Lukas 11, 1428. Austreibung eines stummen Teufels.

In jener Zeit trieb Jesus einen Teufel aus, der stumm war Nachdem er den Teufel ausgetrieben hatte, redete der Stumme. Die Voltsscharen staunten darüber. Einige aber van ihnen sagten:Durch Beelzebub, den Anführer der Teufel, treibt er die Teufel aus." Andere wollten ihn auf die Probe stellen und verlangten von ihm ein Zeichen vom Himmel. Er aber kannte ihre Gedanken und sprach zu chnen:Jedes Reich, das in sich selbst uneins, zerfällt, und ein Haus stürzt über das andere. Wenn nun der Satan mit sich selbst uneins ist. wie soll da sein Reich bestehen? Ihr sagt ja. ich treibe die Teufel durch Beelzebub aus. Wenn ich durch Beelzebub die Teufel austreibe, durch wen treiben dann eure Söhne sie aus? Sie werden darum eure Richter sein Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Teu- sel austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch ge­kommen. Wenn ein Starker bewaffnet seine Burg be- "acht. so ist sein Besitz in Sicherheit. Wenn aber ein Stärkerer ihn überfüllt und überwindet, so nimmt er 'hin die ganze Waffenrüstung, auf die jener sich ver- kwß, und verteilt, was er bei ihm erbeutet hat Wer IW mit mer ist, der ist wider mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. Wenn der unreine Geist aus

Menschen ausgefahren ist, schweift er durch öde -ieppen und sucht sich eine Ruhestätte. Well er aber »me findet, sagt er:Ich will in mein Haus zurück- Wen, aus dem ich ausgezogen bin." Wenn er kommt, undet er es gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin «nd holt noch sieben andere Geister, die schlimmer sind als er. Sie ziehen ein und wohnen darin. Und die Wen Dinge eines solchen Menschen werden ärger als Wen". Während er noch redete, erhob eine Frau äs dem Volke ihre Stimme und sprach zu ihm:Selig dar dich getragen, und die Brust, die dich ge- Er aber sprach:Viel mehr noch selig, die - Wort Gottes hören und es befolgen!"

In Sklavenketten.

ine furchtbare Zeichnung müssen wir es nennen, die der Heiland in jßsgjSjbK* der heutigen Psrikope vom Schick- sal des Sünders entwirft.

Der Satan bemächtigt sich der 'm mm m - Wohnung seines Herzens, macht ° m Gefangenen, raubt ihm sein ganzes Ver-

inögen, legt ihn in Ketten. bemächtigt sich seiner Person und schaltete und waltet mit ihm ganz nach seinem Gutdünken. Ist es der Hand des allmäch­tigen Gottes unter größter Anstrengung des Sün­ders gelungen, den bösen Feind zu bezwingen, sich seiner Ketten zu entledigen und ihn hinaus- zuwcrfen, was tut dann Satan? Er läßt sich diese Demütigung nicht lange gefallen. Es war eben zu schön, eine unsterblicije Seele an Sklavenketten hsrumzuführen, um sie endlich in den ewigen Flam­men zu quälen, als daß er nicht alles verjuchen würde, wieder in den Besitz der Seele zu gelan­gen. Folglich wirbt er Bundesgenossen. Noch sieben andere Geister nimmt er, die noch schlimmer sind als er und sie kommen und wohnen in dem Hause. Und die letzten Dinge dieses Menschen wer­den ärger sein als die ersten.---

O furchtbares Geschick des Sünders, dem das Sündigen zur Gewohnheit und zur Natur gewor­den ist. Er macht sich zum gehorsamen Diener, zum Sklaven des obersten der bösen Geister.

Auch an anderer Stelle hat der Heiland dieser traurigen Wahrheit Ausdruck verliehen. Einmal im Gespräch mit den Juden sprach der Herr:

Wenn ihr in meinen Worten bleibt, dann seid ihr wahrhaft meine Jünger, und ihr werdet bte Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen." Da versteifen sich die Juden aus ihre Avkommenschaft von Abraham und erwider­ten mit beleidigtem Stolz:Wir sind Kinder Abra- hams und sind noch in keines Menschen Dienst ge­standen; warum sagst du also:Ihr werdet frei werden?" Jesus nahm aber seine Ansicht nicht zurück und sprach:Wahrlich, wahrlich, ich sage euch- jeder, der Sünde tut, ist ein Knecht der Sünde." (Joh. 8, 34.)

Wer aber ein Knecht der Sünde ist, der ist auch ein Knecht Satans und wird von ihni mit Ketten gebunden und ins ewige Verderben ge­zogen.

Schon der weise Salomon bestätigt dieses trau­rige Sklaventum des Gewohnheitssünders.

Den Frevler fangen seine Schulden.

Gebunden wird er mit den Stricken seiner Sünde." Ja, mit den Stricken. Wie nämlich ein Strick aus vielen schwachen, dünnen Fäden geflochten ist so ist es mit der Gewohnheit des Sünders. Jeder einzelne Rückfall, der an sich vielleicht unbedeutend sein mag, knüpft wieder eine neue Bindung. Zu­letzt wird ein Strick oder eine Kette daraus, von der sich der Unglückliche nicht mehr befreien kann oder will

Wie ist es denn mit dem Ankeuschen und Lüst­ling? Hat er einmal das süße Gift hinabgeschlürft, hat er einmal die Quelle der Lust an sich oder an­dern entdeckt, hat er einmal dem armen Körper jene traurige Befriedigung abgenötigt und kommt nicht alsbald zur Einsicht, so treibt er dieses Ge­schäft weiter von Tag zu Tag, von Monat zu Mv- nat, von Jahr zu Jahr, von der Jugend bis ins Alter, vom Leben bis in den Tod, von der Zeit bis in die Ewigkeit. Denn wie gelebt, so gestorben Und wie gestorben, so verdorben. In der Ewig­

keit muß vielmehr der Sünder die Rechnung für seine Lust bezahlen. In der Ewigkeit muß er für seine dem Satan geleisteten Dienste vom Fürsten der Höllebelohnt" werden. Das wird even der richtigeTeufelssohn" sein. Schillgen erzählt von einem Mann, der in der Jugend mit der ge­heimen bösen Lüge begonnen hat. Er schleppte die Kette seiner Sünde weiter ins Mannesalter. Der Ehestand brachte ihm nur Enttäuschung und Ver­zweiflung, bisihm endlich ein Buch Schillgsns in die Hände fiel, das ihm einen Schimmer von Hoff­nung brachte

Drum mein Freund, setze dich nicht leichtsinnig über die Ansätze der Leidenschaft und des Falles hinweg. Versperre ja dem Gedanken die Türe, du wolltest nur einmal die Sünde probieren O Narrenspiel des Teufels. Wo ist denn der Tor, der ein Gift erproben will auf seine Wirksamkeit? Und mit der Sünde willst du esprobieren?" Wie aber, wenn dich nach der ersten Sünde gleich zur Strafe für deinen Frevelmut der Tod überrascht und dich der ewigen Hölle überantwortet? Und wenn auch unser Herrgott deiner schont, wirst du nicht gerade aus bietet Schonung eine Ermutigung für deine Sünde erblicken? Es macht also nichts, um ft du in deiner Torheit sagen; es geht mir ganz gut Und der Appetit kommt mit dem Essen. Nicht bloß wirst du mit der Probe nicht genug haben, nein, du wirst von Sünde zu Sünde wie ein Be­trunkener stürzen, und dein Verderben wird un­heilbar fein. Laß mich noch ein Weilchen, wirst du denken Din ich erst alt geworden, so wird die Lust zu sündigen von selbst abnehmen; dann werde ich mich bessern und ein seliges Ende nehmen! Q verwegene Rechnung, die der Satan zerreißen wird. Wirst du endlich zum Greisenalter gelangt lein, dann wird Satan dir zurufen: zu spät, zu spät; du bist mein!

Und n>te ist es mit der Habsucht, mit dein La­ster des Geizes? Glaubst du wohl, die Liebe zum Geld wird abnehmen, wenn der Tod die Senf« ivetzt? Im Gegenteil: alle andern Laster mögen abnehmen, der Geiz wird auf alle Fälle noch grö­ßer und schlimmer. Wie das Feuer wächst durch Holz und Stroh, so wächst der Geiz mit dem Besitz von Geld und Gut. Hat diese Kette den Judas nicht täglich gleich einer Riesenschlange enger um- schnürt? Hat nicht der Teufel sich feiner bemächtigt? Hat er nicht die Unschuld selber um lumpige 30 Sil­berlinge verraten? Hat er nicht feine Seele selber feil gehabt? Hat er sich nicht kopfüber in die Hölle gestürzt? Darum werde kein Knecht der Sünde; darum lege dich nicht selbst in Sklavenketten. Nicht *n die Kette der Wollust, nicht in die Kette der Habsucht, nicht in die Kette des Jähzorns Und das unfehlbare Mittel? Widerstehe dem Anfangs Haft du aber ein oder ein oder das anderemal ge­fehlt. verschiebe nicht die Bekehrung. Jetzt ist dazu bieg ünstige Zeit. Gott und die Kirche und dein Gewissen rufen dich zur Beicht. Da wirst du di« tröstlichen Worte vernehmen:Deine Sünden sind dir vergeben, geh hin und sündige nicht mehr."

Der Burgpfarrer.