Ausgabe B
Nr. s
Sonntag, 2$. Februar 1929
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig 8 45 K.-pfennig (Zustellgebühr extra) Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Prelse: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Coloneizeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Ofs.-Geb. 0,10 Goldmark. Pono extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens Im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda fe.n.
-----Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei. Verlagsork Fulda. -----
Wochenkalender.
Sonnlag, 24. Febr. 2. Fastensonntag. Quartals» kollekte für das P ri est e r s e m i n s r. .
Montag, 25. Febr. Matthias, Apostel.
Dienstag, 26. Febr. Bâm Tage.
Mittwoch, 27. Febr. Bom Tage.
Donnerstag, 28. Febr. Vom Tage.
Freitag, 1. März. Bam Tage. Herz-Jesu- Freitag.
Samstag, 2. März. Bam Tage.
Zweiter Zastensonntag.
Epistel. 1. Thessalonicher 4, 1—7.
Loangelium. Matthäus 17, 1—9. Die Verklärung
Lhrisli.
In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Iohannes mit sich und führte sie fernab auf einen hohen Berg. Da war er vor ihnen verklärt. Sein Antlitz leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie Schnee. Und siehe, es erschienen hnen Moses und Elias und redeten mit ihm. Da nahm Petrus das Wort und sprach zu Jesus: „Herr, es ist gut, daß wir hier sind Wenn du willst, so wollen wir hier drei Hütten bauen, dir eine, Moses eine und Elias eine." Während er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und aus der Wolke erscholl eine Stimme: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe. Ihn tollt ihr hören!" Als dies die Jünger vernahmen, fielen sie auf ihr Angesicht nieder und fürchteten sich sehr. Jesus trat hinzu, rührte sie an und sprach: „Steht auf, fürchtet euch nicht!" Als sie ihre Augen erhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. Während sie vom Berge hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: - Erzählt niemand etwas von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist,"
Jesus allein.
^' roße Männer sind Moses und Ecias.
Moses; der Freund Gottes, der Mttler des alten Bundes, der mit dem Gott der Götter von An- - ^ -—^^> gesicht zu Angesicht redete wie ein Mensch mit einem Mitmenschen, dessen Fürbitte den Zorn Gottes entwaffnete.
Elias, der Feuerkopf, der Eiferer für die Ehre Gottes, der dem ganzen Heer der Baalspriester das Handwerk legte, der den wahren Eotteèienst wiederherstellte, der zum König Achab die Worte sprach: „Du hast gemordet und ungerechtes Gut on dich gebracht: an eben der Stelle, an welcher die Hunde Naboths Blut geleckt haben, werden sie auch dein Blut lecken.---
Heute erscheinen diese beiden Männer im Sonntagsevangelium, erscheinen auf dem Berge Tobor, erscheinen zur Linken und Rechten Jesu, erscheinen in Licht und Herrlichkeit.
Und doch — auf einmal sind sie verschwunden, spurlos verschwunden. Denn, als die Apostel die Augen erhoben,
„sahen sie niemand als 3 ejus allein."
Ist das nicht ganz in Ordnung? Müssen nicht die Diener verschwinden, wenn der Herr kommt? Die Sterne verschwinden, wenn die Sonne kommt? Jesus ist die Sonne, der Herr und König aller Heiligen. Neben ihm verschwinden nicht bloß Moses,und Elias, sondern selbst Petrus und Paulus, ja selbst die Engel und aller Heiligen und Engel Königin, Maria. —
Jesus allein. Das ist die Parole auch bei der hl. Messe. Verschwinden soll da der Priester. Zwar scheint er die Hauptsache zu fein beim hl. Meßopfer. Ihn siehst du auf dem Altare stehen, mit Albe, Kasel und den übrigen Paramenten angetan; ihn siehst du die Hostie und den Kelch erheben und das hl. Opfer bedienen. Deutlich hörst du auch seine Stimme, wenn er vom Altare uns zu-
Heuke in allen Kirchen
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Guter Leser, gib ein besonderes Opfer in der
Fastenzeit zur Förderung der prieskerberufe l ruft: „Dominus vobiscum; Surfum corda; Jte missa est."
Und dennoch, der Priester ist hier nicht die Hauptperson. Wie Moses und Elias soll er verschwinden, und Jesus einzig und allein soll zum Vorschein kommen. Er allein stehe vor den Augen deines Geistes, vor dem Auge des erleuchteten Glaubens.
„Was dem Auge sich entziehet, Dem Verstände selbst entfliehet: Das gibt uns der Glaube ein."
Es ist Lehre der Kirche, daß nicht der Priester, sondern Christus selbst das hl. Opfer darbringt, wie er auch das Opfer am Kreuze dargebracht hat. Darum behält es immer gleichen Wert, so verschieden auch die Persönlichkeit des Priesters sein mag, der am Altare steht. Mag der Priester ein Kaplan fein oder ein Pfarrherr, oder ein Kardinal oder Papst — für den Wert des hl. Meßopfers bleibt es sich gleich. Denn in all diesen Dienern der Kirche ist Christus.
Mag der Priester hochgebildet fein, Doktor der Theologie, Professor einer Hochschule, Licht der Kirche sein; oder mag der Priester mit dem gewöhnlichen Maß theologischer Kenntnisse ausgerüstet sein — es bleibt sich gleich. Denn Christus ist es, der eigentlich das Opfer darbringt. Mag der Priester heilig sein, mag er leuchten im Glanze der Tugend oder mag er moralisch nicht besonders hoch
stehen, mag er sogar fehlerhaft oder — was Gott verhüte — sündig und unwürdig oder mit Verbrechen beladen sein: für den Wert des Opfers bleibt es sich gleich. Denn im einen wie im andern Priester ist es Christus, der makellose, sündenreine, göttliche Hohepriester, der das Opfer darbringt. Hier gelten die Lehren des hl. Augustin, der im Kampf gegen die Häretiker den absoluten Wert der hl. Sakramente, der von der Person des Spenders unabhängig ist, verteidigt und siegreich durch- geseßt hat. Wäre nämltd) die Wirksamkeit der hl. Sakramente, also auch des hl. Altarssakramen- tes, des hl. Meßopfers, der hl. Kommunion, von der Person des Spenders abhängig, so würde der eine mehr, der andere wenig oder gar nichts empfangen, je nachdem der Priester heilig oder unvollkommen oder gar sündhaft wäre. Da wäre das Heil der Gläubigen den größten Gefahren und Schwankungen, ja sogar der Unmöglichkeit ausge- seßt. Christus will aber, daß alle Menschen sicher in den Besitz seiner Enadenaüter gelangen können. Darum hat er die Wirksamkeit her Sakramente von der Person des Spenders unabhängig gemacht Wenn Petrus tauft — das sind die Worte des genannten Kirchenlehrers Augustinus — so ist es Christus, welcher tauft; wenn Paulus tauft, so ist es Christus, welcher tauft; und wenn selbst Judas tauft, so ist es Christus, welcher tauft. Das gleiche dürfen wir auch sagen mit Bezug auf das hl. Meßopfer. Wenn Petrus Messe liest, so ist es Christus, welcher Messe liest; wenn Paulus Messe liest, so ist es Christus, welcher Messe lieft; und wenn selbst ein Judas Messe liest, so ist es Christus, welcher Messe liest. Sieh also am Altar niemand als Jesus allein. Der Priester ist nur Stellvertreter Jesu, nur das Kleid, in welchem aber Jesus steckt.
Christus allein! Er ist nicht bloß Priester, er ist aucf) das Opfer. Allerdings stehst du nur die geringe Gestalt der Hostie, das winzige Quantum des Weines im Kelch. Laß aber die Wandlungsworte darüber gesprochen sein, und Brot und Wein sind spurlos versunken und verschwunden, und vorhanden sind davon nur der Schein, das Aussehen, der Geruch, die Gestalten; unter den Gestalten aber Christus, der König der Herrlichkeit, der Mittler zwischen Gott und den Menschen. Der Leib Christi, der von ben Schergen mißhandelt und ans Kreuz genagelt wurde; das Blut Christi, das am Kreuz aus seinen Wunden, aus seinen Adern, aus seinem Herzen floß; das Blut Christi, von dein ein Tropfen die Sünden der ganzen Welt abwäscht. —
Christus allein. Darum das Wohlgefallen des himmlischen Vaters an diesem Opfer. Darum die Stimme, die ebenso gut über dem Altare als einst über dem Tabor erschallt: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe." Darum die Hochschätzung dieses Opfers vonseiten der erleuchteten Katholiken. Als der hl. Petrus Damiani, dessen Andenken wir am gestrigen Samstag begingen, und der als Legat des Papstes auch